Ludwig Witzani - Der Mullah und das Paradies

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Der Iran und seine zentralasiatischen Grenzregionen am Amur Darja und Syr Darja gehören zu den großen Kulturräumen der Erde. Städte wie Isfahan und Samarkand erinnern an den Zauber von Tausendundeiner Nacht, die Ruinen von Persepolis und Ayaz Qala führen zurück in eine längst vergessene, vorislamische Geschichte. Und am Grab des Naqschbandi in Buchara oder im Mausoleum Ayatollah Chomeinis begegnet dem Reisenden eine religiöse Inbrunst, die die Welt aus den Angeln heben will. Eine Reise durch den iranischen Kulturraum erlaubt deswegen nicht nur die Begegnung mit erstrangigen Zeugnissen der Geschichte, sondern auch einen Einblick in eine religiös und ästhetisch vollkommen andersartige Gegenwart. Der Islam, der in der Phase seiner derzeitigen religiösen und demografischen Expansion dabei ist, den Ordnungsentwurf der westlichen Welt herauszufordern, erweist sich in der Nahbetrachtung als eine hochdifferenzierte und widersprüchliches Phänomen – anders von Epoche zu Epoche, von Stadt zum Land und völlig unterschiedlich etwa im schiitischen Teheran oder dem sunnitischen Taschkent. Ludwig Witzani ist dieser Vielfalt auf zwei Reisen nachgegangen und traf auf Märtyrerkult und Toleranz – aber immer wieder auch noch auf den traditionllen Islam, den einstmals so friedlcihen Bruder des Westens, in dessen Moscheen es sich so weltabgewandt vom Göttlichen träumen lässt wie nirgendwo sonst auf der Welt…

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Eine weitere Besonderheit des Straßenbildes das ich in dieser Form noch - фото 9

Eine weitere Besonderheit des Straßenbildes, das ich in dieser Form noch nirgendwo gesehen hatte, bestand in der flächendeckenden Plakatierung des öffentlichen Raumes mit den Konterfeis von Märtyrern oder heiligen Männern. Wo in unseren Breitengraden Figuren mit lachenden Gesichtern für Automobile oder Handys werben, blickten in Teheran an jeder Ecke Krieger oder Ayatollahs mit Leichenbittermienen auf das Volk hernieder, allen voran natürlich Ayatollah Chomeini, der Revolutionsführer und Staatsgründer, der auf der nach oben offenen Verehrungsskala des Normaliraners gleich hinter dem Propheten rangiert. So viele Haken ich auch auf den Straßen schlug, so viele öffentliche Plätze und Parks ich auch besuchte, immer begrüßte mich ein Bild des großen Ayatollahs, der mit einem solchen Trauerblick auf die Angehörigen seines Volkes nieder blickte, dass ich mich unwillkürlich fragte, ob die Iraner darüber nicht depressiv werden müssten. So mein erster Eindruck, der sich bald als falsch herausstellen sollte. Denn im weiteren Verlauf meiner Reise sollte ich lernen, dass sich der grimmige Gesichtsausdruck des Ayatollahs und das Lebensgefühl des Iraners ebenso umgekehrt proportional zueinander verhielten wie die öffentliche Parteipropaganda der SED und das alltägliche Leben der Menschen in der ehemaligen DDR. Während die flächendeckend eingesetzten kommunistischen Mobilisierungsparolen in Berlin oder Leipzig den Eindruck erweckten, das Volk hätte nichts anderes zu tun als 24 Stunden am Tag für das Gemeinwohl zu rackern, ließ es sich, wie man heute weiß, im Schatten dieser Parolen recht gemütlich leben. Mit der Leichenbittermiene des Ayatollahs und der Befindlichkeit seines Volkes verhielt es sich ebenso. Würde man im Angesicht der Trauerfalten des hochverehrten Staatsgründers mutmaßen, das ganze Volk greine von morgens bis abends, wurde unterhalb der großen Chomeini-Plakate genauso gelacht wie anderswo. Spricht man die Iraner direkt an (natürlich nur die Männer) erwiesen sie sich als freundlich und hilfsbereit, waren aber nicht immer in der Lage, mir bei der Orientierung in Teheran weiterzuhelfen. Denn die siegreichen Revolutionäre hatten mit der Umbenennung von Straßen und Plätzen derart vollständige Arbeit geleistet, dass selbst die Einheimischen ins Schleudern gerieten. Auch die Namen der Sehenswürdigkeiten waren verändert worden, von der Tendenz der Präsentationen ganz zu schweigen. Die Paläste des Schah waren längst in „Museen des Despotismus“ umfunktioniert worden, und die ehemalige amerikanische Botschaft, die während der Geiselnahme im Jahre 1979 im Blickpunkt der Weltöffentlichkeit gestanden hatte, firmierte heute als „Museum der US-Spionage“. Nur das Iranische Nationalmuseum hatte seinen Namen behalten, war aber wegen Umbauten geschlossen. Das war ärgerlich, denn es handelte sich zweifellos um die größte kulturelle Attraktion, die die Stadt zu bieten hatte. Die Exponate des Museums deckten einen Zeitraum von über achttausend Jahren ab, und sie waren in zwei Hauptgebäuden, je einem für die vorislamische und die islamischen Periode, untergebracht. Das hörte sich nicht besonders aufregend an, und doch waren diese Exponate Zeugnisse einer Hochkultur, die vom Anfang der Zeiten an in der allerersten Liga der Weltgeschichte mitgespielt hatte. Selbst innerhalb der altorientalischen Geschichte war der Iran mit dem Reich Elam bereits mit von der Partie gewesen, das hätte ich mir im Museum gerne angeschaut. Wie stellte sich die Überwindung der altiranischen Hochkultur durch die arabischen Eroberer im Spiegel der Baukunst dar? Und vor allem: wie wurde dieser Wandel von den neuen Herren präsentiert? In der Kulturgeschichte hieß es, dass der Iran durch den Einfall der Seldschuken und Mongolen zwischen dem zehnten bis fünfzehnten Jahrhundert rebarbarisiert worden war. Konnte man das an den Exponaten sehen?

