Kapitel III Die Auswendigpapageien
Wie aber kam ich auf das Wort Auswendig-papagei? Dazu müssen wir die typische Laufbahn eines Auswendigpapageien einmal detailliert betrachten. Zuerst geht er wie alle anderen in die obligatorische Grundschule. In vielen Ländern dauern diese 8 bis 9 Jahre. Nachher geht der zukünftige Auswendigpapagei für weitere 3 bis 4 Jahre in eine Mittelschule (Matura/Abitur). Hat er diese Hürde genommen, so verweilt er weitere 3 bis 5 Jahre an einer Hochschule/Universität. Will er noch einen Doktortitel, so müssen nochmals 2 bis 3 Jahre angehängt werden. Was sagt uns diese Aufzählung? Diese Personen waren bis zum Alter von 25 bis 30 Jahren immer in der Schule. Haben diese Leute nun eine Ahnung wie das Leben in der Realität funktioniert? Ich denke nein. Sie wissen wohl sehr viel und können wohl-formuliert reden ( auswendig),können aber das Auswendiggelernte nicht mit den real existie-renden Menschen in Verbindung bringen, weil sie sie nicht kennen und oft nicht kennen wollen, denn sie fühlen sich als Elite überlegen. Sie sehen nicht ein, dass es ihnen an Lebenserfahrungen mangelt, weshalb sie am liebsten immer wieder Sätze aufsagen, die sie auswendig gelernt haben ( Papagei).
Beginnen wir mit der Schule. Jedermann weiss, dass man in der Schule viel lernen kann. Es ist dabei unvermeidlich, dass auch sehr viel aus-wendig gelernt werden muss. Solange es Dinge sind, die man einfach nur kennen muss, so ist das nicht weiter tragisch. Dümmer wird es dann, wenn man Zusammenhänge auswendig lernt, die man nicht versteht. An einer Prüfung wird ja nicht immer so gefragt, dass man aufzeigen muss, dass man die Problematik begriffen hat. Die Prüfer wollen einfach die Stichwörter hören oder sehen, die sie als richtig betrachten. Und hier entwickelt der zukünftige Auswendigpapagei sein grosses Können. Er kann sehr gut auswendig lernenund ist fähig, jede kleinste Regung des Prüfers bei einer mündlichen Prüfung zu seinen Gunsten zu nutzen. Er lernt über Jahre, sich raffiniert auszudrückenund spürt was der Prüfungs-experte hören oder sehen will. Er lernt langfädige Abhandlungen schreiben, die den Eindruck erwecken sollen, dass er die Materie begriffen hat. Ein probates Mittel ist das sehr umfangreiche Beschreiben eines Ist-Zustandes. Allfällige Lösungsvorschläge sind oft sehr kurz oder kommen überhaupt nicht vor. Kommt hinzu, dass schon sehr früh eine sehr gute „Zusammenarbeit“ unter den „Auswendiglernern“ herrscht. Dadurch kann die Effizienz noch gesteigert werden. Es erstaunt dann nicht mehr, wenn möglicherweise ausgefüllte Fragebögen und dergleichen schon vor der Prüfung unter den Studenten illegal zirkulieren. Als Pünktchen auf dem i gibt es Doktorarbeiten, die mehrheitlich im Internet abgeschrieben werden. In den vergangenen Jahren sind entsprechende prominente Fälle aufgedeckt worden und Sie können davon ausgehen, dass dies nur die Spitze des Eisberges ist. Mittlerweile ist es sogar noch einfacher geworden. Gegen Bezahlung lässt man sich eine Masterarbeit oder Dissertation von einer Ghost-writing-Agentur schreiben.
Fazit: Auswendigpapageien können sehr gut auswendig lernen und raffiniert debattieren, das heisst aber noch lange nicht, dass sie von Wirtschaft und Politik etwas verstehen, bzw. dafür geeignet sind.
Dies sehen natürlich die Auswendigpapageien ganz anders. Schliesslich hat man ihnen während Jahren das Gefühl gegeben, dass sie spätestens nach Abschluss ihrer Studienzeit zur Elite gehören. Dabei übersehen sie aber einen gewichtigen Nachteil: Auswendigpapageien verkehren während ihrer ganzen Studienzeit praktisch nur mit ihresgleichen. Sie bewegen sich in einer AP-Blase, die man auch als „geschützte Werkstatt“betrachten kann. Sie alle weisen die gleichen Defizite auf: Sie kennen viele Theorien, haben aber keine grosse Ahnung von den real existierenden Menschen und dem realen Leben ausserhalb der AP-Blase. In der Schule werden viele gesellschaftliche Theorien behandelt, doch leider ist das meiste davon unbrauchbar, weil es im realen Leben nicht funktioniert. Und warum ist das so? Weil viele dieser Sozialtheorien von Personen entwickelt wurden, die ebenfalls keine Ahnung von den real existierenden Menschen hatten. Ihre Theorien tönen schön, sind aber total weltfremd, bzw. setzen Menschen voraus, die es nie gegeben hat und nie geben wird.
