"Ich hab alle Folgen von Raumschiff Enterprise auf Video! Nennen Sie mich doch Mr. Spock!" sagte Fabian.
Das gefiel Fat Veit gar nicht.
"Bist du verrückt?! Der hatte doch nie was mit Frauen! Und ich will nicht, dass meiner Gang der Ruf einer Homosexuellenorganisation anhängt!"
"Verstehe", sagte Fabian.
"Ich weiß was besseres. Fabian. Bist du stark?"
"Klar."
"Bist zu zäh?"
"Klar."
"Du kannst also Einiges vertragen?"
"Klar."
"Okay."
Fat Veit packte Fabians Kopf, knallte ihn einige Male gegen den massiven Eichenschreibtisch und ließ seinen neuen Assistenten dann durchs Zimmer taumeln und seine Zähne ausspucken.
"Besten Dank für deine Mitarbeit", meinte Veit, "und jetzt sag mal: Fischers Fritz fischt frische Fische."
Und Fabian nuschelte etwas, das sich wie Fschschrfrfschfrschh anhörte. Fat Veit war begeistert.
"Wunderbar! Ab heute heißt du Mr. Murmler!"
*****
Und jetzt kommts: 15 Jahre zuvor, also sagen wir mal 1985, geschah im Königspalast des Zwergenstaates Murgi eine Kleinigkeit, die noch große Auswirkungen auf die Welt zu haben gedachte.
Prinz Gustav lag bereits im Bett, neben ihm das Objekt seiner Begierde.
"Na meine Süße? Soll ich dir den Finger reinstecken? Das willst du doch, oder? Du geile Dreckssau!" sabberte er.
Dann steckte der Prinz den Finger in den Mund, machte ihn sozusagen schön schlüpfrig, und dann ganz vorsichtig, führte er ihn ins Loch ein.
"Ja, Baby, das gefällt dir! Gibs zu, du versaute Schlampe!"
"Gustav", sagte Königin Emma, die gerade am Schminktisch saß und ihr Nachtmakeup auftrug, "fummelst du schon wieder an deiner Schrotflinte rum?"
"Fummeln? Ich? Ich bin der Prinz! Und die Flinte hier ist notwendig! Stell dir vor, ein Bingobongo-Kongoneger mit Lust auf weißes Frauenfleisch oder schmierige Itakker im Bologneserausch brechen ein...oder so schlitzäugige gelbe Teufel! Die wollen deine Hunde als Mittagessen!! Und mich als Dessert!" schimpfte der von Fremdenfreundlichkeit verschont gebliebene Prinz.
Die Königin betrachtete ihr Ebenbild im Garderobenspiegel und betastete skeptisch ihr Haupthaar.
"Meinst du nicht auch, ich sollte wieder mal zum Friseur?" fragte sie ihren Mann.
"Aber ich mag die Haare auf deiner Brust", bemerkte der Prinz.
"Ich meine doch mein wallendes Haupthaar", erklärte die Königin.
"Wir haben doch eh einen Hoffriseur, Derek, den Schokostecher", meinte der Prinz.
"Hast du nicht gesehen, was er mit Mum gemacht hat? Warum glaubst du hat sie immer diese schrecklich breiten Hüte auf?"
"Hm....damit sie den Wodka wo abstellen kann?" schlug der Prinz vor.
"Nein", erklärte die Königin, "weil Derek so schlecht Haare schneidet. Aber es gibt jetzt einen Friseur zu dem alle Staatsmänner gehen. Er heißt Baptiste und arbeitet in der Schweiz. Morgen mach ich gleich einen Termin bei ihm aus. Aber meine Haare gefallen mir heute schon nicht mehr." Und darum band sich die Königin kurzerhand ein Kopftuch um. Als Emma zu Bett ging, schrie Prinz Gustav bei ihrem Anblick "Um Himmels Willen! Ein verdammter kamelfickender Ayatollah!"
Er verfehlte seine Frau mit der Schrotflinte nur um zwei Millimeter.
*****
Fat Veit forderte Nanook auf, sein Revier an ihn abzugeben. Ansonsten sehe er sich gezwungen, Nanooks Tochter zu entführen und ihm jede Woche einen ihrer Finger zu schicken. Nanook war nicht beeindruckt. Um zu zeigen, dass es ihm ernst war, erklärte Fat Veit Mr. Murmler, dass er vorhabe, Nanook einen abgehackten Finger zu schicken. Und während Mr. Murmler noch rätselte, wo der Boss denn den Finger hernehmen wollte, zog Fat Veit sein Hackebeil und Mr. Murmler bekam im Spital einen hübschen Verband. Nanook zeigte sich durch den Finger abermals nicht beeindruckt und schickte Fat Veit einen Kürbis, was für einen Gangster die größte vorstellbare Demütigung ist. Zudem erklärte Nanook, dass seine Tochter schon vor Jahren das Geschlecht geändert hatte und nun als Barry-Manilow-Imitator durch die Provinz tingelte. Fat Veit schwor Rache, da läutete das Telefon.
*****
Zwei Gestalten trotteten langsam auf den großen Parkplatz, der vor dem Fernsehstudio lag in dem Monas Lieblingsserie Goldene Jahre produziert wurde.
