Portsmiths, die gesichtslos in einem Meer aus Blut
versanken.
Der Kaffee wird ihn wachmachen, den Schlaf vertreiben
und seine Sinne schärfen.
Heute Nacht ist es soweit, heute Nacht wird er die Wette
des Geisteskranken in die Tat umsetzen.
Das Telefon klingelt.
Zachary schleppt sich zum Telefon.
Er nimmt ab und vernimmt die Stimme seines Chefs.
>>Guten Morgen, Zach. Gut geschlafen? Tut mir leid, falls
ich dich geweckt haben sollte! Aber hier ist die Hölle los.<<
Zachary atmet schwer ein.
>>Was ist los?<<, fragt er.
>>Doppelmord. Eine rivalisierende Gang<<, sagt Officer
Brad Koontz.
Er verflucht seinen Job. Wäre er nur niemals Polizist
geworden.
>>Ich lieg noch im Bett. .<<, lügt er.
>>Hab ’ne starke Erkältung. Fieber und all das.<<
Am anderen Ende der Leitung raschelt es.
>>Bedauerlich<<, meldet sich die Stimme wieder.
>>Ich versuche Jim zu erreichen, ruh‘ du dich aus und
komm‘ wieder zu Kräften. Gute Besserung, Zach.<<
Die Leitung war tot.
Zachary atmet tief ein, entspannt seinen Körper und trinkt
einen großen Schluck Kaffee.
Nun kann er den Abend planen und seine Werkzeuge
einpacken.
Der Abend kam schneller als erwartet, die Zeit schien
verflogen zu sein.
Das Telefon klingelt. Wieder sein Chef?
Zachary nimmt den Hörer ab.
>>Ja?<<, meldet er sich knapp.
>>Na, Zach? Bereit für deinen großen Auftritt?<<, schallt es
aus dem Hörer.
Harry.
>>Woher hast du diese Nummer?<<, fährt Zachary ihn an.
>>Mensch Zach! Du nennst mir wirklich deinen richtigen
Namen! Hut ab! War nicht schwer, deine Nummer
rauszukriegen, hab‘ einfach im Internet nachgesehen.
Officer Zachary Flannigan, bei der LA Mordkommission,
spezialisiert auf Bandenkriminalität. Abschluss auf der
Polizeidienstschule im Jahr ´05 und wohnhaft in der
Mansfield Road 124. Ich würde mich nicht wundern, wenn
man dort deinen Facebook-‐Account finden würde.<<
Er lacht herzhaft auf.
>>Komm zur Sache, Harry! Oder ist das nicht dein richtiger
Name?<<, sagt Zachary ärgerlich.
>>Nope, ist nicht mein richtiger Name. Ist aber auch
nebensächlich, was zählt ist, dass du heute Abend bei der
Familie bist.<<
>>Warum diese Familie?<<, fragt Zachary.
>>Sagen wir es so, ich habe ein ernsthaftes Interesse
daran, die drei tot zu sehen, mehr sollte dich nicht
interessieren!<<
>>Und du kümmerst dich um mein Objekt der Begierde?<<
>>Exakt, ich werde die Kleine mit gehörigem Respekt
behandeln, stört dich sicher nicht, wenn ich von ihr koste,
nicht wahr?<<
Zachary schüttelt sich, denkt daran, wie Harry die schöne
junge Studentin tötet und sie anschließend verspeist.
Ekelhafter Kerl, dennoch sehr faszinierend.
>>Nein, mach mit ihr was du willst!<<, spricht er mit
übertriebener Selbstsicherheit.
>>Ach, eine Sache noch Zach.. << Er macht eine lange
Pause, Zachary hört ihn atmen. Schnell und voller
Begeisterung.
>>Wir sehen uns.<<
Die Leitung klickt und verstummt.
>>Harry?<< Die Leitung ist wieder tot.
An der ganzen Sache zweifelnd, gießt sich Zachary einen
frischen Kaffee ein, zieht seine Jacke an und verstaut den
Werkzeugkoffer im Wagen.
Das Haus ist riesig.
Eine Einfahrt bis zum Eingang schlängelt sich zweihundert
Yards durch einen großzügig angelegten Garten.
Der Mond ist aufgegangen und ein Hund bellt leise
irgendwo im Nachbargarten.
Zachary hat seinen Wagen einige Blocks weiter geparkt,
steht lauernd vor dem Tor.
