1 ...7 8 9 11 12 13 ...29 »Gut!« Simon sah Edmund Linz direkt an. »Sie haben Glück, wir gehen das Risiko ein, unter Vorbehalt natürlich und die Kosten werden wir wohl auch zunächst übernehmen. Das ist so üblich in der Branche. Entweder ist die ganze Sache ein Flop oder Sie werden unser wichtigster Kunde sein, zumindest in diesem Jahr.« Er lächelte.
Edmund Linz lächelte zurück. »Danke für Ihr Vertrauen. Ich bin davon überzeugt, dass es sich für Sie lohnen wird. Was kann ich jetzt noch tun?«
»Sie überlassen uns das Gemälde für die nächsten, sagen wir mal, fünf Tage. Wir führen die Untersuchungen durch und melden uns dann wieder. Wir machen jetzt gleich einen Vorvertrag, in dem wir auch bestätigen, dass sich das Objekt in unserer Obhut befindet. Außerdem notieren wir, dass Ihnen vorerst keine Kosten entstehen. Im Gegenzug geben Sie uns das Recht, dass Sie das Bild in den nächsten vierundzwanzig Monaten keinem unserer Wettbewerber zur Auktion oder zum Verkauf anbieten. Wenn das Bild wirklich echt ist, garantieren wir Ihnen, es in dem genannten Zeitraum zu versteigern. Sollten Sie bis dahin selbst einen Käufer gefunden haben, können wir gegen den Verkauf Veto einlegen, wenn der Preis zum Beispiel zu niedrig ist oder wir selbst einen Käufer gefunden haben.« Simon überlegte. »Das sind die wesentlichen Punkte des Vorvertrags, denke ich, oder habe ich noch etwas vergessen?«
Er sah zu Heinz Kühler hinüber, der den Kopf schüttelte. Mit diesen Konditionen konnte Edmund Linz leben. Er tippelte mit den Fingern auf der Tischplatte.
»Ich hole ein Vertragsformular und fülle es schon einmal aus«, sagte Heinz Kühler. »In zehn Minuten bin ich wieder zurück.« Er stand auf und verließ den Raum.
Simon erhob sich ebenfalls und ging zu seinem Schreibtisch. Aus einer der unteren Schubladen holte er eine Fotokamera. Es war eine kleine handliche Digitalkamera. Er hielt sie hoch, um sie Edmund Linz zu zeigen.
»Die Auflösung ist zwar nicht besonders, aber ich möchte trotzdem einen kleinen Schnappschuss von dem Bild machen.«
Er stellte sich vor die Staffelei, ging etwas in die Knie und drückte auf den Auslöser. Er machte noch ein zweites Foto, dann ging er noch tiefer in die Knie und machte eine Nahaufnahme von der Signatur. Edmund Linz trat an ihn heran, um sich die Aufnahmen auf dem kleinen Monitor der Kamera anzusehen. Das erste Bild war das Beste. Beim Zweiten und bei der Nahaufnahme war das Blitzlicht von dem Ölgemälde reflektiert worden. Simon löschte die beiden schlechteren Aufnahmen sofort wieder.
»Das eine soll mir vorerst reichen«, sagte er und schaltete die Kamera aus. »Wir werden das Gemälde ohnehin noch mit Profigeräten ablichten. Ich wollte das hier nur für mich haben.«
Edmund Linz nickte schweigend.
*
Als Florence am nächsten Morgen zum Frühstück kam, war Simon bereits wieder zur Arbeit gefahren. Sie hatte ihn und Marc gestern Abend noch kurz gesehen, bevor sie mit Colette noch einmal in die Stadt gefahren war, um dort den Abend zu verbringen. Colette war an diesem Morgen schon früh aufgestanden. Sie hatte die Freundin schlafen lassen, ihren Mann und den Sohn versorgt und war jetzt mit Florence allein zu Hause. Sie hatte selbst noch nicht gefrühstückt, sich ihren Hunger aufgespart. Sie hatte beim Bäcker an der Ecke Brötchen geholt. Colette fand es herrlich, eine Zeit lang nur französisch sprechen zu können.
»Marc ist auch schon zur Schule?«, fragte Florence.
Colette nickte. »Er geht schon lange allein, trifft sich mit Freunden auf dem Weg dorthin. Morgen hat er übrigens keine Schule, Lehrerkonferenz oder so etwas Ähnliches und in einer Woche sind schon die Osterferien. Es fallen ja eigentlich genug Schulstunden aus, darum verstehe ich nicht, warum die so eine Konferenz nicht in die Ferien legen.«
Florence zuckte mit den Schultern. »Weil eben Ferien sind«, kommentierte sie.
