Petra Gugel - Sirrah

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In ferner Zukunft leben zwei junge Menschen auf einer matriarchalen Welt: Sirrah, Tochter einer Gutsbesitzerin, und Tihal, Sohn eines Landarbeiters. Während Sirrah alle Wege offen stehen, bleibt Tihal nur das Leben auf den Feldern. Tihal umgibt ein Geheimnis, das Sirrahs Interesse weckt. Die beiden kommen sich näher, ihre Liebe zerbricht jedoch an Sirrahs Zukunftsplänen. Als Sirrah eine Karriere bei der Raumflotte anstrebt, verlässt Tihal seine Heimat und schließt sich einer Rebellengruppe an. Zunächst verdrängt Sirrah die Ungerechtigkeit des Gesellschaftssystems und stürzt sich mit Eifer in ihre Ausbildung. Als sie jedoch herausfindet, dass Tihal die Zwangsarbeit auf einem unwirtlichen Planeten droht, schmiedet sie einen waghalsigen Fluchtplan.

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Doch sein Gesichtsausdruck machte alle Hoffnungen zunichte. „Was für eine Akademie?“, fragte er.

„Ich werde eine Ausbildung machen“, nuschelte Sirrah. „An der Akademie für Raumfahrt.“

Einen Herzschlag lang starrte er sie verwirrt an. „Warum hast du mir davon nichts erzählt?“

Ja, warum nicht? Fieberhaft suchte Sirrah nach einer Rechtfertigung. „Bis vor kurzem wusste ich nicht, ob meine Mutter überhaupt einverstanden ist. Und seitdem gab es irgendwie nie die passende Gelegenheit, um es dir zu sagen!“

„Wann gehst du hin?“, fragte er mechanisch.

„Wenn alles klappt, nach den Abschlussprüfungen. Die muss ich ja auch erst noch mit den entsprechenden Leistungen bestehen.“ Sirrah versuchte zu lächeln. „Wie du siehst, ist das Ganze also noch nicht endgültig.“

Tihal lächelte nicht zurück. „Kommst du auch irgendwann wieder?“

„Die Grundausbildung dauert zwei Jahre. Dann wird sich zeigen, wohin ich versetzt werde. Aber zwischendurch komme ich immer mal wieder nach Hause, zumindest in den Ferien!“

Vergeblich suchte sie nach einem Anzeichen von Verständnis in seinem Gesicht. Tihal stand wortlos auf und ging mit versteinerter Miene davon.

„Schönen Dank auch!“, zischte Sirrah ihren Bruder an. Nie zuvor hatte sie eine solche Wut auf ihn verspürt. Ein Bild formte sich in ihrem Kopf, wie sie ihm die Hände um den Hals legte und zudrückte, bis er blau anlief.

Arneb zuckte hilflos mit den Schultern. „Ich dachte, du hättest es ihm längst erzählt!“

„Verdammt, überlass das Denken mir und kümmere du dich um den Abwasch!“, fauchte Sirrah.

„Bei Tisch wird nicht geflucht!“, ermahnte Adhara ihre Tochter.

Sirrah hätte schreien mögen. Arneb hatte soeben ihre Beziehung ruiniert, und ihre Mutter machte sich Gedanken über Tischmanieren. Sirrah pfefferte ihren Löffel in den Teller. Sollte den verfluchten Eintopf doch essen, wer wollte.

Sie ahnte, wo sie Tihal finden würde. Er stand am Ufer des Teichs und sah einigen Libellen zu, die im letzten Abendlicht auf der Jagd nach Beute waren.

„Lass mich zufrieden!“, brummte er.

„Tihal, versteh doch!“

„Wann hattest du eigentlich vor, es mir zu sagen?“, fragte er mit rauer Stimme. „Wenn du mit dem Koffer zum Bahnhof gehst?“

„Ich wollte schon länger mit dir darüber reden, ehrlich. Aber irgendwie fand ich nie den richtigen Moment!“

Sie legte die Arme um ihn. Er erwiderte ihre Umarmung mit der Verzweiflung eines Ertrinkenden.

„Ich liebe dich“, flüsterte er. „Bedeutet dir das denn gar nichts?“

„Ich wollte dich nicht verletzen. Aber zur Raumflotte zu gehen, war schon immer mein Traum!“

„Und gegen einen Traum komme ich nicht an, nicht wahr?“ Tihal sah sie mit seinen dunklen Augen an. Sirrah war sich nicht sicher, ob sie sich den feuchten Schimmer darin nur einbildete.

Er löste die Umarmung. „Ich muss los. Wir fangen morgen früh an.“ Ohne ein weiteres Wort stiefelte Tihal davon. Sirrah wartete vergeblich darauf, dass er sich noch einmal umdrehte.

Zuhause saßen ihre Eltern noch im Garten. Jetzt bloß keine neugierigen Fragen! „Ich muss mich unbedingt noch bei Isa melden“, rief Sirrah ihnen im Vorübergehen zu. „Gute Nacht, bis morgen!“

Ihren Bruder würdigte sie keines Blickes. Schnurstracks rannte sie die Treppe hinauf und verschwand in ihrem Zimmer.

Sirrah setzte sich an ihren Schreibtisch und knipste den Bildschirm ein. Hoffentlich war Isa zu Hause! Als Sirrah in das vertraute Gesicht ihrer Freundin blickte, fühlte sie sich ein wenig besser.

„Hallo Sirrah! Schön dass du dich meldest“, plauderte Isa munter drauflos. „Ich habe vorhin deine Nachricht gelesen. Herzlichen Glückwunsch!“

„Diese Neuigkeit verbreitet sich schneller als Kopfläuse“, bemerkte Sirrah.

Isa sah sie erstaunt an. „Was hast du denn für ein Problem?“

„Aus deiner Hochzeit mit Arneb wird nichts, weil ich ihn vorher umbringe!“ Sirrah deutete mit ihren Händen einen Würgegriff an. „Dieser Blödmann hat beim Abendessen von der Akademie gequatscht. Und Tihal wusste noch nichts davon!“

„Autsch!“ Isa verzog das Gesicht. „Wie hat er reagiert?“

„Er hat mich angesehen, als hätte ich seinen Vater in die Sklaverei verkauft.“

„Oh je“, seufzte Isa. „Aber du kannst nicht allein Arneb die Schuld geben. Du hättest es Tihal schon längst sagen sollen!“

„So schlau bin ich jetzt auch“, brummte Sirrah. „Dazu hätte ich dich nicht gebraucht!“

Das konnte nicht wahr sein! Ihre beste Freundin stand auf der Seite ihres Bruders.

„Weißt du was, ich geh jetzt ins Bett. Und vielen Dank für dein Mitgefühl!“

Sirrah hämmerte auf eine Taste. Die Verbindung brach ab.

Hier war jedes weitere Wort überflüssig.

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