Gerald Uhlig-Romero - Stoffwechsel

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Peter Baaks trifft auf seiner Reise die junge 22jährige Malerin Johanna. Eine wundersam, skurrile Geschichte beginnt…

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Ob das hier wohl ein Speisewagen oder der Wartesaal des Todes war? Alle spielten sich das gleiche überfreundliche Theater vor, insgeheim aber verachteten sie sich selbst und jeder verachtete den anderen. Jede Regung hier wurde vom Nutzen und von der Gier bestimmt. Jeder in diesem Speisesaal war das Opfer und der Täter seiner Umstände. Der eine ungeliebt, der andere unglücklich verliebt, der dritte ein verwöhntes Kind. Wieder andere fielen wie Sklaven ihrer Triebe übereinander her. Keiner hatte gelernt, in Gelassenheit Ausschau nach dem anderen zu halten. Die flächendeckende Sucht nach dem Geliebtwerden, nach der Umarmung des Erfolgs schwebte durch den Raum. Alle waren klatsch- und geldsüchtig! Und süchtig danach, sich ständig mit den anderen zu vergleichen. Die viel zu trockene Luft bestand aus Stickstoff, Sauerstoff, Wasserstoff und Neid. Neidorgien. Schwarmhysterie. Jeder hegte den heimlichen Wunsch, der andere möge scheitern. Unstillbarer Hunger im Speisesaal nach Anerkennung, nach Ruhm, nach Zugehörigkeit, nach sozialem Aufstieg, nach unendlicher Vergrößerung. Kein Durchatmen. Gespräche, Drachengespräche, die einfach nicht verwehten.

„Du bist mir schuldig, was ich brauche! Du bist schuld an meiner Langeweile! Du bist schuld an meiner Unzufriedenheit! Die ganze Welt ist schuld an meinem Unglück!“, tönte es durch die Sphäre des Raumes. Andere Gäste wirkten so seltsam verschlossen in ihren Körpern, dass Baaks hätte nachfragen wollen:

„Hallo, ist da jemand zu Hause?“

Die meisten in diesem Speisesaal hatten die Hälfte ihres Lebens hinter sich und ahnten, dass sie einen großen Teil davon verschwendet hatten, und weil sie nichts Sinnvolles mit ihrer Zeit anzufangen wussten, schienen die hier Anwesenden ihre Lebenszeit nur herumkriegen zu wollen, und das möglichst nicht allein, sondern in beliebiger Gesellschaft.

In Wirklichkeit aber hatten die Gäste in diesem Speisewagen eine panische Angst vor ihrer Wegdenkbarkeit. Auch waren sie voller Ängste davor, die Geborgenheit und Ordnung ihrer falschen Gewohnheiten zu verlieren. Sie waren Erschlagene von der Überfülle sinnloser Produkte, reduziert auf graues Mittelmaß, abgerichtet zu tumben Konsumenten. Ihr Leben war zu einer trockenen Pflichtveranstaltung verkommen, farblos, ohne Lieder. In einem solchen Dämmerzustand könne kein Land mehr tanzen, dachte Baaks. In Wirklichkeit sehnten sie sich nach dem Tier, dem Abenteuer, dem Chaos, dem Unerwarteten, nach der Liebe. Und sie sehnten sich nach dem Erlöser, der sie aus ihren Käfigen befreien möge. Baaks schaute in die Runde und dachte, wer sich ständig in dieser Art von Gesellschaft aufhielt, der könne eigentlich nicht authentisch sein, da die ganze Scheiße der anderen ständig auf ihn abfärbte.

Baaks fragte sich gerade, ob er nicht selbst schon zu einer dieser ekelhaften, zynischen und übersättigten Figuren geworden war, als plötzlich die Kellnerin wieder vor ihm stand und seine Gedanken unterbrach. Wieder lächelte sie ihn an und legte ihm gleichzeitig die Rechnung auf seinen Tisch. Baaks zahlte.

