Thomas Pfanner - Johann Gabb

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Erzählt werden die Jahre 1944 bis 1954 im Leben des Bauern Johann Gabb. 1944 zur SS zwangsweise eingezogen überlebt er mit Glück und Cleverness. Nach dem Krieg wird er enteignet und vertrieben und findet sich in der DDR wieder, somit im nächsten Schlamassel. Hier arbeitet er gegen das Regime, um sich eine Zukunft aufzubauen. Doch am Ende wartet ein Haftbefehl auf ihn.

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In dieser Situation konnte er eigentlich ein gewisses Maß an Sicherheit genießen, doch der Schrecken blieb und lähmte ihn nun vollständig. Über die Ohren bekam der Schrecken immer neue Nahrung. Johann nahm ein Orchester aus verschiedenen Geräuschen als Konzert der Hölle wahr. Die Motoren der Flugzeuge, die Kanonen, schließlich auch Raketeneinschläge. Dazu das Schreien der Panischen und das Schreien der Sterbenden.

Hässliche Geräusche kristallisierten sich aus dem Durcheinander, wenn Geschosse auf Körper trafen und diese in Stücke rissen. Johann hätte nie für möglich gehalten, was für einen tief ins Innere gehenden Horror das Geräusch eines zerfetzt werdenden Menschen auslöst. Dabei spielte es keine Rolle, ob er den Menschen kannte, ob er ihn mochte oder hasste. Es ging überhaupt nicht um das Opfer. Er, Johann, durchlebte das zerfetzt werden als eigenes zerfetzt werden, sein Bauch schmerzte, sein Herz stach, seine Beine zuckten. Die Zeitachse verschob sich, alles schien in Zeitlupe abzulaufen und ihn noch stärker zu quälen, weil es einfach nicht aufhörte. Er begann zu beten, murmelte den Rosenkranz in den Dreck, der vor seinem Mund immer flüssiger zu werden schien. Auf diese Weise gewann er seine zeitliche Orientierung zurück.

Drei Rosenkränze später veränderte sich die Kakofonie. Die Flugzeuge verschwanden, die Schreie blieben. Johann benötigte einen weiteren Rosenkranz, bis er die Kraft und die Körperkontrolle zum Aufstehen zusammenraffen konnte.

Die Wiese hatte sich verändert. Von Geschossen und Raketen umgepflügt glänzte sie nicht mehr in satten grün. Nunmehr sah sie braun aus, braun mit wirr verstreuten roten Flecken und Einsprengseln. Dazwischen Gliedmaßen, Toten, Verletzte. Die Welt sah anders aus, in wenigen Minuten komplett verändert. Wieder einmal.

Johann stapfte halb betäubt und halb verwirrt über das Schlachtfeld. Er kam an drei Männern vorbei, die nach ihrer Mutter riefen. Andere schrien einfach lauthals vor sich hin. Ein einziger Blick genügte, um zu erkennen, dass sie allen Grund zum Schreien hatten.

Johann glaubte sich als einziger Überlebender der Situation nicht gewachsen. Er verfügte über keinerlei Ausbildung in Erster Hilfe, stand der Versorgung eines zerfetzten Beines oder eines herausquellenden Gedärms hilflos gegenüber. Sicher, er konnte Tiere schlachten, aber so eine Sauerei richten, mit nur zwei Händen und ohne Kenntnisse? Halb und halb entschloss er sich, bei den Sterbenden zu bleiben, bis sie es endlich geschafft haben würden.

Zu seiner unendlichen Überraschung standen plötzlich einige Leute auf, blickten ihn genau so verwirrt an wie er sie. Johanns Blick klärte sich etwas, er unternahm einen prüfenden Rundblick und konnte nun erkennen, dass gar nicht wenige Soldaten den Angriff überlebt hatten. Sogar der Hauptmann stand da, klopfte sich die Uniform ab und ging dann zu der kleinen Anhöhe. Außer dem Geschrei der Verwundeten herrschte völlige Stille, keiner der davon gekommenen sagte ein Wort. Niemand half den Verwundeten, die Gesunden standen daneben und schauten den am Boden liegenden verständnislos und wie betäubt beim Sterben zu. Blut rann in winzigen Bächen vorbei und sammelte sich in den kleinen, von Granaten erschaffenen Trichtern.

Der Hauptmann stand neben Johann, er hatte ihn nicht kommen sehen.

»Wir müssen weg«, sagte er mit tonloser Stimme, der jegliche Autorität abhandengekommen war. »Da hinten rücken Panzer an. Dieser Luftangriff war nur die Vorbereitung. Wenn wir nicht abhauen, sind wir in einer Stunde alle tot.«

Johann nickte reflexartig. Natürlich mochten es Gerüchte sein, aber er hörte stets die gleichen Gerüchte. Wenn eine komplette Front zusammenbrach, gab es sehr viele deutsche Soldaten, die sich ergaben. Mehr, als die Russen aufzunehmen bereit waren. Wer die Gefangennahme dennoch überlebte, kam nach Sibirien und von dort nicht mehr zurück. Johann erinnerte sich lebhaft an die Schilderungen seines Vaters, der im Ersten Weltkrieg in Gefangenschaft geriet und auch sein Jahr in Sibirien durchleiden musste.

