H. C. Schwarz - Hardcore

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Ergänzt von sehr persönlich gehaltenen Tagebucheinträgen wird die Geschichte eines Pornoregisseurs erzählt, der eine existenzielle Krise durchlebt, die schließlich in einem Selbstmordversuch gipfelt. Da er in seinem labilen Zustand eine Gefahr für sich und andere darstellt, landet er in der psychiatrischen Notaufnahme.
Im Zuge des sich an seine Zwangseinweisung anschließenden Entgiftungsprogramms kommen die lange verdrängten Erinnerungen an den sexuellen Missbrauch hoch, dem er als Kind ausgesetzt war. Noch während seines Aufenthalts in der Anstalt lernt er im Rahmen einer Gruppentherapie eine Frau kennen, die einer ähnlichen traumatischen Erfahrung ausgesetzt war. Sie verlieben sich ineinander und fliehen aus der psychiatrischen Klinik, um inmitten eines großen, naturbelassenen Waldes in einem alten Forsthaus gemeinsam einen Neuanfang zu wagen.
Bei dem Text «HARDCORE – Tagebuch eines missbrauchten Mannes» handelt es sich nicht nur um eine Liebesgeschichte der besonderen Art, sondern auch um den authentischen Bericht über den Weg eines Paares hin zu einer geheilten, liebevollen Sexualität. Er erzählt von der Sehnsucht eines Mannes nach innerem Frieden und von seinem Prozess der Aussöhnung mit dem Weiblichen, das in jedem Mann zuhause ist.

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Alles steht unter einer Devise:

Der Trennung von Liebe und Lust.

Ficken als Selbstzweck, möglichst frei von jeglicher emotionaler Bindung.

Die Experten dieser Glaubensrichtung versammeln sich einmal im Jahr bei einer sogenannten Sexmesse. Bei dieser Gelegenheit feiern sie sich selbst und den ganzen kranken Schrott, den sie im Jahr zuvor fabriziert haben. Die begabtesten Ficksklaven und die kreativsten Hersteller von Wichsvorlagen werden mit schicken Trophäen ausgezeichnet.

Glänzende Frauentorsos aus hochglanzpoliertem Edelstahl. Ausladende Geschlechtsteile mit Brüsten dran.

Frauen ohne Arme und Beine, ein Pokal mit vielsagender Symbolik. Er verdeutlicht, worauf das Weibliche in diesem Mikrokosmos reduziert wird. Kopflose Gebär- und Fickmaschinen, das entspricht im Großen und Ganzen dem gängigen Frauenbild in Pornofilmen.

Weglaufen oder sich wehren, kann eine Frau, die weder Füße noch Hände hat, nicht. Die Möglichkeit, einen eigenen Willen zu entwickeln oder jemanden zu streicheln, hat sie als Torso natürlich ebenfalls nicht, aber dergleichen ist in diesem Business auch nicht besonders gefragt.

1.13 Deep-throat-Massaker

Als ich zurück

an das Set kam, waren die beiden Frischlinge schon voll in Aktion, fest ins Team eingebunden sozusagen. Während sie es knallhart von hinten besorgt kriegten, mussten sie auf Manfreds Kommando hin abwechselnd an seiner Nudel lutschen, je tiefer desto besser. Als die eine würgend und erstickt schluchzend anfing zu weinen, packte er sie an den Haaren, schob seinen monströsen Riemen noch ein bisschen weiter in ihren Hals und wedelte zur Motivation mit einem Hunderter.

„Ja, meine kleine Schwertschluckerin, so ist es brav. Ohne Schweiß kein Preis.“

Das Set brach in schallendes Gelächter aus, selbst der Kameramann verlor leicht hysterisch gackernd die Beherrschung. Ich starrte benommen auf den Monitor, sah das verwackelte Bild der jungen Frau und ihre rot aufgequollenen, ängstlich aufgerissenen Augen. Die Kamera filmte sie gerade sehr nah, close-up, damit später auch jeder Konsument haargenau ihre bitteren Tränen sehen kann und wie sehr sie sich an Manfreds langem Rohr abmühte. Es kam mir vor, als würde hinter den dünnen Wänden der Diskothek, jenseits des Pornosets, ein unsichtbarer Dämon die männlichen Akteure der legitimierten Misshandlung anfeuern, ihnen mit den Worten applaudieren:

Ist das nicht einfach megageil, Jungs, wie diese Jungfotze mit dem Brechreiz kämpft? Wie herrlich sie sich quält für einen läppischen Bonus? Wie sie sich aufgibt für eine kleine Finanzspritze?

Der Kommentar, der mir in diesem Moment durch den Schädel ging, schien einen Kontrapunkt zu bilden zu dem des Dämons.

Na los, Mädel, dachte ich. Kotz dem kranken Kinderficker jetzt die teure Hose voll. Oh ja bitte, tu mir den Gefallen.

Ich fing einen hilfesuchenden Seitenblick der Darstellerin auf. Wahrscheinlich hoffte sie, dass ich als Regisseur gleich einschreiten und die Aufnahme beenden würde.

