„Weh euch verruchte Mörder, ihr werdet der Strafe Gottes nicht entgehen!“ Da schlugen sie ihn mit einem Gewehrkolben nieder bis er sich nicht mehr bewegte. Grölend zogen die mordenden Plünderer weiter, bis zu einem Haus das bisher verschont geblieben war. Sie schlugen mit ihren Gewehrkolben gegen die verriegelte Tür, und forderten Einlass. Der Hausherr öffnete die Tür, warf sich vor dem Anführer der Söldner auf seine Knie, und bat verängstigt mit zitternder Stimme um Gnade: „Herr, in Gottes Namen, verschont meine Frau sowie meine sieben unmündigen Kinder. Die Ernte war schlecht, wir haben nichts was wir euch geben könnten!“
Ohne jedes Mitgefühl riss der verrohte Söldner den Mann in die Höhe, warf ihn zur Seite, und drang mit seinen Kumpanen in das Gehöft ein.
Verängstigt am ganzen Leibe zitternd, hockten die Kinder neben dem alten Küchenofen und schauten mit schreckgeweiteten Augen auf die hereinstürmenden Söldner. Vor ihnen stand die Mutter mit ausgebreiteten Armen, so als wolle sie damit deutlich machen, nur über meine Leiche kommt ihr zu meinen Kindern.
Plötzlich zuckten grelle Blitze durch den Raum, die Stube war in grünschimmerndes Licht gehüllt. Leblos wie von einem Schlag getroffen fielen die Söldner zu Boden. Gebannt starrten alle auf vier grünschimmernde Säulen, aus denen sich vier menschenähnliche Lebewesen herausformten. Einer von ihnen, vermutlich ihr Anführer sprach beruhigend auf die Menschen ein:
„Fürchtet euch nicht, euch wird nichts geschehen, wir sind gekommen um euch zu helfen!“
Alle Kinder hatten sich um die Bäuerin geschart, dass Jüngste hielt sie auf ihren Armen, als eine der Fremden auf sie zutrat, dem Jungen über sein Haar streichelte, und meinte: „Passen sie auf ihn auf, er ist ein gutes Kind.“
Dann ging sie zu den anderen Kindern, beugte sich zu ihnen hinab, strich auch ihnen durchs Haar, und äußerte: „Sucht immer das Gute, und meidet das Böse. Helft wenn ihr es könnt den Armen Schwachen und Geknechteten.“
Dann drückte sie dem Vater einen Lederbeutel mit Golddukaten in die schwieligen Bauernhände, und bemerkte: „Dieses Geld ist für dich und deine Frau, sowie für deine Kinder. Lasse ihnen damit eine gute Ausbildung angedeihen. Den Rest des Geldes verwende für den Wiederaufbau des Dorfes.“
Der Bauer nahm unbeholfen seine Mütze vom Kopf, bedankte sich überschwänglich und fragte verschüchtert: „Wer seid ihr? Wo kommt ihr her?“
Die fremde Frau sah sich noch einmal versonnen um, aller Augen folgten ihr, dann bemerkte sie:
„Wir sind nicht von dieser Welt, wir haben eine weite Reise hinter uns, wir kommen aus einer anderen Zeit. Lebt wohl!“
Die Dorfbewohner sahen für Bruchteile von Sekunden grünschimmernde Säulen zum Himmel steigen danach war von den Fremden nichts mehr zu sehen.
Peter Stromberg erwachte, und Laura fragte anteilnehmend: „Geht es dir gut?“
„Ja!“entgegnete er, „ich hatte einen seltsamen Traum, Söldner oder ähnliches Gesindel überfielen unser Dorf, und drangen in unser Haus ein, während ich mich auf den Armen meiner Mutter befand.“
Laura lächelte ihn versonnen an, und bemerkte: „Der kleine Kerl auf dem Arm der Bauersfrau, in dem gebrandschatzten Dorf, im Dreißigjährigen Krieg, war einer deiner Vorfahren.“
„Was ist aus der Familie geworden? „wollte Peter Stromberg wissen.
Das meinte Laura: „Erzähle ich dir später. Lass uns jetzt keine Zeit mehr verlieren und zur Erde zurückkehren.“
Die beiden fanden sich im Arbeitszimmer von Peter Strombergs Haus wieder, und Peter Stromberg hatte das Gefühl, als seien sie gar nicht lange fort gewesen.
„Wie lange nach unserer Zeitrechnung waren wir eigentlich unterwegs?“
Laura lächelte, und entgegnete: „Du wirst es nicht glauben, aber wir waren nur einige Tage abwesend.“
Die beiden waren, ohne das es ihnen so richtig bewusst war zum vertrauten Du übergegangen. Peter Stromberg holte eine Flasche Rotwein aus der Küche, und servierte dazu Schwarzwälder Bergkäse mit Weißbrot. Die beiden setzten sich an den Wohnzimmertisch.
