Ich stehe vor dem Spiegel und sehe ein dünnes Mädchen mit dunkelblonden Haaren und großen grünen Augen. Ich weiß, dass dieses Mädchen alles machen kann, was sie sich vornimmt. Sie sieht aus, als wäre sie weise und schüchtern und hätte eine starke Sehnsucht. Mein Kumpel Frederick sagt, ich sollte etwas Soziales studieren. Ich hätte durch meine Eltern kein Problem mit schwierigen Situationen. Ich weiß nicht, ob das stimmt. Ich weiß nur, dass ich Fernweh habe. Fernweh nach Himmel, Wellen, Wind, nein Sturm. Eisklare Luft, vielleicht nicht gemähtes Gras, dass vom der Wind erst in die eine, dann in die andere Richtung gepeitscht wird. Frederick, Samira und Tine wollen nach New York. Ich kann mich nicht entscheiden, mit ihnen zu fliegen. Ich habe auch nicht genug Geld dafür. Ich bewerbe mich für Arbeitsplatz auf Island. Es werden junge Leute gesucht, die für ein geringes Gehalt auf Farmen mitarbeiten. Wenn es klappt, dann gehe ich dorthin. Wenn es nicht klappt, versuche ich an das dafür notwendige Geld zu kommen und fliege ich mit den anderen nach New York. Ich will nicht nach New York. Aber ich möchte mit Frederick, Samira und Tine Abenteuer erleben. Sie möchten unbedingt in die USA und auch dringend in die möglichst größte Stadt. Ich träume von Weite und klarer Luft, von Seevögeln und Einsamkeit.
„Mach doch ein freiwilliges ökologisches Jahr auf einer Nordseeinsel“, sagt meine Mutter, während sie unser Abendessen zubereitet, „oder einer Ostseeinsel.“ Ich kann nichts sagen. Mein Kopf ist leer. Es ist zu viel für mich. Ich habe mich für einen Arbeitsplatz auf einer Farm in Island beworben und möchte über nichts mehr nachdenken. Sie weiß doch, dass ich mich in Island beworben habe. Ich decke den Tisch. Wie oft habe ich diesen Tisch wohl schon gedeckt.
Ich bin im Flugzeug geflogen, am Flughafen gelandet, habe samt meinem Gepäck dann wie geplant den richtigen Bus genommen und stehe jetzt an dem Busbahnhof in Reykjavik. Hoffentlich bin ich am richtigen Ort. Die Zeit stimmt. Ich stehe da, eingekreist von einem Koffer und einer Reisetasche, mit einem Rucksack auf dem Rücken. Ich habe mir das Schild um den Hals gehängt, das ich in Deutschland angefertigt habe. Es könnte „Bin am Ende der Welt“ oder „Mir geht es gut, ich sehe immer so aus“ darauf stehen. Aber es steht die Adresse meiner Arbeitsfarm darauf. Wie verabredet.
Конец ознакомительного фрагмента.
Текст предоставлен ООО «ЛитРес».
Прочитайте эту книгу целиком, купив полную легальную версию на ЛитРес.
Безопасно оплатить книгу можно банковской картой Visa, MasterCard, Maestro, со счета мобильного телефона, с платежного терминала, в салоне МТС или Связной, через PayPal, WebMoney, Яндекс.Деньги, QIWI Кошелек, бонусными картами или другим удобным Вам способом.