Martin Rose - Amnesia Orange

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26 Jahre lang leidet der Ich-Erzähler an Amnesie, dann erinnert er sich plötzlich: an ein Gewaltverbrechen, das er als Kind nur knapp überlebte. Eine Weile lag er als Neunjähriger im Koma, als er erwachte, wusste er nicht mehr, wer er war, und was geschehen war – und seine Eltern begegneten ihm mit Schweigen. «Amnesia Orange» handelt vom manchmal verwirrenden, manchmal komischen Prozeß der Erinnerung, die sich der Ich-Erzähler als Erwachsener mühsam zurückerobert. Es ist die Geschichte über ein betrogenes Leben, über Lüge und Schuld, über die Macht und die Ohnmacht weißer Flecken in der Geschichtsschreibung eines Menschen. Ein grausiges und brutales Familiengeheimnis prägt das Leben des Erzählers, ohne, daß er es weiß, fast drei Jahrzehnte lang. Erst Zusammenbrüche und Klinikaufenthalte führen ihn auf die Spur seiner Vergangenheit. Es beginnt die Suche nach der eigenen Identität von einem, der keinerlei Erinnerungen an die ersten neun Jahre seines Lebens hat.

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Doktor Humpe, der sich unbeeindruckt gab, musterte mich eine ganze Weile, dann sagte er: „Das ist allerhand“, und ich bestätigte, dass sich auch nach meinem Ver­ständnis einiges angehäuft hatte, das Leben mir schwer und fremd geworden war, und Doktor Humpe sah mich jetzt mit dem Ausdruck unterdrückter Verwunderung an, als er sagte: „Na ja, so viel ist es auch wieder nicht.“

Er hatte einiges mit mir vor, in den kommenden Wochen. Er sagte, er wolle meine Selbstwahrnehmung als Mann stärken, und ich erwiderte: „Aha“. Er beabsichtigte, meine Ängste aktiv und „von Angesicht zu Angesicht“ anzugehen, und vermutlich sagte ich erneut „aha“, während ich kaum wahr­nehmlich in meinem Lehnsessel absackte. Es folgte eine Liste mit Hausaufgaben, die ich in den kommenden Wochen zu absolvieren hatte: Ich mußte Briefe schreiben, an mich als kleiner Junge und an Shirin, Frauen im Haus sollte ich fragen, wie sie mich fanden, vorzugsweise schrift­lich verfaßt oder von mir pro­tokolliert, Sport. Gleich am nächsten Tag hatte ich in die Laufgruppe zu gehen, am darauffolgenden zur Rücken­gymnastik und am Tag danach zu Yoga, jeweils um sechs Uhr morgens, und ich sagte: „Ja, ja“, und dachte: Nein, im Leben nicht!

Er befragte mich nach der beruflichen Situation, und ich wunderte mich nicht, dass sie so früh kam, die alles definierende, einordnende Frage: Was macht er denn. Wenn ich nannte, was ich tat, mußte ich meine Auskunft relativieren, weil ich etwas stets zur Zeit tat und es eigentlich das falsche war, ich fühlte mich niemals einem Soziotop zugehörig. Zurzeit, berichtete ich wahrheits­gemäß, war ich Über­setzer, weil ich zwei­sprachig auf­gewachsen war und das Übersetzen auch ein paar Jahre studiert hatte.

Ahnungslos hatte ich zunächst Rechts­wissenschaft studiert, um mich zwei Wochen vor dem Examen vom Juristenwesen abzuwenden: diese Zahlen- und Absatz­zählerei, die ewig pedantische Suche nach dem richtigen Begriff, dem alles entscheidenden Wörtchen im Wust unverständlicher Paragraphen, das Durch­wühlen von Gesetz zu Gesetz, das nach Schema mechanische Ab­spulen der Sach­verhalts­prüfung, das gebetmühlen­artige Herunter­deklinieren vorgestanzter Phrasen, letztlich Versub­stantivierung und Erstarren der Sprache und somit der Denkprozesse, das Einfrieren des Intellekts.

Als gescheiteter Jurist, der ich war, wollte ich etwas mit deutscher Sprache machen und bewarb mich um ein Re­daktionsvolontariat bei einer Zeitung im Süd­westen. Zu meinem Erstaunen bekam ich die Stelle als einer von sechs unter 900 Bewerbern, und scheiterte sogleich als Journalist in jämmerlicher Weise: zu abgründig waren meine Texte, wenn es um Todes- oder Unfälle ging, bei denen ich die Szenerie dreier überschlagener und inein­ander verkeilter Autos auf der Bundesstraße samt der Hirnmasse, die sich über den Asphalt ausgebreitet hatte, bildreich beschrieb, statt nüchtern die monotonen Amtsdeutsch­fakten der Polizeibeamten wiederzugeben, als „Schön­schreiber!“ wurde ich geschimpft, was bei einer Regional­zeitung einem Todesurteil gleicht.

