Reiner Kotulla - Michelle

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Der Journalist und Autor Alexander Fabuschewski schreibt sein neues Buch, dieses Mal auch zum Thema Stalking und Rechtsradikalismus. Da bekommt er mysteriöse E-Mails von Michelle, einer jungen Frau, die er bei der Recherche zu seinem letzten Buch kennen gelernt hat. Er verstrickt sich bei seinen Recherchen immer tiefer im braunen Sumpf. Als er bei einer Lesung überfallen wird, dämmert ihm langsam, dass er seinem Forschungsobjekt vielleicht doch etwas zu nah gekommen ist.

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Vielleicht, weil ich gerade darüber schreibe, fällt mir etwas ein, was mit dem Essen eigentlich nichts zu tun hat. Eines Abends waren wir beim Wirt am Dom. Sie kennen das Lokal. Dort waren wir zusammen mit Ihnen nach Ihrem Einzug in die Wohnung Am Fischmarkt. An dem Abend, über den ich berichten möchte, hatten Klaus und ich Pizza bestellt und waren schon beim Essen, als die Tür aufging und ein junger Mann im Rollstuhl hereingeschoben wurde. Der Wirt eilte sofort herbei und schob einen Tisch so zurecht, dass für den Mann im Rollstuhl und seine Begleiterin ausreichend Platz vorhanden war. Ich saß mit dem Rücken zu diesem Tisch. Klaus Wagner sprach wenig, schaute immer wieder hinüber zu dem anderen Tisch. Seinem Gesichtsausdruck konnte ich entnehmen, dass ihn irgendetwas störte. Ich schaute mich um und sah, wie die Begleiterin den Mann im Rollstuhl fütterte.

Nach einiger Zeit, Klaus hatte seine Pizza etwa zur Hälfte aufgegessen, legte er Messer und Gabel zur Seite und erklärte, dass es ihm nicht mehr schmecke. Er rief den Wirt und bat um die Rechnung. Der fragte uns, ob etwas nicht in Ordnung wäre, und Klaus antwortete: „Durchaus, doch heute ist die Pizza wohl besonders groß geraten.“ Auch ich hatte aufgehört zu essen. Fast kam es mir wie eine Flucht vor, als wir das Lokal verließen. Auf dem Weg bis zu unserer Wohnung sprachen wir nicht.

Zu Hause goss sich Klaus Wagner ein Wasserglas halb voll mit Whisky und nahm sogleich einen großen Schluck davon. Ich setzte mich ihm gegenüber und wartete. „Mir ist der Appetit vergangen“, begann er auch bald. „Wenn du gesehen hättest, wie der gefressen hat – wie ein Tier. Solche Leute sind doch eigentlich gar keine Menschen. Wahrscheinlich wissen die doch gar nicht, dass sie auf der Welt sind.“

Ich wusste zunächst nichts darauf zu sagen, erinnerte mich aber an meine Großmutter. Die hatte mir von Hadamar erzählt, dass dort Tausende Menschen ermordet worden sind, die als lebensunwert galten. Geistig oder körperlich behinderte Frauen, Männer und Kinder. Eins dieser Kinder hatte sie persönlich gekannt. Es war körperbehindert, wurde von seiner Mutter liebevoll umsorgt. Eines Tages sei die Mutter von Lieselotte, so hieß das Mädchen, zu meiner Großmutter gekommen und habe ihr die Angst beschrieben, die sie davor hatte, dass man ihre Tochter abholen würde. Meine Großmutter wusste von der Euthanasie und hatte auch schon von Hadamar gehört. Sie riet der Nachbarin, Lieselotte zu verstecken. Beide verabredeten, überall zu erzählen, dass das Kind jetzt bei Verwandten in Italien lebe. Jemand aus der Nachbarschaft jedoch musste wohl etwas beobachtet haben, denn eines Tages hielt ein Lieferwagen vor der Tür der Nachbarin. Drei Männer seien in das Haus eingedrungen, und meine Oma habe kurz darauf die Schreie der Mutter gehört. Einer der Männer habe Lieselotte aus dem Haus und in den Lieferwagen verfrachtet, während die anderen beiden die Mutter festgehalten hätten, die schreiend um sich getreten habe. Meine Großmutter erzählte, dass sie sich heute noch große Vorwürfe dafür mache, weil sie ihrer Nachbarin damals nicht geholfen hatte. Frau Schulz, die Mutter von Lieselotte, habe von diesem Tag an nichts mehr gegessen und sei bald krank geworden, hätte aber jegliche Hilfe abgelehnt. Meine Oma hat sie dann, weil sie die Frau schon drei Tage nicht mehr gesehen hatte, aufgesucht und im Bett liegend gefunden – verhungert.

Klaus muss noch mehr geredet haben, aber weil ich in Gedanken bei dem war, was meine Oma erzählt hatte, nahm ich zunächst seine Worte nicht wahr. Doch dann hörte ich ihn wieder: „Und was das kostet, und dazu noch die faulen Ausländer, die hier ein Kind nach dem anderen machen, die wir mit durchfüttern müssen.“

Entschuldige, ich habe nicht richtig zugehört.“

Ach, vergiss es einfach“, war alles, was er noch sagte.

