„Dieser Ring scheint eine Art universales Werkzeug zu sein. Einerseits trägt er eine Datenbank in sich, genauso wie ein Stein der Weisen. Daher habe ich auch die Informationen über dieses Ding selbst und noch vieles mehr über die Sternenspringer erfahren. Zudem hat er einige praktische Funktionen. Und ja, es scheint eine Art Schlüssel für eine Maschine der Sternenspringer zu sein. Wo sich diese Maschine genau befindet, ist sogar auch darin gespeichert“, erzählte John und fuhr ohne Unterbrechung weiter fort. „Mein Plan ist folgender: Wir gehen zu dieser Maschine, betätigen sie mit Hilfe dieses Rings und haben dadurch ein Pfand in der Hand, dass wir selbst nutzen oder weiterverkaufen können.“
„Weißt du, was das für eine Maschine ist?“, fragte Arnulf.
„Ich bin mir nicht sicher. In der Datenbank des Rings wird es nur als Universalschmiede genannt. Vielleicht ein mächtiger Terraformer oder eine geheime Werkstätte der Sternenspringer. Sie ist im Niemandsland auf einem kleinen Trabanten namens Perlmond. Der Nachtdienst sucht mich auch so schon und die Maschine ist vielleicht meine einzige Chance ihm zu entkommen. Zudem war es doch unser Plan, mit dem Stein der Weisen nach Sternenspringer-Relikten zu suchen. Und jetzt haben wir die Möglichkeit eine ihrer legendären Maschinen zu bergen.“
Still verharrte der Werwolf auf seinem Felsen. Seinen Blick wie versteinert auf den Ring gerichtet, ging er alles, was er bis jetzt gehört hatte, noch einmal im Kopf durch.
„Deine Geschichte ist ja ganz nett. Aber hast du auch irgendeinen Beweis dafür?“, wollte Arnulf jetzt wissen. „Denn ich folge dir nicht aufgrund deiner Vermutungen ins Niemandsland.“
Langsam rieb sich John den Hals. In alle Richtungen vorsichtig um sich blickend beugte er sich zu dem Werwolf vor.
„Ich zeige es dir“, sagte er.
Seine Rechte zu einer Faust ausgestreckt richtete John den Ring auf den Felsen, auf dem Arnulf saß, woraufhin der Edelstein zu leuchten begann. Der Werwolf blickte zu Rasbury und wartete darauf, dass etwas passieren würde. Allmählich begann der Felsen zu vibrieren. Erst leicht, doch dann immer stärker, bis er sich schließlich wie Ton verformen ließ. Arnulf sprang von seinem Sitzplatz und betrachtete das seltsame Schauspiel, das sich ihm bot. Durch den Ring steuerte John die Umformung des Steins zu einem gleichseitigen Quader. Als er fertig damit war, verschwand das Leuchten aus dem Edelstein. Der Werwolf bestaunte den perfekten Würfel. Doch statt auf das soeben vollführte Kunststück einzugehen, hielt John Arnulf nur seine Hand mit dem Ring hin. Mehrere blaue Äderchen hatten sich auf seinem Handrücken gebildet, die vom Edelstein her auszustrahlen schienen.
„Der Ring ist selbst eine Maschine, betrieben durch die uns unbekannte Sternenspringer-Technologie. Was ich gerade gemacht habe, kostet natürlich wie bei jeder Apparatur Energie“, erklärte John.
„Sowas habe ich noch nie gesehen. Wie ist das möglich?“, stieß Arnulf hervor.
„Dieser Ring ist noch zu mehr fähig. Aber du solltest dich eher fragen, woher er seine Energie bezieht“, sagte Rasbury. „Wie du siehst, haben sich von dem Ring ausgehend Verbindungen in meine rechte Hand gebildet. Wann immer ich eine Funktion aufrufe – und sei es nur, dass ich seine Datenbank benutze –, treten diese Verknüpfungen hervor.“
„Was willst du damit sagen?“, fragte der Werwolf hastig.
„Der Ring zieht aus mir die benötigte Energie. Es tut nicht weh. Ehrlich gesagt spüre ich gar nichts. Ich weiß auch nicht, wie es funktioniert. In der Datenbank habe ich ebenfalls noch nichts dazu gefunden. Darum habe ich einen Experten in Sachen Sternenspringer befragt. Der hat mir erklärt, dass die gesamte Sternenspringer-Technologie auf Lebensenergie basiert. Je kleiner die Maschine und je einfacher die Funktion, desto geringer der Bedarf an Lebensenergie.“
Als er seine Ausführungen beendet hatte, blickte Rasbury den Werwolf an und wartete auf dessen Reaktion. Zuerst begriff Arnulf nicht, was der Schattenmann ihm damit sagen wollte. Erst als er sich den letzten Satz von John nochmals durch den Kopf gehen ließ, verstand er langsam.