Dann wollte ich etwas ganz und gar anderes machen, und verdingte mich als Page in einem Luxushotel in Baden-Baden, doch es ent­sprach, wie ich nach einer Weile bemerkte, nicht meinem Naturell, das servile Gehabe. Ich schrieb Reise­reportagen für Die Zeit , bis mir das Reisen zunehmend anstrengend wurde, mit ersten, sich mir nicht er­schließenden körperlichen Kapriolen: Panik, wenn die Tür eines Zuges zuschlug, beispielsweise, der un­bändige Drang, die Kabinentür zu öffnen und das Flugzeug zu verlassen, obwohl ein Arzt, der in der Reihe vor mir saß, mir bereits zwei Tavor gegeben hatte. In dieser Reduktion fiel ich bis auf weiteres auf das zurück, das mir am wenigsten ein Bekenntnis zu einer Zunft und Wesens­gemeinschaft abverlangte, weil es in der stillen Kammer stattfand: das Übersetzen.

Nachdem Doktor Humpe das Kreuzverhör, wie es mir vorkam, vorerst beendet hatte, untersuchte er mich auf meine Körperlichkeit, maß Puls, Blutdruck und ließ mich aus akupunkturideologischen Gründen die Zunge heraus­strecken. Er drückte mich am Bauch und zwickte die Waden, klopfte die Wirbelsäule entlang, horchte mit dem Stethoskop in die Regungen meiner Lunge. Er drückte auf meine Oberarme, und es kam mir vor, als packte er wie der Hirschkäfer eine Fichten­nadel, so dünn mußte ihm mein Bizeps vorkommen, und er sagte: „Ihre Muskelmasse ist ein wenig unter­entwickelt, und zu dünn sind Sie auch für Ihre Körpergröße, wir werden Sie ein bißchen aufpäppeln“, sagte Doktor Humpe. Er sah mich an und ich ihn, ich sah, wie er zunächst etwas zu sagen zögerte und dann doch noch sprach: „Wir werden auch Ihre distanzierte Haltung ein wenig brechen“, und mir kam es vor, dass er das Wort „brechen“ mit einem aggressiven Unterton sagte.

Nun kam er auf die basisbiographischen Gegebenheiten zu sprechen, mit wem ich wo unter welchen Um­ständen aufgewachsen war. Er bat mich, meine Mutter zu charakterisieren, und ich sagte spontan: „Wankel­mütig, vorwurfsvoll, maßlos überfordert“: mit mir als Kind, mit einem Abendessen, wenn Besuch an­gekündigt war, mit dem rückwärtigen Ausfahren aus der Garageneinfahrt, beispielsweise. Nachdem ich das Jurastudium ab­gebrochen hatte, sagte sie: „Das kannst du deinem Vater nicht antun, dass er eines Tages mit dem Gefühl stirbt, aus seinem Sohn ist nichts geworden.“

Ich berichtete, dass mein Vater, seit ich Junge war, schwieg, und als Mann im Elterngefüge selten anwesend war, weil er stundenlange Spaziergänge machte, sich im Keller mit seinen Kriegsschiffchen verbar­rikadierte. Als ich später das Studium abbrach, sagte er: „Frauen wollen keine Versager“, danach hüllte er sich erneut in Schweigen, nahezu ohne Unterlaß bis zum heutigen Tag. Natürlich redete mein Vater, über Politik oder Geographie, von Shirin beispielsweise wollte er wissen, aus welchem Teil des Iran ihre Eltern kamen, und er suchte dann Orte und Landschaften in einem Atlas und besah sich noch lange die geologischen und klimatischen Beson­der­heiten der betreffenden Region. Er wußte durch aufmerksame Zeitungslektüre, wie es sich im Iran mit dem Wächter- und dem Expertenrat verhielt, und wer wen in welche Staatsämter benannte, er wußte, wer die Zarathustra waren und wer die Jünger Mehdis. Doch mein Vater schwieg, wenn es um persönliche Dinge ging, über den Krieg, beispielsweise, seinen Krieg, in den er 1940 als 16jähriger geworfen worden war. Er schwieg, wenn es um unsere, also auch um meine Vergangenheit ging, oder über so etwas wie Liebe, niemals habe ich ihn das Wort Liebe sagen hören. Er war nicht gefühlskalt, er spaltete ab. „Wie meinen Sie das?“, fragte Doktor Humpe.

„Mein Vater leugnet beispielsweise Fakten aus seiner Bio­graphie“, setzte ich an. Ich berichtete von einem Foto, dass ich im Spiegel zu einem Artikel über den Ostfeldzug der Wehrmacht entdeckt hatte: eine braunstichige Schwarz­­­weißaufnahme, auf der ein Soldat eine frappierende Ähnlichkeit mit meinem Vater aufwies, der, das wußte ich damals, mit der Wehrmacht durch den Kaukasus marschiert war; unter dem Foto stand die Bildunterzeile: „Deutsche Kompanie beim Marsch durch die Sowjetunion“. Als ich es näher betrachtete und ein Foto meines Vaters als Schüler, der er vor dem Krieg war, zur Hand nahm, hatte ich keinerlei Zweifel, dass der Mann auf dem Foto mein Vater war, und auch Shirin, die einen Blick auf das Bildnis warf, sagte, dass er es war, zweifels­frei. Als mein Vater kurz darauf allein bei uns zu Besuch war, be­trachtete er recht lange das Foto, das ich ihm nach einem Abendessen mit Wein und Cognac vorgelegt hatte. Er besah es sich lange, schien in Gedanken zu versinken und sagte vielleicht eine Minute lang kein Wort, doch dann streckte er seinen Rücken, legte das Heft beiseite, und sagte: „Nein, das bin ich nicht“. Ich könnte heute noch schwören, dass er es ist.

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