Und damals waren die Länder sich nicht wirklich feindlich gesonnen gewesen, jedenfalls auf der Ebene der einfachen Soldaten. Man wurde in den Krieg geschickt und schoss aufeinander, hegte aber keinen echten Groll auf die Leute der anderen Seite. Heute verhielt es sich anders. In diesem verfluchten Krieg steckten sie in einem Kampf der Kulturen, der Ideologien. Die Faschisten wollten alle Kommunisten umbringen und die Kommunisten wollten es den Faschisten mit gleicher Münze heimzahlen. In diesem Konflikt konnte man nicht mit Gnade rechnen. Johann hatte vor einigen Wochen einen Mathematik-Lehrer getroffen. Der rechnete ihm vor, dass die meisten Opfer erst nach dem Ende der Schlacht getötet wurden. Gefangene, Zivilisten, Kinder. Frauen wurden zu Tode vergewaltigt. Johann konnte sich in diesem Moment nicht vorstellen, wie es nach dem Kampf schlimmer kommen könnte, als das gerade erlebte.

»Wie sollen wir denn von hier weg kommen?« Johann erkannte erstaunt und erleichtert den Wissinger an seiner Seite. Der Hauptmann zeigte nach vorne.

»Das gibt es doch nicht!« Johann konnte es nicht fassen. Überall Tote, Verwundete, zerschossene Fahrzeuge. Und mitten in diesem Chaos: Sein Opel Blitz, völlig unversehrt. Was für ein Wunder.

»Also schön.« Der Hauptmann straffte sich, sprach sich offenbar selbst Mut zu.

»Alles, was laufen kann, sofort auf den Wagen. Waffen und Munition aufnehmen, kurz nach Treibstoffkanistern suchen, und dann ab.«

Johann fand sich in einer immer unwirklicheren Welt gefangen. Inmitten des Durcheinanders stand ein unversehrter Lkw. Wäre er neben dem Laster stehen geblieben, es wäre ihm nichts passiert. Zudem stand er hier mit einer Handvoll Leute, ganz ruhig und gefasst, nahm Befehle entgegen, während um ihn herum die Unglücklichen verbluteten. Und niemand beachtete sie, niemand unternahm einen Versuch, auch nur einem von ihnen zu helfen. Niemand schaute zurück, als es daran ging, den Lkw zu besteigen. Einige Männer nahmen Patronengurte, Wasserflaschen und auch einen Benzinkanister an sich, Sachen, die direkt neben den Verwundeten lagen. Niemand schaute sie an, jeder ignorierte die flehendlich ausgestreckten Arme. Niemand schaute zurück, als der Opel langsam und unter seiner Last ächzend das Schlachtfeld verließ.

Buisdorf

Das ist starker Tobak. Mein Opa erzählt die Geschichte mit einem Grausen in der Stimme, offenbar erlebt er das Ganze noch mal hautnah mit. Ich frage mich, warum man die Verwundeten zurückließ. Mein Opa braucht eine ganze Weile, bis er es erklären kann.

»Damals war das anders als heute. Es gab keine Hubschrauber, keine Blaulicht-Rettungswagen und keine Antibiotika. Wenn dich eine Granate getroffen hat, dann war es das einfach. Bauchverletzungen endeten immer mit dem Tod. Mit viel Glück konnte dir ein Bein oder ein Arm amputiert werden, aber nur, wenn kein Dreck in die Wunde kam und man sowohl einen Arzt als auch genügend Zeit hatte. Im letzten Kriegsjahr gab es nichts davon. Wir hatten noch nicht einmal einen Sanitäter. Wir hätten nichts tun können. Der Russe war an uns dran, dort zu bleiben wäre unser aller sicherer Tod gewesen.«

Er spuckt sich vor die Füße. Ein angewiderter Gesichtsausdruck verzerrt seinen Mund.

»Es sieht doch so aus: Immer und zu allen Zeiten wollen die Leute gerne Krieg spielen, weil es ihnen einfacher und sauberer vorkommt, als mit Handel oder Gesprächen etwas zu erreichen. Diesen Leuten fehlt es schlicht an Vorstellungsvermögen und an Verstand. Den Ausgang eines Krieges kann man nicht voraussagen, das hängt von so vielen Faktoren ab. Das menschliche Gehirn ist einfach zu klein für so etwas.

Wenn dann Millionen Soldaten aufeinander einschlagen, geht der Überblick verloren, vor allem aber jede Menschlichkeit und jeder Anstand. Wenn du täglich um dein Leben fürchten musst, sind dir die Sorgen und das Leben aller anderen Menschen bald schrecklich egal. Wenn es erforderlich ist, wirst du zum Mörder, zum Verräter, zum Schweinehund. Die edlen Gutmenschen sterben zuerst. So geht das immer. In tausenden von Kriegen überlebten immer die Schweinehunde und starben immer die netten Kerle. Nun sind kaum noch nette Kerle übrig. Also, was soll sich ändern?«

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