Am 12.Juli 1808 verließ Wellesley Cork an Bord des Transporters H.M.S. Dougal. Doch bereits am nächsten Tag stieg er auf den schnellen Segler H.M.S. Crocodile um. Seine Überfahrt nach Portugal war ein Wettlauf gegen die Zeit geworden. Die geheime Mission von Jack Robertsons in Holstein hatte einen erfolgreichen Abschluss gefunden. Der spanische General Marquis de la Romaña hatte es geschafft sich zusammen mit seinen Soldaten abzusetzen. Er erwartete seinen britischen Kameraden mit insgesamt neuntausend Mann in La Coru?a, an der Atlantikküste. Sie waren direkt unter Marschall Bernadottes Nase entwischt und von einem englischen Konvoi auf der Insel Fören eingeschifft worden. Wellesley wollte so schnell, wie möglich Kontakt zu den Junten in den verschiedenen spanischen Provinzen herstellen. Die Ereignisse in diesem Land hatten sich überschlagen und geboten rasches Handeln. Napoleon hatte sich verschätzt, als er angenommen hatte, dass spanische Volk könnte von seiner Regierung abhängig gemacht werden und würde klaglos den neuen König, Joseph, von Bonapartes Gnaden akzeptieren. Er hatte ebenfalls vergessen, wie wichtig den Spaniern ihre Religion, ihr Glaube an den jungen König Ferdinand VII., ihr Stolz und ihr Widerstandsgeist gegen eine französische Unterjochung waren. Anstatt den Dynastiewechsel demütig zu akzeptieren, entflammten die Spanier in ihrem Hass auf die Franzosen und ihre Machenschaften einen Volkskrieg. Am 1.Mai bereits, hatte Madrid sich gegen die dort stationierten Truppen Murats erhoben. Dieser Aufruhr wurde noch vehementer, als bekannt wurde, dass der französische Kaiser den Befehl erteilt hatte, alle übrigen Mitglieder des Königshauses de Bourbon zu verhaften und nach Frankreich zu verschleppen. Eine Menschenmenge hatte sich vor der Puerta del Sol versammelt um zu verhindern, dass Don Francesco de Bourbon gefangengenommen wurde. Französische Soldaten, die man unbegleitet fand, wurden niedergemetzelt. De Monceys Truppen, die vor Madrid ihr Lager hatten, wurden vom Schwager des französischen Kaisers in die Stadt beordert, um seinen eigenen Truppen zu helfen, den spanischen Widerstand im Blut zu ertränken. Gegen Murat selbst wurde ein Attentat verübt und das Messer des Guerilleros verfehlte sein Herz nur um wenige Zentimeter. Der Attentäter starb mit den Worten “ Viva Espa?a, Viva Ferdinand! “ auf den Lippen. Dann begannen französische Militärgerichte die gefangenen Rebellen abzuurteilen und mit jedem Schuss, der einen Aufständischen niederstreckte, schuf Bonaparte einen spanischen Märtyrer und Helden. Im Lande formten sich verschiedene Widerstandsnester und Militärjunten: Valencia, Asturien, Sevilla. Widerstandsarmeen wurden von den Generälen Ferdinands und von den Familien des spanischen Hochadels ausgehoben. Am 10.Juni 1808 schließlich hatte die Junta von Sevilla über den englischen Gouverneur von Gibraltar König George III. um Militärhilfe im Kampf gegen Frankreich ersucht. Und dies obwohl das Land sich offiziell noch mit England im Krieg befand. Die Spanier im Widerstand, zogen Truppen aus Portugals besetzten Provinzen ab und begannen mit der Junta von Oporto und Don Antonio de Castro, dem patriotischen und allgemein beliebten Bischof von Oporto zu paktieren. Englands Flotte gelang es, vor Cádiz, in einem waghalsigen Handstreich, Napoleons Transportflotte, die auf dem Weg nach Lissabon war, zu kapern. Damit waren Junots Nachschubwege unterbrochen und das arme Land Portugal konnte die Soldaten nicht mehr länger ernähren. Zwar war der größte Teil der königlichen, spanischen Armeen über das ganze Land zerstreut und kaum in der Lage, effektiv zu kämpfen, doch eine dreißigtausend Mann starke Truppe unter dem gemeinsamen Befehl der Generäle de la Cuesta und Blake befanden sich in Galizien und in Andalusien verfügte General Casta?os über eine einsatzfähige Streitmacht. Überall im Land wurden Milizen zusammengestellt und Guerillabanden formierten sich. Napoleon Bonaparte hatte in ein Hornissennest gestochen.
