Jetzt bin ich der Ausstrahlungskörper geworden,
und wir entwickeln den göttlichen Stolz, der Ausstrahlungskörper zu sein. Das ist die kurze Meditation, die Wiedergeburt in den Pfad des Ausstrahlungskörpers zu bringen. Sie hat in erster Linie die Funktion, gewöhnliche Wiedergeburt zu reinigen, die Übungen der Vollendungsstufe der Mischungen des Ausstrahlungskörpers zur Reife zu bringen und den Samen zur Vollendung des eigentlichen Ausstrahlungskörpers eines Buddhas zu säen. An dieser Stelle können wir über den Körper Herukas meditieren, oder wir können sein Mantra rezitieren. Wenn wir letzteres wählen, richten wir uns auf den Buchstaben HUM bei unserem Herzen und visualisieren das Mantra darum herum, während wir rezitieren.
Es gibt keine kürzere Praxis der Erzeugungsstufe als diese. Wir sollten die folgenden Mahamudra-Meditationen nur versuchen, wenn wir zumindest diese Praxis zuvor ausgeführt haben. Wenn wir eine andere persönliche Gottheit haben, wie Vajrayogini oder Yamantaka, können wir diese zusammengefaßte Praxis der Erzeugungsstufe auch ausführen, indem wir die entsprechenden Änderungen in bezug auf die Gottheit, die Farben, die Insignien und so fort vornehmen.
Kanäle, Winde und Tropfen
DIE EIGENTLICHE PRAXIS
Wie in der Einführung in die allgemeinen Pfade des Geheimen Mantras erklärt wurde, enthält die Praxis des Mahamudras drei Teile:
1. Wie das Mahamudra praktiziert wird, das die Vereinigung von Glückseligkeit und Leerheit ist
2. Wie das Mahamudra praktiziert wird, das die Vereinigung der zwei Wahrheiten ist
3. Wie das Mahamudra vollendet wird, das die resultierende Vereinigung des Nicht-mehr-Lernens ist, der Zustand, der die sieben herausragenden Qualitäten der Umarmung besitzt
WIE DAS MAHAMUDRA PRAKTIZIERT WIRD, DAS DIE VEREINIGUNG VON GLÜCKSELIGKEIT UND LEERHEIT IST
Diese erste Übung des Ursache-Zeit-Mahamudras wird in zwei Teilen dargestellt:
1. Eine Erklärung der Methode, den Objekt-Besitzer, Spontane Große Glückseligkeit, zu erzeugen
2. Eine Erklärung der Methode, das Objekt, Leerheit, korrekt zu realisieren
EINE ERKLÄRUNG DER METHODE, DEN OBJEKT-BESITZER, SPONTANE GROSSE GLÜCKSELIGKEIT, ZU ERZEUGEN
An der Erzeugung Spontaner Großer Glückseligkeit sind zwei Methoden beteiligt:
1. Die Durchdringung der genauen Punkte des eigenen Körpers
2. Die Durchdringung der genauen Punkte des Körpers von jemand anderem
DIE DURCHDRINGUNG DER GENAUEN PUNKTE DES EIGENEN KÖRPERS
Dieses Thema ist in vier Teile gegliedert:
1. Die zehn Tore identifizieren, durch die die Winde in den Zentralkanal gelangen können
2. Der Grund, warum die Winde in den Zentralkanal gelangen können, indem die genauen Punkte durch diese Tore durchdrungen werden
3. Eine Erklärung ihrer verschiedenen Funktionen
4. Eine Erklärung der Stufen der Meditation über das Innere Feuer (Tummo) im besonderen
DIE ZEHN TORE IDENTIFIZIEREN, DURCH DIE DIE WINDE IN DEN ZENTRALKANAL GELANGEN KÖNNEN
Wir müssen die zehn Tore kennen, durch die die Winde in den Zentralkanal gelangen können, weil es unmöglich ist, Spontane Große Glückseligkeit zu erzeugen, ohne die Winde in den Zentralkanal zu bringen, und diese zehn Tore sind die einzigen Tore, durch die die Winde in den Zentralkanal eintreten können.
Außer zur Todeszeit und während des Schlafes gelangen die Winde gewöhnlich nicht in den Zentralkanal, es sei denn, wir führen die entsprechenden meditativen Übungen aus. Um mit einem Geist von Großer Glückseligkeit über Leerheit meditieren zu können, muß daher der oder die Praktizierende des Geheimen Mantras Spontane Große Glückseligkeit erzeugen, indem er oder sie die Winde absichtlich durch die Kraft einsgerichteter Konzentration durch irgendeines der zehn Tore in den Zentralkanal bringt.
