Werner Siegert - Der Witwenwanderer

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Seine Kollegen wandern nach Rom, Wien oder auf dem Jakobsweg nach Santiago de Compostela. Er will ausbrechen. Mit geschlossenen Augen tippt er auf einer Deutschlandkarte auf eine Region – es ist der Thüringer Wald. Auch dort überlässt er alles dem Zufall. Er steigt an einem beliebigen Bahnhof aus, versehen mit Rucksack, wetterfester Kleidung und Wasserflasche, und läuft einfach los. Als er eine erste Rast einlegen will, setzt er sich auf eine Bank vor einem kleinen Siedlungshaus. Schon tritt eine alte Frau heraus, erfreut, jemandem zum Ratschen zu haben, eine Witwe, vereinsamt. Auch bei seiner zweiten Rast läuft es so: Elsbeth, eine gealterte, einsame Witwe bewirtet und bemuttert ihn. Er darf sogar im Zimmer ihres «rübergemachten» Sohnes übernachten. Ihr einziges Fenster zur Welt – ein überdimensionaler riesiger Fernsehschirm, Geschenk ihrer Kinder. Er wandert weiter, Regen zwingt ihn, sich in einem Bus-Wartehäuschen unterzustellen. Aber es verkehrt schon lange kein Bus mehr. Eine Frau, die in einem kleinen Auto vorbei kommt, sieht ihn und lässt ihn einsteigen. Auch sie ist, obwohl erst mittleren Alters, Witwe. Auch sie ist erfreut, mit jemandem reden zu können. Als Psychotherapeutin fährt sie zu ihren Patientinnen hin, anders geht es nicht. Es sind durchweg Witwen, die ihre Hilfe brauchen. Der Landstrich abseits der größeren Städte ist Witwenland, teils durch Tod des Partners, Abwanderung oder Trennung. Am nächsten Tag begleitet der Wanderer die Frau auf ihrer Fahrt zu Patienten; dann steigt er doch wieder aus, um weiter zu wandern – ziellos durch den Witwenwald. Er verläuft sich, wird von einer Pilzsammlerin gerettet. Ein Gasthaus, in dem er eine Notunterkunft angeboten bekommt, erweist sich als Therapiezentrum für vereinsamte, depressive, alkoholsüchtige Witwen – betreut von eben «seiner» Psychotherapeutin. Sie holt ihn dort raus.

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„Warum erwähnen Sie immer den anderen Kontinent?“

„Ihr habt noch intakte Städte und Dörfer. Buslinien. Genügend Kinder für Schulen. Eine Kirche im Dorf, in die sogar noch jemand hineingeht. Die aber auch sonst Menschen um sich schart. Das ist wichtiger als die im Ritus erstarrte Messe. Senioren. Kindergarten. Kultur. Die Landschaft lädt ein. Hier macht sie Menschen depressiv. Die Wälder sind dunkel. Es gibt keine Hoffnung. Keine Vision. Fremdenverkehr? Geschenkt! Wir können mit keiner Region mithalten. Wir können von Glück sagen, dass Araberfamilien uns noch nicht entdeckt haben. Hier gibt es Häuser fast geschenkt. Wenn die Witwen sterben und die Erben sich nicht mehr um das alte Gemäuer kümmern wollen, verkaufen sie’s um jeden Preis. Fünfzehntausend für ein Haus mit Garten. Nur weg damit. Dann verfällt’s oder ein Rentnerpaar erliegt der Verlockung, hier einen idyllischen Lebensabend in guter Luft verbringen zu wollen. Sie renovieren – und ziehen dann bald wieder weg. Lieber schlechte Luft und Lärm, aber Leben ringsum. Wenigstens das Dach ist dann neu gedeckt; dann können die mit dem undichten Dach dorthin umsiedeln. Ich bin ja auch sowas wie eine Immobilien-Maklerin. Weil ich die Witwen kenne, weiß ich, wo bald was frei wird.“

„Und die Männer?“

Eva-Maria K., die Psychofrau mit Immobilien hatte einen Merlot 2008 entkorkt. Der Rucksack lag unter der Garderobe, neben den Wanderschuhen. Der nasse Umhang trocknete im Bad. Eine Sitzgruppe aus hellbeigen Ledersesseln und eine dazu passende Couch. Glastischchen mit einer Schale aus Nussbaumholz. Salzmandeln.

