"Dann ist Mår-quell also gestürzt und festgenommen worden?"
"Sieht ganz danach aus. Aber ehrlich gesagt ist das auch nicht wirklich von Nachteil. Ihr seid vor dreizehn Jahren in Stasis versetzt worden, sagst du?", wechselte Ambisi das Thema.
"Aufgrund dessen, was uns die anderen gesagt haben und das Jahr, welches wir jetzt haben, ist das richtig."
"Die Heilanstalten wurden vor etwas mehr als neun Jahren eingerichtet. Das erklärt dann, warum ihr von der Hetzjagd nichts mitbekommen habt. Und dann habt ihr auch nicht mitbekommen, wie sich die Politik von Mår-quell gewandelt hat."
"Inwiefern hat sich die Politik geändert?", unterbrach der Mann.
"Ich habe damals noch nicht so viel davon mitbekommen, da ich noch zu jung war, aber es heißt, innerhalb weniger Wochen interessierte sich die Senatorin nicht mehr für das wohlergehen des Volkes und fing an die Reichen und Mächtigen zu bevorzugen, während die Mittel- und die Unterschicht immer weiter im Dreck versank."
"Das sind harte Anschuldigungen", dachte der Sprecher laut.
"Leider sind das keine Anschuldigungen, sondern harte Tatsachen", widersprach die Kommandantin der Armee. "Sie hat zunächst alle beseitigt oder ruhiggestellt, die ihr gefährlich werden konnten, um sich dann zusammen mit ihren reichen und mächtigen Freunden zurückzuziehen. Und scheinbar fühlte sie sich besonders von den Jugendlichen bedroht, die vermutlich am ehesten auf die Straße gehen und ihre Rechte einfordern würden. Jugendliche Mutanten waren dabei wohl ihre schlimmste Vorstellung, weswegen sie diese in Heilanstalten einweisen ließ."
"Das ist mehr als übel. Derartiges hätten wir zu unserer Zeit nie für möglich gehalten. Da war ihre Politik noch auf das Wohlergehen des Landes ausgerichtet. Und gegen Mutanten hatte sie schon erst recht nichts, zumal es Gerüchte gab, dass Mår-quell selbst einige Fähigkeiten besaß."
"Wer hat das gesagt?", unterbrach Ambisi neugierig.
"Angeblich soll ihr Mann mal eine solche Bemerkung gemacht haben. Später hat er dann aber nie wieder Fragen dazu beantwortet. Wie gesagt, alles nur Gerüchte, Hörensagen und viel Drumherum. Die Wahrheit dazu weiß nur Mår-quell."
" Du hast eben gesagt, sie soll einige Fähigkeiten besessen haben. Nehmen wir nur einmal an, dem wäre so gewesen, dann stellt sich mir eine Frage. Normalerweise haben Metamenschen, wie wir es sind, immer nur eine Fertigkeit, die wir anwenden können. Gut Ysana war eine Ausnahme. Sie besaß mehrere und eignete sich auch immer noch welche an, aber trotzdem. Solche Multimutanten sind äußerst selten. Selbst in der Armee und der Liga haben wir keinen einzigen davon. Und wir bestehen aus mehr als siebenhundert Männern, Frauen und Jugendlichen."
"Es gab da noch ein Gerücht zu unserer Zeit. Angeblich soll es neben den Metamenschen noch eine andere Gruppe ge geben haben , die uns ähnlich ist. Leider habe ich aber keine weiteren Informationen und ich halte auch diese für Geschwätz. Nachdem man vermehrt in der Bevölkerung geglaubt hatte, Mår-quell sei eine Mutantin kamen immer weitere Geschichten auf, die jedweder Grundlage entbehrten."
"Und doch heißt es, in jeder Sage liegt auch ein Körnchen Wahrheit. Wir sollten der Sache einfach mal nachgehen und schauen, was dabei herauskommt. Aber das hat Zeit. Um noch einmal auf meinen eigentlichen Besuch zurückzukommen, muss ich euch eine wichtige Frage stellen, die unser aller Zukunft bestimmt. Werdet ihr euch der Liga und der Armee anschließen oder wollt ihr euch auf den Weg machen und Mår-quell unterstützen, um sie erneut an die Macht zu bringen?"
"Nach all den neuen Fakten, die wir jetzt bekommen haben, ist das eine Entscheidung, die wir zunächst besprechen müssen. Natürlich ist es für mich, wie auch den andern eindeutig, dass man euch hintergangen hat. Dass man euch das Leben genommen hat, welches ihr hättet in Ruhe leben können. D o ch wir waren nicht dabei. Uns hat man nicht wirklich etwas angetan. Deswegen können wir nicht einfach uns in Ablehnung ergehen."
"Seid ihr euch da ganz sicher? Ich meine, welchen positiven Grund gab es für Mår-quell, euch in eine Cryostasis zu versetzen? Ich denke schon, dass sie euch aus dem Weg haben wollte. Wir wissen bis jetzt nicht, wer dieses Stasis überhaupt aufrechterhalten und welche weiteren Anordnungen diese Person möglicherweise noch hatte. Eventuell hat sie euch nur deswegen am Leben gehalten, um eure Fähigkeiten im Fall eines Bürgeraufstandes gegen das Volk zu nutzen. Mår-quell hätte euch nie an ihrer Welt teilhaben lassen. Sie hätte euch aufgetaut, benutzt und wieder eingefroren. Da bin ich mir ziemlich sicher. Hättet ihr das mitgemacht?" Unter den Anwesenden entstand eine gewisse Unruhe. Man diskutierte heftig die von Ambisi angedeutete Entwicklung. Natürlich wusste die Kommandantin ebenso gut wie die Metamenschen im Hangar, dass es sich nur um eine theoretische Zukunft handelte. Trotzdem war darin genügend Sprengstoff enthalten, um darüber nachzudenken, ob es sich lohnen würde erneut Mår-quell zu dienen. Die Kommandantin beobachtete die hundertachtzig Männer und Frauen sehr aufmerksam und stellte bald eine Tendenz fest, die ihr gefiel. Scheinbar wurden den Leuten langsam deutlich, dass sie ein Spielball der m ächtigen und reichen waren, was ihnen überhaupt nicht passte. Sie waren jederzeit dazu bereit zu gerechten Bedingungen, die auf Gegenseitigkeiten beruhten, für andere einzutreten. Doch offensichtlich hatte Mår-quell sogar noch vor der Stasis die Metamenschen nicht so gewürdigt, wie die es sich bislang eingeredet hatten. Zufrieden über den Zwiespalt, den sie gesät hatte, schritt Ambisi die Treppe herunter und mischte sich unter die Diskutierenden, bis sie den Sprecher der Gruppe erreichte. Als er sie bemerkte, hob er den Arm und bat lautstark um Ruhe.
"Wir sollten darüber abstimmen, ob wir uns der Liga und ihrer Armee anschließen oder nicht. Ich denke, wir haben genug gehört, um uns eine Meinung zu bilden. Wer dafür ist, dass wir ein neues Kapitel mit neuen Freunden beginnen, das heißt, ein Teil der Liga zu werden, der hebe jetzt die Hand." Ambisi brauchte gar nicht erst anfangen zu zählen. Ein Meer an Händen schoss in die Höhe und besiegelte den Neuzugang.
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