Peter Stromberg schenkte ein, und äußerte: „Es fühlt sich alles noch wie ein Traum an, es ist so abstrakt, dass ich wenn du mir nicht gegenübersitzen würdest, alles für ein Hirngespinst halten würde.“
Laura nippte an ihrem Rotwein, fand ihn köstlich, und meinte: „Ich kann das gut nachvollziehen. Viele andere menschliche Gehirne wären mit den Eindrücken die du in jüngster Zeit gesammelt hast überfordert gewesen. Du hast dich tapfer geschlagen und wir fühlen uns in unserer Auffassung bestätigt, dass wir den Richtigen für unsere Mission ausgewählt haben.“
„Herzlichen Dank!“ entgegnete Peter Stromberg und gab ihr einen Kuss auf die Wange, den sie errötend zur Kenntnis nahm.
Laura war sichtlich überrascht von diesem Ausdruck der Zuneigung, zumal ihr in den dreihunderttausend Jahren ihres Daseins-nach Erdenzeit gerechnet-, so etwas noch nie wiederfahren war. Sie hatte zwar aus Berichten von Erdwissenschaftlern davon gehört, es aber nie so recht glauben wollen, so fragt sie etwas verwirrt:
„Ist dies das übliche Verfahren bei euch um Kinder zu zeugen?“
Nun war es Peter Stromberg der um seine Contenance rang, daher äußerte er verwundert: „Aber ihr zeugt doch auf ähnliche Weise eure Kinder!“
„Ja“, bestätigte Laura, „aber ohne diese Begleiterscheinungen. Bei uns geht es ganz pragmatisch zu, es ist nur der eigentliche Akt der Zeugung signifikant.“
Die beiden tranken ihre Gläser leer, kosteten von dem vorzüglichen Schwarzwälder Bergkäse, Peter Stromberg schenkte nach, und Laura fuhr fort: „Für den Zeugungsakt, sowie die Erziehung unserer Kinder, kehren wir in den Zustand der Körperlichkeit zurück. Wir wählen unseren Partner explizit nach der Beschaffenheit seiner Gene aus, damit sich unsere Gene optimal ergänzen. Das was ihr Liebe nennt, ist bei uns eher eine periphere Randerscheinung.“
Peter Stromberg hatte staunend zugehört, und bemerkte dann: Dass ein Kuss auf die Wange nicht zwangsläufig eine Einladung zur Zeugung eines Kindes wäre, sondern auch ein Zeichen der Zuneigung sei. Peter Stromberg nahm Laura zärtlich in seine Arme, gab ihr noch einen Kuss, dann versanken die beiden in einen Rausch von Liebe, Lust und Leidenschaft. Die Sterne der Nacht wachten über die sich Liebenden.
Das Ruhrgebiet, dort wo früher das Leben pulsierte, die Schlote rauchten, Steinkohle aus der Erde gefördert wurde, findet man zwischen Industriebraken und Müll, nur noch wenige Produktionsstätten. Die Bergleute die früher das schwarze Gold zu Tage förderten, die Arbeiter der großen Produktionsbetriebe, sie sind jetzt fast alle ausnahmslos ohne Arbeit, frühverrentet, abgefunden, weggestorben, oder arbeiten jetzt in den wenigen Dienstleistungsbetrieben. Wenn diese Linie stringent weitergeführt wird, und immer mehr Betriebe ihre Produktion ins Ausland verlagern, dann wird es in absehbarer Zeit keine Produktion im größeren Umfang mehr dort geben. Dann wird sich die Spirale der Armut immer schneller drehen. Schon heute befinden sich 60% des Volksvermögens in den Händen einer kleinen aber feinen Elite. Millionen Menschen sitzen ohne Arbeit auf der Straße. Raub Mord und Plünderung stehen auf der Tagesordnung. Die Polizei kann die öffentliche Ordnung kaum noch gewährleisten.
Fred, Manni, Benjamin, und Ritschi, hingen in Eddis Zechenstube an der Theke ab.
Die vier hatten sich vor drei Jahren selbstständig gemacht. Ihre Firma nannte sich Arbeitslosen Gesellschaft mit beschränkter Haftung. Sie erledigten handwerkliche Arbeiten aller Art. Ein altes heruntergekommenes Zechenhaus-das auch schon bessere Tage gesehen hatte-, war ihr Wohn und Firmensitz. Ihr Gewinn, lag nahe an der Armutsgrenze, und reichte weder zum Leben noch zum Sterben.
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