"Die ganzen letzten Jahre hast du unschuldige Menschen um das Geld gebracht, was ihnen zugestanden wäre, du hast geistiges Eigentum geraubt, deine eigenen Leute verraten, von 2009 bis 2012 den Präsidenten der Vereinigten Staaten total hintergangen, Steuergelder für illegale Zwecke umgeleitet, extrem hinterhältig Riesensummen für die Pazifikstrippen abgezockt, bei der Anleierung zum Glück gescheiterter Mordaufträge mitgewirkt, du bist hochnäsig ohne Ende - wer will denn mit dir noch was zu tun haben?? Sei froh, daß ich dich mit deinen Schattenseiten konfrontiere! Schließlich bin ich der Magier von Varanasi!"
" Der Magier von Varanasi ! Daß ich nicht lache! Ich habe den Kontakt zu den reichsten Leuten der Welt, und das Kommittee der 300 wird den Planeten übernehmen und den ganzen Assi-Mob wegwischen!"
"Weißt du, Delinquent, was deine nächste Inkarnation werden wird?"
"Das ist mir scheißegal!!" brüllte er weiter.
"Nein, es wird dir nicht egal sein. Du wirst einer der zukünftigen Leichenträger hier werden, einer der doms , der Aussätzigen, mit denen keiner etwas zu tun haben will, und zwar schon ziemlich bald, und so in der untersten Kaste deine Lernerfahrungen machen. Sieh im Buch des Karmischen Rats nach. Du mußt Demut lernen und dein Herz öffnen!"
"Laß mich dem blöden Psycho-Gequatsche in Ruhe! Ich bin Oberstleutnant a. D. aus dem Pentagon, steinreich, habe einen blauen Porsche und eine Villa, meine Marionetten hören auf mich, ich kann sehr gut hacken, ja, ich bin Informatikspezialist, und der Präsident hört ebenso auf mich! Ich habe die Macht und das Geld , ich lasse die Puppen tanzen!" Der Delinquent war schier am Durchdrehen, fast schon psychopathisch. Ja, in der Tat war er extrem habgierig, machtgierig und hatte gewaltig einen an der Waffel, bloß hatte das zu Lebzeiten auf Erden bis zum August 2012 keiner so richtig erkannt. Er war der letzte des Hochverräter-"Triumvirats" aus dem "Alten", "Donovan", und eben dem jetzigen Kotzbrocken bzw. "Delinquenten". Die letzten kriminellen Unterwanderer, Infiltrierer und Extrem-Betrüger waren im Fünfeck von der Bildfläche getilgt worden, und danach würde hoffentlich ein anständiges und ehrenvolles Haus entstehen. Geld ist eben nicht alles, und gewisse Werte müssen einfach sein! Ansonsten ginge die Menschheit vollkommen unter.
Der Delinquent fuhr fort: "Wenn du mich jetzt nicht gehen läßt, dann rufe ich die Polizei!!"
"Dann ruf sie doch!" lachte der Magier.
" Polizei ! Polizei ! Hilfe! Ich werde belästigt!"
Aber nichts passierte. Eine halbe Stunde passierte - nichts. Plötzlich versuchte der Delinquent, mit dem Magier eine Schlägerei anzufangen. Der Magier packte ihn, schleuderte ihn meterweit durch die Luft, bis der Delinquent mit einem lauten Platschgeräusch im Ganges gelandet war. Der Delinquent schrie jetzt minutenlang wie am Spieß, als ob er gebraten werden würde, da die spirituelle Energie im Ganges viel zu hoch für ihn war, abgesehen von der hohen Bakterienbelastung, was ihm natürlich wiederum gefiel.
"Ich will hier raus!!"
"Du bleibst so lange da drin, wie es die Vorsehung will. So sei es im Namen Shivas. Läuterung muß sein. Das ist der Preis für den Mißbrauch des Namens von Anandamayi Ma und Shivas."
"Du verrecktes Oberarschloch, du Sau, du Motherfucker..."
"Na, na, na, nun mal langsam."
"Es wurmt mich heute noch, daß unser Plan, das US-Militär zu entmachten und im Sommer 2012 die Weltwirtschaft zusammenbrechen zu lassen, schiefgelaufen ist. - Ich will aus diesem blöden Fluß hier raus!"
"Dann schwimm doch ans Ufer! Weichei!"
"Es geht nicht! Es geht nicht! Hilfe!"
"Haha! Der irrationale Asura-Oberstleutnant a. D. ist nicht in der Lage, ans Ufer des Ganges zu schwimmen! Versager , Versager !"
