Ich zeige dir das ganze Haus und dann müsstest du dich freiwillig dafür entscheiden, hier einzuziehen, denn wir können dich nicht dazu zwingen.“ Melissa war stinksauer und Hass gegen ihre Mutter stieg in ihr hoch. Sie kochte geradezu innerlich. Wie konnte ihre Mutter ihr das nur antun? Sie hatte nicht ein Wort gesagt und das alles hinter ihrem Rücken schon lange geplant gehabt!
In dem Moment, wo sie das begriff, war ihr alles egal. Sie holte aus ihrer Tasche eine Packung Zigaretten heraus, und zündete sich im Beisein ihrer Mutter eine an. Sollte sie doch schimpfen, ihr war es egal. Sie war doch sowieso abgeschrieben bei ihr. Und es war die ideale Gelegenheit, ihr unerwünschtes Kind nun endlich loszuwerden. Bis zu dem Zeitpunkt hatte sie immer nur ab und zu heimlich geraucht. Aber jetzt war es doch völlig egal, was ihre Mutter davon hielt, sie war abgeschoben, verlassen, weggegeben worden. So wie sie es doch schon immer wollte. Von ihrer Mutter kam kein Wort.
Nun hatte sie doch noch ihr Ziel erreicht und war ihre Tochter losgeworden für immer.
Aus lauter Hass und Wut über so viel Hinterlistigkeit, blieb Melissa freiwillig in der Mädchen-Wohngemeinschaft. Sie wollte ihre Mutter in diesem Moment einfach nie wieder sehen. Sie hatte ihr Leben lang immer nur böse Worte für sie übrig und eine echte Mutter, wie man es sich wünscht, war sie nie für sie gewesen.
Sätze wie: „Du bist doch eh für alles zu blöd!“, waren an der Tagesordnung wie so vieles andere auch.
Sie hatte ihrer Tochter nie Mut gemacht, sie unterstützt und gefördert. Im Gegenteil, sie hat sie ein Leben lang demoralisiert, unterdrückt und verachtet.
Das war ihre Mutter, die letztlich nie eine Mutter für sie war. Ihre Mutter verließ lächelnd das Haus, und ließ sie zurück.
So, nun saß sie da und wusste nicht, wie ihr geschehen war.
Melissa wurde ein Zimmer zugewiesen, in dem noch ein zweites Bett stand, das zurzeit jedoch unbenützt war. Sie hatte das Zimmer für sich alleine, bis das nächste Mädchen einzog.
Sie ließ sich das ganze Haus zeigen und erfuhr noch am selben Abend, dass im zweiten Stock, in welchem sie auch wohnte, sich in der Badewanne ein Mädchen die Pulsadern aufgeschnitten hatte und gestorben war.
Melissa war geschockt und angeekelt. Hier sollte sie sich dann auch darin baden müssen? Ihr lief es eiskalt über den Rücken bei dem Gedanken daran.
Drei Stunden später brachte ihre Mutter mit deren Freund Christoph all ihre Sachen. Sie verabschiedete sich nicht einmal und ging danach grußlos. Nicht der Funken einer Gefühlsregung, war bei ihr zu erkennen.
Aber was hatte Melissa auch erwartet? Es war ja noch nie anders gewesen. Sie kannte sie nicht anders.
So ergab sie sich der Situation, und räumte ihre Sachen in ihr Zimmer.
Viel hatte sie ja nicht und so war das auch bald erledigt.
Sie setzte sich aufs Bett und wusste nicht, was sie jetzt tun sollte, sie war jetzt ganz auf sich gestellt.
Die anderen Mädchen waren sehr zurückhaltend ihr gegenüber, sie war ja „die Neue“.
Sie war in einer völlig fremden Umgebung und musste sich irgendwie damit zurechtfinden.
Da sie keine Geschwister hatte außer einem Halbbruder von Seite ihres Vaters, den sie aber noch nie gesehen hatte, war es für sie sehr ungewohnt, plötzlich mit so vielen Mädchen unter einem Dach zu wohnen.
Sie musste abwechselnd mit den anderen Mädchen auch kochen und putzen im Haus. Und wie alle anderen war auch sie nicht erfreut darüber. Die Mädchen, die hier wohnten, waren alle sehr unterschiedlich und manche extrem durchgeknallt. Für Melissas Begriffe „zu“ durchgeknallt. Abends kamen manchmal bei einigen im ersten Stock, Jungs durchs Fenster, was natürlich nicht erlaubt war. Manche schlichen sich auch heimlich fort, um in die nächste Disco zu gehen oder sich eben mit Jungs zu treffen. Melissa distanzierte sich von diesen Mädchen, weil sie keinen Ärger haben wollte. Auch war es wirklich nicht ihre Art. Sie war erst seit Kurzem mit einem Jungen zusammen, den sie sehr mochte. Er hieß Patrick und war gerade mal sechs Monate älter als sie. Sie hatte ihn durch Zufall kennengelernt. Auch er war nicht begeistert, dass sie nun dort wohnte, aber es war ihm trotz allem lieber, als wenn Melissa noch zu Hause gewesen wäre. Er wusste, dass ihre Mutter eine unerträgliche Person war, die er nicht mochte und die Melissa nur Leid zufügte.
Jungs, das war so ein Thema, bei dem Melissa schon sehr misstrauisch war, nachdem was sie schon alles erlebt hatte….
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