1 ...8 9 10 12 13 14 ...25 „Was ist das?“, rief Ilian.
„Keine Ahnung, ich will von den Dinger jedenfalls nicht getroffen werden“, murrte Orell und wich geschickt einem Geschoss aus.
Glenn fixierte einen Feuerball: „Die sehen aus wie brennende Steine. Schnell weg hier!“
Orell und Ilian erhöhten das Tempo und versuchten, aus der Gefahrenzone herauszufliegen. Immer wieder gelang es ihnen, knapp auszuweichen und schließlich schafften sie es, unbeschadet das Gebiet zu verlassen.
„Hoffentlich sind diese Dinger nicht aufs Trainingslager geknallt.“ Glenn sorgte sich um seine Quiana.
„Nein, das liegt in einer anderen Richtung. Eher hat es Osane und ihren Trupp erwischt“, befürchtete Orell.
Osane, ihre Freunde und die restlichen Kämpfer pressten sich an die Bäume, während um sie herum die brennenden Feuerkugeln niedergingen. Schwefeliger Rauch stieg überall dort auf, wo die Meteoriten eingeschlagen waren. Zum Glück waren sie nicht groß, sonst hätten die Einschläge katastrophale Folgen gehabt. Doch auch so waren es gewaltige Detonationen und der Gruppe blieb nichts anderes übrig als abzuwarten und zu hoffen, nicht erschlagen zu werden. Abrupt hörte der Feuerregen auf und erleichtert lösten die Freunde sich von den Bäumen. Einige husteten, andere hielten sich schützend die Kleidung vor die Nase.
Quarx schnaufte und schwang seine Axt: „Also ein Feind, den ich nicht besiegen kann und der auch noch stinkt, der ist doch zum Haare ausreißen. Verdammt!“
Erleichtert schaute Osane in die Runde und sagte zu Djalal: „Du meinst, das sind die Sterne aus der alten Prophezeiung? Dann sind auch die vier Elemente nicht mehr weit.“
Djalal nickte: „Ich denke, ja.“
Sie brachen wieder auf und ritten zügig zum Königsschloss. Als sie es endlich erreichten, wurde Osane direkt zu einem verletzten Elf gerufen. Quarx und Kontax besuchten alte Freunde, die sich gerade mit einem albernen Spiel die Zeit vertrieben, dem Kirschkernspucken* . Die Spieler standen hinter einer gezogenen Linie und versuchten abwechselnd, einen Kirschkern möglichst weit zu spucken. Natürlich schlossen Quarx und Kontax sich direkt an. Kontax gewann die erste Runde. Nachdem Quarx ein paar Runden gespielt hatte und er immer wieder verlor, schlug er ein neues Spiel vor, das Höckeln* . Bei diesem Spiel wurde aus vier Nusrinonüssen* eine Pyramide gebaut, die aus einem größeren Abstand umgeworfen werden musste. Die erlaubte Wurftechnik wurde vorher festgelegt, der Gewinner erhielt die Nüsse. Quarx und Kontax liebten solche Spiele und konnten Stunden damit verbringen und dabei auch immer wieder heftig in Streit geraten.
In der Zwischenzeit machte Djalal sich auf die Suche nach dem Königspaar und fand sie im Rosengarten. Königin Faina saß auf einer Bank, das Baby hatte sie in einem Tragetuch umgebunden und König Elotiel las ihr aus einem Buch vor. Zunächst bemerkten sie Djalal nicht und er beobachtete zufrieden das Trio. Das Baby gluckste und brachte damit Fainas Augen zum Leuchten. Als sie Djalal entdeckte, winkte Faina ihn zu sich. „Djalal, wie schön, dich wiederzusehen!“
„Seid gegrüßt. Habt ihr die brennenden Sterne gesehen?“
Elotiel nickte: „Ja, haben wir. Wo sind sie hingeflogen? So etwas haben wir noch nie erlebt.“
„Das war ein Meteoritenschauer, Steine aus dem Universum. Sie sind ganz in unserer Nähe eingeschlagen“, berichtete Djalal dem Königspaar. „Wie gut, dass Euch nichts passiert ist.“
Ihr Gespräch wurde von dem quengelnden Baby unterbrochen.
„Das Baby ist hungrig“, erklärte Faina und stillte den Prinzen, gierig begann der Kleine zu saugen. „Verschluck dich nicht, du Vielfraß“, grinste Elotiel.
