Die alte Dame sagte: "Aha?", und dann lange nichts. Sie blieben stehen, weil der Hund von einem Baum nicht wegzuziehen war. "Was haben Sie denn geschrieben?"
Marlene erzählte es ihr.
"Soso. Na, dann mal viel Glück."
Marlene ärgerte sich.
Sie brachte die alte Dame nach Hause, wartete, bis diese ihr Portemonnaie gefunden hatte, was jedes Mal enervierende zehn Minuten dauerte, nahm das Geld entgegen. Das war ein Moment, der Marlene peinlich war. Sie sah die alte Dame nie an, wenn sie sich bedankte.
Eigentlich will ich weg von ihr, dachte sie jeden Abend, wenn sie das alte Haus verließ.
"Ich habe eine Kontaktanzeige aufgegeben", sagte Marlene zu dem schwulen Nachbarn, der Tür an Tür mit ihr wohnte. Manchmal trafen sie sich im Flur, beide keuchend, weil sie im fünften Stock wohnten und es keinen Aufzug gab. Johannes hatte dauernd eine neue Frisur, jetzt war es gerade eine Glatze. Er war zehn Jahre jünger als Marlene, arbeitete in einem schicken Möbelgeschäft und las gern amerikanische Möbelmagazine. Den jährlichen Ikea-Katalog im September entfernte er mit spitzen Fingern aus seinem Briefkasten und warf ihn sofort in den Müll.
"Willst Du´s jetzt noch mal wissen?“, fragte Johannes, während er seine Einkaufstüten vor seiner Wohnungstür abstellte.
"Was seid Ihr alle so blöd?“, fauchte Marlene.
"Was hast Du denn geschrieben?"
Marlene steckte den Schlüssel in ihre Wohnungstür und öffnete sie. Die Katze maunzte im Türspalt und schlich vorsichtig auf den Flur. Johannes hockte sich neben seine Tüten, um sie zu streicheln.
"Werd ich Dir noch erzählen, was ich geschrieben habe", sagte Marlene leicht beleidigt, aber sie blieb stehen.
"Erzähl schon."
"Schöne Frau sucht Millionär", verkündete Marlene.
Johannes Kopf senkte sich über die schnurrende Katze. Sein Nacken wurde rot, seine Glatze auch, seine Schultern zuckten.
"Lachst Du etwa? Katze komm! Mit dem wollen wir nichts mehr zu tun haben."
An diesem Abend entdeckte Marlene ein graues Schamhaar unter den braunen.
"Ich muss mich in eine andere Liga katapultieren", sagte Marlene laut zur Katze, um den Schreck zu verdauen. "Ich kriege Spinnweben zwischen den Beinen."
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