Die H.M.S. Crocodile brauchte für die Überfahrt nur neun Tage. Am 21.Juli 1808 landete General Wellesley in La Coru?a. Die Spanier feierten seine Ankunft. Als er das Schiff verließ, fühlte er sich, wegen der jubelnden Bevölkerung sehr verlegen. Ein einziger Soldat, noch nicht einmal in der Uniform Seiner Majestät, betrat spanischen Boden und eine ganze Stadt schien sich vor Freude zu überschlagen. Arthur hatte bei seinen Gesprächen mit der Junta und General de la Romaña das Gefühl bekommen, dass die Qualität des wahren Patrioten sich hier an seinem Hass auf die Franzosen maß. Sofort schrieb er an Robert Castlereagh, dass es unbedingt notwendig war, alle spanischen Provinzen im Aufstand mit englischem Geld, Waffen und Munition zu unterstützen. Er wusste nun genau, dass diese zweite Front auf der Iberischen Halbinsel Frankreich zerbrechen und damit Europa die Freiheit wiedergeben würde. Die Spanier und Portugiesen waren so voll Hass, dass sie bis zum letzten Blutstropfen kämpfen würden. Der einzige Wermutstropfen in diesem positiven Bild war, dass die Iberer noch wie Dilettanten an den Feind herantraten. Am 14.Juli 1808 hatte Marschall Bessi?res die galizische Armee unter General de la Cuesta bei Medina del Seco blutig geschlagen. Und trotzdem wollte die Junta keine echte militärische Unterstützung von den Briten. Man wollte lediglich Waffen, um die Widerstandsarmeen auszurüsten. Spanischer Stolz ertrug es nicht, von ausländischen Offizieren ausgebildet und kommandiert zu werden. Und der Hochmut der spanischen Generäle verbot es ihnen, vor einem fremden General zuzugeben, dass ihre Taktik und die Ausbildung der Truppen unzureichend waren. Die drei südlichen Provinzen Portugals, die vormals von den Spaniern besetzt waren, hatten sich gegen Frankreich erhoben. Wellesley musste nach Oporto segeln, um dort mit der Junta und dem Bischof die Einzelheiten einer britischen Landung an den Küsten des Landes abzusprechen. Ein Kurier des Geistlichen hatte ihn bereits in Coru?a erwartet. Die Portugiesen drängten Wellesley zu allergrößter Eile drängte und ihr Anführer im Widerstand sicherte ihm jede nur mögliche Unterstützung zu.
