Ohne ein Wort zu sagen, deutete der Polizist zu dem Besen hin, der vor seinen Füßen zu Boden gefallen war.
»Aber«, auch der Muffler zeigte auf den Besen, »das ist doch ein ganz normaler Besen. Den habe ich erst heute bei Besen-Fritze gekauft.«
»Besen-Fritze? Ihr Komplize?«
»Was?«, kreischte der Muffler los. »Haben Sie noch alle Tassen im Schrank?«
»Nochmalige Beamtenbeleidigung. Sie müssen jede Menge Kohle haben, um sich das alles zu erlauben.« Der Polizist schrieb und schrieb.
Dem Muffler kam es vor, als hätte er Gefallen daran, ihm alles Mögliche anzuhängen.
Doch der Polizist ließ sich von Herrn Schreien nicht aus dem Konzept bringen, auch nicht durch sein stetiges Gemosere. Am Schluss legte er dem Muffler einen Strafzettel auf den Tisch, der sich gewaschen hatte, so vieles, hatte er auf diesem festgehalten.
»Ist bis morgen zu bezahlen. Verstanden?«
Der Muffler nickte nur. Er traute sich schon gar nicht mehr, noch etwas zu sagen. Alleine der Strafzettel, eine Länge hatte der. Für das, was er als Strafe zu zahlen hatte, hätte er sicherlich eine komplette Heerschaft an Besen, von Besen-Fritze kaufen können. Doch daran durfte er gar nicht erst denken, denn dann würde ihm der Kamm aufs Neue anschwellen und dem Polizisten neuerliche Gründe geben, den Strafzettel weiter auszufüllen und die Strafe noch höher werden zu lassen.
»Und den hier, den nehme ich mit. Nicht, dass Sie ihn wieder einsperren. Immerhin, er muss artgerecht gehalten werden.« Der Polizist beugte sich zu dem Besen hinunter und nahm ihn auf.
»Ich bitte Sie! Das ist doch nichts weiter, als ein ganz normaler Besen.«
»Mag sein. Auch interessant, wenn man bedenkt, dass, laut Ihren anfänglichen Aussagen, Sie gar keinen Besen besitzen. Von daher dürfte der«, er hielt ihm den Besen vor die Nase, »gar nicht hier sein. Doch wie dem auch sei, es geht immer noch um den Besen und die Art, wie er zu halten ist. Und davon haben Sie nicht den blassesten Schimmer.«
»Ich bitte Sie, was soll das denn? Das ist doch Willkür. Als wenn es Regeln gäbe, nach denen Besen untergebracht zu sein hätten.«
»Sie sollen mir nicht andauernd widersprechen«, mahnte der Polizist.« Er schüttelte den Kopf. »Sie haben keine Ahnung, wie man mit dieser Rasse umzugehen hat.«
»Das ist keine Rasse, verdammt noch eins! Das ist nichts weiter, als ein lumpiger Besen; und er fegt noch nicht einmal sauber, wie Sie selbst an den Staubflocken sehen können, die hier noch überall in den Ecken herum liegen«, keifte Herrmann Schreien drauflos.
»Kann er wohl auch kaum, wenn Sie ihn heute erst bei Besen-Fritze gekauft haben, Herr Muff…, ähm, Herr Schreien.«
»Das ist doch Jacke wie Hose. Ändert jedoch aber nichts daran, dass das Ding in Ihrer Hand, nichts weiter ist, als ein ganz stinknormaler Besen.« Dem Muffler lief der Schweiß von der Stirn, seine Wangen waren hochrot, dermaßen verärgert war er unterdessen. »Nur ein dämlicher Besen ist das, und basta!«, bestand er weiterhin, auf sein Recht.
»Aber nicht artgerecht gehalten«, beharrte der Polizist auf seiner Meinung. »Und bevor ich jetzt gehe, will ich, dass Sie den Fernseher endlich ausschalten und sich auf der Stelle schlafen legen. Tun Sie das nicht, kommt auch noch Widerstand gegen die Staatsgewalt hinzu.«
Als der Muffler sah, dass der Polizist bereits nochmals nach dem Strafzettel langte, hob er abwehrend die Hände. »Ist ja schon gut«, sagte er, ging und machte den Fernseher aus.
»Licht nicht vergessen, zu löschen!«, befahl der Polizist, als der Muffler bereits auf dem Weg zum Schlafzimmer war. »Unnötige Stromverschwendung ist zwar kein Strafdelikt, für das ich Sie belangen könnte, zeugt jedoch von Fahrlässigkeit, der Umwelt gegenüber. Und Sie wollen doch nicht umweltunfreundlich sein; oder etwa doch?« Drohend blinkte es in den Augen des Polizisten auf.
