Generell haben Geschlechtshormone im menschlichen Körper sehr viele Funktionen. Zu diesen Hormonen zählen natürlicherweise eine Reihe unterschiedlicher Östrogene und Gestagene, die sich chemisch etwas voneinander unterscheiden. Östrogene, Gestagene, aber auch das männliche Geschlechtshormon Testosteron erfüllen unterschiedliche Zwecke, sei es für das Nervensystem, den Stoffwechsel, die Haut, den Knochenbau – aber auch für die Emotionen. Zum Teil gleichen sich die Hormone gegenseitig aus oder haben gegenläufige Einflüsse auf Körper und Gemütsverfassung. Jeder Eingriff in dieses natürliche, fein austarierte System von Hormonen, bewirkt zunächst einmal eine mehr oder weniger starke Veränderung.
Das Funktionsprinzip der meisten hormonbasierten, oral aufgenommenen Verhütungsmittel („Pille“), basiert auf dem Zusammenspiel der künstlich hergestellten Hormongruppen von Östrogenen und Gestagenen. Dem weiblichen Körper wird durch die Zuführung dieser Hormone vorgegaukelt, er sei schwanger, so dass eine tatsächliche Schwangerschaft nicht erfolgen kann. Die meisten hormonellen Verhütungsmittel sorgen dafür, dass keine Eizellen heranreifen können und so keine Befruchtung stattfinden kann. Die künstlichen Östrogene unterdrücken in den Präparaten den Eisprung und haben eine stabilisierende Wirkung auf die Regelmäßigkeit des Zyklus sowie den Aufbau der Gebärmutterschleimhaut. Progesteron ist der wichtigste Vertreter der Gestagene und wird auch Gelbkörperhormon genannt. Das Hormon in seinen zahlreichen künstlich hergestellten Varianten verhindert durch den Einsatz in der Pille auch den Einsprung, verändert die Viskosität des Vaginalschleims (Zervixschleim) und verhindert dadurch, dass Spermien während des Eisprungs die Eizelle erreichen können. Gestagene werden klassischerweise als wesentliche verhütende Hormone in Antibabypillen eingesetzt. Solche künstlichen Gestagene, wie beispielsweise Levonorgestrel, ersetzen zwar das natürliche Progesteron, haben aber nicht dieselben Eigenschaften wie vom Körper selber produzierte Hormone, die wiederum bei allen Frauen etwas unterschiedlich sind. Auch „Östrogen“ ist nur der Oberbegriff für verschiedene weibliche Geschlechtshormone, zu denen etwa „Estron“ und „Estradiol“ gehören.(2)
Die regelmäßigen Blutungen, die viele Frauen während der Pilleneinnahme haben, sind künstlich durch die Nichteinnahme von Hormonpräparaten an sieben Tagen herbeigeführt (nach 21 Tagen der Einnahme) Sie werden „Abbruchblutung“ oder auch „Hormonentzugsblutung“ genannt.
Pillengenerationen und Hormone
Hormonell wirksame Verhütungspillen werden im Allgemeinen in vier Generationen unterteilt, wobei heute die 2. bis 4. Generation auf dem Markt sind. Der Begriff 1. Generation bezieht sich auf die Hormonpillen der 1960er-Jahre mit vergleichsweise hohen Hormondosen. Bereits seit den 1970er-Jahren schritt die Entwicklung neuer künstlicher Hormone und Hormon-Kombinationen voran, vordergründig zu dem Zweck, die Verträglichkeit zu erhöhen und die negativen Nebenwirkungen zu verringern. Tatsächlich geht es den Pharmaunternehmen aber offenbar auch darum, ihre Absätze durch Zusatzfunktionen zu erhöhen, wie etwa „schönes Haar“, „reine Gesichtshaut“ und ähnliche kosmetische Nebenwirkungen. Hormonelle Verhütungsmittel der 3. und 4. Generation werden derzeit sehr viel häufiger verschrieben, als Präparate der 2. Generation (8 S. 5). Unter allen hormonellen Verhütungsmitteln sind die sogenannten Kombinationspillen mit Östrogen- und Gestagen-Bestandteilen am weitesten verbreitet. Sie sollen die natürlicherweise vom Körper produzierten Hormone Östrogen und Progesteron nachbilden. Aber auch rein gestagenbasierte Pillen sind zunehmend stark verbreitet und stellen ebenso wirkungsvolle Verhütungsmittel dar.
