Aláes gelingt es, sich aus seinem Arrest zu befreien, und beansprucht mit dem magischen Rubin Aélwelhor die Regentschaft, während das Schicksal von Qedyr und Célafiora in der Schwebe hängt. Der Hof ist in einem Schockzustand, so dass Aláes weniger Widerstand begegnet als gedacht. Aláes will Silmar zwingen, sich zu ihm bekennen, doch der junge Elis und seine Freundin Pharanee finden nicht, dass Aláes ein geeigneter Herrscher für die Elis Aénor wäre. Nun müssen sie Aláes Rache fürchten.
Da die Eliscan ihre Heilmittel bald aufgebraucht haben, überlebt Kiéran nur knapp. Doch obwohl seine Verletzungen heilen, ist die Gefangenschaft sehr gefährlich für ihn, weil er als Offizier der Terak Denar gegen Cerdus Maharir gekämpft hat. Wird sein wahrer Name bekannt, droht ihm die Hinrichtung, deshalb nennt er sich in Burg Maharir Carag KiTenaro.
Auch die Eliscan machen sich Sorgen. Zum Glück scheinen die Soldaten noch nie einen Elis gesehen zu haben, sie wissen nicht, wen sie da eigentlich gefangen haben. Qedyr ist besorgt um sein Reich und will eine Nachricht nach Khorat senden, damit seine Leute ihn befreien, doch unerklärklicherweise bleiben Antwort und Hilfe aus.
Die Gefangenschaft ist hart, und Kiéran sieht den Krieg näherkommen nach dieser enormen Kränkung, dass der Eliscankönig nun Gefangener der Menschen ist. Es ist Kiéran alles andere als recht, dass sich sämtliche Truppen Ouendas in den Norden, nach Thoram bewegen – die wahre Gefahr geht nach wie vor vom Nachbarreich Khorat aus.
In Burg Maharir wurde Kiéran geboren, hier hat er die ersten fünf Jahre seines Lebens verbracht. Es ist ein seltsames Gefühl für ihn, hierher zurückzukehren, und viele Erinnerungen steigen in ihm hoch. In diesen Mauern hat sein Vater als Abgesandter Yantosis mit dem Vater von Cerdus Maharir verhandelt. Schließlich erkennen Kiéran und seine alte Kinderfrau sich. Er versucht sie zu überreden, dass sie ihm und seinen Gefährten zur Flucht verhilft, doch sie zögert, hat Angst vor der Rache des Burgherren.
Koriónas hat den Ort seines Pilgerfluges erreicht, doch die Quellen der Ewigkeit hat er noch nicht entdeckt. Dafür findet er in dieser Welt körperlose, umherirrende Schattengestalten ... und eine von ihnen kommt ihm bekannt vor. Vielleicht kann sie ihm helfen, die Quellen zu finden? Findet er sie nicht, muss er unverrichteter Dinge zurückkehren und wird verbannt!
Bei den Verhören in Burg Maharir versuchen Kiéran und die Eliscan mit allen Mitteln zu verschleiern, wer sie sind. Cerdus zeigt sich Kiéran gegenüber überraschend freundlich, da es ihn interessiert, dass die KiTenaros mit Anderwesen verbündet sind, und er sich von Kiéran nützliche Hinweise darauf erhofft, wie man einen Drachen kennenlernt. Doch Kiéran ist sehr vorsichtig im Umgang mit ihm, denn irgendetwas ist in seiner Kindheit zwischen ihm und dem jugendlichen Cerdus vorgefallen. Als die Erinnerung daran wiederkehrt, was er beobachtet hat – dass Cerdus Maharir von seinem Vater gequält wurde – weiß er, dass er in noch größerer Gefahr schwebt. Garantiert würde der Burgherr niemanden am Leben lassen, der diese Demütigung mit angesehen hat.
Trotz seiner schwierigen Lage schafft es Kiéran, in der Burg Freundschaften zu schließen: Mit dem Hofnarr, mit einem seiner Wächter – einem alten Soldaten – sowie mit dem jungen Werpanther Shai. Doch diese Werpanther, die vor langer Zeit Burg Maharir erbaut haben, sind ansonsten nicht seine Verbündeten. Tagsüber arbeiten sie in harmloser Gestalt – als alte Frau, als junges Mädchen, als Kind – in der Burg, doch nachts, während ihrer Jagdzeit, sind sie eine tödliche Gefahr. Kiéran ist klar, dass sie nicht während der Nacht fliehen können. Über seine alte Kinderfrau, die sich schließlich doch noch auf seine Seite stellt, schickt er eine Botschaft an Jerusha.
Da Ceruscans Truppen wegen der Falkenschlucht nicht einmal an Burg Maharir herankommen, machen Jerusha und Charis gemeinsame Sache, sie wollen auf anderen Wegen versuchen, Kiéran und die anderen zu befreien. Nun erfährt Jerusha auch, dass Charis keine einfache Kurierreiterin ist, sondern Ceruscans Bastard-Tochter.