Der Zentralkanal beginnt an der Stelle zwischen den Augenbrauen und zieht in einem Bogen zum Scheitel des Kopfes hinauf. Von dort geht er in gerader Linie zur Spitze des Geschlechtsorgans hinab. Die zehn Tore sind entlang dem Zentralkanal folgendermaßen angeordnet:
(1) Das obere Ende des Zentralkanals: die Stelle zwischen den Augenbrauen
(2) Das untere Ende: die Spitze des Geschlechtsorgans
(3) Das Zentrum des Scheitelkanalrades: am höchsten Punkt des Schädels gelegen
(4) Das Zentrum des Halskanalrades: nahe der Rückseite des Halses gelegen
(5) Das Zentrum des Herzkanalrades: zwischen den zwei Brüsten gelegen
(6) Das Zentrum des Nabelkanalrades
(7) Das Zentrum des Kanalrades der geheimen Stelle: vier Finger breit unterhalb des Nabels
(8) Das Zentrum des Juwelenkanalrades: im Zentrum des Geschlechtsorgans gelegen, in der Nähe seiner Spitze
(9) Das Rad des Windes: das Zentrum des Stirnkanalrades mit sechs Speichen
(10) Das Rad des Feuers: das Zentrum des Kanalrades, das in der Mitte zwischen Hals- und Herzkanalrad gelegen ist und drei Speichen hat
So wie wir ein Haus durch irgendeine der Türen, die von außen hineinführen, betreten können, so können die Winde durch irgendeines der zehn Tore in den Zentralkanal gelangen.
Um die genauen Punkte unseres eigenen Körpers zu durchdringen, müssen wir uns auf die Kanäle, die Winde und die weißen und roten Tropfen konzentrieren. In den tantrischen Schriften werden diese drei oft als der «Vajra-Körper» bezeichnet. Der eigentliche Vajra ist Spontane Große Glückseligkeit, die in Abhängigkeit von den Kanälen, Winden und Tropfen entsteht. Hier wird das zukünftige Resultat in die Gegenwart gebracht, indem der Name des Ergebnisses auf seine Ursachen zugeschrieben wird; daher der Name «Vajra-Körper». Wenn wir über den Vajra-Körper meditieren wollen, benötigen wir ein klares Verständnis der stationären Kanäle, der sich bewegenden Winde und der enthaltenen Tropfen. Diese werden jetzt im Detail erklärt.
Es gibt drei Hauptkanäle: der Zentralkanal, der rechte und der linke Kanal. Der Zentralkanal gleicht dem Stock eines Schirmes, der die Mitte jedes Kanalrades durchläuft; und der rechte und der linke Kanal verlaufen beidseitig des Zentralkanals. Der Zentralkanal ist hellblau und hat vier Merkmale: (1) er ist sehr gerade wie der Stamm eines Bananenbaumes; (2) innen ist er von ölig roter Farbe wie reines Blut; (3) er ist sehr klar und durchscheinend wie eine Kerzenflamme, und (4) er ist sehr weich und flexibel wie ein Lotosblütenblatt.
Der Zentralkanal befindet sich genau in der Mitte zwischen der rechten und linken Körperhälfte, liegt aber näher an der Hinterseite als an der Vorderseite. Unmittelbar vor der Wirbelsäule befindet sich der Lebenskanal, der ziemlich dick ist, und vor diesem befindet sich der Zentralkanal. Wie bereits erwähnt, beginnt er an der Stelle zwischen den Augenbrauen und zieht in einem Bogen zum Scheitel des Kopfes hinauf und geht in einer geraden Linie zur Spitze des Geschlechtsorgans hinab. Am geläufigsten ist der Name Zentralkanal, doch er ist auch als die «zwei Aufgaben» bekannt, weil das Sammeln der Winde in diesem Kanal bewirkt, daß die negative Aktivität aufgegeben wird, die mit den Winden des rechten und linken Kanals verbunden ist. Er ist zudem als «Geistkanal» und als «Rahu» bekannt.
Auf jeder Seite des Zentralkanals befinden sich ohne jeden Zwischenraum der rechte und der linke Kanal. Der rechte Kanal ist rot und der linke weiß. Der rechte Kanal beginnt vorne am rechten Nasenloch und der linke beginnt vorne am linken Nasenloch. Von dort verlaufen beide in einem Bogen neben dem Zentralkanal zum Scheitel des Kopfes hinauf. Vom Scheitel des Kopfes bis zum Nabel sind diese drei Kanäle gerade und verlaufen nebeneinander. Unterhalb des Nabels biegt der linke Kanal ein wenig nach rechts, trennt sich etwas vom Zentralkanal, und verbindet sich an der Spitze des Geschlechtsorgans wieder mit diesem. Dort hat er die Funktion, Sperma, Blut und Urin zu halten und auszuscheiden. Der rechte Kanal biegt unterhalb des Nabels ein wenig nach links und endet am Anus, wo er die Funktion hat, Fäkalien und so fort zu halten und auszuscheiden.
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