In diese Idylle hinein platzte Gyar, der Bruder des Königs. Freundlich begrüßte er Djalal und bat dann Elotiel mit sich: „Es gibt Unruhen im Land der Eidechsenmenschen, irgendetwas ist dort im Gange. Eines der Weltentore hinter ihrem Gebiet ist zerstört worden.“
„Vielleicht sollten wir zu ihnen, um mit ihnen zu reden?“
„Nein“, widersprach Gyar. „Sie sind gerade nicht gut auf uns zu sprechen. Sie denken, wir haben damit zu tun.“
Die beiden entfernten sich und zurück blieb Djalal mit Faina und dem Baby. Mit gemischten Gefühlen blickten sie Gyar hinterher. Immer wenn Djalal mit dem Königsbruder zusammentraf, bemächtigte sich seiner ein ungutes Gefühl. Nie fiel Gyar in seiner Gegenwart unangenehm auf oder sagte etwas, dass ihn verstimmte und dennoch nistete sich erneut Widerwillen in Djalal ein. Faina und Djalal sahen sich an und beide wussten ohne Worte, dass sie dasselbe empfanden.
Um Faina auf andere Gedanken zu bringen, fragte Djajal: „Habt Ihr schon einen Namen für Euren Sohn gefunden?“
„Ja, Fingir. Den Namen flüsterten die Bäume.“
„Dann ist es auch der Richtige. Fingir klingt schön.“
Inzwischen waren Glenn, Ilian und Orell auf dem Plateau vor Bernsteinauges Höhle gelandet und Glenn flüsterte ehrfurchtsvoll den Zauberspruch: „Avratar elportal diro.“
Das magische Portal öffnete sich und die drei betraten die dämmrige Höhle. Fasziniert weiteten sich ihre Augen, als sie das grüngemaserte Ei sahen, eingehüllt von den Feuerelfen. Wie kleine, züngelnde Flammen tanzten sie säuselnd und Geschichten wispernd um das Ei.
Königin Anijala flog auf die Neuankömmlinge zu: „Seid gegrüßt, wie schön, dass ihr wohlbehalten den Kampf überstanden habt. Es hat zu viele Tote gegeben. Wir haben um Bernsteinauge getrauert. Es ist schlimm, dass sie ihr Leben gelassen hat. So viel Weisheit dahin.“
Seufzend antwortete Glenn: „Krieg und Kampf sind immer sinnlos und ich wünschte, wir würden nur trainieren, ohne unsere Fähigkeiten jemals anwenden zu müssen.“
„Das ist wahr. Aber auf allen Welten ist es immer dasselbe, irgendwann gibt es Krieg. Traurig.“ Das Feuerantlitz von Anijala wirkte kummervoll und ihr Flammenkörper nahm eine dunkelrote Farbe an.
„Auf was müssen wir achten, um dem Ei die gleiche Fürsorge zuteilwerden zu lassen, wie ihr es getan habt?“, wollte Orell wissen.
Die Farben von Anijalas Flammen wechselten zu einem zarten Orange und Gelb. „Das Ei hat sich schon einmal bewegt. Ich hoffe, der kleine Drache lässt sich noch etwas Zeit und genießt eure Aufmerksamkeit.“
Als die Königin der Feuerelfen die missmutigen Gesichter der drei Freunde musterte, wurden ihre Flammen wieder dunkler und sie fuhr besorgt fort: „Mit viel Liebe und Geduld haben wir uns um das Ei gekümmert und dem Drachenjungen Geschichten erzählt. Eure Liebe ist kostbar für den Drachen. Außerdem ist es wichtig, dass ihr die richtige Temperatur haltet, knapp unter fünfzig Grad, das ist perfekt für das Ausbrüten. Solange das Ei seine grünliche Farbe behält, ist alles in Ordnung, wenn es blau wird, ist es zu kalt.“
„Ihr habt das so toll gemacht, ich glaube, ihr seid viel besser zum Ausbrüten geeignet, als wir drei. Wir sind nur ein müder Abklatsch von euch“, versuchte Glenn die Aufgabe abzuwälzen.
Verständnisvoll lächelnd wehrte Anijala ab: „Mir ist bewusst, dass du als Krieger und Jäger das Ausbrüten eines Dracheneis nicht als Heldentat ansiehst. Doch nur ein wahrer Held überträgt seine kraftvolle Energie auf den Drachenjungen. Wir haben unsere Aufgabe erfüllt, nun seid ihr dran.“
Mit einer Verbeugung verabschiedete Anijala sich und rief ihre Feuerelfen zu sich. In einem Flammenwirbel verließen Anijala und die Elfen die Drachenhöhle. Zurück blieben die drei Freunde und da ihnen nichts anderes übrig blieb, richteten sie sich gemütlich ein. Glenn breitete Decken aus, legte das Drachenbuch bereit und ein Kräuterbuch, dass ihm Quiana mitgegeben hatte. Das Ei wurde in Decken gehüllt und Glenn entzündete mehrere kleine Feuerstellen, um das Ei warm zu halten. Als erster übernahm Orell den Brutdienst und zeigte ein mürrisches Gesicht, während er sich niederließ und das Ei zwischen seine Vorderbeine schob.
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