„Wir sind uns einig.“, entschied Alejandró, obwohl sein Vertrauter protestieren wollte. Alejandró würde sich von dem verfluchten Franzosen nicht das Heft aus der Hand nehmen lassen. Gleichzeitig war er auch aus persönlichen Gründen an einer dauerhaften Zusammenarbeit mit dieser Frau interessiert. Schließlich sah seine Bella in ihr die zukünftige Frau ihres Sohnes und Orlando selbst war ebenfalls an ihr interessiert. Also wollte er sich zumindest die Möglichkeit, ihr öfter zu begegnen, offen halten. Würde sie eine dauerhafte Geschäftspartnerin werden, würde sie auch Orlando begegnen müssen und dies erschien Alejandró die Mühe wert zu sein. „Am Ende der Woche stehen die Kisten zwischen den anderen im Flugzeug.“, fuhr Alejandró fort. „Ich kann nur hoffen, dass ich Sie damit wahrhaftig als eine dauerhafte Geschäftspartnerin gewinne, Señorita Skylla?“ Er hatte keine Ahnung, wofür eine Frau wie sie es war, Sprengstoff benötigte und er hatte ebenfalls nicht die leiseste Idee, womit sie ihr Geld verdiente. Sie wendete sich zum ersten Mal an ihn und er war sich sicher, dass auch ihr Partner sich zuvor nicht direkt bei ihm gemeldet hatte.
Christina lächelte. „Ich denke, unter diesen Bedingungen, werde ich häufiger auf sie zurückgreifen, mein lieber Don Alejandró.“, erwiderte sie charmant und ließ sich dennoch auf keine verbindliche Zusage ein. Dann nahm sie sich einen Zettel und schrieb alle Angaben zu einem Schweizer Konto darauf, dass sie für Geschäfte wie dieses eingerichtet hatte. Es war immer das gleiche Prinzip: Sie eröffnete ein anonymes Konto, das mit Geheimzahl zugänglich war. Die Zahlenkombination änderte sie nach jedem abgeschlossenen Geschäft und alle paar Monate schloss sie ein Konto und eröffnete ein neues. Alejandró hatte nun die Geheimzahl dieses Kontos und sie würde ihm auf diesem Wege das Geld zukommen lassen, wenn sie ihre Ware erhielt.
Christina schob Alejandró den Zettel zu. Dieser bemerkte sogleich, dass Skylla ebenso wie er selbst mit den Konten verfuhr. Diese Idee hatte Orlando gehabt und Alejandró hatte sie, weil es ein kluger Ratschlag gewesen war, sogleich umgesetzt. Dass diese Frau die gleiche List und Intelligenz wie sein Sohn besaß, imponierte ihm sehr.
Nachdem das Geschäftliche besprochen war, geleiteten Mladen und Christina die drei Männer zur Tür. Als Benini und Bertosloni bereits vorgegangen waren, ergriff der Don noch einmal Christinas Hand und küsste diese schmeichelnd. „Sie sind eine ungemein geschickte Frau, Señorita Montalli.“, sagte er anerkennend. „Ich freue mich, weiterhin mit Ihnen Geschäfte machen zu können.“
Sie lächelte. „Wenn alles gut verläuft und wir beide zufrieden sein können, Don Alejandró, wird die Freude auch auf meiner Seite sein.“, erwiderte sie.
Alejandró lachte, obgleich er wusste, dass hinter ihrer humorvollen Art bitterer Ernst und guter Geschäftssinn steckten. „Kann ich Sie bald wieder in meinem Haus als Gast bei einer meiner Feierlichkeiten begrüßen, Señorita?“, wollte er wissen. Er gab immer wieder große und kleinere Feste und brauchte dazu nicht immer einen bestimmten Anlass. Er liebte es einfach, sich mit vielen Menschen zu umgeben und es kam ihm entgegen, dadurch seinen Einfluss und seine Macht zu zeigen.
„Ich fürchte, vorerst besteht diese Möglichkeit nicht, Don Alejandró, da ich private Dinge in einem anderen Land zu erledigen habe.“, antwortete sie und dachte, dass sie seinem Sohn aus dem Weg gehen wollte. „Dennoch fühle ich mich durch diese neuerliche Einladung geschmeichelt, vielen Dank.“
„Ihnen gebührt alle Ehre, Miss Montalli.“, erwiderte er lächelnd. „Wenn Sie wieder einmal im Lande sind, werden Sie bei mir immer auf Gastfreundschaft stoßen, meine Liebe. Bis dahin verabschiede ich mich in aller Höflichkeit und mit der Anmerkung, dass Sie nach dieser gelungenen Verhandlung auch in geschäftlichen Dingen meinen vollsten Respekt genießen.“ Er reichte ihr beinahe wie ein Freund die Hand, ehe er sich umdrehte und die Treppen hinunter ging. An der Straße warteten seine Vertrauten in einer Limousine auf ihn, die er nun ebenfalls bestieg und davon fuhr.
