College geht. Ironie des Schicksals, oder? Manchmal ist Gott
doch wirklich ein Zyniker, was meinst du? Führt uns in
dieser magischen Nacht zusammen und verändert unser
Schicksal so enorm.<<
In Zacharys Schädel nimmt die Geschichte Form an.
Es war alles ein Zufall. Die junge Frau, die Zachary töten
wollte, hieß Portsmith. Sie hatte eine Familie, die sie heute
anscheinend besuchte.
Harry wusste das bis zu dem Zeitpunkt nicht, als er ihm die
Beschreibung und den Vornamen der Schlampe gegeben
hatte.
Er war wie ein blutiger Anfänger in die Falle dieses Irren
getappt.
Wie wollte er hier wieder herauskommen?
Der Todeskampf der jungen Frau schien ein Ende zu
nehmen, Speicheln rinnt aus ihrem verzogenen Mund, die
Augen hatten sich verdreht und der blau angelaufene Kopf
hängt schlaff zur Seite. Urin läuft unter ihr auf die Couch,
die Beine zucken nur noch unregelmäßig.
>>Wunderschön, nicht wahr?<<, lacht Harry.
Der Mann auf der Couch ist noch immer bewusstlos,
anscheinend der Vater der Familie.
>>Was hast du vor?<<, stammelt Zachary.
Harry grinst, entblößt dabei wieder sein Zahnfleisch.
Die fettigen Haare kleben an seinem knochigen Schädel, er
sieht wie ein Dämon aus.
Seelenlos.
>>Schauen wir mal, was du in deinem Werkzeugkasten
hast Kumpel. .ich denke, wir fangen mit dem Hobel an. .<<
In den nächsten Stunden lernt Zachary eine neue Art
Schmerzen kennen. Harry kennt sich mit der menschlichen
Anatomie bestens aus, weiß, wo er schneiden, stechen,
brennen und verätzen muss, damit Zacharys Herz nicht
aufhört zu schlagen.
Das eiserne Tor öffnet sich leise im Wind.
Der Schatten huscht flink über den Schrottplatz, findet sein
Ziel ohne Umwege.
Die Schrottpresse glänzt im Mondschein.
Harry öffnet die Klappe und hievt den schweren Körper in
die dunkle Öffnung.
Lange blickt er in die Presse hinein, schaut auf den völlig
zerstörten Körper Zacharys.
Langsam schließt er die Klappen.
Er schaltet die Maschine ein.
Sie beginnt brummend ihre grausige Arbeit.
Mit Genugtuung betrachtet Harry, wie Dampf aus den
Kolben steigt, der maschinelle Arm niederfährt.
Der unmenschliche Schrei aus dem Innern ist Musik in
seinen Ohren.
Stöhnend windet Sandra sich unter mir, heiß spüre ich den
Atem meiner Geliebten an meinem Hals. Ich sehe in ihre
Augen, die Augen der Lust. Zitternd bebt mein Leib auf
ihrem. Ich liege mit ihr im großen Bett im Strandhaus ihres
Mannes. Eng umschlugen und schweißnass. Ihr blondes
Haar ergießt sich über die samtige Bettwäsche, die blauen
Augen starren mich wild an. Ein leises Geräusch ist zu
vernehmen. Es kommt nicht von Sandra. Kommt ihr Mann
nach Hause? Ich verkrampfe mich, horche in die Nacht.
Woher kam das Geräusch? Sandra wendet ihren Kopf,
schaut sich um. Eine Träne rinnt über ihr Gesicht.
>>Psst. . Ganz still jetzt<<, flüstere ich in ihr Ohr.
Wenn ihr Mann uns jetzt erwischt, beide nackt auf dem
großen Bett, wer weiß, wie ich aus der Geschichte wieder
herauskomme. Dann fliegt die Tür auf, ein Schatten im
Rahmen. Ich erkenne einen Mann, etwas blitzt in seiner
Hand auf.
>>Du miese Schlampe! Denkst du, ich weiß nichts von
deinen zahlreichen Liebhabern, Sandra?<<, schreit eine
Stimme in das Schlafzimmer. Ich drehe mich um, will in das
Gesicht sehen, welches Sandras Mann gehören muss. Der
Schrei ist unmenschlich. Eine Gewehrsalve erhellt den
Raum. Der Kerl hat geschossen , denke ich. Ich weiche aus,
die Kugeln treten in den Spiegel über dem Bett ein,
Scherben prasseln auf den geöffneten und vollständig
ausgehöhlten Brustkorb Sandras.
