„Die Freude ist ganz meinerseits.“, erwiderte sie lächelnd. Gleich nachdem er sich umgedreht hatte und einige Schritte entfernt war, blickte sie Orlando zornig an. „Sehr erwachsen.“, kommentierte sie sein Verhalten.
„Flirtest du mit meinem Vater um mich zu ärgern oder hast du tatsächlich eine Vorliebe für ältere Männer?“, fragte er herausfordernd.
Sie stellte ihr Weinglas auf den Tisch neben sich und blickte ihm kampflustig entgegen. „So wie ich das sehe, bist du auch nicht mehr der Jüngste.“, gab sie bissig zurück.
Er lachte und seine Wut war vergessen. „Dann hast du eine Vorliebe für mich?“, fragte er und verdrehte ihr absichtlich die Worte. „Damit kann ich viel besser leben.“ Er trat auf sie zu und drängte sie somit gegen den Tisch. Er wollte sie berühren, ihr näher sein. Seine Finger berührten beinahe ehrfürchtig ihr Gesicht. Einen Moment lang erwiderte sie seinen Blick während er sie berührte. Ihre Atmung beschleunigte sich über seine Berührung, seine Nähe, seinen Geruch. Er betrachtete sie verlangend, während ihre Lippen sich ein wenig über die beschleunigte Atmung öffneten und sie sich weiterhin derartig sehnsüchtig in die Augen blickten. Dann schob sie seine Hand von sich und hatte sich wieder unter Kontrolle.
„Aden Hall, ja?“, fragte sie ihn und senkte, trotz ihrer Wut, die Stimme, damit sie sein Geheimnis nicht vor aller Ohren Preis gab.
„Skylla Montalli?“, fragte er zurück.
Sie drängte ihn ärgerlich von sich und schob sich an ihm vorbei. Dann ließ sie ihn stehen und eilte schnellen Schrittes zu Mladen und Stephanie zurück.
Vor Mladen blieb sie, etwas atemlos, stehen und nahm seiner Tochter ihre Handtasche, die diese unbedingt hatte tragen wollen, ab. „Morgen Nachmittag wird Alejandró mit zwei seiner Vertrauten zu uns kommen.“, eröffnete sie ihm.
„Das hast du wahrhaftig geschafft?“, fragte er beeindruckt. Sein freudiges Lächeln konnte er nicht verhindern.
„Ja.“, antwortete sie ruhig. „Ich werde jetzt verschwinden, wenn du nichts dagegen hast.“, sagte sie und ging dabei nicht auf die Reaktion ihres Gegenübers ein. Für einen Abend hatte sie genug erlebt.
Dann spürte sie eine Berührung an ihrem Steißbein, die mehr einem Hauch glich als einem Streicheln. Sie wandte sich augenblicklich um und stand vor Orlando.
Er lächelte freundlich. „Guten Abend.“, sagte er an Mladen und dessen Tochter gewandt. Er reichte dem Mädchen die Hand und lächelte ihr zu. „Ich bin Orlando. Und wie heißt du?“
„Stephanie.“, antwortete sie mit einem allzu fröhlichen Grinsen. Sie warf Christina einen Blick zu und erkannte den Groll in ihrer Miene auch als solchen. „Sie sind der Sohn Don Alejandrós, nicht wahr?“
„Ja, der bin ich.“, bejahte er. „Ich wollte mich nur kurz vorstellen und gleichzeitig die Gelegenheit nutzen, Miss Montalli um den nächsten Tanz zu bitten. Natürlich nur, wenn Sie nichts dagegen haben?“
Mladen nickte, während seine Tochter aufgeregt kicherte. „Skylla ist meine Cousine und die Brautjungfer meiner Stephanie.“, erklärte er, um zu versichern, dass er nichts dagegen einzuwenden hatte. Es war offensichtlich, dass er sich über die Aufmerksamkeit eines so bedeutenden Mannes aufrichtig freute.
Orlando stellte fest, dass auch dieser Mann sie Skylla nannte und fragte sich augenblicklich, wie sie nun wirklich hieß. Hatte sie ihm im Flugzeug die Wahrheit gesagt, oder sagte sie nun die Wahrheit? Sie versuchte bereits aus ihrem Namen ein Geheimnis zu machen und dies bedeutete, dass sie Vieles zu verbergen versuchte. Gleichzeitig wurde ihm klar, dass auch dieser Mann nicht wirklich mit ihr verwandt war. Sie hatten keine Ähnlichkeit und auch er schien nicht zu wissen, was sich hinter ihrer Fassade verbarg. Sie war eine Lügnerin und sie hatte mit der Mafia zu tun. Für Orlando machten sie diese Tatsachen noch anziehender.