Mladen schloss die Tür und blickte Christina respektierend an. Obwohl er selbst nichts hatte sagen können, was Beachtung oder Respekt gefordert hätte, war er weder ärgerlich noch unzufrieden. Christina hatte sich auch dem mächtigsten Mann Spaniens gegenüber so eindrucksvoll gegeben, dass er von ihren Qualitäten überzeugt war. Mladen hatte bei seiner ersten Verhandlung mit Skylla ebenso Respekt für sie empfunden, wie Alejandró nun.
„Du lächelst so.“, merkte Christina an. „Also bist du zufrieden mit der endgültigen Abwicklung des Geschäfts?“
Mladen nickte entschieden, während er sie in den Garten begleitete. „Du hättest diesen mächtigen Mann nicht eindrucksvoller in deinen Bann ziehen können.“, sagte er anerkennend. „Nur hast du mir nun die ganze Arbeit abgenommen, denn ich muss mich nun weder um die Beschaffung des Sprengstoffes, noch um den Transport kümmern.“
Sie lächelte. „Du hast schon die Medikamente besorgt, um die ich dich gebeten habe, Mladen. Und deine Leute fliegen das Flugzeug nach Bagdad, was auch unter deiner Verantwortung steht. Ich hab’ dir also nur das Illegale abgenommen, mein Freund.“, sagte sie und grinste ihn charmant an. Dann wurde ihre Miene sogleich wieder geschäftig. „Außerdem kannst du von nun an, wenn ich es wünsche, Verhandlungen in meinem Namen mit der spanischen Mafia führen. Ich bin zu selten hier, um mich um alles alleine zu kümmern.“
„Dann sind wir jetzt richtige Geschäftspartner?“, fragte Mladen, dem diese Vorstellung offensichtlich behagte.
„Bisher hatte ich keinen Grund, dir zu misstrauen.“, sagte sie. „Solange das so bleibt und du in meinem Sinne handelst und nicht ohne meine Zustimmung, werde ich mit dir zusammen arbeiten.“
Mladen war der warnende Unterton in ihrer Stimme nicht entgangen und so blickte er sie mit Sorge an. „Und wenn du mir irgendwann misstraust?“
Christina setzte sich an den Pool, der um einiges kleiner war als der von Don Alejandró, und ließ die Beine ins Wasser gleiten. „Wenn du mich hintergehst und ich davon überzeugt bin, dass du es aus Geldgier tust, werde ich dich umbringen.“, sagte sie und sah ihm an, dass er dem Ernst ihrer Worte die richtige Bedeutung zumaß. „Wenn du unabsichtlich einen Fehler machst und ich dir das glaube, brauchst du nur zu befürchten, dass ich dir nicht mehr ganz freie Hand lasse.“
Mladen nickte verhalten. Er hatte die Gefahr, die von dieser Frau ausging, noch niemals zu unterschätzen gewagt und nun, wo sie ihm direkt und ehrlich geantwortet hatte, wusste er, weshalb er sie nicht unterschätzte. „Das klingt fair.“, sagte er aufrichtig. „Wir sind uns also einig?“ Dass er nun sie darum bitten musste, war ihm nur wenig unangenehm, weil er nicht davon ausgegangen war, dass sie sich ewig über ihn an die Mafia wenden würde. Sie war jung und am Aufsteigen, er wurde älter und ruhiger. Als sie in seinem Haus angekommen war, hatte sie noch um sein Wohlwollen gebeten, damit er sich für sie an die spanische Mafia wenden würde. Als er die dann zu der Feier von Alejandró mitgenommen hatte, hatte sie diese Chance genutzt, um nicht mehr von ihm abhängig zu sein. Er verstand das und war nicht wütend darüber, denn er versprach sich selbst einen Vorteil davon. Schließlich schien sich Don Alejandró außerordentlich für Skylla begeistern zu können. Was jedoch wichtiger war, war die Tatsache, dass er Skylla als ebenbürtig ansah. Mladen hatte er niemals so betrachtet, sondern ihn vielmehr mit einem einfachen Kriminellen verglichen, dem er kaum Beachtung geschenkt hatte. Mit Skylla an seiner Seite würde auch sein Ansehen steigen und er würde dennoch zurückgezogener leben können.
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