Gerald Uhlig-Romero - Stoffwechsel
Здесь есть возможность читать онлайн «Gerald Uhlig-Romero - Stoffwechsel» — ознакомительный отрывок электронной книги совершенно бесплатно, а после прочтения отрывка купить полную версию. В некоторых случаях можно слушать аудио, скачать через торрент в формате fb2 и присутствует краткое содержание. Жанр: unrecognised, на немецком языке. Описание произведения, (предисловие) а так же отзывы посетителей доступны на портале библиотеки ЛибКат.
- Название:Stoffwechsel
- Автор:
- Жанр:
- Год:неизвестен
- ISBN:нет данных
- Рейтинг книги:5 / 5. Голосов: 1
-
Избранное:Добавить в избранное
- Отзывы:
-
Ваша оценка:
- 100
- 1
- 2
- 3
- 4
- 5
Stoffwechsel: краткое содержание, описание и аннотация
Предлагаем к чтению аннотацию, описание, краткое содержание или предисловие (зависит от того, что написал сам автор книги «Stoffwechsel»). Если вы не нашли необходимую информацию о книге — напишите в комментариях, мы постараемся отыскать её.
Stoffwechsel — читать онлайн ознакомительный отрывок
Ниже представлен текст книги, разбитый по страницам. Система сохранения места последней прочитанной страницы, позволяет с удобством читать онлайн бесплатно книгу «Stoffwechsel», без необходимости каждый раз заново искать на чём Вы остановились. Поставьте закладку, и сможете в любой момент перейти на страницу, на которой закончили чтение.
Интервал:
Закладка:
Nein, er kannte sich nicht besonders gut aus bei sich selbst, er hatte nur verschwommene Ahnungen, wer er eigentlich war, und noch keine, wer er sein wollte. Als junger Mann war Baaks häufig aggressiv, wütend, unzufrieden, er teilte übel aus, er war gefangen in schlechter Laune, er hatte sich nicht gut dabei getan, er hatte wenig Zuneigung zu sich selbst, und seine Ängste waren gewuchert wie Unkraut.
Peter Baaks zündete sich eine Zigarette an und noch immer war sein Blick hinaus auf den Gang des Zuges gerichtet, wo er den kleinen Jungen hatte stehen sehen.
Sollte er in seiner damaligen Not Erfinder werden? Um sich zum Beispiel ein eigenes Ich zu erfinden? Für ihn als Kind wirkte die Welt damals so gewaltig, so groß, perfekt, so be-drohlich. Alle Gedanken waren gedacht, die Natur der Dinge erforscht. Die Weltbilder der Philosophie, der Religionen, der Wissenschaften, die auch noch gegenseitig in Kriegen lagen, alles war bereits da! Was sollte er nur tun in dieser Welt, in die er ungefragt geworfen worden war?
Wie sollte er ihr begegnen? Die anderen würden schnell spüren, wenn man sich in Richtung Verzweiflung begeben würde, denn keiner will es mit einem verzweifelten Menschen zu tun haben. Ein starkes Ich muss her, dazu verdammt viel Glück, verdammt viel Zufall und eine gute Gesundheit. Was aber Baaks vorzuweisen hatte, war nichts als eine schwache Ausstattung. Welcher Ausweg würde sich ihm bieten?