Ich blickte mich um, ein junger Mann kam vorbei und blieb vor mir stehen. „Museum“, sagte er und wies auf den Eingang. Er trug eine modische Jeans und ein kurzärmliges Hemd. In seinen Augen flackerte es, als überlege er fieberhaft, wie er diese Begegnung auswerten könne. „Stimmt“, antwortete ich. „Closed“, fügte hinzu und verführte mit der rechten Hand eine wischende Handbewegung. „Stimmt auch“, gab ich zurück. „Cigarette?“ fragte er. „No smoking“, antwortete ich. Er nickte, als hätte er so etwas schon erwartet, drehte sich um und ging weiter.

*

Nach einigen Stunden des Flanierens setzte ich mich in ein kleines Garküchenrestaurant, bestellte einen Tee und aß drei Spieße, einen vom Lamm, einen vom Rind und einen von der Ziege. Alle drei Spieße sahen identisch aus und schmeckten auch so, was mich zu der Frage führte, ob sich die Einheit der Schöpfung nicht darin erweise, dass alles tierische Fleisch, einmal gut durchgebraten, gleich schmeckte. Ich beobachtete, wie meine Tischnachbarn den Zucker nicht im Tee verrührten, sondern in den Mund nahmen, um dann erst den Tee zu trinken. Ich tat es ihnen gleich und spürte, wie sich der bittere Tee im Kontakt zu dem Zucker in meinem Mund süßte, allerdings in einer Zeitverzögerung, deren Intervalle ich selbst bestimmen konnte. Die kleine Freiheit des Orientalen, da sieh mal einer an. Mir wurde sogar eine Wasserpfeife angeboten, was ich so freundlich wie möglich ablehnte. Schade war, dass sich im ganzen Raum keine Frau befand. Dafür roch es sehr würzig, nach deftigem Männerschweiß mit einem Schuss Gehacktem.

Nach dem Essen wurde ich müde und entschloss mich, einen Taxifahrer anzuheuern, um mit ihm in die Innenstadt zu fahren. Kaum hatte ich die Hand gehoben, hielt auch schon ein Taxi neben mir, dessen Fahrer so spontan aus dem Wagen sprang, als begrüße er in meiner Person einen alten, lang gesuchten Bekannten. Er war behaart wie ein kaukasischer Urmensch, klein, gedrungen und ungemein muskulös, doch unter seinen buschigen Augenbrauen blickte er mit den Augen eines Kindes in die Welt. Er stellte sich als Anatol vor und behauptete in einem passablen Englisch, als armenischer Taxifahrer die Stadt besser zu kennen als die Teheraner selbst, weil die nie über ihr Viertel hinauskämen. Ich nannte ihm die Sehenswürdigkeiten, die ich besuchen wollte, und er nickte eifrig, als wären es genau diese Orte gewesen, die er mir im Rahmen seiner idealen Stadtrundfahrt hatte zeigen wollen. Ich wurde auf die Rückbank verfrachtet und kam auf eine alte Pferdedecke zu sitzen, von der ich gar nicht wissen wollte, was schon alles unter ihr gelegen hatte. Dann ging es los, und ich merkte schnell, dass Autofahren in der Innenstadt von Teheran bedeutet, sich in einer Abart eines mobilen catch-as-catch-can gegenseitig über die Straße zu jagen. Es wurde gehupt, geschnitten, gebremst, geflucht, als verwandele sich der Iraner hinter dem Steuer in einen wilden Krieger. Gerade mal ein paar Cent bezahlt der iranische Autofahrer übrigens in seinem ölreichen Heimatland für einen Liter Benzin, und niemand würde sich unter diesen Umständen wundern, dass im Land der Ayatollahs sowohl die Ökosteuer wie das Drei-Liter-Auto noch lange auf sich warten lassen werden. Warum bei diesen Ölpreisen überhaupt Atomkraftwerke im Iran gebaut werden mussten, war immer schon ein Rätsel gewesen. Aber das war wieder eine ganz andere Geschichte.