„Die Männer hocken zusammen. In der Kneipe, im Sportvereinshaus, an der Tankstelle. Da vor allem. Alles rund ums Motorrad. Motorrad ist männlich. Das ist wichtig für die. Alles, was männlich ist. Lederkluft. Tätowieren. Bloß keine Weiber - höchstens eine scharfe Schnalle als Statussymbol. Auto ist weiblich. Die richtige Familie gibt es ja nicht mehr. Keine Kinder - keine Familie. Das Motorrad ist heute, was früher der Tresen war: Da versickert das Geld. Versickern? Wie heißt die Steigerung von Versickern? Eigentlich muss es eine Harley sein. Oder wenigstens kurz darunter. Auch wenn man sich verschuldet. Jedes Wochenende eine weite Tour. Kurz mal nach Bayern und retour. Manchmal auch im Leichenwagen. Die riskieren zuviel.“

„Und du? Kein Mann? Keine Kinder? Hier ganz allein?“ Er schaute sie an. Jetzt erst bewusst. Ihre etwas strubbeligen blonden, blondierten Haare. Ihre dunkelbraunen Augen und die schmalen blassen Lippen. Rollpullover, eierschalenfarben. Dünnes Goldkettchen. Mit einem E dran.

„Otto hat sich umgebracht. Er hat das alles nicht verkraftet. SED-Kreisleiter, Kombinats-Direktor. Wiedervereinigung. Bude zu. Hämische Blicke von allen Seiten. Arbeitslos. Mit einer Intellektuellen verheiratet, die in gewisser Hinsicht den Dreck zusammenkehren muss, den die DDR zurückgelassen hat - und den der Westen noch darüber angehäuft hat. Es war ja nicht alles schlecht, bis man den Verlockungen der BRD erlag.“

„Und jetzt?“

„Wir wissen es nicht. Keiner weiß es. Fremdenverkehr? Konzentriert sich auf ganz wenige Städte. Die saugen das Wenige auf. Draußen ist die Infrastruktur kaputt. Gasthöfe - dünn gesät, mit versifften Tapeten. Lohnt auch nicht. Kannst mich morgen begleiten. Dann zeige ich dir was vom Thüringer Wald, der einmal das Ferienparadies der Berliner war, als Hitler die erste Autobahn von Berlin nach München gebaut hatte. Und jetzt? Freie Fahrt zum Mittelmeer!“

Sie gingen zum Chinesen, weil Eva-Maria zu wenig im Kühlschrank hatte. Chinese - der ist gut. Der kommt klar. Die Familie hilft mit oder wer auch immer zur Familie gehört. Ist nicht ganz durchsichtig. Aber immer freundlich und preiswert. Die Einrichtung? Plastik aus dem Reich der Mitte. Noch eine Flasche Wein? Aber bitte!

Mit zwei Flaschen Wein intus, weiß und rot, gestaltet sich der Heimweg ganz schön lustig. Die Zungen lösen sich, per Arm schwankt es sich wie auf einem Schiffchen im Sturm. Zuhause, bei ihr zuhause landet man auf der Couch, bei den Salzmandeln.

„Sag’ mal, wie kommst du dazu, ohne Ziel zu wandern, einfach so drauflos und dann noch in die falsche Richtung? Ziellos und in die falsche Richtung, ist da was?“

Eva-Maria rutschte in ihre psychotherapeutische Schiene. Sprachlosigkeit könnte leicht in nonverbale Spielchen ausarten – zumal sie jetzt beide mit leichtem Kontrollverlust. Da versuchte sie, mit Fachjargon wieder auf festes Terrain zu gelangen. Ziellos?