Kapitel 5: Die Mutmaschine
So hatte sich der kleine Peter Baaks eine Mutmaschine erfunden. Er wusste in diesem Augenblick, dass er durch sie die Kraft bekommen würde, sich in jedem Augenblick seines Lebens zurechtzufinden, ja neu zu erfinden. Er würde sich ein Selbst aus dem Staub der Dinge erschaffen, ein Selbst, das all dem gewachsen sein würde. Als Erster würde er anklopfen, als Erster würde er eintreten. Das hatte er sich selbst bereits beigebracht. Weiter würde er sich selbst ein Haupt aufsetzen und groß denken und durch diese Selbstbehauptung Aufmerksamkeit erzeugen und alle würden begeistert sein von ihm und seiner charmanten Selbstbehauptung. Mit seiner Mutmaschine würde er sich auch das Gefühl erfinden, mittendrin zu sein, von allen geachtet, bewundert. Er würde im Varieté des Lebens auftreten und die kleinen Komplikationen seines erfundenen Selbst in Unterhaltung verwandeln. Nicht im Käfig der zoologischen Gärten, wo sich die meisten aufhalten, ohne Tänze, ohne die Farbspiele unter den Röcken der Poesie. Auf der Bühne seines Varietés würde er schreien, wenn dem Außergewöhnlichen wieder und wieder die Handschellen angelegt würden und das Mittelmaß zum Maß aller Dinge ausgerufen würde. Aus geistigen Einbahnstraßen würde Baaks Durchfahrtstraßen bauen, und sein Kopf würde ein Vulkan sein, mit dem er seine brennende Sehnsucht gegen eine abgelebte, verkrustete Welt spuckte. Oder sollte er sich später in seinem Leben als Schriftstehler versuchen, den ererbten und weiterentwickelten Wahnsinn seines Lebens abschreiben und ihn als Literatur zwischen zwei Buchdeckel quetschen? Würden die Menschen ihn lieben, wenn er mit seinem Stift den Nebel ihrer Spiegel abkratzen würde! Nein, sie würden ihn nicht lieben. Niemand will etwas mit einem verzweifelten Menschen zu tun haben, schon gar nicht mit einem verzweifelten Dichter. Nein, seine Mutmaschine wird es nicht zulassen, dass er ein verzweifelter Mensch wird. Sie wird ihm immer wieder helfen, sich ein neues Immunsystem zu schaffen, damit er die Schlachten der lauen Temperaturen inner- und außerhalb seines Körpers gewinnen würde.
Baaks öffnete die Tür zu seinem Abteil. Er lief hinaus auf den Gang in der Hoffnung, den Jungen zu sehen, aber er konnte ihn nicht mehr sehen. Stattdessen stand der Schaffner da. Er fragte Baaks, ob er einen Wunsch hätte. Zuerst verneinte Baaks, doch dann verspürte er Appetit. Der Schaffner zeigte ihm den Weg zum Speisewagen, und obwohl Baaks jede Ansammlung von Menschen zuwider war, entschied er sich, den Speisewagen aufzusuchen.
Kapitel 6: Peter Baaks begab sich in den Speisewagen
Als Peter Baaks den Speisewagen betrat, war dieser voller Menschen. Es war laut, es roch nach schlechtem Essen, verbrauchter Luft und dieser gewissen geistigen Enge. Die Ather-schwingungen dieses Raumes behagten ihm nicht, es ekelte ihn eher an und Baaks wollte sofort umkehren, zurück in die Abgeschiedenheit und Ruhe seines Zugabteils. Aber plötzlich sah er die Kellnerin, und es war ihm unmöglich, diesen Ort zu verlassen. Baaks suchte nach einem freien Platz, aber er konnte keinen finden. Er stand eine Weile mitten im Speisewagen. Blicke waren auf ihn gerichtet, die er so nie gewollt hatte. Aber er konnte nicht gehen. Die Kellnerin ließ es nicht zu. Er musste in ihrer Nähe bleiben. Nach langen acht Minuten wurde ein kleiner Tisch frei und Baaks setzte sich.