>>Jetzt konnte ich gar nicht zu Ende fressen. .!<<, sage ich
wütend und gehe auf ihren Mann zu.
Das Gesicht von Sandras Ehemann ist schreckverzerrt, er
stiert mich an, begreift nicht.
>>Was bist du. .Herrgott nochmal, was ist mit deinem
Gesicht. .?<<
Der Schrei erstickt, als ich zubeiße.
>>Ihre Fahrkarte bitte!<<
Katy schreckte hoch, sah das freundlich lächelnde Gesicht
eines älteren Mannes undeutlich vor sich.
>>Wie? Einen Moment bitte. .<<, gab sie von sich und
lächelte den älteren Herrn müde an.
>>Entschuldigen Sie, Madam, ich wollte Sie nicht
wecken<<, gab der Mann, den Katy nun als Schaffner
realisierte, entschuldigend von sich.
>>Irgendwann muss ich ja mal aufstehen<<, lächelte Katy
ihn an.
Der Mann nahm mit seiner faltigen Hand ihren Fahrschein
entgegen. Mit einer silbern glänzenden Zange lochte er die
Fahrkarte und wollte das Abteil verlassen.
>>Können Sie mir sagen, wo wir uns gerade befinden?<<,
fragte Katy den Mann.
Dieser überlegte kurz und schaute zum Fenster hinaus.
Bei diesem Schneesturm werden Sie sicher nicht erkennen
wo wir sind , dachte Katy und lächelte in sich hinein.
>>Ist das ein Sturm da draußen!<<, antwortete der
Schaffner auf ihre Frage. Ein Griff an die Halterung an
seinem Gürtel fördert ein ledriges Notizbuch zu Tage.
Murmelnd blätterte der Schaffner darin.
>>Heroldsville. Sind kurz hinter Heroldsville<<, wandte er
sich an Katy.
>>Herrgott! Dann habe ich drei Stationen verschlafen!<<,
entfuhr es ihr.
>>Wann kommt die nächste Station? Ich hätte schon längst
aussteigen sollen.<<
Wütend auf sich selbst, hatte sie sicher den Schaffner zu
laut angefahren, dieser jedoch schaute erneut in sein
Büchlein und lächelte sie an.
>>Nicht vor ńer Stunde Madam. Bei dem Sturm fahren wir
nicht jede Station an. Schätze in Burrowhill können Sie
aussteigen.<<
Mit einem Griff an seine Schaffnermütze verbeugte sich der
ältere Mann leicht und verließ das Abteil.
Katy sah sich um, außer ihr und einer älteren Dame war
das gesamte Abteil völlig leer.
Mit einem dumpfen Gefühl im Kopf überlegte sie
krampfhaft wie sie ihren Verlobten erreichen konnte.
Hatte der Zug einen Münzfernsprecher?
Sie schaute sich um, in diesem Abteil schien es keinen zu
geben.
Die alte Frau, drei Stühle hinter ihr, bemerkte ihre Unruhe.
>>Suchen Sie etwas, mein Kind?<<, rief sie zu Katy.
Ertappt und ein wenig hilflos wandte sie sich zu der alten
Frau um.
>>Einen Telefonapparat. Ich muss meinen Verlobten
anrufen, ich habe meine Station verpasst.<<
Die alte Frau erhob sich aus ihrem Sitz und ging auf Katy
zu. Ein faltiges und gutmütig aussehendes Gesicht schaute
sie lächelnd an. Dann nahm die Dame neben Katy Platz.
>>Ich meine ein Telefon im Gang beim Speisewagen
gesehen zu haben<<, überlegte die alte Frau murmelnd.
>>Gehen Sie zwei Waggons weiter. Sie sehen das Schild des
Speisewagens schon<<, sagte sie und lächelte erneut.
Katy bedankte sich und erhob sich.
Der Schnee peitschte gegen die Fenster des Zuges, weiße
Flocken tanzten durch die rabenschwarze Nacht.
Die Tür zum nächsten Abteil klemmte.
Katy stemmt ihr Gewicht dagegen und öffnete sie langsam.
Zwei menschenleere Abteile mussten durchquert werden,
bevor Katy den Speisewagen erreichte.
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