„Wieso falsche Richtung? Was meinst du?“

„Wenn du nach Osten gepilgert wärest, wäre es nicht ganz so trist wie hier. Schöner halt. An der Orla entlang. Müheloser. Nicht so bergauf bergab. Was wolltest du dir antun? Dich mal wieder gruseln im dunklen, moorigen, verkrauteten Wald? Witwen können ja nicht dein Ziel gewesen sein - und jetzt hockst du schon wieder bei einer. Kontrastprogramm zu deinen Kollegen?“

„Wenn ich mir ein Ziel ausgewählt hätte, Gotha, Weimar oder Rudolstadt beispielsweise, hätte ich ja so ungefähr gewusst, was auf mich zu kommt. Genau das wollte ich nicht. Ich wollte es einfach mal drauf ankommen lassen. Das Ergebnis finde ich toll. Elsbeth zum Beispiel. Wann lernt man schon mal solche Menschen kennen? Und jetzt dich - super. Diese Hilfsbereitschaft! Und dann mit dir hier die halbe Nacht verplaudern. Ziellos kann ein wunderbares Ziel sein! So locker vom Hocker!“

„Morgen könnten wir nach Orlamünde fahren. Da habe ich eine Patientin, 67. Natürlich Witwe. Jetzt auf einmal dreht die auf. Jetzt will die endlich mal ihr Leben leben. Vorher war es nur das Leben ihres Mannes und der Partei. Lehrerin war sie. Und fragt sich nun: War das alles? Da war sie nun mit dem Frauen-Kegelclub auf Sause, drei Tage, wohl ziemlich viel Alkohol. Hat sich in einen jungen Kerl verliebt von der Kegelbahn oder vom Hotel. Sie sei noch nie so glücklich gewesen in ihrem ganzen Leben. Weiß der Teufel, was der mit ihr angestellt hat und ob überhaupt! Nun ist sie völlig von der Rolle, weil der nichts von ihr wissen will. Liebeskummer mit 67! Mannomann!“

„Und was kann man da tun? Auf einer Vorgartenbank sitzen? Wäre ja höchst gefährlich!“

„Nein, nein! Die jippert in Wirklichkeit einem Schüler nach, mit dem sie es heimlich in ihrer Schulzeit getrieben hat. Endete in einer Katastrophe. Den hat sie nie vergessen und projiziert jetzt alles in den armen Kegelbuben. Ihr Schüler-Lover ist gleich nach der Wende ab in den Westen. Muss man behutsam aufarbeiten .... und was musst du aufarbeiten bei deiner Witwenwanderung?“

„Eigentlich nichts. Nur mal eine Woche nicht erreichbar sein, kein Handy, kein Telefon, keine Adresse. Kein Fotoapparat, nur Skizzenblock. Mal frei rumlaufen. Und bei dir auf der Couch landen. Lachen. Wein trinken.“

„Und wenn ich mich jetzt in dich verliebe? Weil du so bist, wie du bist?“

„Verlieben kann man nicht verhindern. Das passiert einfach so. Ist ja auch ganz schön. Aber passieren darf halt nichts. Das ist wie eine wunderschöne Seifenblase, bunt schillernd dreht sie sich, spiegelt alle unsere Sehnsüchte. Aber wenn du sie packen willst, dann platzt sie. Noch heute sehe ich in jeder Seifenblase meine Sehnsucht von damals. Es war die schönste Seifenblase meines Lebens. Wie gern hätte ich sie erhalten wollen. Ich habe mich nicht einmal getraut, sie zu berühren. Sie ist dennoch geplatzt.“

„Und wie hieß sie?“

„Ingrid!“

Am nächsten Vormittag schlenderten sie noch durch Orlamünde. Eigentlich wollten sie dort Abschied nehmen. Aber nach der verknallten Lehrerin trafen sie sich wieder. Er kam von der Burg. Dann aßen sie noch gemütlich zu Mittag. Schließlich brachte er sie zum Auto. Die Trennung fiel schwer. Auf einmal saß er wieder neben ihr.

Ich bringe dich noch bis Rudolstadt an den Bahnhof, hatte sie gesagt. Aber auf halber Strecke bat er sie anzuhalten. Er küsste sie, nahm seinen Rucksack und verschwand schnell in einem Wald. Lange stand sie da, verblüfft, und hoffte, er käme vielleicht zurück. Aber dann wäre vielleicht die Seifenblase geplatzt.

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