"Es ist eine Schande, wie hier mit verdienten Fans umgegangen wird", schimpfte Mona. Sie trug ein altes Kostüm und hatte eine lächerliche Boa um den Hals. Ihre Augen und ihr Mund war dick geschminkt. Auch trug sie ein lächerliches Hütchen auf dem Kopf. Fat Veit, der Mona fest am Arm hielt und zu seinem Wagen führte, meinte, durchaus zerknirscht: "Das war jetzt das dritte Mal, dass ich dich da rausholen musste! Hast du das Konzept einer Show immer noch nicht verstanden?! Die Leute hier, in diesem Studio, drehen die Fernsehserie, wir, daheim, schauen sie uns im Fernsehen an. Wir sind die Zuschauer und die haben im TV-Studio nix verloren!"
Er blieb stehen und sah Mona ärgerlich an.
"Was ist denn daran nicht zu verstehen?!"
"Es sind Leute wie ich, die diese Serie zu dem gemacht hat, was sie ist! Ich schaue jede Woche zu und schneide mir alle Artikel aus! Ich bin quasi die Mutter dieser Serie!" erklärte Mona lautstark, öffnete den Wagen ihres Bruders und setzte sich auf den Beifahrersitz.
Veit sagte nichts. Er startete seufzend seinen Wagen und fragte sich, ob es klug war, seine Schwester bei sich und seiner Familie wohnen zu lassen.
"Ich frage mich, ob es klug ist, bei dir und deiner Familie zu wohnen", sagte nun Mona, holte einen Flachmann aus ihrem Kleid und nahm einen kräftigen Schluck.
"Deine Wohnung ist komplett ausgebrannt, da ist doch klar, dass du bei uns wohnen kannst. Daphne hat ja nur eine kleine Stube, bei der wäre kein Platz", sagte Veit und lenkte den Wagen in Richtung seines Hauses. Daphne war Monas Tochter und Veits Nichte und pflegte nur wenig Kontakt zur Familie.
Mona rülpste und sagte dann: "Deine Kinder sind übrigens ganz in Ordnung. Der Anatol ist sehr nett, vielleicht ein bisschen langweilig, aber okay."
"Der Anatol ist mein Sohn und studiert Biologie. Sowas kann man in meiner Situation immer brauchen", erklärte Veit, "man weiß ja nie, mit was für wildgewordenen Bären oder Eskimos man zu tun hat."
"Und der Toby ist ja ein wirklich lieber Bub, eine Freude, so jemand als Neffen zu haben."
"Wundert mich nicht, dass du dich so gut mit ihm verstehst", meinte Veit bitter. Sein jüngerer Sohn Toby hatte ihm schon manchmal Grund zur Sorge gegeben, war er doch ein mindestens ebenso großer Traumtänzer wie seine Tante.
"Aber dieser Oskar, der ist mir nicht geheuer", murmelte Mona und schluckte, "der hat was gegen mich. Manchmal fixiert er mich mit seinen kleinen gelben Augen, da läuft es mir kalt den Buckel runter. Ich würde mich viel wohler fühlen, wenn der auszieht."
Veit stutzte.
"Oskar?" fragte er, "Tobys Stoffmaus, die er schon seit Kindertagen hat?"
"Genau!" bestätigte Mona, "wirf ihn doch raus! Er ist ja sowieso kein Blutsverwandter!!"
"Er ist ein verdammtes Spielzeug, verdammt!" rief Veit, "eine Puppe. Nichts Lebendiges!"
"Die Ampel ist rot", bemerkte Mona und Veit trat mit aller Kraft, die seinem Leib zur Verfügung stand, auf die Bremse, sodass der Wagen einen Millimeter vor dem Fußgängerübergang zu stehen kam.
"Wenn du nicht besser aufpasst, wirst du noch in einen Unfall geraten", sagte Mona und warf zwei Tabletten ein.
Veit schnippte mit den Fingern und begann zu grinsen.
"Genau das wird es. Wie ein Unfall!" freute er sich.
*****
Nanook lenkte seinen Wagen gemächlich die Landstraße entlang. Er fuhr gerade Kerzendocht einkaufen oder was weiß ich. Nanook war wiedermal zufrieden. Dieser miese Emporkömmling Fat Veit hatte schon eine Woche nichts mehr von sich hören lassen. Er hatte wohl erkannt, dass sich ein kleiner Vorstadt-ganove niemals mit einem Kaliber eines Big Nanook anlegen durfte. Nanooks Lächeln wurde durch ein leichtes Scheppern gestört. Er schaute aus dem Fenster und sah Fat Veit und Mr. Murmler, die versuchten, Nanook mit ihrem Wagen von der Straße zu drängen und in die ewigen Jagdgründe zu befördern. Dummerweise hatten sich die beiden bei der Wahl des geeigneten Fahrzeugs ausgerechnet für einen Citroen 2CV entschieden, dessen Ramm-Chancen gegen einen Mercedes nun wirklich nicht sonderlich stark ausgeprägt sind. Die Ente rammte den Mercedes und verlor den linken Scheinwerfer. Nanook begann zu lachen. Der 2CV rammte den Mercedes abermals und sein rechter Scheinwerfer machte sich daraufhin selbstständig. Das ist besonders komisch, wenn man sich dazu lustige Stummfilmmusik vorstellt. Der Mercedes blieb weiterhin unbeschadet. Nach drei weiteren Zusammenstößen hatte der 2CV Rückspiegel, Scheibenwischer und Kotflügel verloren. Da wurde es dann auch Nanook zu bunt. Er holte mit dem Mercedes einmal kurz aus, rammte den 2CV sanft, der kam von der Straße ab, raste ins Feld hinein und knallte gegen einen Baum. Fat Veit und Mr. Murmler taumelten aus dem Wrack.
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