„Ich will Ihnen nicht zu nahe treten“, sagte Baaks schüchtern, „aber ich würde gerne wissen, wie Ihr Name ist?“ „Treten Sie mir ruhig zu nahe“, antwortete die Kellnerin. Nach einer kurzen Pause fügte sie hinzu:

„Johanna, ich heiße Johanna! Auf Wiedersehen, Mr. Baaks.“ Sie ging und verschwand im hinteren Teil des Speisewagens. Baaks war verblüfft. Ihre Schönheit überwältigte ihn. Und klang „Treten Sie mir ruhig zu nahe“ nicht genau so, wie in jenen Szenen, in der diese Schauspielerin, deren Namen Baaks noch immer nicht eingefallen war, flüsterte:

„Wollen wir sterben oder ficken?“

Kapitel 7: Peter Baaks verließ den Speisesaal

Als Peter Baaks den Speisesaal verlassen hatte, vergaß er auf der Stelle die hysterisch-keifende Gesellschaft. In ihm kam ein Glücksgefühl auf, wie er es seit Jahren nicht mehr verspürt hatte. Beschwingt lief er den Gang des Zuges entlang in Richtung seines Abteils und redete dabei laut vor sich hin: „Hey, Baaks, du lebst ja noch! Du lebst! Du atmest, du bist am Leben! Und ein neues Herz ist vielleicht an deiner Seite. Viele um dich herum haben bereits Tumore, andere liegen in deinem Alter bereits mausetot am Schreibtisch. Gesund oder krank, egal, auch wer gesund stirbt, ist definitiv tot und hat vielleicht sein Leben verpasst. Ein kurzes, authentisches Leben kann manchmal erfüllter sein als ein langes, und man kann um einiges glücklicher leben, wenn man Frieden mit seinem Leben, seinen Kränkungen und dem Tod macht. Es gibt so viele gesunde Schwachköpfe, die lustlos durch ihr Leben stolpern, und Menschen mit Krankheiten und Behinderungen sind nicht selten Lebenskünstler mit praller Lust am Dasein.“ Baaks betrat sein Abteil, setzte sich euphorisch auf den Platz am Fenster. Er genoss die Sommerlandschaft, durch die ihn der Zug fuhr, das satte Grün der Wälder, die kleinen Dörfer voller Glück. Er dachte an nichts anderes als an Johanna, er dankte dem Zufall für die Begegnung mit ihr.

Plötzlich stand wieder das Kind draußen auf dem Gang des Zuges. Sein Blick war auf Baaks gerichtet. Der Anzug, den er trug, war nun hellrot, und statt der gelben Fliege trug das Kind eine dunkelblaue Krawatte um seinen Hals.

Kapitel 8: Peter Baaks beerdigte seine Mutter

Als Peter Baaks 21 Jahre alt war starb seine Mutter. Baaks war Schulversager, hatte keine Abschlüsse und alles, was er bis dahin wusste, hatte er erraten oder von seiner Mutter erfahren. Sein Vater lebte noch. Irgendwo. Baaks hatte kein Interesse an ihm. 99 Jahre alt sollte er sein, ein alter Hai, der längst die Orientierung im Meer verloren hatte. Sie waren sich nie nähergekommen, waren sich zeitlebens immer Fremde geblieben.

Am Tag, als Baaks Mutter beerdigt wurde, stand er allein am Grab und sprach mit ihr:

„Mutter, dir habe ich es zu verdanken, dass meine kleine Persönlichkeit nicht vom ersten Tag an erstickt wurde. Durch deine liebevolle, aber auch strenge Zuneigung ist es meinen Schulen nicht gelungen, mich zum angstgepflasterten Mittelmaß abzurichten. Du hattest mir immer gesagt, ich solle mich nie damit abfinden, nur ein Hamster zu werden, dazu bestimmt, das Hamsterrad im Hamstersystem einfach weiterzudrehen. Du bist mit deinen weißen Boxhandschuhen in meine Schule gegangen und hast meinen Lehrern Schläge ins Gesicht versetzt und ihnen zugerufen, dass sie sofort aufhören sollten, mich zu einem traurigen, unsichtbaren und austauschbaren Konsumenten zu machen. Mutter, du hast mit deiner direkten und spontanen Art mein Leben so reich an wundersamen Eindrücken gemacht. Jede Woche kamst du singend mit einer anderen Frisur und Haarfarbe nach Hause. Du hattest ständig Launen und Stimmungen, du hattest furchtbare Depressionen, und ich war für die Harmonie zuständig. Ich habe mein ganzes Leben versucht deine Launen und hysterischen Anfälle auszuhalten und sie auszugleichen, denn wenn mir das misslang, gab es keine Liebe.

Aber ohne deine Liebe war ich verloren.