Fast eine dreiviertel Stunde benötigte das Taxi, ehe es die Motahhari-Moschee erreichte. Sie wurde in allen Reiseführer als die älteste und größte Moschee Teherans gerühmt, und wenn ich schon mal vor Ort war, wollte ich sie mir auch ansehen. Was mir als erstes auffiel, war, dass sie acht Minarette besaß, was mich verwunderte, da im Islam nur die Kaaba-Moschee in Mekka mehr als sechs Minarette besaß. Wie ich außerdem bald feststellen musste, erschienen in Teheran nicht alle Tage Einzelreisende am Eingang der Motahhari-Moschee, so dass unter Türstehern und Offiziellen eine große Konfusion ausbrach, wie mit mir als unerwartetem Besucher zu verfahren sei. Der Iraner im Zustand der Ratlosigkeit war zweifellos ein sehenswerter Anblick, manche schauten mich neugierig an, andere beäugten mich nicht ohne Misstrauen, denn zweifellos war ich ein Ungläubiger, dem man schon aus Prinzip nicht über den Weg trauen durfte. Alle aber legten Wert darauf, ihre Meinung kundzutun, so dass ein minutenlanges Palaver einsetze, ohne dass etwas geschah. Ich wollte schon aufgeben, da erschien ein Amtmann im langen schwarzen Kaftan mit weißem Käppi, der mich an zwei schwer bewaffneten Soldaten vorbei in das Büro des örtlichen Mullahs führte, um mir ein Formular in Iranisch vorzulegen, von dem ich kein Wort verstand. Dass ich als Tourist so großen Wert darauf legte, ihre Moschee zu besuchen, schien die frommen Herren für mich einzunehmen, dass ich das Formular aber nicht ausfüllen konnte, verursachte ihnen Bauchschmerzen. Schließlich musste ich meinen Pass abgeben und durfte an der Seite des Amtmannes durch die Moschee spazieren. Auch wenn ich heute weiß, dass die Motahhari-Moschee im Vergleich zu den großen Bauwerken in Isfahan, Schiras oder Maschad architektonisch nichts Besonderes darstellt, erblickte ich an diesem Tag zum ersten Mal eine iranische Moschee von innen und war sofort hingerissen. Was mich in besonderer Weise ansprach, war der iranische Iwan, ein dreiseitig eingefasster überwölbter Torbogen, der viel höher als breit ist und der oben in einer Art Spitzbogen abschließt. Im Unterschied zum arabischen, maghrebinischen oder türkischen Kulturraum waren im Iran die Wände der Moscheen mit Fayencen bedeckt, meistens stellten sie Girlanden, Koranverse oder abstrakte Mustern dar, die in ihrer blauen Grundfarbe den Gebäuden eine Farbigkeit verleihen, mit der die Moscheen im übrigen moslemischen Kulturkreis nicht aufwarten können. Die Motahhari-Moschee besaß in ihrem Innenhof einen gepflegten kleinen Garten mit einem Brunnen in der Mitte und zahlreichen Studierstuben im hinteren Teil des Gebäudes. Offenbar war der Moschee eine Medrese, eine islamische Lehranstalt, angeschlossen. Junge Männer mit langen Kaftanen und Bärten liefen über den Innenhof und verschwanden in den kleinen Studierzellen. Ich fragte mich, was sie hier lernen würden. Mathematik, Philosophie, Geschichte? Oder ausschließlich die Suren des Korans, weil es nichts Wichtigeres gab als das einmal und für alle Zeiten geweissagte Wort Gottes? Wilde Rosen glänzten in der Sonne, das Brunnenwasser plätscherte, und ich hörte die Stimmen einer leisen Disputation. Worüber sprachen die jungen Männer? Über den Koran? Den Stundenplan oder die Brotpreise? Gerne hätte ich im Innenhof der Moschee noch ein wenig verweilt, nachgedacht oder geschrieben, doch dem Ungläubigen war an diesem Tag nur ein kurzer Besuch gestattet. Schon nach einer Viertelstunde wurde ich wieder vor die Türe gesetzt. Anatol hielt die Türe zu seinem Taxi auf, die Pferdedecke lockte, und der Straßenverkehr hatte mich wieder.

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