Jerusha wagt es, über eine uralte Treppe in die Falkenschlucht hinabzuklettern, die ihnen und den Soldaten des Fürsten den Weg zur gegnerischen Burg abschneidet. Nach der gefahrvollen Überquerung wird sie auf der anderen Seite von Werpanthern abgefangen, und zudem erfährt Maharir durch eine ungeschickte Botschaft von Fürst Ceruscans Leuten, wer Kiéran ist. In letzter Minute schaffen es Jerusha und Grísho, ein Rudel Eisenfresser herzulocken, das Teile der Burg demoliert und so für eine rettende Ablenkung sorgt. Die Flucht gelingt, auch weil der junge Werpanther Shai sie dabei unterstützt.
Endlich ist Kiéran wieder mit Jerusha vereint. Obwohl Kiéran schwer mitgenommen ist von der Gefangenschaft, erleben er und Jerusha eine kurze Zeit des Friedens und des Glücks. Fürst Ceruscan gewährt Jerusha für ihre mutige Hilfe einen Wunsch, sie flüstert ihm einen ins Ohr. Auch König Qedyr bedankt sich und sagt, er habe jetzt verstanden, dass es in jedem Land Kräfte der Gewalt und des Friedens gebe, und dass die Feindseligkeit nicht gegen Eliscan gerichtet sei. Stattdessen seien die Menschen mit ihren eigenen Angelegenheiten vollauf beschäftigt. Er wird sämtliche Kriegsvorbereitungen in Khorat stoppen lassen.
Doch Qedyr sind während seiner Zeit in Ouenda die Zügel der Macht entglitten. Nur wenige Stunden später erfahren sie, dass der Krieg zwischen Eliscan und Menschen bereits begonnen hat …
Der Krieg zwischen Menschen und Eliscan hatte begonnen. Noch immer fiel es Kiéran schwer, das zu begreifen. Mit seinen neuen Augen blickte er König Qedyr, Colmarél und Rawelha hinterher, bis er ihre leuchtenden Silhouetten nicht mehr erkennen konnte.
Als die Eliscan verschwunden waren, war es fast unheimlich still in ihrer kleinen Oase. Kiéran fühlte sich hin- und hergerissen. „Ich muss sofort zur Grenze“, sagte er zu Jerusha. „Aber vor allem will ich, dass du in Sicherheit bist.“
Er sah, dass er kaum zu Jerusha durchdrang, sie stammelte nur: „Meine Familie ... vielleicht ist Loreshom schon angegriffen worden ... ich reite auf der Stelle hin ...“
„Nein!“ Kiéran ergriff sie an den Schultern, damit sie ihm wieder zuhörte. „Noch nicht! Was bringt es, wenn ihr alle zusammen getötet werdet? Hör mir zu, bitte, nur einen Moment lang. Bitte hör mir zu!“
Er spürte, dass sie zitterte, doch schließlich sah er sie nicken. Ihr Gesicht war nur noch ein Schatten für ihn, ihre Aura völlig verschwunden. Kiéran sprach so eindringlich er konnte: „Es gibt nur ganz wenige Orte in Ouenda, die jetzt noch sicher sind, und das sind die Tempel der Schwarzen Spiegel. Sie werden durch die Macht des Oscurus geschützt. Dort müsst ihr hin!“
„Aber ... wie ...“, stammelte sie verblüfft. Auch Jerusha war dabei gewesen bei der Schlacht um Qirwen Cerak. Sie hatte miterlebt, wie Santiago gestorben war, sie wusste, was für eine tiefe Kluft zwischen ihm und den Priestern sich aufgetan hatte durch diesen Tod und dadurch, dass Kiéran auf der Seite der Eliscan gekämpft hatte.
Kiéran holte tief Luft, dann erklärte er: „Dinesh, der Erste Priester, mit dem ich damals im Tempel zu tun hatte, ist so eine Art Oberbefehlshaber der Priester. Ich werde ihm jetzt gleich antworten und ihm einen Handel vorschlagen. Meine Hilfe gegen Schutz für dich und deine Familie.“
„Und du meinst, dass er sich darauf einlässt?“
Darauf hatte Kiéran keine Antwort. Er wusste nur, dass er nicht an der Grenze helfen konnte, Ouenda zu verteidigen, solange er Jerusha nicht in Sicherheit wusste. Die Angst um mein eigenes Leben kann ich aushalten, die um ihres nicht!
Innerhalb eines Atemzugs entschied sich Kiéran. Wenn Dinesh diesem Handel nicht zustimmte, würde er bei Jerusha in Kalamanca bleiben und irgendwie versuchen, sie, ihre Familie und ihr Dorf zu schützen. Und sich erbärmlich vorkommen dabei, weil er das ganze Land schwächte durch diese Entscheidung. Es gab sicher kaum jemanden in Ouenda, der so viel über Eliscan und Skraelings wusste wie er ... und darüber, wie sie zu besiegen waren. Er wurde an der Front dringender gebraucht als in Loreshom.
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