Er sah in die Speisekarte, die auf dem Tisch lag, und er wartete. Er wartete, bis die Kellnerin zu ihm kam. Sie lächelte ihn an und Baaks lächelte zurück und seit langem fühlte er wieder seinen Herzschlag. Er bestellte einen kleinen Espresso, dazu ein Glas stilles Wasser. Ihre Frage, ob er etwas essen wolle, verneinte Baaks. Da stünde nichts auf der Karte, was ihm behagen würde. Die Kellnerin ging. Es dauerte fünf Minuten und sie kam mit einem silbernen Tablett zurück, auf dem die Espressotasse stand und daneben das Glas mit stillem Wasser. Sie stellte das Tablett auf seinem Tisch ab. Sie lächelte und Baaks lächelte schüchtern zurück. Sie ging. Sie ging fort von ihm und Baaks blickte ihr nach. Und in seinem Blick lag die gesamte Klaviatur seiner Gefühle und er war überwältigt davon, dass er noch die Fähigkeit besaß, diese zu spüren. Auf dem hellbraunen Zuckertütchen stand in Handschrift geschrieben, dass der Tod der einzige Unsterbliche sei. Das sei sehr ungewöhnlich für eine Werbung auf einem Zuckertütchen, dachte Baaks. Oder hatte sie das geschrieben? Für ihn? Und wieder beobachtete er, wie die Kellnerin die Bestellungen aufnahm, wie sie die Getränke und Speisen servierte. Er sah die geilen Blicke der Männer und Frauen, die auf die schöne Kellnerin gerichtet waren, und Baaks war eifersüchtig auf diese Blicke und er dachte, dass nur er diese Frau anschauen dürfe, dass sie nur für ihn da sei. Sie ähnelte ein wenig einer Schauspielerin, deren Namen ihm nicht einfiel. Aber die Filmszene, in der diese Schauspielerin vorkam, war ihm vor Augen. Sie stand am Abgrund einer Schlucht und flüsterte einem Mann zu:
„Wollen wir sterben oder ficken?“
Baaks öffnete das Zuckertütchen, das er noch in seiner Hand hielt. Er gab das fein gemahlene Weiß auf seinen Löffel. Wie durch eine Sanduhr ließ Baaks den Zucker nun auf die schwarze Oberfläche rieseln, bis auf ihr ein kleiner Zuckerberg entstanden war, der bald versank und sich löste tief unten im Schwarz. Jetzt erst wurde Baaks wieder bewusst, dass er sich in diesem Speisewagen aufhielt, mit diesen vielen Stimmen, die alle durcheinander durch den Raum schwirrten. Dieser Ort hier kam ihm vor wie ein tausendköpfiger Drachen, der mit
1.000 falschen Zungen sprach. Warum gaben sich die Gäste hier alle so aufgeregt, so überwichtig, und Baaks beschlich ein Gefühl, als wären diese Menschen in Wirklichkeit alle die Gefangenen ihrer selbst, in selbst gebauten Käfigen, in die sie sich im Laufe ihres Lebens eingesperrt hatten. Auch die Luft, die verbrauchte, abgestandene, machte ihm wieder zu schaffen wie schon am Anfang, als er den Speisewagen betreten hatte. Die Gäste hier schienen blind für die eigentlichen Fragen ihres Lebens und Baaks dachte, dass für diese Menschen hier diese
Blindheit auch noch normal sei. Waren sie hier nicht alle Opportunisten aus Überzeugung, humorlos, farblos, Menschen, die immer alles verachteten, was aus ihrem engen Käfigrahmen herausfiel. Baaks nahm einen nächsten Schluck aus seiner Espressotasse und schaute auf seine Uhr. Wann käme die Kellnerin zurück, zurück zu ihm? Wann würde sie ihn von hier erlösen? Sein Blick schweifte unruhig durch den Saal. Er suchte die Kellnerin, ihr Lächeln, ihre Schönheit, ihre Kraft. Aber Baaks konnte sie im Moment nicht finden. Und Baaks Gedanken holten ihn wieder ein.
Читать дальшеИнтервал:
Закладка:
Похожие книги на «Stoffwechsel»
Представляем Вашему вниманию похожие книги на «Stoffwechsel» списком для выбора. Мы отобрали схожую по названию и смыслу литературу в надежде предоставить читателям больше вариантов отыскать новые, интересные, ещё непрочитанные произведения.
Обсуждение, отзывы о книге «Stoffwechsel» и просто собственные мнения читателей. Оставьте ваши комментарии, напишите, что Вы думаете о произведении, его смысле или главных героях. Укажите что конкретно понравилось, а что нет, и почему Вы так считаете.