Menschen sind bekanntlich sehr unterschiedlich, was auch für ihre körperlichen Voraussetzungen und Eigenheiten gilt. Zum einen ist dies relevant für die Frage, wie wirksam ein hormonelles Verhütungsmedikament ist und zum anderen dafür, welche Nebenwirkungen in welchem Ausmaß auftreten. Übergewicht kann zum Beispiel die Wirksamkeit von hormoneller Verhütung herabsetzen, da sich Medikamente im Fettgewebe ablagern können, ohne ihre Wirkung im Körper zu entfalten. Daneben gibt es eine Vielzahl weiterer bekannter und unbekannter Faktoren und organischer Funktionen, welche Wirkung und Aufnahme der künstlichen Hormone individuell unterschiedlich effektiv machen.(14) Die Auswirkungen künstlicher Hormone können im Vorwege nicht genau abgesehen werden.
Die Bandbreite hormoneller Verhütungsmittel
Es gibt eine breite Palette von Gestagenen, die synthetisch hergestellt und dann Verhütungsmitteln zugegeben werden. Für jeden Lebensabschnitt und für jeden Typus für Frau gibt es angeblich die perfekten künstlichen Hormone. Die Pharmaindustrie stellt mit ihrer Produktpalette sicher, dass es Präparate mit allen möglichen Hormon-Zusammensetzungen und in unterschiedlichen Verabreichungsformen gibt. Wenn Frauen einzelne Hormonpillen nicht vertragen, wird ihnen von Gynäkologen meist nahe gelegt, andere Präparate, Hormonspiralen (PR-Name: „Hormonschirmchen“), Hormonringe oder Hormon-Implantate einsetzen zu lassen. Auch Hormonpflaster sind eine solche „Alternative“. Sie geben die Hormone über die Haut ab und müssen alle Paar Wochen gewechselt werden. Die hohen Hormondosen erzeugen jedoch viele Nebenwirkungen, zum Teil deutlich stärkere als bei oral aufgenommenen Pillen. Der sogenannte NuvaRing ist ein Silikonring mit künstlichen Hormonen, der in die Vagina eingeführt wird. Die Wirkstoffe des Rings sind eine Kombination aus Östrogen und Gestagen (Ethinylestradiol und Etonogestrel). Der Ring wird alle drei Wochen neu einsetzt, dann folgt eine einwöchige Pause. 25 % der Frauen und 29 % der Männer spüren den Ring während des vaginalen Sexes ein Wenig.(10) Ähnlich funktioniert das Hormon-Implantat. Es handelt sich um ein etwa vier Zentimeter langes Silikonröhrchen, das in den Oberarm unter der Haut eingesetzt wird. Durch die ständige Abgabe von Hormonen in die Blutbahn verhindert es den Eisprung. Nur wenige Frauen haben bei Einsatz des Implantats keine starken Nebenwirkungen und für viele ist es auch ein überaus unangenehmer Gedanke, einen fühlbaren Gegenstand über einen langen Zeitraum von drei Jahren im Arm stecken zu haben.
Die Pille n
Am weitesten verbreitet sind unter hormonellen Verhütungsmitteln mit Abstand oral aufgenommene Präparate, also klassische Pillen.(11) Die folgende Tabelle soll einen Überblick über alle verfügbaren hormonellen Verhütungsmittel geben. Es werden häufig unterschiedliche Bezeichnungen, teilweise für ein und dasselbe Präparat verwendet, was verwirrend sein kann. Die Zusammenstellung soll auch Ordnung in den Wildwuchs dieser Bezeichnungen bringen.
Name:Mikropille / KombiPille / Einphasen-Pille
Wirkstoffe: Östrogen meist Ethinylestradiol oder Estradiol / Gestagen: verschiedene künstliche Gestagene
Anmerkungen: Orale Aufnahme / Synonym für alle „Pillen“ mit Gestagenen und Östrogenen. Über 90 % der in Deutschland verschriebenen hormonellen Verhütungsmittel
Nebenwirkungen:Zahlreiche negative Nebenwirkungen / Erhöhtes bis stark erhöhtes Thromboserisiko
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Name:Pille 2. Generation / (Mikro-/ Kombipille)
Wirkstoffe:Östrogen und Gestagen: Levonorgestrel oder Norethisterone
Anmerkungen:Orale Aufnahme / Handelsnamen u.a.: Leios, Miranova, Microgynon
Nebenwirkungen:Zahlreiche negative Nebenwirkungen. Erhöhtes Thromboserisiko
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