„Hast du noch Kontakt zu jemandem? Kannst du mir Namen nennen?" Gilda hatte jetzt einen Block vor sich liegen und wartete mit gezücktem Bleistift.
Michael wand sich. „Bernd natürlich", begann er langsam aufzuzählen, „und Tommy. Mit den beiden habe ich das Zimmer geteilt. Tommy hat ständig gefurzt, er vertrug das Essen nicht."
Cora kicherte schrill, doch Michael nickte ernst.
„Wir haben fast täglich eine widerliche Pampe bekommen, Graupeneintopf mit Mehl. Da konnte es einem schlecht von werden. Onkel Heini hielt uns immer vor, dass er von dem bisschen Geld, das er für uns bekam, uns eigentlich nur verhungern lassen könnte. Wir sollten froh sein, dass es wenigstens das gab."
„Wer ist Onkel Heini?", fragte Cora dazwischen.
„Dem gehörte die Schule. Heinrich Krabost, wir mussten ihn Onkel Heini nennen. Dann würden wir uns wie zu Hause fühlen, hat er gesagt, schließlich wären wir eine große Familie. Aber zu Hause hat man sich da nicht gefühlt. Eher wie in der Hölle. Obwohl, für die meisten von uns machte das keinen Unterschied. War vielleicht doch wie zu Hause." Michael starrte in die Dunkelheit.
„Gibt es weitere Namen, an die du dich erinnerst?", fragte Gilda sanft. Sie wollte nicht gefühllos erscheinen, aber sie musste langsam aufbrechen.
„Es gab noch zwei auf unserer Bude. Wie hießen die? Ede irgendwas. Und Klößchen. Der war ziemlich dick. Dann waren da noch die drei Kapos. Scharfe Hunde, Friedrich, Axel und Werner. Onkel Heini nannte sie seine Augen und Ohren. Damit meinte er, dass sie alles sahen und hörten, was wir machten. Das haben sie ihm brühwarm erzählt. Manchmal bekamen sie den Auftrag, demjenigen, der etwas falsch gemacht hatte, eine gehörige Abreibung zu verpassen. Immer dann, wenn Onkel Heini zu besoffen war, um es selbst zu machen."
Gilda schluckte. Das hörte sich nach einem Horror-Internat an. Im Internet hatte die Schule einen anderen Eindruck erweckt. Aber die Zeiten waren auch besser geworden.
„Warum willst du das Schultreffen auf die Beine stellen? Angenehme Erinnerungen können es nicht sein."
Michael nickte bedächtig. „Stimmt. Es war nicht schön. Überhaupt nicht. Aber es gab ein paar nette Jungs unter den Kameraden, die ich gerne wiedersehen möchte. Und bei einem hätte ich noch etwas gut zu machen.
Aber der wird wohl nicht kommen."
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