Besonders in der Schule wird dies irgendwann vollkommen klar. Es bilden sich Gruppen in den eigenen Klassen von Schülerinnen und Schülern, die sich in ihrer Persönlichkeit ähneln. Dies sind meist die beliebteren Gruppen, da es gewisse Persönlichkeiten gibt, die besonders häufignicht nur miteinander harmonierenund sich daher ähneln, sondern auch am häufigsten in der Menschheit und dementsprechend prozentual in den Klassen einer Schule vertretensind. Ein Kind, welches dagegen im frühen Alter bereits Schicksalsschlägeund Traumataerleben musste, wird bei diesen Gruppen keinen Anschluss finden, weil es selbst eine vollkommen andere Persönlichkeit hat, die sich aufgrund dieser schlimmen Erlebnisse bilden musste. Vielleicht hatten genau diese Kinder einmal eine sehr lebhafte Art, zu denken und zu handeln, und sie wären vermutlich in diese beliebten Gruppen mit aufgenommen worden, wenn ihre Psychenicht von diesen schweren Schicksalsschlägen befallenworden wäre und sich daher innerhalb einer kurzen Zeit vollkommen geändert hätte. So sieht man es immer wieder, dass gewisse Schülerinnen und Schüler geärgertund gehänseltwerden, eben weil sie anderssind, weil sich ihre Persönlichkeit, der Charakter und damit auch das Verhalten anders entwickelthat. Auch Kinder, die beispielsweise in einer guten Freundesgruppe waren und guten Anschluss an ihr Umfeld hatten, können innerhalb einer kurzen Zeit verstoßen werden, wenn sich ihr Verhalten durch äußere Einflüsse, wie traumatische Erlebnisse, ändert, obwohl sie dafür eigentlich gar nichts können und auch nicht schuld daran sind, dass sie eben so reagieren, wie sie es nach solchen Schicksalsschlägen tun.
Aber wiekommt es eigentlich zu der eigenen, vollkommen „persönlichen“ Persönlichkeit? Wasmüssen Eltern tun, damit ihr eigenes Kind genauso wird, wie sie es haben wollen? Welche äußeren Reizesind dafür verantwortlich, dass jemand ständig aus der Reihe tanzt oder dass jemand schüchtern und zurückhaltend ist? Wie unterscheidensich die Verhaltensweisen von Menschen genau und welche ähnelnsich besonders beziehungsweise können gut zusammenarbeiten, ohne dass nach ein paar Minuten die Fetzen fliegen?
Persönlichkeitenkönnen kategorischunterteilt werden in bestimmte Gruppen, die in diesem Buch auch erläutert werden sollen, allerdings sind die Möglichkeiten der eigenen Persönlichkeit und dem damit zusammenhängenden Charakter beinahe endlos. Wie also soll sich da jemand zurechtfinden, ohne von dem schieren Einfluss vollkommen überwältigt zu werden?
Hier soll nun erklärt werden, wie sich Persönlichkeiten kategorisierenlassen, warumbestimmte Personen so handeln, wie sie es eben tun und durch waseine Persönlichkeit zum Guten oder zum Schlechten geprägt werden kann.

Abbildung 3: Der Begriff Persönlichkeit ist vieldeutig.
Differentielle Psychologie
Was ist das?
