Thomas Pfanner - Johann Gabb

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Erzählt werden die Jahre 1944 bis 1954 im Leben des Bauern Johann Gabb. 1944 zur SS zwangsweise eingezogen überlebt er mit Glück und Cleverness. Nach dem Krieg wird er enteignet und vertrieben und findet sich in der DDR wieder, somit im nächsten Schlamassel. Hier arbeitet er gegen das Regime, um sich eine Zukunft aufzubauen. Doch am Ende wartet ein Haftbefehl auf ihn.

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Ich nicke verständnislos. Jetzt redet er wieder wirr. Normalerweise führt Nahrung zu einer besseren Versorgung des Gehirns und damit zu mehr Klarheit. Heute offenbar nicht.

»Für einen schnellen Heldentod gibt es die verschiedensten Wege. Du kannst dich zu den Panzern melden, oder dich einem MG-Trupp anschließen. Einheiten eben, die als Feuerwehr in den dicksten Schlamassel geschickt werden. Oder du bist die arme Sau, die ganz vorne an der Front in einem Erdloch sitzt, die russischen Panzer auf sich zukommen sieht und nicht mehr fliehen kann. Oder du gerätst an einen ehrgeizigen Offizier, der für sein Ritterkreuz alles opfert, nur nicht sein eigenes Leben. Oder der Offizier ist völlig unfähig und schickt seine Leute aus reiner Dummheit in den Tod. Oder beides.«

Ich habe mich geirrt. Er redet etwas um den heißen Brei herum, aber doch strukturiert und sinnvoll. Nur, worauf will er hinaus? Er tippt sich wissend an die Stirn.

»Egal wie du es anstellst, du hast keinen Einfluss darauf, wo du hinkommst, wer dich rumkommandiert und welche Chancen du für dein Überleben eingeräumt bekommst. Du bist in einer Armee nicht dein eigener Herr und niemand sonst legt besonderen Wert darauf, dich zu beschützen. Weil jeder alle Hände voll zu tun hat, sich selbst zu beschützen. Aber es gibt hin und wieder eine Ausnahme, wenn das Schicksal es gut mit dir meint.«

Jetzt grinst er verschmitzt, so wie stets, wenn er eine besonders gute Idee hat.

»Ich habe mich als Koch gemeldet. Der Koch ist der wichtigste Mann in der ganzen Kompanie. Der Koch kommt nie an die Front, er bekommt ein sorgfältig getarntes Eckchen hinter der Front. Und wenn es ernst wird, dann ist er als Erster weg. Ohne Mampf kein Kampf, das gilt sogar für den Offizier.«

Aha, jetzt kommt er langsam mit der Wahrheit raus. Was einer im Krieg wirklich konkret gemacht hat, ist meistens ein ganz großes Geheimnis. Ob Sieger oder Besiegter, Heldenhaftes hat kaum jemand zu berichten, über alles andere schweigt man besser. Die alten Leute reden nie über früher, nicht nur meine Großeltern, ich kenne niemanden, der über seine Erlebnisse im Krieg spricht.

Natürlich, über den Krieg als abstraktes Ereignis sprachen sie schon, über die Fehler, die gemacht wurden, die Dinge, die anders hätten laufen sollen. Aber immer auf eine Weise, als waren sie selbst nicht beteiligt, weder als Zuschauer noch als handelnde Person. Manchmal kam es mir so vor, als seien alle Deutschen im Rahmen eines touristischen Events in schlechte Gesellschaft geraten und hätten tatenlos zusehen müssen, wie alles zum Teufel ging.

Von meinen Großeltern, auch von meinen Eltern, kannte ich nur die nackte Tatsache, dass man enteignet und ausgewiesen wurde. Mehr nicht, keine Details. Von meinem Großvater kannte ich nur den schlichten Sachverhalt, dass er Soldat gewesen war. Immer wieder sprach er von seinem Opel Blitz, als sei der ein wertvoller Oldtimer gewesen, an dem sein Leben gehangen habe. Womöglich hat es sich auch genau so verhalten.

Gott segne die Demenz, denke ich und schäme mich gleich dafür. Meinen Opa aushorchen, indem ich seine Krankheit schamlos ausnutze, kommt mir nicht richtig vor. Die Neugier siegt jedoch schnell und leicht. Die Geschichtsbücher sind voll von kühlen Fakten über alle möglichen Kriege, beim Zweiten Weltkrieg übertreffen sie sich in der emotionslosen Präzision in Form der Aneinanderreihung von Schlachten und Entscheidungen. Selbst der fünfmal pro Seite vorkommende Hinweis, Deutschland habe sich schwerster Verbrechen schuldig gemacht, verkommt in dieser Betrachtungsweise zu einem bloßen Aufsagen. Nichts von dem wird für mich fühlbar, nachempfinden kann ich es nicht wirklich.

Doch mit fortschreitender Krankheit meines Großvaters steigt die Chance, mein dürftiges Gerippe aus Wissen und Ahnung mit Einzelheiten zu füllen, möglicherweise sogar mit Emotionen. Mein Großvater scheint sich zu freuen, etwas erzählen zu können. Warum sollte ich ihn enttäuschen?

