…liebe Zuschauer, wir präsentieren Ihnen…
…die dümmsten…
…Attentäter…
…der Welt…
…das Beste für Ihre Katze…
…ist eine Steuerreform…
…mit zartem Schmelz und feiner Füllung…
…mit dem neuen Vier-Klingen-System…
…das viele verurteilte Verbrecher bereits den Kopf gekostet hat…
…da geht was ab…
…alles muss raus…
…die Hinrichtung…
…ein Gedicht…
…aber wie krieg ich die Flecken aus dem Teppich…
…nach einem Anschlag auf den…
…guten Geschmack…
…Deutschland hofft jetzt auf…
…noch mehr Tote…
…da sind die Erwartungen hoch…
…die Vorhersagen für morgen…
…niedrige Preise…
…hohe Verluste…
…ein Fest für die Sinne…
…eine unglaubliche Katastrophe…
…und es war…
…einfach spitze…
…sie zu identifizieren, denn…
…die Leiche hatte…
…blendend weiße Zähne…
…und wedelte freudig mit dem Schwanz…
…was der chinesische Außenminister in seiner Ansprache…
…vor dem Big Brother Haus…
…so richtig lecker…
…fand die Hinrichtung doch noch statt…
…Beim Staatsempfang gab es…
…lecker Schnittchen…
…viele Stars und Sternchen…
…viele Tote und Verwundete…
…ein tolles Buffet…
…ein grauenvoller Anblick…
…die Promis…
…die Leichen…
…ein Feuerwerk…
…eine Bombenexplosion…
…Rufe der Begeisterung…
…Schreie des Entsetzens…
…ein toller Abschluss…
…ein furchtbarer Anfang…
…das ist nicht mehr zu toppen…
…wie soll es jetzt weitergehen…
…wir informieren Sie über die…
…Risiken und Nebenwirkungen…
…gleich im Anschluss!
KUNDE: Guten Tag, ich benötige einen Damenstrumpf. Als Maske, für einen Banküberfall.
VERKÄUFER: Ah. Da kann ich Ihnen diese Marke hier empfehlen. Die ist sehr reißfest. Probieren Sie den mal an. (reicht ihm einen)
KUNDE: (tut es) Hmm, der engt etwas ein…
VERKÄUFER: Vielleicht eine Nummer größer. Wie ist es mit diesem?
KUNDE: Oh, sehr gut. Ja, wie angegossen. (imitiert) „Hände hoch, das ist ein Banküberfall.“ Wie wirkt das?
VERKÄUFER: Als wäre er dafür gemacht worden.
KUNDE: Super. Aber, passt der auch zu meinem Anzug?
VERKÄUFER: Nein, leider nicht.
KUNDE: Das ist schade. Wissen Sie, ich wollte bei meinem ersten Banküberfall einen guten Eindruck hinterlassen.
VERKÄUFER: Das kann ich sehr gut verstehen. Sie sind neu in der Branche, da will man Fehler vermeiden…
KUNDE: Ganz genau. Ein schöner Anzug, die passende Maske, eine große Kanone…
VERKÄUFER: Ganz ehrlich?
KUNDE: Ja?
VERKÄUFER: Strümpfe und Anzüge passen einfach nicht zusammen. Das vermittelt kein schönes Gesamtbild, wenn Sie verstehen, was ich meine? Sie werden immer einen… unangenehmen Eindruck hinterlassen.
KUNDE: Oh, das ist schlecht, das wollte ich eigentlich vermeiden.
VERKÄUFER: Da muss ich Ihnen von einem Damenstrumpf leider abraten. Aber lassen Sie Ihren Kopf nicht hängen, ich zeige Ihnen, was der Bankräuber von Welt heut trägt. Wie wäre es hiermit?
KUNDE: Was ist das?
VERKÄUFER: Eine Skimaske.
KUNDE: Ich fahre nicht…
VERKÄUFER: Nein, nein, niemand trägt die beim Skifahren. Ist nur für Verbrecher. Oh, äh, darf man das sagen, Verbrecher?
KUNDE: Bankräuber. Eigentlich Geldinstitutausnehmer…
VERKÄUFER: Nun, probieren Sie doch die Maske mal auf.
KUNDE: Sehr bequem.
VERKÄUFER: Steht Ihnen ausgezeichnet. Und bringt Ihre Augen besser zur Geltung.
KUNDE: Finden Sie? Ich wollte dazu eigentlich eine verspiegelte Sonnenbrille tragen…
VERKÄUFER: Aber auf gar keinen Fall! Dieser Anzug, diese Maske und man wird sich immer an Sie erinnern.