„Ich will damit sagen, dass es mir selbstverständlich nichts ausmachen würde, wenn Sie mit meiner Cousine tanzten.“, erklärte Mladen lächelnd.
Christina warf ihm einen bösen Blick zu. „Glücklicherweise ist das immer noch meine Entscheidung.“, sagte sie verärgert.
Stephanie nahm ihre Handtasche wieder an sich und lächelte sie unschuldig an.
Orlando seinerseits achtete nicht auf ihren Widerspruch. Stattdessen griff er ihr schmales Handgelenk und führte sie mit sich zur Tanzfläche, die unter einem großen Baldachin aufgebaut worden war. Als sie zwischen den tanzenden Paaren standen, zog er sie dicht an sich, legte eine Hand an ihr Steißbein und hielt ihre rechte Hand in seiner linken.
„Du sprichst fließend Spanisch, Christina, aber kannst du auch wie eine Spanierin tanzen?“, fragte er herausfordernd. Er entschied sich, sie Christina zu nennen, weil er geglaubt hatte, bei diesem Namen eine Reaktion hinter ihrer undurchschaubaren Miene zu erkennen.
Die Musik wurde langsamer, tragischer, passend für einen Tango. „Halt einfach die Klappe und tanz.“, verlangte sie. Als er darüber sein attraktives Lachen aufklingen ließ, musste auch sie lächeln. Sie hasste es, dass er so einnehmend war, so charmant.
Und dann begann er, sie über die Tanzfläche zu führen und stellte sich auch dabei so talentiert an, dass es sie beeindruckte.
Bald hatten sie die Aufmerksamkeit aller anderen Tanzpaare auf sich gezogen und auch die anderen Gäste in ihrer Nähe wandten sich ihnen zu, um ihnen beim Tango zu zusehen.
Dana betrachtete die beiden voller Trauer. Wie er sie berührte und wie er sie an sich zog, war so leidenschaftlich, dass es ihr deutlich vor Augen führte, was er ihr vorenthalten hatte. Und dabei hätte sie alles dafür gegeben, an der Stelle dieser Frau zu sein.
„Wer ist diese Frau?“, fragte sie Bonita, wandte jedoch den Blick nicht von den Tanzenden ab.
Bonita lächelte verstehend. „Ich nehme an, sie ist die Frau, in die er sich verliebt hat.“, antwortete sie aufrichtig.
Dana schüttelte fassungslos den Kopf. „Nur weil er mit ihr tanzt, heißt das noch lange nicht, dass er auch in sie verliebt ist.“, sagte sie, zweifelte allerdings selbst daran. Er sah diese Frau auf eine Art an, die sie noch nie bei ihm gesehen hatte.
„Vielleicht ist sie es ja nicht.“, sagte Bonita schulterzuckend. „Aber verliebt ist er, das hat er mir selbst gesagt.“
Dana wandte sich ab. Sie hatte genug gehört und gesehen.
Orlando zog sie ein letztes Mal an sich und hielt sie so fest, während ihnen die Gäste applaudierten. Er war ganz auf sie konzentriert. Auf ihr Bein, das er am Oberschenkel hielt, sodass sie ihr Knie leichter an seine Hüfte drücken konnte. Auf ihre Brust, die sich unter der angestrengten Atmung verführerisch hob und senkte. Auf ihre Hand, die so auf seiner Schulter lag, dass ihre Fingerspitzen noch seinen Hals erreichten. Ihre Lippen waren so dicht vor seinen, dass es ihm schwer fiel, sie nicht zu küssen.
„Du bist also doch eine Tänzerin.“, sagte er und erinnerte sich, dass sie über seine Vermutung dazu im Flugzeug gelacht hatte.
Christina blickte ihn atemlos an. Er war so leidenschaftlich und gab ihr das Gefühl, dass sie es auch sein könnte, wenn sie mit ihm zusammen war. Doch so sehr sie sich auch nach dieser Freiheit sehnte, es gab einfach zu viel in ihrem Leben, auf das sie rational und beherrscht reagieren musste. „Sie können mein Bein wieder los lassen, Don Orlando.“, sagte sie und distanzierte sich bereits durch die Anrede wieder von ihm. Es war nicht gut, dass sie ihn überhaupt an sich heran gelassen hatte. Er sollte nicht noch mehr in ihrem Inneren durcheinander bringen.
Er grinste schelmisch, gab ihr aber nach. „Wie Sie wünschen, Christina.“, sagte er charmant. „Wir sind jetzt also wieder beim Sie?“, fragte er dennoch.
Sie lächelte leicht. „Allerdings. Das hier war, ganz sicher, eine einmalige Sache.“, sagte sie und ließ ihn dann stehen.
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