„Falls auf diesem Mond also eine Maschine ist, brauchst du eine Menge Lebensenergie.“, sagte Arnulf.
„Ja, wahrscheinlich.“
„Und woher willst du die nehmen?“, fragte der Werwolf.
John zuckte mit den Achseln.
Arnulf kratzte sich am Ohr und blickte kurz hoch zu den Sternen. Dann durchfuhr es ihn plötzlich wie ein Blitzschlag und er visierte John an.
„Willst du mich etwa als Batterie missbrauchen?!“, rief er.
Mit weit aufgerissenen Augen starrte John den Werwolf an, der sich ihm mit einem tiefen, wütenden Knurren näherte. Steif wie eine Statue erwartete er voller Schrecken das herannahende Übel. Die ausgefahrenen Krallen des Werwolfs fassten ihn am Genick, wo sie schmerzhaft seine Haut aufritzten und sich in sein Fleisch bohrten.
„Ich glaube, du verstehst mich völlig falsch“, brachte John unter gequältem Ächzen hervor.
„So, und was verstehe ich nicht?!“, bellte Arnulf. „Wochenlang höre ich nichts von dir und dann präsentierst du mir einen völlig anderen Plan, als wir zuerst ausgemacht haben. Ich glaube, du verheimlichst mir was.“
„Nein! Nein! Nein!“, widersprach John, immer noch fest im Griff des Werwolfs. „Lass mich doch … bitte erklären.“
„Versuchs“, sagte Arnulf.
Weit riss er sein Maul auf und zeigte eine Reihe scharfer Reißzähne. John sah mit aufgerissenen Augen auf die bedrohlichen Beißer, wobei ihn der Gestank aus dem Maul des Werwolfs fast ohnmächtig werden ließ. Er sammelte sich mühsam und erklärte dem Werwolf sein Verhalten.
„Ich habe mich nicht gemeldet, weil ich wegen dem Nachtdienst untertauchen musste. Außerdem wollte ich noch mehr über den Ring erfahren. Es wäre zu gefährlich gewesen dich so früh einzuweihen. Der Nachtdienst hätte dich oder mich vielleicht erwischt.“
Noch immer fletschte Arnulf mit den Zähnen, wobei sein Knurren schon etwas nachließ.
„Das mag vielleicht stimmen“, meinte er. „Aber warum sind die Sternenspringer und deren Technologie dir so wichtig? Wenn du Abenteuer oder Schätze willst, könnten wir auch zusammen nach Kemet oder Assur gehen.“
„Es geht eben nicht nur um Abenteuer oder Schätze!“, brüllte John und seufzte. „Immer schon hat man mich unterschätzt oder wenig zugetraut. Meine Familie, die Lehrer und sogar unsere Vorgesetzten bei der Schwarzen Legion wenn du dich noch daran erinnern kannst. Beim Nachtdienst glaubte ich endlich damit abzuschließen. Ich wurde ein Schattenmann und wurde auf gefährliche Missionen geschickt. Doch schon bald hat man mich auch dort zurückgestellt. Zuletzt musste ich dort die Einsatzberichte der anderen Schattenmänner nachbearbeiten.“
John seufzte erneut, während Arnulf seinen Griff etwas lockerte.
„Ich will einfach allen zeigen, dass ich mehr kann. Die ganze Fabula-Galaxie soll sehen wozu John Rasbury fähig ist. Und darum werde ich als Erster eine intakte Sternenspringer-Maschine bergen und somit mir einen Namen machen. Keiner soll mich je wieder unterschätzen.“
Beide schwiegen. Es wurde still im Garten des Karnonos. Sogar die Tierlaute aus dem Wald schienen verstummt. Mit scharfem Blick visierte Arnulf den schwitzenden Rasbury an. Schließlich entfuhr dem Werwolf ein gurgelndes Lachen.
„Du hattest Recht“, sagte Arnulf langsam und ließ den Schattenmann aus seinem festen Griff frei. „Ich habe dich falsch verstanden.“
Johns Stirn legte sich in leichte Falten, da die Reaktion des Werwolfs zu sehr seinen Hoffnungen entsprach, als dass er ihr so leicht hätte trauen können. Schon zu oft hatte er erlebt, dass Arnulf seine Meinung plötzlich wieder änderte. Er musste sich sicher sein, dass der Werwolf ihn bei seinem Vorhaben unterstützte.
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