Andere Namen für den rechten Kanal sind der «Sonnenkanal», der «Sprachkanal» und der «Kanal des Subjekt-Halters». Der letzte Name weist darauf hin, daß die Winde, die durch diesen Kanal fließen, die Erzeugung von Vorstellungen bewirken, die unter dem Aspekt des Subjekt-Geistes entwickelt werden. Andere Namen für den linken Kanal sind der «Mondkanal», der «Körperkanal» und der «Kanal des gehaltenen Objektes», wobei der letzte Name darauf hinweist, daß die Winde, die durch diesen Kanal fließen, die Erzeugung von Vorstellungen bewirken, die unter dem Aspekt des Objekts entwickelt werden.
Der rechte und der linke Kanal schlingen sich an verschiedenen Stellen um den Zentralkanal herum und bilden dabei die sogenannten Kanalknoten. Die vier Stellen, an denen diese Knoten auftreten, sind in aufsteigender Reihenfolge das Nabelkanalrad, das Herzkanalrad, das Halskanalrad und das Scheitelkanalrad. Außer beim Herzen ist an allen diesen Stellen ein zweifacher Knoten, der durch eine einfache Windung des rechten und eine einfache Windung des linken Kanals gebildet wird. Während der rechte und der linke Kanal zu diesen Stellen aufsteigen, schlingen sie sich um den Zentralkanal herum, indem sie sich vorne kreuzen und sich dann um ihn winden. Dann gehen sie weiter aufwärts auf die Höhe des nächsten Knotens. Beim Herzen geschieht das gleiche, außer daß sich hier ein sechsfacher Knoten befindet, der durch drei sich überlappende Windungen von jedem der flankierenden Kanäle gebildet wird.
Die vier Stellen, an denen diese Knoten auftreten, sind vier der sechs Hauptkanalräder. Da es später wichtig sein wird, daß man diese Kanalräder deutlich visualisieren kann, werden sie hier kurz erklärt. Bei jedem der sechs Hauptkanalräder zweigt eine unterschiedliche Anzahl von Speichen oder Blütenblättern vom Zentralkanal ab, so wie die Rippen eines Schirmes vom zentralen Stock abzuzweigen scheinen. Somit sind am Scheitelkanalrad - man kennt es als das «Rad der Großen Glückseligkeit» - zweiunddreißig solche Blütenblätter oder Kanalspeichen, alle von weißer Farbe. Das Zentrum ist dreieckig und die Spitze weist nach vorne. (Von oben gesehen, bezieht sich dies auf die Form des geschlungenen Knotens, durch den die Speichen austreten.) Diese zweiunddreißig Speichen sind nach unten gebogen wie die Rippen eines aufrecht stehenden Schirmes. Eine Beschreibung des Scheitelkanalrades und der drei anderen Hauptkanalräder, wo Knoten auftreten, ist in Tabelle 1zu finden.
Diese vier Kanalräder enthalten insgesamt hundertzwanzig Speichen. Von den verbleibenden zwei größeren Kanalrädern hat das Kanalrad an der geheimen Stelle zweiunddreißig rotfarbene Speichen, die sich abwärts biegen, und das Juwelenkanalrad hat acht weiße Speichen, die sich aufwärts biegen. Es sollte zudem beachtet werden, daß gemäß einigen Texten die Speichen am Scheitel, Nabel und an der geheimen Stelle mehrfarbig visualisiert werden können.
Da das Herzkanalrad besonders wichtig ist, wird es nun ausführlich beschrieben. Seine acht Speichen oder Blütenblätter sind in den Haupt- und Zwischenrichtungen angeordnet, wobei Osten vorne ist. In jeder Speiche fließt in erster Linie der tragende Wind eines speziellen Elementes, wie es in Tabelle 2aufgeführt ist.
Von jedem dieser acht Blütenblätter oder Kanalspeichen des Herzens zweigen drei Kanäle ab, im ganzen sind es also vierundzwanzig Kanäle. Das sind die Kanäle der vierundzwanzig Stellen. Sie sind in drei Gruppen von je acht Kanälen eingeteilt: die Kanäle des Geistrades, die blau sind und hauptsächlich Winde enthalten; die Kanäle des Rederades, die rot sind und meistens rote Tropfen enthalten; und die Kanäle des Körperrades, die weiß sind und meistens weiße Tropfen enthalten. Jeder Kanal geht zu einer unterschiedlichen Stelle im Körper. Diese sind die vierundzwanzig inneren Stellen. Wenn wir das ausführliche Sadhana von Heruka praktizieren, visualisieren wir die Gottheiten des Körper-Mandalas an diesen Stellen.
