Der Hauptkommissar übergab seinem neuen Kollegen eine Akte: „Das hier hab ich vor einigen Minuten bekommen, der Chef möchte, das wir beide uns darum kümmern. Am Gorinsee, den Sie auch bald kennen lernen, wurde eine tote Frau gefunden. Alles was ich bisher erfahren habe, steht da drin und ist nicht viel.“ Damit ging Hauptkommissar Langhoff zur Tür und verließ das Zimmer. Plötzlich die Tür wieder öffnend, „Ach ja …, das Foto auf dem Fensterbrett gehört dazu. Sehen Sie sich es mal genau an und sagen Sie mir, was ihnen da besonderes auffällt. – Wenn Sie noch einen Kaffee möchten, im Nebenzimmer steht die Kaffeemaschine. Die muss endlich in unser Büro gestellt werden“, lachte Langhoff und verließe das Zimmer.
„Sorry, später! Muss schnell nachholen was ich verpasst habe, eh der Ärger mit dem Chef noch größer wird“, rief Peter Höfft dem Hauptkommissar nach, wobei ein spöttisches Grinsen sein Gesicht überflog.
Peter Höfft, ein Kriminalkommissar aus Hamburg war etwas kleiner als Langhoff, ca. 1,75 m groß, wirkte aber kräftiger. Seine Augen und Mundwinkel wirkten wie die eines Mannes, dem immer der Schalk im Nacken saß.
Vor sich hin pfeifend, studierte er zunächst einen anderen Ordner. Da stand etwas von einer Motorradgang, etwa von der, bei der er sich schon in Hamburg fast die Zähne ausgebissen hatte? Seit Monaten terrorisierte eine Motorradgang Hamburg, Harburg, Fischbeck sowie Neu-Wulmstorf. Und nun plötzlich auch Berlin und Umgebung? Alles wies auf einen Zusammenhang der beiden Fälle hin. Am liebsten hätte Peter sich diese Akte vor genommen, hatte er sich doch extra wegen der nach Berlin versetzen lassen. Aber ob es sich bei dem was in der Akte stand, um die selbe Gang handelte, musste er später herausfinden. Jetzt musste er sich um den Auftrag seines neuen Chefs kümmern. Vielleicht hing der sogar damit zusammen?
Peter Höfft studierte gerade einen schmalen Hefter, als Hauptkommissar Langhoff wieder das Zimmer betrat. Dessen Gesichtsausdruck konnte einem Angst einjagen. Höfft sah Langhoff verwundert an: „Nanu, aus versehen gerade gegen die Tür gelaufen oder was hat Sie so verärgert?“
„Hören Sie mit Ihren dämlichen Witzen auf! Nicht nur das wir hier alle Hände voll zu tun haben, müssen wir uns auch noch um die Belange anderer Kollegen kümmern.“
„Was ärgert Sie daran Kollege, ich denke, Sie wussten das. Gehört der Fall nicht zu unserem Gebiet? Hat das was mit der Toten auf dem Foto hier zu tun?“, fragte Langhoffs neuer Kollege Peter Höfft.
„Ja, die Kollegen aus Bernau baten uns um Amtshilfe, zwar wusste ich schon davon, da die Personalmangel haben, aber bei uns sieht es auch nicht viel besser aus. Und wenn ich dann an meine offenen Fälle denke, geht es mir auch nicht besser. Was Sie nicht wissen können Kollege Höfft, der Gorinsee gehört zu deren Bereich, da Bernau nicht zu Berlin gehört.“
„Ist Bernau sehr weit von hier entfernt? Verzeihen Sie, aber von dem Ort hier, hab ich noch nichts gehört. Ich kenne nur den Ort Bernau am Chiemsee, in Bayern.“
„Nein nein, soweit nun auch wieder nicht“, lachte Langhoff dann doch. „Bernau gehört zum Land Barnim, welches an Berlin grenzt. Haben Sie sich unterdessen mal das Foto angeschaut, denn die Akte, die ich Ihnen gab, können Sie schon wieder vergessen. Hab da eben schon was Neues bekommen. Ein Stück Papier, oder wie unser Chef Dr. Stein sagt, ein merkwürdiges Schreiben.“
„Das Foto ja,Herr Kollege. Aber die Akte noch nicht. Fand da was über den Bericht Ihrer Motorradgang, sehr interessant.“
„Ach ja, die aber können Sie sich später ansehen. Was aber sagt Ihnen das Foto, darauf bin ich gespannt?“
„Ein Gewaltverbrechen, oder?“
„Ja, wie es aussieht? Nur teilte man uns noch nicht die Todesursache mit. Wie Sie selbst sehen, ist das Foto leicht verwischt, genau wie das Schreiben, was ich eben bekam. Daher ist auch auf beiden nichts Genaues zuerkennen. Hoffe vom Labor mehr zu erfahren.“
„Von wem und wo wurde diese Aufnahme gemacht?“, fragte der Hamburger Kollege.