Plötzlich ertrank der Delinquent scheinbar im Ganges, er versank und war nicht mehr zu sehen, was aber nur so schien. In Blitzesschnelle wanderte seine verdorbene Seele jetzt in die Höllenwelten der Astral-Unterwelt, und das ging so schnell und ruckartig, daß es keiner der Umstehenden bemerkte. Außerdem war es ja in der Paralleldimension, ähnlich einem Holodeck, aber noch viel realer.
Aus die Maus war's für den Delinquenten. Vorerst.
Tuurgu Lallapalli schaute bedächtig in den Himmel, dann in den Ganges. Was würde ihn jetzt erwarten? Jetzt lugten die ersten gold-orangenen Sonnenstrahlen hinter den Häusern hervor! Für Tuurgu war es wie eine Offenbarung, er wußte, bald würde etwas ganz Außergewöhnliches geschehen.
"Glaubst du an Wunder?" fragte der Magier von Varanasi.
"Ich glaube daran, daß mein Leid nicht ewig andauern wird. Dies ist eine schwere Phase meines Daseins. Lepra im Endstadium - meine Verstümmelungen - das ist doch wie Krebs, oder die Malaria..."
"...aber nicht unheilbar!"
"Dann bitte Shiva, mich zu heilen! Wenn das möglich ist."
"Gut. Gehen wir zum Dasaswamedh Ghat, das sind nur ein guter halber Kilometer südlich. Zum Schrein Sitalas, der Pockengöttin."
"Gerade zu einem der geschäftigsten Ghats? Aber es ist ja noch relativ früh."
"Wir gehen zum Dasaswamedh Ghat. Dort ist Brahma ebenfalls präsent." ordnete der Magier von Varanasi an.
Die Sonne warf ihre goldenen Strahlen auf die Ghats und die ersten Pilger, die im Ganges badeten. Sah man von der extremen Bakterienbelastung des Wassers ab, da sehr viele Abwässer in Varanasi in den Fluß geleitet wurden, bot sich ein paradiesisches Bild. Es war einfach - wahrhaftig . In Varanasi fiel die Lüge, und die Wahrheit kam heraus. Wer negative Absichten hatte, wurde hier mit diesen total konfrontiert, und im positiven Sinne genau umgekehrt.
Skeptisch schauten die umstehenden Pilger und ein paar Frühaufsteher-Touristen zu dem schwer leprakranken Tuurgu hinüber, während er mit dem in gelb gekleideten Magier Richtung Süden ging.
Als Aussätziger in Indien war man auf dem allerletzten Abstellgleis gelandet. Ganz unten. Endstation. Kein Geld für eine ärztliche Behandlung, geschweige denn einen Krankenhausaufenthalt. Es sei denn, man hatte das seltene Glück, in der Nähe einer Niederlassung der medizinisch sehr gut ausgestatteten A.I.M.S.-Hospitale des Amma-MATH zu wohnen oder dorthin gebracht zu werden.
Leichenträger war einer der ganz wenigen "Berufe", die noch blieben. Oder Bettler auf der Straße. Wie in New Delhi, wo die Schwerkranken ihre krätzigen Hände direkt vor die Nasen der Touristen streckten. Nichts für Zartbesaitete. Deshalb verschanzten sich ja soviele Promis in den Fünf-Sterne-Hotelburgen! Bloß der Realität nicht zu nahe kommen, schließlich mußte der Schein gewahrt werden. Der Schein . Die Anbetung des Scheins, im doppeldeutigen Sinne, die Maya, die Illusion, die Verblendung.
Was käme nach der Auflösung? Etwa die Erleuchtung?
Nach dem Marsch von etwa zehn Minuten waren die beiden am Dasaswamedh Ghat angelangt.
"Tuurgu, setzt dich auf die Stufen da hinten, mit Blick zum Ganges, und meditiere zehn Minuten lang auf Shiva. Versuche, in einer absichtslosen Haltung zu bleiben." forderte ihn der Magier von Varanasi auf.
"Gut, gesegneter Brahmachari. Jai Shiva Shankara!"
"Und halte die Augen geschlossen."
"Ja."
Der Aussätzige setzte sich auf die Stufen des Dasaswamedh Ghats mit Blick Richtung Osten, und die Morgensonne schien ihm ins Gesicht. Er hatte drei waagrechte Aschestreifen im Gesicht, was alle traditionellen Shivaiten machten. Drei Menschen in der unmittelbaren Umgebung ergriffen sogleich die Flucht. Obwohl Lepra nicht zu den superansteckenden Krankheiten gehörte, hatten die Leute Angst. Angst vor ihrem eigenen physischen Ende, das sie irgendwann ereilen würde. Die ersten Minuten passierte noch gar nichts.
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