1 ...7 8 9 11 12 13 ...23 Als er das Schlafzimmer des getrennt von seiner Frau schlafenden Maulwurfs betrat, fixierte er diesen und behandelte ihn mit den Nettigkeiten seiner Folterkammer, um ihn zum Reden zu bewegen. Als Erstes verlangte er die Herausgabe seiner Dienstwaffe, einer Sig-Sauer-225, wie sie die hessische Polizei standardmäßig verwendet. Die Waffe lag, noch nicht einmal eingeschlossen, griffbereit in der Nachttischschublade.
Leider regte sich der Maulwurf so darüber auf, dass der ‚Wolf‘ begann sich Sorgen um die Gesundheit des Maulwurfs zu machen. Er stritt vehement ab, einen eigenen Auftragskiller mit der Beseitigung der Zeugin beauftragt zu haben. Er hätte mit der ganzen Sache nichts zu tun und er wusste auch nicht, dass und wohin das Opfer verschwunden war. Der ‚Wolf‘ stellte frustriert fest, dass er aus ihm nichts über den Aufenthaltsort seines Entführungsopfers herausbekommen würde. Er steckte ihm den Lauf seiner Dienstwaffe in den Mund und jagte ihm eine Kugel durch den Kopf. Dann ging er ins Schlafzimmer seiner Ehefrau und erschoss sie ebenfalls. Dann löste er die Fesselung des Maulwurfs und deponierte die Waffe auf dem Boden unter dem schlaff herabhängenden Arm des toten Oberstaatsanwaltes, nachdem er ihm die Waffe in die Hand gedrückt hatte.
Er loggte sich mit dem Zeigefinger des Toten in dessen Handy ein und checkte die letzten Nachrichten.
Er fand einige SMS, die der Oberstaatsanwalt mit einem Foto der lebenden Verräterin und ihren Koordinaten an zwei Adressaten verschickt hatte, von denen er nur den ersten kannte. Das war die Nummer vom Syndikus, der sie an den Boss weitergeleitet hatte. Die zweite mobile Nummer stammte von einem Provider für Prepaid-Karten und würde sich vermutlich nur schwer rückverfolgen lassen.
Eine SMS von dieser Telefonnummer hatte der Oberstaatsanwalt erhalten mit einer sehr kurzen Textnachricht.
„Alles erledigt.“ Der Zeitstempel der SMS lautete 15.10.2009, 18:17 Uhr.
Der ‚Wolf‘ setzte seinerseits eine SMS ab und leitete alle SMSen auf dem Handy des Maulwurfs an seinen Auftraggeber weiter.
Der Empfänger der SMS schäumte vor Wut. Er verfluchte alle, die er mit dem Verschwinden seiner Frau in Verbindung brachte. Angefangen von dem dämlichen Fahrer des Transporters, der wegen einer Pinkelpause seiner Geliebten den Halt an der Tankstelle eingelegt hatte, an der es zu dem Schusswechsel mit der Polizei kam. Er schwor, er würde keine Ruhe geben, bis er die Hauptschuldigen gefunden und alle bei lebendigem Leib begraben hätte.
Der ‚Wolf‘, auf dessen erfolgreiche Umsetzung seiner Befehle der Anführer so gehofft hatte, war im Begriff das Objekt des Oberstaatsanwalts zu verlassen, nachdem er noch die übrigen Räume durchsucht hatte.
Der Sohn des Maulwurfes war nicht in der Wohnung, und so fuhr er direkt zum Flughafen. Dort gab er den gemieteten Transporter zurück und druckte sich am Online-Ticket Counter das Flugticket und die Bordkarte für den Rückflug nach St. Petersburg aus, den der Buchhalter der ‘Gesellschaft’ für ihn gebucht hatte. Im Flieger machte sich der Überbringer der schlechten Nachricht Sorgen, ob er wohl trotzdem sein Honorar bekäme.
Buch 2 Das Heilbrünnlein
Odenwald Chronik …[Fußnote 4]
Angeblich hatte eine Einsiedlerin um das Jahr 300 nach Christi die Heilbrünnlein entdeckt. Lange Zeit war die Quelle in Vergessenheit geraten, bis findige Heiler im Mittelalter das Wissen wiederentdeckten und die Quelle zu einem Ort ausbauten, zu dem viele Leute kamen, um sich die ewige Jugend und Lebensfreude zurückzuholen. Die Agilität der Senioren im Odenwald und ihr fröhliches Leben lassen den Schluss zu, dass von dem Wasser auch heutzutage noch reger Gebrauch gemacht wird. Und dass das Wasser tatsächlich über Kräfte verfügt, die heilen, zur Lebenslust anregen und jung erhalten.