„Die Aufnahme wurde von unseren Bernauern Kollegen am Gorinsee, dem Fundort der Frau gemacht. Das Foto haben wir gerade bevor Sie kamen, per E-Mail übermittelt bekommen.“
Peter Höfft sah sich noch einmal mit der Lupe das Foto an: „Haben Sie die vielen Reifenspuren neben der Toten gesehen?“, fragte er bestürzt den Hauptkommissar. „Ich verwette meinen alten Hut, den ich nicht mehr habe, wenn dass nicht Motorradspuren sind!“
„Glaube ich auch, wenn die alle was mit dem Tod der Frau zu tun haben, wird es nicht einfach, da was herauszufinden.“
„Verzeihen Sie, aber ich sehe das anders, je mehr Spuren, um so größer die Chance zumindest einen Täter zu finden. Wurde das Opfer auf dem Foto mutwillig überfahren?“, fragte Peter Höfft empört.
„Hoffe doch nicht. Schade, dass man da nichts Richtiges auf dem Bild sieht. Aber selbst unter der Lupe kann man auf dem Opfer Spuren erkennen, ob die nun von Krädern stammen oder nur durch das verwischte Foto so aussehen, lässt nur Vermutungen zu. Aber Ihrer Idee, mehrere Spuren würden uns die Arbeit erleichtern, kann ich nicht teilen. Was ist, wenn die Spuren gelegt wurden, um uns in die Irre zu führen?“
„Möglich ist alles Herr Kollege, lassen wir uns überraschen!“
Sich nachdenklich ans Kinn fassend, schüttelte Langhoff wie angewidert den Kopf und legte das Bild vor Peter Höfft auf den Tisch. „Kann man seine Probleme nicht auf andere Weise lösen, als seinem Gegner, gleich auf welche Art, das Lebenslicht auszupusten?“
„Das wünsche auch ich mir, Herr Kollege. Mörder haben doch mit Menschen sowieso nichts mehr zu tun! Ich nehme doch an, das unsere dortigen Kollegen ebenfalls einen Mord vermuten?“
„Das ja Kollege Höfft, daher auch ihre Anfrage. Aber wenn ich das Foto und die Spuren darauf richtig deute, sind das doch Teufel in Menschengestalt. Und wie wir beide wissen, haben die ihr eigenen Gesetze! Nur dürfen wir dabei jene nicht vergessen, die so eine Tat aus einer Kurzschlussreaktion begehen. Ist zwar auch nicht in Ordnung, aber zumindest nachvollziehbar.“
„Was aber nicht straffrei ausgehen darf“, widersprach Peter Höfft dem Hauptkommissar. „Sonnst würde sich jeder sein Problem mit so einer Ausrede aus dem Weg räumen.“
„Das wollte ich damit auch nicht sagen …“
Mitten im Gespräch klopfte jemand an die Tür und Erhardt Langhhoff ging und öffnete die. Ein uniformierter Kollege stand davor und überreichte dem Hauptkommissar einen Brief. „Den hat eine Person mit Schutzhelm ins Revier geworfen, der konnte leider unerkannt mit einem Krad verschwinden. Kollege Schreiner bat mich, den zu Ihnen zu bringen Herr Hauptkommissar.“ Ohne einen Blick darauf zuwerfen, bedankte sich Erhardt Langhoff und bat den Überbringer: „Seien Sie so lieb und bringen Sie den in die KTU. Nicht das da eine böse Überraschung drin ist.“ Zu seinem neuen Kollegen gewandt: „Verstehe Kurt nicht, warum schickt der den zu uns?“
Den Hörer aufnehmend rief Langhoff den Leiter der Polizeiwache an. „Guten Morgen Kurt, was war denn das? Schickst mir da einen Kollegen mit einem unbekannten Brief hoch …“
„Nee Erhardt, das war ein Missverständnis, entschuldige! Wollte den eigentlich zur KTU schicken, hab da wohl gepennt.“
„Kann ja mal passieren Kurt, bis nach her, komm dann runter!“
Da Peter Höfft den Hauptkommissar fragend ansah, erklärte der, wer sein Gesprächspartner eben war. Auf das unterbrochene Gespräch zurück kommend, meinte Erhardt Langhoff: „Ich gebe Ihnen ja Recht, kein Mörder oder Totschläger darf ungestraft bleiben. Wenden wir uns jetzt wieder unserem Fall zu. Wenn möglich, würde ich mir den Tatort gerne selbst ansehen. Glaube nicht, dass unsere Bernauer Kollegen uns alles mitgeteilt haben. Sowie Kollege Hofmeister mir schrieb, sind die total unterbesetzt. Was liegt da näher, als Beamte einzusetzen, die mit so etwas überfordert sind.“
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