KUNDE: Oh, super. Genau das richtige. Ich werde eingehen in die Geschichte des Banküberfalls als Der Große Unbekannte. Und niemand wird je meinen Namen erfahren. Oh, äh, ich hab gar kein Geld dabei… kann ich mit Karte zahlen?
Die 1000 Facebookfreunde des Dr. Mabuse
Der erste Fehler, den Dr. Mabuse machte, war, seine Verbrechen bei Facebook zu posten.
Bin gerade auf dem Weg, den Leiter der Irrenanstalt umzubringen, schrieb er, wünscht mir Erfolg!
Vielen Leuten gefiel das, der Polizei weniger. Sie verfolgte seine Taten online und verhaftete ihn offline. Sein Beziehungsstatus wechselte schnell von * ledig * zu * verhaftet * zu * vor Gericht * zu * lebenslänglich *.
„Es gibt einen Verräter in meiner Organisation“, hatte er während der Gerichtsverhandlung geschrieen.
„Es gibt eine Organisation?“ hatte der Staatsanwalt überrascht gefragt.
„Wer hat Ihnen das verraten?“ zischte Mabuse zurück, dem man inzwischen seinen Doktor aberkannt hatte und der sich nur noch „Herr Mabuse“ oder, für den internationalen Markt, „Mr. Mabuse“ nennen durfte.
Sein Anwalt beugte sich zu ihm herüber und flüsterte ihm etwas ins Ohr.
„ Was???“
Mabuse sah den Juristen ungläubig an.
„Niemand hat etwas durchsickern lassen“, wiederholte der.
Mabuse hatte triumphierend sein Smartphone in die Höhe gehalten und geschrieen: „Das sehen meine Freunde aber anders!“
Im Gefängnis begann Mabuse sofort damit, sich eine neue Doktorarbeit zusammenzukopieren und durfte schon bald wieder seinen alten Titel benutzen. Angebote auf Ministerposten lehnte er jedoch ab. Er hatte wichtigeres zu tun. Er saß in seiner Zelle und brütete einen neuen Plan aus. Aber er musste vorsichtiger sein. Wie er nun wusste, wurde seine Tätigkeit bei Facebook vom Feind überwacht.
Früher, dachte er, da war alles anders gewesen. Da hatte man seine Pläne für Massenmord noch in einem Buch veröffentlichen können und niemand hatte sie vereitelt. Weil niemand las. Aber heutzutage? Zu faul, um ein Buch in die Hand zu nehmen, aber trotzdem den ganzen Tag vor dem Computer herumhängen und den Leuten mitteilen, was sie gerade nicht taten, worüber sie gerade nicht nachdachten und was sie als nächstes nicht tun würden. Dr. Mabuse lachte.
„ Ruhe!“ schrie sein Zellengenosse.
Mabuse verstummte sofort. Der Mann saß wegen Körperverletzung im Gefängnis, also war er offensichtlich nicht in einem sozialen Netzwerk, er behelligte die Leute direkt. Typen mit solchen Hobbys waren selten online zu finden. Oder überhaupt Leute mit Hobbys.
Der Doktor sah auf den Bildschirm. Und lächelte. Auf seiner „Dr. Mabuse Fanpage“ teilten ihm viele ihr tiefstes Bedauern über seine Verhaftung und das damit verbundene Sinken der Kriminalität mit. Die „Wählt Dr. Mabuse zum König der Verbrecher Gruppe“ wartete mit einer Auflistung seiner bisher geleisteten und seiner noch angestrebten Verbrechen auf, gab den Usern aber auch die Möglichkeit, sich Verbrechen zu wünschen oder eigene Verbrechen zu posten. Und auf der „Befreit Dr. Mabuse Seite“ gab es Tipps und Anregungen für den Ausbruch aus dem Gefängnis sowie einen Hinweis, warum er sich von der Dusche besser fernhalten sollte. Sein diabolisches Lachen wurde durch das angesäuerte Husten seines Zellengenossen abrupt unterbrochen.
Er hatte Anhänger, er hatte Genossen, er hatte Freunde dort draußen. Das wusste er, seit er eine neue Seite eröffnet hatte. Sie trug den schlichten Titel „Krieg“ und sie bewies, dass er auf dem richtigen Weg war: „5000 Usern gefällt Krieg“ war die klare Aussage der Facebook-Gemeinde. Mabuse lächelte diabolisch, damit sein Zellengenosse nicht wieder sauer wurde. Es gab viel zu tun.
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