Aber es war wie in meinem Traum von den Frauen, die keine Hände mehr hatten. Ich hatte zwar noch beide Hände, aber sie waren gebunden von Sachzwängen und anderen Verpflichtungen. Ich konnte ihr nicht helfen. Aber ich hatte einen guten Rat für sie. Auch wenn ich ihn wie üblich nicht laut aussprach, sendete ich ihn ihr in Gedankenform.

Gewöhne dich schon mal daran, meine Kleine. Du bist nun in den Händen von Menschenfressern. Dir bleiben nur zwei Optionen und die sind beide nicht besonders erfreulich.

Entweder du frisst den Dreck oder du wirst gnadenlos aufgefressen.

1.14 Mein Tagebuch / 6

Wer Montags

schön scheiße aussieht, hat ein tolles Wochenende hinter sic h. The day after, das ist auch so eins meiner ewigen Déjà-vus.

Heute morgen bin ich mit bleischwerem Kopf aufgewacht. Gestern ist es sehr spät geworden, ich habe mich mit dem Kameramann volllaufen lassen. Der Typ ist zwar auch ein Zombie, aber in diesem Pornoknast der Einzige, mit dem ich überhaupt mal ein einigermaßen normales Wort wechseln kann.

Denn das ist das Schlimmste an diesen marathonartigen Produktionen, sie gleichen einer vorübergehenden Inhaftierung. In der Regel dauern sie zwei Wochen und finden irgendwo im Niemandsland in Ferienanlagen statt, wo man sich aus Mangel an Touristen über gut zahlende Pornoproduktionen freut.

Da werden dann wie am Fließband Wichsvorlagen hergestellt. Pornofabrik, von früh morgens bis spät nachts, vierzehn, unerträglich endlose Tage lang. Mit mehreren Teams gleichzeitig, um Produktionskosten zu sparen und die Darsteller, Männer wie Frauen optimal auszunutzen.

Nach diesem Schema läuft die Gewinnmaximierung nach Pornoart ab. Als würde man in einem Restaurant dasselbe Steak gleich drei mal hintereinander an verschiedenen Tischen servieren. Spätestens nach einer Woche fangen die Schwänze und Mösen an zu glühen. Dann ist die Luft raus und alle bräuchten eigentlich eine Fickpause.

Aber keine Chance, es ist wie auf einer mittelalterlichen Galeere. Die Produktion gibt den Takt vor, trommelt unerbittlich und die Sträflinge müssen weiter rudern, ob sie wollen oder nicht.

Pornodrückerkolonne. So titulieren wir im Team unsere momentane Arbeitssituation. Humor ist, wenn man trotzdem lacht.

1.15 Böses Erwachen

Mein Kopfkissen

war klitschnass. Ich schob es über die Bettkante und hörte, wie es mit einem dumpfen Plumpsen auf der billigen Auslegeware landete. Stöhnend angelte ich mir Ersatz von der anderen, unbelegten Seite des Doppelbettes. Und war heilfroh, als ich feststellte, dass dort keine Frau lag. Im Laufe so einer versoffenen Nacht wäre es immerhin gut möglich gewesen, dass ich schwach geworden wäre und einen meiner wenigen löblichen Grundsätze über den Haufen geworfen hätte.

Keine Frauen aus dem Cast zu bumsen.

Denn es gab nichts, was mich an einer Frau mehr abturnte, als ihr den ganzen Tag dabei zuzuschauen, wie sie von diversen Mackern in diverse Löcher penetriert wurde. Ich weiß, dass diese Art von Peeping manche Regisseure total aufgeilte. Je durchgenudelter die Weiber waren, desto besser. Eine Vorliebe, die ich nicht als eine Frage des Geschmacks einordnete. Hinter solch einer Neigung vermutete ich andere Beweggründe. Vielleicht, weil sie dann ihre ohnehin nur rudimentär ausgebildeten Hemmungen vollends über Bord werfen konnten und den Starletts nach Drehschluss so richtig ungehemmt Saures geben konnten.

Für mich waren die Mädels von Set jedenfalls ein echtes No-Go. Und ich war erleichtert, dass diese Sicht der Dinge auch meinen gestrigen Vollsuff unbeschadet überstanden hatte, denn mir war jetzt weder nach Smalltalk noch nach einer schnellen Nummer zumute. In meinem momentanen Zustand war es besser allein zu sein.

Mein Schädel drohte zu zerspringen, jede ruckartige Bewegung löste ein in Wellen heranrollendes Nachbeben hinter meiner Stirn aus. Ich beschloss, dass es am besten war, erst einmal gar nichts zu tun und legte meinen Kopf vorsichtig wieder ab.

Es war nicht allein die Nachwirkung des Besäufnisses, die in mir rumorte. Unscharf konnte ich mich an einen grauenhaften Albtraum erinnern, in dem ich selbst der Hauptdarsteller war.

Während ich mich bemühte, den Traum zu rekonstruieren, dämmerte ich benommen zwischen Schlafen und Wachen, meine Sinne noch halb versunken im dunklen Meer der Nacht. Ich spürte, dass dort unten, in der unendlichen Finsternis, etwas auf mich lauerte. Ich wurde dort erwartet, wusste aber nicht von wem.

1.16 Mein Tagebuch / 7

Es ist

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