Don Alejandró lachte begeistert. Mit ihrer Art konnte sie sicherlich jeden Menschen schnell einnehmen. Zumindest bei Männern würde es ihr ohne weiteres gelingen. „Ich werde morgen am frühen Nachmittag mit meinem Vertrauten und meinem Leibwächter auf Ihrer Schwelle stehen, meine Liebe.“, ging er also auf ihren Vorschlag ein. Er würde Benini und Bertosloni mit sich nehmen, was ihm Schutz genug bieten sollte. „Erlauben Sie mir eine Bemerkung, Skylla?“
Sie nickte lächelnd. „Wie könnte ich sie Ihnen abschlagen, mein lieber Don Alejandró?“
Er lächelte und es war offensichtlich, dass er sowohl von ihrem Charme, als auch von ihrem Geist hingerissen war. „Ich will ehrlich sein, da ich bemerke, dass Sie damit gut umzugehen wissen.“, sagte er einleitend. „Wenn man Ihre Schönheit und das zarte Alter betrachtet, wobei ich sicher bin, dass Sie bezüglich Ihres göttlichen Gesichtes andauernd Komplimente hören, glaubt man kaum, dass sich dahinter ein so präziser Verstand und eine so scharfe Intelligenz verbergen.“ Alejandró hielt kurz inne, griff dann ihre Hand und küsste diese. „Sie, Señorita Montalli, beweisen jedoch das Gegenteil. Sie scheinen mir eine selten ebenbürtige Geschäftspartnerin zu sein und Sie wissen offensichtlich stets, was Sie wollen und wie Sie es erreichen können. Dafür möchte ich Ihnen meine Bewunderung aussprechen.“
Christina fühlte sich nach diesem Wortschwall eher verlegen, als geehrt, denn sie hatte niemals so viele schmeichelnde Worte von einem so hochgestellten Mann gehört. „Ich danke Ihnen vielmals, Don Alejandró.“, sagte sie mit einem leichten Lächeln. „Ich muss feststellen, dass Ihr Charme weit über den eines gewöhnlichen Mafiabosses hinausgeht.“
Er lachte amüsiert. „Wissen Sie, woran mich Ihr Humor erinnert?“, fragte er dann rhetorisch. „An meinen Sohn, Don Orlando.“, antwortete er gleich darauf und bemerkte nicht, dass sie daraufhin ein wenig taumelte. „Er ist ebenso humorvoll; aber vor allem hat er Ihre Entschlusskraft. Haben Sie meinen Sohn bereits kennen gelernt?“
Christina musste sich beherrschen, um ihr Lächeln aufrecht zu erhalten. „Nein, ich…nein. Bisher ist mir diese Ehre nicht zuteil geworden.“, antwortete sie und hoffte, er würde ihr Unbehagen nicht bemerken und sie nicht auffordern, ihn zu treffen.
„Dann müssen wir das ändern.“, sagte Alejandró entschieden. Er hatte bereits nach seinem Sohn gewunken, ehe sie sich hatte entschuldigen können. Da er noch immer ihren Arm hielt, war es ihr auch nicht möglich, sich davon zu stehlen. All ihre Versuche, ihm nicht über den Weg zu laufen, scheiterten nun. Während seine große Gestalt sich ihnen näherte, erkannte sie, dass sie ihm immer wieder begegnete, ganz gleich, ob es Zufall war, wie im Flugzeug oder sie es sogar absichtlich zu verhindern versuchte, so wie heute Abend.
Christina hielt ihr Gesicht absichtlich so abgewandt, dass er es nicht direkt sehen konnte und doch wusste sie, dass es absurd war, sich nun noch vor ihm verstecken zu wollen.
„Mein Sohn, ich muss dir eine zauberhafte Señorita vorstellen.“, sagte Alejandró, als sein Sohn beinahe vor ihm stand. „Miss Skylla Montalli.“
Christina strafte ihre Schultern und hob den Kopf. Sie würde sich nicht vor ihm verstecken. Wenn er sich mit ihr anlegen wollte, dann würde sie eben kämpfen. Aufgeben kam für sie nicht in Frage.
Augenblicklich ruhte sein Blick auf ihr und man erkannte deutlich, dass er sowohl überrascht, als auch hingerissen war. Er betrachtete sie beinahe gierig, nachdem er sie nun so viele Tage aus den Augen verloren hatte. Sie trug ein langes schwarzes Seidenkleid und hatte ihre eindrucksvollen Augen passend dazu geschminkt. Auch trug sie viel Goldschmuck, an den Armen, um den Hals und sogar um den Knöchel. Dafür schien sie eine Vorliebe zu haben, denn ihm war dieses Detail bereits im Vorwege aufgefallen. Sie sah in seinen Augen ganz und gar hinreißend aus.
