DIE GEFAHREN, UNSERE VERPFLICHTUNG GEGENÜBER UNSEREM SPIRITUELLEN MEISTER ZU BRECHEN
Wenn wir unsere Verpflichtung gegenüber unserem spirituellen Meister brechen, werden wir uns immer weiter von der Erleuchtung entfernen. Wenn wir jemanden als unseren spirituellen Meister akzeptieren und dann kritisch oder wütend werden und uns entscheiden ihn oder sie aufzugeben, wird das viele sehr ernste Folgen für uns haben. Es gibt hauptsächlich acht Folgen:
1. Wenn wir unseren spirituellen Meister verlassen oder verachten, wird diese Handlung die gleiche Auswirkung haben, als ob wir alle Buddhas verlassen oder verachten würden, weil unser spiritueller Meister eine Emanation aller Buddhas ist.
2. Jeder Moment der Wut, der in unserem Geist gegenüber unserem spirituellen Meister entsteht, zerstört das gesamte gute Karma, das wir in einem Äon erschaffen können, und schafft die Ursache dafür, dass wir für ein ganzes Äon in der Hölle wiedergeboren werden.
3. Selbst wenn wir Geheimes Mantra für Äonen praktizieren, wird es unmöglich für uns sein, Verwirklichungen zu erlangen, wenn wir unseren spirituellen Meister aufgegeben haben.
4. Praktizieren wir Geheimes Mantra mit einem kritischen oder wütenden Geist gegenüber unserem spirituellen Meister, wird dies die Ursache für eine Wiedergeburt in der Hölle sein.
5. Es wird unmöglich sein, neue Verwirklichungen zu erlangen und die Verwirklichungen, die wir bereits erlangt haben, werden degenerieren.
6. Wir werden von Unglück wie Krankheit, Angst und Besessenheit durch böse Geister geplagt sein.
7. Wir werden wiederholt in den niederen Bereichen wiedergeboren.
8. In vielen zukünftigen Leben werden wir keinem gut qualifizierten spirituellen Meister begegnen, wir werden ohne Dharma sein und wann immer wir spirituellen Meistern begegnen, wird uns weiterhin Vertrauen und Respekt fehlen.
Meditieren wir über diese Gefahren, werden wir den festen Entschluss fassen, niemals unsere Verpflichtung gegenüber unserem spirituellen Meister zu brechen oder misstrauisch oder respektlos ihm oder ihr gegenüber zu werden. Wenn dieser Entschluss deutlich in unserem Geist erscheint, meditieren wir einsgerichtet darüber.
WIE WIR UNS AUF UNSEREN SPIRITUELLEN MEISTER VERLASSEN, INDEM WIR VERTRAUEN UND RESPEKT ENTWICKELN
Dies hat zwei Teile:
1. Wie man das Vertrauen entwickelt, dass unser spiritueller Meister ein Buddha ist, was der Ursprung aller Erlangungen ist
2. Wie wir durch die Erinnerung an die Güte unseres spirituellen Meisters Respekt entwickeln
WIE MAN DAS VERTRAUEN ENTWICKELT, DASS UNSER SPIRITUELLER MEISTER EIN BUDDHA IST, WAS DER URSPRUNG ALLER ERLANGUNGEN IST
Im Allgemeinen heißt es, dass Vertrauen eine «Wurzel» ist, weil alle guten Eigenschaften und Verwirklichungen davon abhängen und genährt werden. Vor allem ist unsere Fähigkeit uns vollkommen auf unseren spirituellen Meister zu verlassen von unserem Vertrauen abhängig, das auf der Überzeugung beruht, dass unser spiritueller Meister ein Buddha ist.
Im Sutra der Lampe des Juwels sagt Buddha:
Vertrauen geht allen tugendhaften Tätigkeiten voran wie eine Mutter.
Es schützt und vermehrt alle guten Eigenschaften.
In seinem Lamrim sagt Gyalwa Ensäpa, dass alle Erfahrungen der Verwirklichung, große und kleine, von Vertrauen abhängig sind. Da Vertrauen die Ursache jeder Erlangung ist, sollte es unsere Hauptpraxis sein.
Als Atisha in Tibet war, kam einmal ein Mann auf ihn zu und bat um Dharma Unterweisungen. Atisha blieb still und so wiederholte der Mann seine Bitte sehr laut, weil er dachte, dass Atisha ihn nicht gehört habe. Da antwortete Atisha: «Ich höre gut, aber du musst Vertrauen haben.»