»Nein, natürlich nicht«, antwortete Herr Schreien hastig.
»Immerhin sind wir uns darin wenigstens einig.« Der Polizist machte ein zufriedenes Gesicht.
»Wenn Sie bitte auch daran denken, die Tür hinter sich zu schließen«, erinnerte Herrmann Schreien den Polizisten, in der Erwartung, dass der Mann endlich seine Wohnung verlassen und woanders seine Pflicht erfüllen würde.
»Ich weiß schon, was ich zu tun habe«, knurrte der Polizist ihn an. »Und jetzt, ab in den Kahn! Aber ein bisschen flott!«
»Bin schon weg«, stotterte der Muffler verängstigt, huschte hastig in sein Schlafzimmer und schloss eiligst die Tür hinter sich. Ohne sich umzuziehen, legte er sich ins Bett und deckte sich mit der Bettdecke zu.
Dabei dachte er noch lange darüber nach, woher der ungebetene Besuch, der Polizist, überhaupt gekommen war. Und wer ihn überhaupt in seine Wohnung gelassen hatte.
Was für eine Kacknacht, dachte er noch, bevor er einschlief.
Im Wohnzimmer unterdessen verwandelte sich der Polizist in die Hexe Hoxa zurück. Auch das Blaulicht hatte aufgehört, zu blinken. Es war ohnehin nur in Mufflers Wohnung zu sehen gewesen, doch das wusste Herrmann Schreien nicht.
Es war nichts weiter gewesen, als das Werk der Hexen.
Den Strafzettel jedoch, den ließen sie liegen. Sollte er ihn doch bezahlen! Die Bankverbindung war ohnehin die, einer wohltätigen Organisation. Und durch einen Hexenzauber in der Art geschrieben, dass der Muffler zwar lesen würde, dass der Betrag dem Staat gutgeschrieben werden, in Wahrheit jedoch einer wohltätigen Organisation zugute kommen würde.
Brunhilde machte Hoxa Zeichen.
Gemeinsam verließen sie, mit den beiden Kindern, den Besen, wie auch dem Besen des Mufflers, die Wohnung. Sie flogen die Kinder zurück in ihr Zimmer, danach verließen sie sie.
»Wir sehen uns bald wieder!«, versprachen die Hexen, und waren im nächsten Augenblick durchs Fenster hinaus, in die Nacht hinein verschwunden.
Mufflers Besen jedoch, der stand jetzt neben dem, den Besen-Fritze den Kindern erst nachmittags geschenkt hatte.
Gisela und Lothar brauchten lange, bis sie endlich einschliefen. Fast die ganze Nacht hindurch, erzählten sie sich nochmals und immer wieder aufs Neue, ihr nächtliches Abenteuer.
Die beiden Besen jedoch, hatten sie zuvor unter Lothars Bett gelegt. Sicher war sicher. Immerhin, wer konnte schon von sich behaupten, Besen zu besitzen, die in der Lage waren, zu fliegen. Wohl kaum jemand, … außer Hexen natürlich. Hexen mussten fliegende Besen haben, wie sonst wollten sie von der Stelle kommen und sich fortbewegen, ging es den Kindern durch den Kopf.
Aufgeregt waren die beiden, als sie ihr nächtliches Erlebnis, sich wieder und wieder gegenseitig erzählten. Sie erzählten davon, wie sie mit leuchtenden Augen und vor Staunen offen stehenden Mündern, dem Treiben zugeschaut hatten, und wie der Muffler vor Angst schlotternd vor ihnen gestanden hatte; auch wenn er weder gewusst hatte, dass die beiden da waren noch, dass sie zudem auch noch unsichtbar gewesen sind.
Wie überrascht sie gewesen waren, als die Hexe sich verwandelt und den Polizisten gegeben und den Muffler dermaßen verwirrt hatte, dass er am Ende schon gar nicht mehr gewusst hatte, wie ihm geschah.
Sicherlich würde er morgen früh aufwachen und glauben, das Ganze geträumt zu haben.
Würde vielleicht sogar auch klappen, wäre da nicht der Strafzettel, den die Hexen bewusst dort zurückgelassen hatten.
Kichernd fielen sich die Kinder in die Arme.
»Das war so toll, Gisela«, schwärmte Lothar, immer wieder von Neuem.
»Ja, Kleiner. Das war es wirklich.« Sie strich ihm über den Rücken. »Echt toll, sogar.«
Die ersten Vögel zwitscherten bereits, als die Geschwister endlich in den Schlaf fanden und einschliefen. Sie träumten beide denselben Traum, in welchem es von Hexen und Zauberern nur so wimmelte. Und zwischen ihnen tanzten lustige Reisigbesen, Kehrbesen, Staubwedel und sogar Putzlappen einher.
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