Im Bett wurde er wieder ganz zärtlich und ich, ich dumme Gans, täuschte sogar noch einen Orgasmus vor.

Am nächsten Tag, wir saßen zusammen im Wohnzimmer und tranken ein Glas Wein, erzählte ich von meiner Großmutter. Klaus hörte scheinbar interessiert zu. „Eine schlimme Geschichte“, war alles, was er anschließend sagte. Ich aber nahm mir vor, der Sache auf den Grund zu gehen.

Davon demnächst.

Ihre Michelle

Was hatte sie wohl gemeint, so fragte sich Alexander Fabuschewski, mit „auf den Grund gehen“?

Zwölf

Am Abend erhielt Alexander Fabuschewski Besuch von seinem Vater. Sie saßen zusammen im Wohnzimmer. Alexander hatte zwei Flaschen kellerkaltes Bier auf den Tisch gestellt. Beide verzichteten auf Gläser. Peter Fabuschewski berichtete darüber, dass er mit Marine Nowak eine Reise nach Mecklenburg unternehmen wollte, weshalb er die Arbeit an seinem Projekt „Rechtsextreme in Wetzlar“ unterbrechen würde.

„Wo genau fahrt ihr hin?“, fragte Alexander.

„Unser grobes Ziel ist Güstrow, wo wir uns vor ein paar Jahren kennengelernt haben. Marina hat dort Bekannte, die ein Haus am Plauer See besitzen. Dort können wir wohnen.“

„Ich verstehe, die alte Heimat.“

„Sicher auch ein Grund. Das ist schon erstaunlich. Wenn mich jemand vor zwanzig Jahren gefragt hätte, was mir zum Begriff Heimat einfiele, hätte ich geantwortet, dass ich mich dort, wo es mir gut ginge, wohlfühlte, egal, wo ich herkäme. Heute würde ich antworten: flaches Land, Sand, Wasser, Birken und Kiefern. Vielleicht liegt das darin begründet, dass ich älter geworden und damit mehr rückwärtsgerichtet denke.“

„So etwas wie Heimweh?“

„Vielleicht, aber als einen Schmerz empfinde ich es nicht. Eher als eine Form von Geborgenheit, die ich fühle, wenn ich mit dem Auto in Richtung Nordosten fahre, das Mittelgebirge hinter mir gelassen habe, und Birken und Kiefern die Autobahn säumen. Dann sehe ich die Wälder meiner Kindheit. Die Kiefern, die wir als Kinder bestiegen hatten, als wären es Berge, in deren Wipfel wir eine Fahne befestigten und eine Urkunde, wasserdicht verpackt, ablegten. Elstern erschienen uns wie Bergadler. Wie schnell aber Kinder umdenken können, erkenne ich daran, dass wir dieselben Kiefern als Zielscheibe für ein Messerwerfen benutzten, das wir wettbewerbsmäßig organisierten.“ Es entstand eine Pause. „Was denkst du“, fragte Peter.

„Ich habe mir gerade selbst diese Frage gestellt.“

„Und, was würdest du antworten?“

„Deiner ersten Aussage stimme ich zu. Dort, wo es mir gut geht, fühle ich mich wohl. Vielleicht bin ich jetzt von deiner Aussage beeinflusst, aber ich denke schon, dass ich die Landschaft des Westerwaldes als mein Heimatland bezeichnen würde.“

„Lebtest du dein ganzes Leben hier, empfändest du niemals das, was ich gerade beschrieben habe.“

„Wir werden sehen, vorerst werde ich hier wohnen, in Wetzlar, wo ich Wohnung und Arbeit gefunden habe.“

„Apropos Arbeit, kannst du schon Näheres über dein neues Romanprojekt sagen?“

„Nur soviel, dass ich eine beziehungsweise zwei Grundideen habe.“

„Lass hören, Alexander.“

„Die Erste hatte ich, als ich mit Renate auf einem Friedhof in Schleswig war und sie mir dort ein geschändetes jüdisches Grab zeigte. Die zweite habe ich durch Michelle bekommen. Du weißt, das ist die Frau, die mir damals bei meinen Recherchen zu meinem ersten Roman geholfen hat. Das sind aber noch sehr vage Vorstellungen. Die zweite Idee hat mit deiner gegenwärtigen Arbeit zu tun, Rechtsextreme in Wetzlar. Aber da muss ich wohl auf deine Hilfe verzichten, wenn du jetzt wegfährst.“

„Das geht auch ohne mich. Ich kann dir den Kontakt zu einer Person vermitteln, die dir weiterhelfen könnte.“

„Das wäre gut.“

„Dann schreib dir mal auf.“

Alexander holte seinen Kalender, den er als Manuskriptbuch benutzte. Er drehte ihn um und begann auf dem Blatt für den 31. Dezember. „Kontaktpersonen“, überschrieb er die Seite.

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