A.E. Eiserlo - Fanrea Band 2

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Endlich – die Fortsetzung der Fanrea-Reihe!
Emma und Ben treffen ihre Freunde aus Fanrea auf Magors Schloss. Dort geniessen sie zunächst ihren Urlaub, doch dann geraten sie in einen Kampf auf Leben und Tod, der sie in einen Strudel reißt aus Hoffnungslosigkeit und Verzweiflung, aber auch Mut, Kraft und Selbstvertrauen.
Spannung und Humor, spirituelle Weisheiten, Drachen, Magie, Liebe und Freundschaft, ein Mix, der junge Leser und junggebliebene Erwachsene fesseln wird!

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„Vielleicht hast du den Falschen erwischt.“

„Wahrscheinlich. Aber der andere ist seit seiner Geburt nicht auffindbar.“

Lauschend hob Tabor den Kopf. „Da nähert sich jemand.“

Erneut fuhr Geronimos Hand zum Dolch. Fußtritte hallten durch die Höhle.

„Vater! Ich bin wieder da!“

„Unüberhörbar“, murmelte Geronimo und verdrehte die Augen.

Ein dunkelhaariger Junge, nur mit einer Hose bekleidet, kam um die Ecke. Seine windzerzausten Haare standen kreuz und quer und er grinste lässig. Wie eine Trophäe hob er eine Tasche hoch.

Geronimo setzte eine freundliche Miene auf. „Richard, mein Sohn! Wo warst du die ganze Nacht? Ich habe mir Sorgen um dich gemacht.“

„Quatsch, erzähl mir nichts, Geronimo. Du hast wieder nur rumgebrütet, wie du an das Gold des Alchemisten kommst oder selber herumexperimentiert. An mich hast du bestimmt keinen einzigen Gedanken verschwendet.“

Gelangweilt zuckte Geronimo mit den Schultern. Was wusste sein Sohn schon von der Welt und von harter Arbeit? Er deutete auf die Tasche. „Was ist da drin?“

„Honig. Ich war bei den wilden Bienen und habe ihnen ihre Honigwaben geraubt.“

„Du kannst es einfach nicht lassen, hijo. Irgendwann werden sie dich zu Tode stechen.“

Kopfschüttelnd packte Richard die Honigwaben aus. „Mich kriegen die Bienen nicht.“ Schwungvoll legte er die in Leinen gewickelten Waben auf den Tisch und leckte sich die Lippen. Mit glitzernden Augen schlug er das Tuch auseinander und griff nach einer der Waben. „Mhh, schön süß und klebrig.“

Der Honig hatte eine maisgelbe Farbe, genüsslich saugte und leckte Richard ihn aus der Wabe. Dicke Tropfen rannen an Richards Kinn hinunter und entzückt verdrehte er die Augen. „Köstlich!“

Das Gesicht verziehend, musterte Geronimo seinen Sohn. „Das ist ein echtes Laster von dir geworden.“

„Laster? Das sagt der Richtige. Schau doch mal dich und deine Ringsammlung an.“ Spöttisch betrachtete Richard die Ringe an den Fingern seines Vaters und konnte sich einen weiteren Kommentar nicht verkneifen: „Du trägst ja schon wieder neue Ringe. Inzwischen sind es acht! Findest du das nicht langsam albern?“

Geronimo spreizte die Finger beider Hände und begutachtete seine beiden Neuzugänge. Die Ringe funkelten im Kerzenlicht und fingen mit ihren Edelsteinen das Licht ein. „No, hijo, es ist nicht albern. Es ist grandioso! Schau, meine neuen Kreolen.“ Er deutete auf seine Ohrringe.

Verächtlich schnaubte Richard: „Gockel!“

„Wie redest du mit deinem Vater?“ Bedrohlich baute Geronimo sich vor Richard auf und musterte ihn. Sein drahtiger Oberkörper war von einer langen Narbe überzogen. Der trotzige Blick seiner Augen forderte Geronimo heraus.

Unerwartet und so blitzschnell, dass Richard nicht reagieren konnte, verpasste Geronimo seinem Sohn eine Ohrfeige. Heiß brannte sie auf dessen Wange und er schlug, kochend vor Wut, seine Augen nieder.

„Ich bin hier der Chef, comprendes?“

Verbissen zählte Richard die Steinchen auf dem Höhlenboden, um die Rebellion in seinem Inneren niederzukämpfen. Noch war es nicht so weit, noch nicht. Aber er wollte nicht länger gehorchen und sich Vorschriften machen lassen. Niemand sollte über ihn bestimmen!

Abends saßen die Gäste mit den Bewohnern des Schlosses zusammen an einem langen Holztisch und schlemmten. Es war eine illustre Gesellschaft, die sich dort zusammengefunden hatte, denn wie bei Magor nicht anders zu erwarten, wohnten einige seltsam anmutende Wesen bei ihm.