Die Seniorenoase Jungbrunnen, wird von einer Stiftung gleichen Namens betrieben und liegt mitten im Odenwald, am Marbachstausee, in landschaftlich wunderschöner Lage. Diese Einrichtung bietet vor allem Seniorinnen und Senioren, welche allein sind und sich Geselligkeit und gemeinsam erlebte Lebensfreude wünschen, die optimalen Bedingungen ein Wiedererwachen ihrer Lebenslust zu erleben. Sie fühlen sich jung und fit und gesund. Mit Heilwasser und unserem liebevollen Service erwecken wir ein nachhaltiges Frühlingserwachen auch für nicht mehr so fitte Personen des dritten Lebensabschnittes bis hin zu denen, welche auf eine umfangreiche Rund-um-die-Uhr-Pflege angewiesen sind. Ausschnitt aus der Web-Seite: Seniorenoase Jungbrunnen.
Kapitel 6
Vitali Klimachow, geboren 18.10.1947 in Podolsk, ledig, seit 1965 Mitglied der ‚Bratwa‘, Jura Studium in Moskau, Straflager in Wologodski Pjatak wegen Mordes, Spionagedienst der ‚Bratwa‘ in St. Petersburg. Seit 1990 Nummer 1 und Anführer der ‚Bratwa‘ mit dem Rufnamen ‚Boss‘ agiert seit 2000 von der Operationsbasis in Kaliningrad. Stifter der Stiftung Jungbrunnen, welche offiziell diverse Seniorenheime und Rehaeinrichtungen für Atemwegserkrankungen und inoffiziell Drogen- und Menschenhandel und Bordelle betreibt.
Videokonferenz, Freitag, 7.8.2020
Versteckt unter dem Mantel einer Stiftung, die als ‚Jungbrunnen‘ im Stiftungsregister am Standort Dieburg eingetragen ist, betreibt seit Jahren die ‚Gesellschaft’ ihre illegalen Aktivitäten. Diese ‚Gesellschaft‘, welche als Bruderschaft genannt ‚Bratwa‘ aus dem Unterweltsyndikat der ‚Wory‘ oder ‚Diebe im Gesetz‘ hervorgegangen war, hat sich im Zuge der Zeit massiv gewandelt.
Es handelt sich dabei um eine nicht sehr feine Versammlung krimineller Mitglieder, die ihr operatives Geschäftsfeld über den Stiftungsansatz legalisiert und sauber gewaschen haben. Die Stiftung ‚Jungbrunnen‘ ist handelsrechtlich unter der Bezeichnung ‚Jungbrunnen GmbH & Co. KG‘ im Handelsregister eingetragen.
Coronabedingt und auf Antrag des Geschäftsführers findet die Gesellschaftersitzung in diesem Jahr als Video Konferenz statt. Sehr zum Missfallen des Hauptgesellschafters mit Wohnsitz in Kaliningrad, der das Treffen gerne verschoben hätte, bis die diversen Reise-Einschränkungen nach Deutschland vorbei wären.
Von den zwei Kapitänen des Anführers ist Frank Koch Vitalis ausgefuchster Statthalter der lokalen ‚Bratwa‘ Organisation und rücksichtsloser Chef des Drogenhandels vor Ort. Er ist auch eingetragener Geschäftsführer der Stiftung. Neben ihm tritt der langjährige Syndikus der ‘Gesellschaft’ Maxim Mutsonow auf. Beide bezweifelten, dass es zu einer baldigen Lockerung der pandemiebedingten Einschränkungen käme. Weshalb sie auf einer Beibehaltung des Termins im Format der Videokonferenz gedrängt hatten.
Die beiden hatten das dringende Bedürfnis ein paar Brandherde im geschäftlichen Umfeld ihrer Senioren- und Pflegeheime auszutreten, bevor sie sich zum Flächenbrand entwickeln und ihre Geschäfte ernsthaft schädigen würden. Sie spielten allerdings gegenüber ihren Anführern die Bedrohung etwas herunter, um nicht direkt als unfähig eingestuft zu werden. Sie bemühten sich, zu erklären, dass sie ihre Geschäfte im Griff hätten, die buchhalterisch über die Pflegeheime abgewickelt wurden.
Insgesamt hatte sich seit dem Ausbruch der Pandemie das Einkommen der ‘Gesellschaft’ aus den Geschäftsfeldern Drogenhandel, der Prostitution und der Geldwäsche ständig verschlechtert.
Parallel dazu nahm der öffentliche Druck, insbesondere durch die täglich erscheinende ‚Odenwald Zeitung‘ oder das ‚Odenwälder Journal‘, seit Wochen in einem nicht mehr akzeptablen Maße zu. Dabei lag die Hemmschwelle der Chefs, ab der sie öffentliche Klagen oder behördliche Aufsicht als nicht mehr beherrschbar empfanden, dank umfangreicher Bestechung, Erpressung und Korruption von Amtsträgern ziemlich hoch. Sie hatten sich über lange Jahre in der Region eingenistet und ließen sich von Behörden weder beeindrucken noch maßregeln.
Читать дальше