Du hast mir aber auch immer gezeigt, wie man im Leben Chancen und Möglichkeiten finden konnte. Du hast mir, wenn ich deine Ängste gelöst hatte, viele wunderbare Geschichten erzählt. Auch die von Kairos, dem griechischen Gott der Gelegenheit, der an seinem kahlen Kopf eine Locke auf der Stirn trägt, da müsste ich ihn packen, sonst ginge er vorüber. Ich müsse lernen etwas aus meinen Möglichkeiten zu machen, denn Möglichkeiten oder Gelegenheiten im Leben zu haben, sei das größte Geschenk, das es gäbe. Mutter, du hast nie aufgehört, an meine Begabungen zu glauben. Und du hast nie aufgehört, mich zu quälen und zu erpressen. Ungerechte Vorwürfe hast du mir oft entgegengeschleudert, auf der anderen Seite hast du mir gezeigt, wie ich aus Sonnenenergie Lebenslust gewinnen kann. Ich solle immer meinem Instinkt und meiner Intuition vertrauen, sagtest du mir. Du hast die interessantesten Bücher gelesen, immer mit der Zigarette zwischen deinen Fingern, und mir von dem US-Neurologen Daniel Levitin erzählt, der über diese 10.000-Stunden-Regel geschrieben hat, die besagte, dass man mindestens 10.000 Stunden lang üben müsse, bevor man eine komplexe Aufgabe bewältigen könne. 10.000 Stunden, bestehend aus Fleiß, Disziplin und Ausdauer. Du wüsstest, sagtest du zu mir und streicheltest dabei meine Stirn, so lange zu üben sei schwer. Es bräuchte nicht nur meine Geduld, sondern auch die Geduld derer, die mit mir übten. Und deshalb bedürfe es der Unterstützung einfühlsamer Menschen um mich herum. Ein lernendes, neugieriges Kind brauche ständig Feedback. Aber eine einsame Mutter brauche auch ständig Feedback vom einzigen Sohn. Ich bräuchte kluge Zeugen meines Tuns, kluge Zeugen meines Daseins. Und immer wieder müssten meine Lehrer liebevoll und aufmerksam Konzentration einfordern, bis die Konzentration zu meiner Konzentration geworden sei. Zur Menschwerdung reiche das Vermögen eines einzelnen Gehirns nicht aus. Das Gehirn sei das Organ, mit dem wir uns in der Welt orientierten, uns unseren Platz suchten. Nur dieses Gehirn werde eben erst im Kontakt mit der Welt geformt. Mit ihr bekomme es seine Inhalte. Und mein Gehirn werde sich so entwickeln, wie ich es zu benutzen gelernt habe. Das Gehirn sei ein Muskel, und man müsse viel Glück haben, um guten Trainern zu begegnen. Und wenn wir begeistert seien, würde das Gehirn am meisten erblühen. Entscheidend sei gewesen, dass die Gehirne in direkten Kontakt zueinander getreten seien. In dem Moment, wo es den Urmenschen gelungen sei, den Inhalt ihrer Gedanken miteinander zu teilen, war an die Stelle des einzelnen Denkens der Intellekt des Kollektivs getreten. ,Ohne diese Vernetzung der Gehirne wäre keine der großen menschlichen Leistungen möglich gewesen, mein Sohn. Wir sind alle immer die Nutznießer vom dem, was vor uns schon da war. Nur weil du auf den Schultern von Riesen standest, war es dir möglich zu entdecken, was du für dein Leben brauchtest. Ohne Austausch mit den Mitmenschen hätten Pythagoras, Newton, Darwin und Einstein nicht einmal das Einmaleins beherrscht. Ohne liebevollen Kontakt und Zuspruch der Artgenossen wäre ein Menschenkind überhaupt nicht lebensfähig. Geist und Körper würden verkümmern, Handwerkskunst, Algebra, Poesie, Musik, Architektur, all das wäre ohne diese Hilfe gar nicht möglich. Ich werde es nicht hinnehmen, mein Sohn, dass du diese dümmlichen Anschläge deiner Lehrer auf dein Gehirn weiter ertragen musst. Auch die psychischen Anschläge deiner Mutter werden dich für den Rest deines Lebens schwächen. Dieses Anfüllen mit Schwachsinn, Schuldgefühlen und Ängsten verwandeln das Gehirn in einen gelben Brei. An nachwachsenden Talenten fehlt es nie, sondern immer nur an guten, gesunden Gehirnen, die die Kinder gut ins Leben führen. Mit deiner Geburt, mein Junge, brachte ich deinen Körper zur Welt, an deiner Person aber haben wir alle herumgepfuscht, und deinen brennenden Wirrkopf haben wir erst im Laufe deines Lebens erschaffen.‘ Mutter“, sagte Baaks weiter am Grab, „noch bis ins hohe Alter hast du Reisen unternommen, mir Postkarten geschrieben, die ich alle im Laufe der Jahre gesammelt habe.“

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