Hat ein Schüler starkes Vertrauen, wird er einen Nutzen daraus ziehen, selbst wenn der spirituelle Meister einen Fehler macht. In Indien herrschte einmal eine Hungersnot, in der viele Menschen starben. Eine alte Frau ging zu ihrem spirituellen Meister und sagte: «Bitte zeige mir einen Weg mein Leben zu retten.» Ihr spiritueller Meister gab ihr den Rat, Steine zu essen. Die Frau fragte: «Aber wie kann ich Steine essbar machen?» Ihr spiritueller Meister antwortete: «Wenn du das Mantra der erleuchteten Göttin Tsunda rezitierst, wirst du die Steine kochen können.» Er lehrte sie das Mantra, machte aber einen kleinen Fehler. Er lehrte OM BALE BULE BUNDE SÖHA statt OM TZALE TZULE TZUNDE SÖHA. Die Frau hatte jedoch großes Vertrauen in dieses Mantra und, während sie es mit Konzentration rezitierte, kochte sie Steine und aß sie.
Der Sohn dieser alten Frau war Mönch und begann sich um seine Mutter zu sorgen; und so ging er nach Hause, um nach ihr zu sehen. Er war erstaunt, sie wohlgenährt und bei guter Gesundheit anzutreffen. Er sagte: «Mutter, wie kommt es, dass du so gesund bist, wenn selbst junge Menschen verhungern?» Seine Mutter erklärte, dass sie Steine gegessen habe. Ihr Sohn fragte: «Wie hast du es geschafft, Steine zu kochen?» Und sie teilte ihm das Mantra mit, das ihr zum Rezitieren gegeben worden war. Ihr Sohn erkannte den Fehler schnell und erklärte: «Dein Mantra ist falsch! Das Mantra der erleuchteten Göttin Tsunda ist OM TZALE TZULE TZUNDE SÖHA.» Als sie dies hörte, wurde die alte Frau von Zweifeln befallen. Sie versuchte beide Mantras zu rezitieren, aber jetzt wirkte keines von ihnen, weil ihr Vertrauen zerstört war.
Vertrauen ist wesentlich. Wenn wir nur Wissen allein, aber kein Vertrauen haben, betrachten wir Dharma leicht auf einer rein intellektuellen Ebene. Wenn wir kein Vertrauen haben, wird unser Geist ungezähmt bleiben, selbst wenn wir die buddhistische Logik und geschickte Analyse beherrschen, weil wir Dharma nicht in die Praxis umsetzen. Ohne Vertrauen werden wir keine spirituellen Verwirklichungen entwickeln und wir werden leicht unseren intellektuellen Stolz vergrößern. Deshalb sollte Vertrauen als äußerst kostbar geschätzt werden. So wie jeder Ort von Raum durchdrungen ist, so sind alle tugendhaften Geisteszustände von Vertrauen durchdrungen.
Was ist Vertrauen? Vertrauen ist ein von Natur aus tugendhafter Geist, der in erster Linie die Funktion hat, der Wahrnehmung von Fehlern im beobachteten Objekt entgegenzuwirken. Es gibt zwei Arten von Tugend: natürliche Tugend und durch Motivation entwickelte Tugend. Natürliche Tugend ist ein Geist, der durch seine eigene Kraft tugendhaft ist, ohne von einer besonderen Motivation abhängig zu sein, die ihn tugendhaft macht.
Es gibt drei Arten von Vertrauen: glaubendes Vertrauen, bewunderndes Vertrauen und wünschendes Vertrauen. Wenn wir durch die folgende Meditation zu der Überzeugung gelangen, dass unser spiritueller Meister ein Buddha ist, ist dies ein Beispiel für die erste Art von Vertrauen, glaubendes Vertrauen. Wenn wir mit der Überzeugung, dass unser spiritueller Meister ein Buddha ist, an den Dharma glauben, den er oder sie lehrt, ist dies ebenfalls ein Beispiel für die erste Art von Vertrauen. Glaubendes Vertrauen ist die stabilste Art von Vertrauen, weil es auf gültigen Begründungen beruht, die zu Vertrauen in Personen und Objekte führen, die tugendhaft sind. Solches Vertrauen wird nicht durch Zweifel oder falsche Sichtweisen erschüttert.
Ein Beispiel für bewunderndes Vertrauen ist, wenn wir durch das Erkennen der guten Eigenschaften unseres spirituellen Meisters und der guten Eigenschaften des Dharma, der gelehrt wird, Bewunderung für diese entwickeln und unser Geist sehr klar und frei von störenden, negativen Vorstellungen wird. Dieses Vertrauen kommt aus reinem Herzen und es entsteht, wenn wir aufrichtigen Respekt und große Bewunderung für jemanden oder eine Sache hegen, die wir für wertvoll oder nützlich halten.
Wenn wir auf der Grundlage von bewunderndem Vertrauen das Bestreben entwickeln, in uns selbst die guten Eigenschaften, die wir in unserem spirituellen Meister sehen, oder die guten Eigenschaften, die im gelehrten Dharma erklärt sind, zu fördern, dann ist dies ein Beispiel für wünschendes Vertrauen.
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