Die “ Differentielle Psychologie ”, die sich eng mit der Persönlichkeits-und Verhaltenspsychologieüberschneidet, ist ein Unterbereich der “ Allgemeinpsychologie ”. Wie die Übersetzung aus dem Griechischenbereits erklärt, handelt es sich bei Psychologie um die Lehre von der Seele (griech.-lat. psychologia, "die Lehre der Seele") und ist damit eine tief gehende, emotionale Wissenschaft, die sich mit den Abläufen im Kopf, den neuronalen Signalen beschäftigt, die uns auf gewisse Weisen handeln beziehungsweise denken lassen und die auch unsere Persönlichkeit von Grund auf prägen. So wird die Verhaltenspsychologie selten im Alltag, bei “ gesunden ” Menschen, angewandt. Wer an das Wort Psychologie allein denkt, denkt meist schließlich sofort an Menschen, die aus der Reihe tanzen und damit nicht der allgemeinen Norm entsprechen. Ganz so drastisch ist es dann aber doch nicht. Stattdessen ist die differentielle Psychologie eine Methodevon Psychologen, Psychiaternund Therapeuten, um Patienten besser zu verstehen, die eine schwierige Persönlichkeitaufgrund von Schicksalsschlägen,wie beispielsweise Kindheitstraumataoder Gewaltin einem gewissen Alter, entwickelt haben. Dies können daher also auch Menschen sein, die sich vor besagten Schicksalsschlägen einmal vollkommen “normal” verhalten haben. Es geht also darum, Menschen mit einer komplizierten und teils schwierigen Persönlichkeit zu helfen. Die Verhaltenspsychologiedagegen ist tatsächlich auch unter Menschen, die nicht studiert haben, beliebt und daher auch für den alltäglichen Gebrauch gemacht, da diese sich nur um das allgemeine Verhalten dreht anstatt um die wirklich schwierigeren Fälle. Die differentielle Psychologiedagegen kümmert sich um genau solche Fälle und ist daher wenigerfür den alltäglichen Gebrauchgeeignet. Doch auch, wenn dieser Themenbereich nicht oft im Alltag verwendet wird, kann dies für Persönlichkeitsbegeisterte durchaus interessant sein. Vieles erscheint mit einem Mal deutlich klarer und einiges wird erklärt, wenn sich jemand erst einmal mit der eigenen Persönlichkeit oder der Persönlichkeit eines anderen auseinandersetzt. Wie allerdings geschieht das?
Bei der Verhaltenspsychologie handelt es sich um eine sogenannte empirische Wissenschaft. Um besagten Ausdruck kurz zu erklären: die differentielle Psychologie sowie die Persönlichkeitspsychologie und auch die Allgemeinpsychologie basieren auf spezifischen Beobachtungen, in denen Daten gesammelt werden, aus denen kategorisierte Bilder erstellt werden, die dann auf einzelne Personen übertragen werden können. Kurz gesagt bedeutet das vor allem, dass es bei der differentiellen Psychologie kein wirkliches Handbuchgibt. Jeder Mensch denkt anders und basierend auf diesen Gedankengängen verhält sich auch dementsprechend jeder Mensch anders. Es treten gewisse Verhaltensmusterauf, über die man sich kategorisch informierenkann und die durchaus Aufschluss über die Gedanken und das Handeln besagter Person geben, letzten Endes aber ist die Persönlichkeitspsychologie ein niemals endender Lernprozess, da es immer einen Charakter oder eine Persönlichkeit einer neuen Person gibt, die so vielleicht nicht in das Lehrwerk hineinpasst. In unserer heutigen Zeit kommen immer neue Schicksalsschläge hinzu und jeder Mensch reagiert auf diese anders, sodass nur selten wirklich kategorisch gearbeitet werden kann. Eine empirische Wissenschaftbesteht also aus Erfahrung, Übungund Erkenntnis.
Es gibt auch allgemeingültige Kriterien einer Wissenschaft. Eine Wissenschaft …:
Findet allgemeine Gesetzmäßigkeiten.
Ist objektiv.
Stellt widerlegbare Behauptungen auf.
Nimmt gegenüber jeder Art von Behauptung eine skeptische Haltung ein.
Bleibt offen für neue Ideen und Behauptungen.
Ist kreativ.
Findet in der Öffentlichkeit statt.
Ist produktiv.
Schließlich entwickelt sich jede Persönlichkeit aufgrund von äußeren Reizenvollkommen anders. Kategorisch kann man gewisse Datensets erstellen, die einen Überbegrifffür gewisse Störungenund Krankheitenbilden, wie es beispielsweise bei einer narzisstischenPersönlichkeit der Fall ist, allerdings ist der Grund dieser Störung bei jedem Patienten und Probanden vollkommen unterschiedlich. Dies gilt es mit dem Empirismus herauszufinden.
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