Christina hielt seinem Blick stand und ließ sich nicht anmerken, dass sie ihm bereits zuvor begegnet war.
„Miss Montalli, mein Sohn, Don Orlando Santiago de Maliñana.“, fuhr Alejandró ahnungslos fort.
Er sah sie noch immer hingerissen an und als sie die Augenlider hob und seinen Blick erwiderte, glaubte er erneut, einen Blitz durch seinen Körper schießen zu fühlen. Er griff ihre Hand, die so zierlich war, dass sie in seiner beinahe verschwand und drückte ihr mit einer galanten Verbeugung einen Kuss auf. „Es ist mir eine Ehre, Sie kennen zu lernen.“, sagte er und konnte sich ein Grinsen nicht verkneifen. Noch immer brachte er es nicht über sich, ihre Hand loszulassen, wenngleich er nun wieder normal vor ihr stand, oder vielleicht stand er sogar ein bisschen zu dicht vor ihr. Er konnte ihr Parfum riechen und fand, dass sie im Flugzeug, als sie kein Parfum getragen hatte, besser gerochen hatte, nach Jasmin und einem ihr eigenen Geruch, den er nicht definieren konnte.
„Mir ebenfalls.“, erwiderte sie und zog dann doch ihre Hand zurück. Wenn er sie so ansah, dann fühlte sie sich beinahe schwindelig. Er sah sie mit einer Leidenschaft in den Augen an, als wolle er von ihr Besitz ergreifen. „Ihr Vater redet sehr stolz von Ihnen.“
Alejandró lächelte verlegen. Kam es ihm nur so vor, oder interessierte sich sein Sohn tatsächlich mehr als gewöhnlich für eine Frau? Er hatte das undefinierte Gefühl, dass Orlando etwas mit seiner Geschäftspartnerin verband.
„Mir scheint es, als wären wir uns schon einmal begegnet.“, sagte Orlando, um sie zu reizen. Er wandte den Blick keine Sekunde von ihr.
„Nein, das denke ich nicht.“, entgegnete sie mit undurchschaubarer Miene.
„Sind Sie sicher?“, fragte er. „Vielleicht sind Sie ebenso heimatlos wie ich?“
Sie hatte das Gefühl, als hätten seine Worte ihr Herz getroffen. Wie konnte er es wagen, ihre eigenen Worte nun gegen sie zu verwenden? „Den Humor, den Ihr Vater Ihnen zugeschrieben hat, kann ich sogleich erkennen.“, sagte sie und ihre Stimme klang zu ihrer eigenen Verwunderung ganz ruhig und beherrscht. „In Taktgefühl und Charme scheinen Sie Ihren ehrenwertem Vater jedoch noch weit zu unterliegen.“
Alejandró lächelte erneut, fühlte sich nun jedoch aufrichtig geschmeichelt. „Nun ja, das gute Aussehen meines Sohnes habe ich allerdings nicht mehr und so ist er es, der alle Frauen für sich einnimmt.“, sagte er und blickte Christina dabei freundlich an.
„Ich bin geneigt, mich eher von Ihrem Scharfsinn, als von dem Aussehen Ihres Sohnes einnehmen zu lassen.“, sagte Christina und zeigte Orlando absichtlich die kalte Schulter. Sie ärgerte sich maßlos über ihn, da er sie bei ihrem ersten Gespräch schamlos belogen hatte und sie ihm, zumindest teilweise, die Wahrheit über sich gesagt hatte. Und nun wagte er es zusätzlich, sie so anzusehen und dabei zu lächeln, als sei er aufrichtig zufrieden.
„Wahrhaftig, Señorita, Sie verstehen es, einen reifen Mann wie mich aus der Fassung zu bringen.“, sagte Alejandró und küsste lächelnd ihre Hand.
Orlando spürte bei dieser Geste eine Wut auf den eigenen Vater in sich aufsteigen, mit der er nie gerechnet hätte. Er wollte nicht, dass er sie anfasste. Er wollte nicht, dass irgendein Mann sie berührte. „Dabei könnte sie dein Kind sein, nicht wahr?“, sagte er bissig.
Alejandró sah seinen Sohn überrascht an. Er wirkte verärgert und Alejandró nahm fälschlicher Weise an, er wolle vielleicht die Ehre seiner Mutter verteidigen. Also trat er einen Schritt zur Seite, um Distanz zwischen sich und Skylla Montalli zu bringen. Er sah seinen Sohn förmlich aufatmen. „Wie dem auch sei, ich werde mich nun wieder mit meinen Aktionären beschäftigen müssen. Bitte entschuldigen Sie mich.“ Er küsste noch einmal ihre Hand. „Ich freue mich bereits jetzt auf Ihre morgige Gesellschaft.“, sagte er verabschiedend.
Читать дальше