Arthur ging gemeinsam mit Jack Robertson an Bord der „ H.M.S. Crocodile“ . Beide Männer hatten noch keine Zeit gefunden in Ruhe miteinander zu sprechen. Unter Deck war es schwül und dämpfig. Nichtsdestoweniger forderte die Geheimhaltung, dass beide sich an einen Ort begaben, wo sie wirklich ungestört miteinander waren. Wellesley verschloss sorgfältig die Tür seiner Kabine und zündete eine Kerze an. Es gelang ihm einfach nicht, sich an die Enge dieser Schiffe zu gewöhnen und an den fürchterlichen Gestank an Bord. Sein Magen war in Aufruhr und er konnte nichts, von dem was John Dunn auf den Tisch gestellt hatte anrühren. Pater Robertson schien von den äußeren Umständen völlig unberührt und griff herzhaft zu. “Sir Arthur, Sie sollten zumindest ein Gläschen Brandy trinken, um Ihren Magen zu beruhigen. Sie sind leichenblass.” Der General schenkte sich ein Glas ein und trank. Angewidert verzog er das Gesicht. “ Verdammt, ich bin dieses hochprozentige Gebräu gar nicht mehr gewöhnt.” Fluchte er leise. Der Geistliche hob die Kerze und leuchtete Arthur an. “Aber Sie haben wenigstens wieder Farbe bekommen. Los, trinken Sie aus. Es bringt Sie nicht um. Jetzt erzähle ich Ihnen, wie ich de la Romaña überredet habe, mit mir zu kommen.”
Robertson hatte nach seiner Ankunft in Hamburg, durch einen Kaufherren, der für die Briten arbeitete, die Bekanntschaft eines spanischen Geistlichen gemacht. Durch diesen Priester, mit dem er sich auf lateinisch unterhielt, erfuhr er das de la Romañas Hauptquartier auf die Insel Fünen, nach Dänemark verlegt worden war. Bernadotte wollte dem Spanier jede Möglichkeit nehmen, Verrat zu begehen, so unsicher waren sich die Franzosen, was den hohen Offizier anbetraf. Robertson machte sofort Meldung an Mackenzie und Nicholas auf Helgoland. Er hatte beschlossen, unter seiner neuen Identität nach Dänemark zu reisen. Der Hamburger Kaufherr besorgte ihm Zigarren und Tabak, um Robertsons Tarnung als bayrischer Händler noch glaubwürdiger erscheinen zu lassen. Am 18 Juni 1808 landete Dr. Jack Robertson alias Adam Rorauer, Tabakonist aus Nürnberg auf Fünen. Um mit den Spaniern in Kontakt zu kommen, bot er seine Ware besonders preiswert an. Er richtete es ein, sich mit einem Adjutanten de la Romañas auf diesem Wege anzufreunden. Eines Abends, bei einem Glas Bier, eröffnete Robertson-Rorauer dem jungen Spanier seine wirkliche Mission und bat ihn, ein Treffen mit dem General zu arrangieren. Anfänglich war der Adjutant, ein Hauptmann Mendes, wie vor Angst erstarrt und wollte weglaufen. Er dachte, Robertson wäre ein französischer Provokationsagent, der de la Romañas zu einem Schritt verleiten wollte, der Bernadotte die Möglichkeit geben würde, den Andalusier wegen Verrat hinzurichten. Um Mendes zu beruhigen und sein Vertrauen zu gewinnen, musste Robertson ihm seine wahre Identität anvertrauen. Der Priester hatte sein Leben damit in die Hand des Adjutanten gelegt. Am nächsten Abend organisierte Mendes für Robertson-Rorauer einen Verkauf seiner Waren in der spanischen Offiziersmesse. De la Romaña war anwesend. Zu später Stunde nahm der Benediktiner unter einem Vorwand den spanischen General beiseite. Er erzählte ihm, wie durch Canning aufgetragen, von dem Treffen des Generals mit dem britischen Botschafter John Hookham Frere in de la Romañas Schloss in Toledo. Er sprach von der Bibliothek des Andalusiers und von dem Gemälde über dem Kamin, dass St.Peter und St.Johannes vor dem Tor des Tempels zu Jerusalem zeigte und vom Hofmaler Karls III für die Familie des Adeligen gemalt worden war. Dann zitierte er, wie einst Hookham Frere unter diesem Bild, einige Zeilen aus einem Gedicht von Milton. De la Romaña fiel ein und deklarierte das Ende des Verses. Die waghalsige Operation der Engländer war geglückt. Der Andalusier war bereit sich gemeinsam mit den Briten zu schlagen.
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