Vor sehr langer Zeit hatte der Zauberer diese Lebewesen befreit und mit zu sich auf sein Chateau genommen. Ein sehr durchtriebener und grausamer Magier hatte zusammen mit einem Wissenschaftler widernatürliche Experimente an Fabelwesen, Menschen und Tieren vorgenommen. Herausgekommen waren die seltsamsten Kreaturen, die Magor damals glücklicherweise von ihrem elenden Schicksal als Versuchsobjekte erlösen konnte.

Leider war er nicht in der Lage, sie zurück zu verwandeln und das betrübte ihn sehr, aber selbst Magor war nicht allmächtig. Seitdem lebten sie bei ihm und übten die verschiedensten Tätigkeiten aus, wie zum Beispiel Köchin oder Küfer* .

Lampions in den Bäumen beleuchteten die Szenerie, ein lauer Sommerwind verjagte die Hitze des Tages und kühlte die heiße Haut. Fackeln und Windlichter waren im Garten und auf dem Kies verteilt. Es duftete nach gebratenem Knoblauch, Rosmarin, Thymian und Salbei, vermischt mit einem Hauch von Lavendel und Rosen.

Die lange Tafel war eingedeckt mit einem weißen Tischtuch, auf dem Olivenzweige als Dekoration verstreut lagen, zwischen Schalen, Platten und Schüsseln, in denen sich verschiedene Köstlichkeiten befanden. Über einem Feuer drehten sich jede Menge Hühnchen, deren Fett in die Flammen tropfte.

Halb verhungert leckte Ben sich die Lippen: „Ich hab meine Wahl schon getroffen.“

Emma dagegen lenkte ihren Blick auf andere Leckereien: Noch warmes Baguette mit Olivenpaté, kleine, dampfende Schnitzelchen mit frischen Kräutern und Zitrone, Lammfilets auf eingelegten Auberginen und Zucchini, gegrillte Calamaris, Meeresfrüchtesalat, gebratene Sardinen und frittierte Gemüsebällchen.

„Da ist etwas für Körnermäuse und für Fleischmonster dabei“, grinste Ben.

„Stimmt, selbst du wirst satt werden“, spottete Emma und schoss ein paar Fotos mit ihrer Digitalkamera.

Fasziniert betrachtete Ben in der Zwischenzeit die Anwesenden: Ein Mann hatte zwei Köpfe, die ständig miteinander stritten, dann saß dort eine Art Eidechsenmann, der manchmal mehr wie ein Mensch wirkte und dann wieder mehr das Aussehen einer Echse hatte. Seine Gestalt flimmerte irgendwie und wechselte ständig, je nachdem, wie das Licht auf ihn fiel.

Irritiert wandte Ben sich den anderen Wesen zu. Neben Magor saß ein riesiges, trollähnliches Wesen, das sich angeregt mit dem Zauberer unterhielt und immer wieder den neben ihm sitzenden Zwerg mit in das Gespräch einbezog. Irgendwo entdeckte er auch die Köchin, eine menschengroße Maus in Frauenkleidern und Migune, eine zierliche, kleine Elfe mit Reptilienhaut, einem Fledermausflügel und einem Schmetterlingsflügel. Migune war eine enge Vertraute von Magor. Soviel hatte die Köchin Ben bereits verraten, als er in der Küche auf der Suche nach einem Snack gewesen war. Seine staunende Betrachtung wurde unterbrochen, als Magor allen einen guten Appetit wünschte und sie bat, zuzugreifen.

Ben unterhielt sich angeregt mit Nala, die an seiner anderen Seite saß und genüsslich in eine Hähnchenkeule biss. Ihre rabenschwarzen Haare hatte sie lässig hochgesteckt und mit einer Hibiskusblüte geschmückt, die fast die gleiche rote Farbe hatte, wie ihr Trägerkleid. Das Rot betonte zudem ihre schokobraune Haut. Überrascht bemerkte Ben, wie hübsch sie war und wie viel sie essen konnte.

„Du kannst aber ganz schön reinhauen, nicht das nachher für mich nichts mehr übrig bleibt“, flachste Ben.

„Und ich bin noch lange nicht satt“, konterte Nala.

„Ich tausche mein Baguette gegen dein Lammfilet.“

„Auf keinen Fall! Hol mir lieber noch ein paar gegrillte Calamaris. Ich habe riesigen Hunger.“

„Endlich mal ein Mädchen, dass nicht nur auf Körnern rumknabbert. Du gefällst mir.“ Übermütig knuffte Ben sie mit dem Ellenbogen in die Seite. Er war glücklich und genoss den unbeschwerten Augenblick.

In dem Moment sprangen Jidell und Quidell auf Esthers Schoss. Stöhnend betrachtete Jidell die Leckereien und machte Anstalten, auf den Tisch zu krabbeln. Es gelang Esther noch so gerade, ihn am Schwanz zurückzuhalten. „Untersteh dich. Denk nicht mal dran, Jidell“, schimpfte Esther.

Quidell murmelte: „Chill mal deine base, Esther. Ich muss was essen.“

Esther runzelte die Stirn. „Ihr müsst euch benehmen, ihr blamiert uns noch. Ich besorge euch jetzt was.“

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