»Wie hast du denn das angestellt?«, frage ich vorsichtig. Ich will ihn ja nicht mit Kritik verprellen.

»Du warst doch Bauer. Deine Frau hat gekocht. Wie konntest du damit durchkommen?«

»Halb so wild. An der Front gibt es keine Gourmets. Der Magen muss voll sein, um mehr geht es nicht. An der Front ist ständige Angst und Hektik dein Begleiter. Das Essen muss schnell hergestellt werden, dann wird es ausgeliefert. Man verlässt die Frontlinie nicht dreimal am Tag für eine Mahlzeit, es wird einem gebracht. In den Blechkübeln wird es schnell kalt, die Zutaten sind ohnehin wahllos zusammengeklaut. Alles Essbare wird zusammengerührt und gekocht. Wem der Fraß dann noch schmeckt, der ist selbst dran schuld.«

Er lacht laut. »Das Ding heißt nicht umsonst Gulasch-Kanone. Nach Rezept kocht da keiner. Im Grunde bestand meine Arbeit nicht so sehr im Kochen, sondern im Aussuchen der Zutaten. Wenn man Sachen zusammenschüttet, die auch im richtigen Leben zusammenpassen, dann kann nichts schief gehen. Deine Großmutter hat mir in den drei Tagen alles erklärt, die ich bis zum Abmarsch noch hatte. Die drei Tage haben mich ein Jahr lang überleben lassen. Als Koch bist du wichtig, da sind alle nachsichtig mit dir. Ist es sogar einigermaßen genießbar, bist du ein Gott. Dann wirst du sogar von höheren Chargen angefordert.«

Von den höheren Chargen? Ich gebe ihm etwas zu trinken, seine Stimme wird rau. Jetzt nicht aufhören, es wird gerade spannend. Doch mein Großvater erlebt gerade einen überaus lebendigen Moment. Es befindet sich geistig vollständig in der vergangenen Zeit. Und er will es erzählen. Ich setze mich bequemer hin und höre ein paar unglaubliche Dinge.

*

Irgendwo in Österreich, kurz vor dem Zusammenbruch

Johann ließ den Blick immer wieder wandern zwischen den Szenen auf der Tanzfläche und den Speisen, die er gekocht und arrangiert hatte und die er seit einiger Zeit bewachen durfte.

Er fühlte sich wie in einem schlechten Film, nicht nur wegen der Umstände, sondern vor allem aufgrund seines tief empfundenen Verlangens, nicht hier sein zu wollen. Alles an diesem Ort lief falsch, wirklich alles.

Er war nun einige Zeit ein Soldat der Waffen-SS, für sich allein betrachtet schon ein Witz. Diese hochgelobte und vom Feind mehr alles andere gefürchtete Truppe bestand in diesen letzten Kriegstagen aus ein paar durchgedrehten Offizieren, und Mannschaften, die sich nahezu ausschließlich aus schlecht ausgebildeten Auslands-Deutschen zusammensetzten. Die hochgewachsenen, blonden Germanen, mit denen die SS angefangen hatte, waren allesamt gefallen. Nun gab es nur noch Beute-Deutsche, wie man sie auch nannte. Er stammte aus Ungarn, die Kellner aus Jugoslawien, seine beiden Helfer hinter der Theke waren Siebenbürger Sachsen. Ihnen gemein war die Unfähigkeit, mit dem Karabiner auf hundert Meter eine Scheune zu treffen sowie eine allgemeine, aber völlige Desorientierung, zu der dieser Abend wesentlich beitrug.

Johann hatte den Nachmittag damit verbracht, das letzte Kalb und das vorletzte Schwein zu finden, zu fangen und zu schlachten. Als er zurückkehrte in dieses von Gott verlassene Kaff im österreichischen Hinterland, lagen überall Leichen herum. Die Offiziere nutzten die letzten Tage, um reinen Tisch zu machen. Juden, ausländische Zwangsarbeiter, ein paar widerborstige Einheimische, alle wurden erschossen, als gelte es, die Munition restlos aufzubrauchen.

Die Leichen lagen immer noch draußen, in den Gräben, neben den Bahngleisen, auf denen nichts mehr fuhr, in Hinterhöfen. Hier im dazu erklärten Festsaal wurde gefeiert, während draußen die Toten zu stinken begannen.

Es übertraf jede Vorstellung. Auf dieses Jahr als Soldat hätte Johann wirklich gerne verzichtet. In rasendem Tempo durfte er die Welt und die Menschen kennenlernen, nichts davon gefiel ihm. Zu dieser Sorte von Deutschen wollte er nicht gehören, nur blieb keine Wahl. Er hielt sich so gut es ging aus allen Widrigkeiten heraus und versuchte, nicht aufzufallen. So nah am Zusammenbruch starb so mancher wegen Fahnenflucht oder Feigheit vor dem Feind, man musste nur zur falschen Zeit am falschen Ort sein.

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