Sie schnitt ein Brötchen auf und pulte den weichen Kern aus beiden Hälften. Sie liebte es, diesen Teil des Brötchens nur mit Butter zu beschmieren und so in den Mund zu stecken. Croissants gab es heute Morgen nicht. Colette kaufte sie grundsätzlich nicht, weil sie ihr hier in Deutschland nicht richtig schmeckten. Dafür hatte sie aber sieben Sorten Käse, die Florence an diesem Morgen fast alle probierte.
»Wann wolltest du mit mir in deinen Wellnesstempel?«, fragte sie.
»Heute Nachmittag«, antwortete Colette und nahm noch einen Schluck Kaffee. »Ich habe extra einen Termin vereinbart, wegen der Massagen.«
»Massagen?«, wiederholte Florence.
»Ja, ich sagte doch es ist ein Wellnesstempel, mit allem Drum und Dran, lass dich überraschen.«
»Gut, dann lasse ich mich eben überraschen. Und was machen wir heute Vormittag noch?«
»Zu was hast du denn Lust?«, fragte Colette. Sie wollte gerade noch einmal in ihr Brötchen beißen, hielt aber in der Bewegung inne und sah ihre Freundin an.
»Du darfst jetzt aber nicht lachen«, antwortete Florence. Sie hielt sich verschwörerisch den Finger an die Lippen. »Ich will meinem Bruder eine Lederhose kaufen. Eine von diesen kurzen Trachtenhosen.«
»Was soll er denn damit?« Colette biss endlich ab und kaute genüsslich.
»Ganz einfach«, erklärte Florence. »Er segelt doch. Er hat ein kleines Boot. Bei den Wendemanövern muss er auf der Bordwand herumrutschen. Es kommt häufig vor, dass er mit der Shorts oder Hose irgendwo hängen bleibt. Er braucht also etwas Robusteres und da habe ich eben an so eine bayerische Lederhose gedacht. Ich habe sogar heimlich eine seiner Shorts mitgenommen, wegen der Größe.«
»Und du glaubst, er zieht so etwas an?«, fragte Colette ungläubig.
»Wenn ich sie ihm schenke. Vielleicht nehme ich sogar zwei, falls sie ihm gefallen, denn so oft bin ich ja auch nicht hier.«
»Eine Krachlederne in der Südsee.« Colette musste lachen. »Gut, dann gehen wir heute Morgen eben shoppen, das wäre ohnehin auch mein Vorschlag gewesen, es sei denn, du hättest noch etwas Ruhe gebraucht.«
Sie frühstückten bis kurz nach neun und machten sich dann auf den Weg. Als Colette die Garage öffnete, stellte sie überrascht fest, dass Simon nicht wieder seinen Wagen zur Arbeit genommen hatte.
»Oh, das ist blöd«, stöhnte sie. »Ich hatte eigentlich keine Lust, mit dem Riesending durch die Stadt zu fahren. Komm, lass uns eben noch schnell bei Simon im Büro vorbeischauen und den Wagen tauschen. Ich möchte mein Cabriolet zurück, auch wenn wir heute nicht offen fahren können.«
Florence nickte. Sie musste an das Gespräch vom Vortag denken. »Ich fürchte«, sagte sie lachend, »dass ich mit Simons Kombi wenig Eindruck auf die ledigen Herren machen werde, mit denen du mich am liebsten verkuppeln möchtest. Die denken eher, ich bin eine Mutter auf Einkaufstour.«
Colette schüttelte den Kopf, musste aber auch lachen. Sie stiegen in den Wagen und fuhren langsam rückwärts aus der Garage heraus, die Einfahrt hinunter auf die Straße. Das Garagentor schloss sich automatisch, nachdem Colette die Fernbedienung betätigt hatte. In wenigen Minuten hatten sie die Wohnsiedlung verlassen und befanden sich auf dem Weg zum Kunst- und Auktionshauses Blammer.
*
Georg Staffa saß an seinem Schreibtisch und sah sich die Übersicht an. Alle Anwälte der Kanzlei und auch die Partner hatten sich noch vor fünf Minuten getroffen und jeder gab ein kurzes Briefing ab, über die Fälle, die er gerade bearbeitete. Georg sah auf die Uhr. Pünktlich um zehn klingelte sein Telefon. Er nahm ab.
»Sie müssen los, Herr Staffa. Der Termin vor Gericht beginnt in einer halben Stunde.«
»Danke. Ich komme sofort. Haben Sie alle Unterlagen zusammen?«
»Selbstverständlich, die Klageschrift und die Gerichtskorrespondenz. Der Mandant trifft Sie vor dem Gerichtsgebäude.«
»Danke!« Er legte wieder auf.
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