Der schwierigste, aber wichtigste Faktor in gesellschaftlichen Fragen ist nämlich der Mensch und den lernt man nur richtig kennen, wenn man mit ihm über Jahre in der realen, wertschöpfenden Wirtschaft zusammen-arbeitet .
Warum wollen alle studieren?
Ich denke, es gibt zwei Gründe: 1. War und ist das Prestige des Akademikers sehr hoch und bekannt-lich strebt der Mensch nach höherem. 2. Der grösste Teil der Eliten propagiert das Studieren und betrachtet manuelle Arbeit als zweitklassig. In vielen Ländern wird manuelle Arbeit seit Jahr-hunderten als minderwertig eingestuft und soll von unteren Schichten ausgeführt werden.
Wie präsentiert sich die heutige Situation in den hochentwickelten Staaten? Nach den obliga-torischen Schuljahren fragen sich viele Eltern, wie es mit ihrem Nachwuchs weitergehen soll? Die meisten Kinder wissen nicht, was sie wollen. In diesem Alter ist es auch sehr schwierig und sie benötigen deshalb die Hilfe ihrer Eltern. Und diese orientieren sich leider meistens nicht an den Fähigkeiten ihrer Kinder, sondern sie schauen auf ihr Umfeld und stellen fest, dass das höchste aller Gefühle das Studieren ist. Es verspricht Prestige, das auch auf die Eltern positiv zurück fällt. Die Kinder wissen zwar weiterhin nicht, welchen Beruf sie schlussendlich ergreifen wollen. Man hofft aber, dass während der Mittelschulzeit diese Frage beantwortet werden kann. Mit dem Erreichen der Matura/Abitur sollte man zwar eine
bessere und breitere Allgemeinbildung haben, aber sonst kann man eigentlich noch gar nichts Konkretes. Umso logischer wäre es, wenn man wenigstens jetzt wüsste, was für einen Beruf man erlernen möchte. Doch leider wissen viele Maturanden auch jetzt nicht, was sie erlernen wollen! Zu Hause ist es eben sehr bequem und die Eltern sind stolz, dass ihre Sprösslinge die Matura absolviert haben.
Früher war fast jeder unter Druck, so schnell wie möglich nach der Matura/Abitur einen konkreten Beruf zu lernen, bzw. zu studieren und abzu-schliessen, damit man endlich selber Geld verdienen kann. Denn die Eltern waren der Meinung, dass sie schon genug bezahlt hatten und es an der Zeit war, dass ihre Kinder auf eigenen Beinen stehen sollten. Deshalb hat man vor Jahren in der Schweiz die Mittelschulzeit um einige Monate verkürzt, damit man ein volles Jahr früher mit dem Studium beginnen kann. Doch wie sieht die heutige Realität aus? Man legt lieber ein sogenanntes Zwischenjahr ein, nicht etwa um die französische Sprache im Sprachgebiet mündlich zu lernen, die man während sechs Jahren in der Schule theorielastigbehandelt hat und darum kaum sprechen kann. Dazu ein krasses Beispiel: In der „Weltwoche“ Nr. 34, 2014 entnehme ich, dass die Thurgauer Regierungsrätin Monika Knill in ihrem Maturazeugnis für die französische Sprache eine glatte sechs (= Bestnote) erhalten hat. Sie lerntewährend sechseinhalb Jahren alles über die französische Grammatik und Literatur auswendig. Sprechen kann sie nicht. Angeblich weil es nicht in ihr alemannisches Maul passt. Dabei hätte sie nach der Matura nur während 3 bis 4 Monaten in einem französisch sprechenden Gebiet arbeitenmüssen und sie hätte für den Rest ihres Lebens immer französisch sprechen können. Eigentlich sollte jeder, der so lange eine Sprache „gelernt“ hat, mindestens sprechen können, ansonsten man sich ja die Frage stellen muss, für was habe ich eigentlich das alles gemacht.
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