Mit einem beherzten Schwung klettert er über die Mauer,
landet mit sanftem Aufschlag auf dem gepflasterten Weg
und atmet sacht ein und aus.
Showtime.
Ein Fenster steht halb geöffnet an der Hinterseite des
Hauses.
Mit vielfach geübten Bewegungen schiebt Zachary einen
dünnen Draht mit Schlinge durch die Öffnung, zieht und
löst den Hebel des Fensters.
Langsam und völlig lautlos öffnet sich das Fenster zur
Gänze.
Flink wie ein Wiesel schlüpft Zachary in das dunkle Haus.
Geräuschlos schleicht er geradeaus und legt den
Werkzeugkoffer ab.
In der Dunkelheit ist das Zusammenschrauben der Waffe
mit dem Schalldämpfer eine Leichtigkeit.
Mit einem sanften Druck öffnet er die vor ihm liegende Tür,
späht hinein.
Das Zimmer liegt im Dunkeln.
Nein, im Hintergrund vernimmt er leise Geräusche.
Beinahe so, als ob jemand den Fernseher angelassen hat.
Auf leichten Sohlen schleicht er zu einer Wand und späht
um die Ecke.
Tatsächlich, hinter der Ecke flimmert ein Fernseher im
Dunkeln.
Irgendeine Homeshopping-‐Sendung.
Davor, auf einer großen Couch, drei Köpfe.
Zachary umrundet wie eine Gazelle das Möbel und hebt die
Waffe.
>>Keine Be. .<< Doch die Worte bleiben ihm im Halse
stecken.
Vor ihm auf der Couch sitzen drei Personen, an Händen
und Füßen zusammengebunden mit Drahtschlingen.
Was wird hier gespielt?
Das schreckerfüllte Gesicht einer knapp vierzigjährigen
Frau schaut ihn an.
Warum sind sie gefesselt?
Dann bemerkt Zachary das Gesicht der zweiten Frau. Sie ist
vielleicht sechzehn, hat kurz geschnittenes blondes Haar,
kleine feste Titten, wie Zach sie liebt und einen
Gesichtsausdruck, den er nur allzu gut kennt. Todesangst.
Doch nicht das verunsichert ihn, es ist das Gesicht.
Er kennt es.
Es ist das Gesicht der Studentin, das Gesicht der jungen
Frau, die er töten wollte, das Opfer, das nun Harry für sich
beansprucht.
Wie kommt sie hierher? Was um alles in der Welt wird hier
gespielt?
Der Schlag auf seinen Hinterkopf kommt völlig unerwartet.
Die Welt verschwimmt im Dunkeln.
>>Aufwachen, Zach<<, flüstert die Stimme in sein Ohr.
Benommen nimmt Zachary das knochige Gesicht wahr, das
sich wenige Zentimeter vor seinem befindet.
>>Sieh dir an, was ich getan habe. .<<, triumphiert die
Stimme. Harry.
Zachary blinzelt und schielt zu der Couch, auf der die
Familie festgebunden saß.
Mit Schrecken bemerkt er, dass der Frau der Kopf fehlt.
Der blutige, schief abgesägte Halsstumpf dampft noch
warm.
>>Sieh mal, wer dich kennenlernen will. .<<
Schwenkend vor seinem Kopf lässt Harry den blutigen
Schädel der Frau vor Zacharys Gesicht baumeln.
>>Was hast du getan?<<, stammelt Zachary.
>>Ich hab‘ mir die Sache anders überlegt. Wenn schon
Morde in dieser Stadt verübt werden, dann doch wohl nur
von einem. Nämlich von mir!<<, lacht er.
Die junge Frau hinter ihm stöhnt und weint.
Mit einem schnellen Sprung ist Harry hinter ihr, schlingt
ihr etwas um den Kopf.
>>Hab‘ von dir gelernt Kumpel<<, lacht Harry.
Zachary erkennt den Kabelbinder, den er der jungen Frau
um den Hals gezurrt hat. Das einrastende Geräusch, als das
Band zugezogen wird, ist ihm wohl vertraut.
Das Gesicht der jungen Frau verzerrt sich, die Augen treten
hervor.
>>Darf ich vorstellen: Gracy Portsmith, dein potentielles
nächstes Opfer. Was für ein Zufall, nicht wahr? Ich wollte
ihre Familie umbringen und du ihre Tochter, die auf das
Читать дальше