Die äußeren Spitzen der acht Kanäle des Geistrades enden an: (1) Haaransatz, (2) Scheitel, (3) rechtem Ohr, (4) Nacken, (5) linkem Ohr, (6) Braue (der Stelle zwischen den Augenbrauen), (7) beiden Augen und (8) beiden Schultern. Diejenigen des Rederades enden an: (9) beiden Achselhöhlen, (10) beiden Brüsten, (11) Nabel, (12) Nasenspitze, (13) Mund, (14) Hals, (15) Herzen (dem Gebiet in der Mitte zwischen den zwei Brüsten), und (16) beiden Hoden oder beiden Seiten der Vagina. Schließlich enden diejenigen des Körperrades an: (17) der Spitze des Geschlechtsorgans, (18) Anus, (19) beiden Oberschenkeln, (20) beiden Waden, (21) den acht Fingern und acht kleinen Zehen, (22) den oberen Teilen der Füße, (23) beiden Daumen und beiden großen Zehen und (24) beiden Knien.
Jeder dieser vierundzwanzig Kanäle teilt sich in drei Äste, die sich durch die Hauptelemente - Winde, rote Tropfen und weiße Tropfen - unterscheiden, die durch sie fließen. Jeder dieser zweiundsiebzig Kanäle verzweigt sich dann weiter in tausend, womit es im ganzen zweiundsiebzigtausend Kanäle gibt. Es ist für einen Praktizierenden des Geheimen Mantras wichtig, mit der Anordnung der Kanäle vertraut zu sein, weil, wie später erklärt wird, durch den Gewinn der Kontrolle über die Winde und Tropfen, die durch diese Kanäle fließen, die Vereinigung von Spontaner Großer Glückseligkeit und Leerheit erreicht wird.
Die Winde im Körper einer gewöhnlichen Person fließen, mit Ausnahme des Zentralkanals, durch die meisten dieser Kanäle. Weil diese Winde unrein sind, sind die verschiedenen Geistesarten, die sie tragen, ebenfalls unrein, und solange diese Winde weiter durch die peripheren Kanäle fließen, werden sie fortfahren, die verschiedenen negativen Vorstellungen zu tragen, die uns in Samsara gefangen halten. Durch die Kraft der Meditation können diese Winde jedoch in den Zentralkanal gebracht werden, wo sie nicht länger die Entwicklung von groben Vorstellungen dualistischer Erscheinung tragen können. Mit einem von dualistischen Erscheinungen befreiten Geist können wir eine direkte Realisation der endgültigen Wahrheit, der Leerheit, gewinnen. Eine detailliertere Erklärung dieser Visualisation und der Mittel zur Kontrolle der Kanäle, Winde und Tropfen wird später gegeben.
Den vierundzwanzig inneren Stellen des Körper-Mandalas von Heruka entsprechen die «vierundzwanzig äußeren Stätten», die sich an verschiedenen Örtlichkeiten in dieser Welt befinden. Praktizierende mit reinem Karma können diese äußeren Orte von Heruka als Reine Länder sehen. Menschen mit unreinem Karma aber sehen bloß gewöhnliche Orte.
DIE SICH BEWEGENDEN WINDE
Im Gegensatz zu den stationären Kanälen sind die inneren Winde bekannt als die «sich bewegenden Winde», weil sie durch die Kanäle fließen. Es gibt Leute, die glauben, daß nur Flüssigkeiten wie Blut durch die Kanäle des Körpers fließen, aber dem ist nicht so. Tatsächlich sind diese Flüssigkeiten nur wegen der Bewegung der Winde in der Lage, im Körper zu zirkulieren. Wenn es die Bewegung der Winde nicht gäbe, könnten die anderen Zirkulationssysteme nicht funktionieren. Man sollte sich jedoch bewußt sein, daß diese inneren Winde viel subtiler sind als äußere Luft.
Es gibt fünf Ursprungs- und fünf Zweigwinde. Die Ursprungswinde sind:
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