***
Max fährt zur Lindower Straße. Otto Rasik ist nicht zu Hause, auch in der Henne trifft er ihn nicht an. Also parkt er neben der Garage, in der er den beigen Ford-Taunus mit der Aufschrift MILITARY POLICE und den anderen Veränderungen abgestellt hat. Er hat eine Dose mit Farbe und einen Pinsel dabei, möchte die Buchstaben provisorisch übermalen, um das Auto risikolos zu Jupp Heinzig fahren zu können, damit der es wieder herrichten und Max es dem Auto-Klaffke zurückgeben kann. Die Garagentür ist nicht abgeschlossen, nur angelehnt, Max wundert sich. „Otto, bist du hier?“, ruft er hinein. Aber die Lampe ist ja aus. Max tastet nach dem Schalter, und als die beiden Funzeln flackern, sieht er, dass man ihm das Auto beschädigt hat. Die Fahrertür ist zerbeult, die Windschutzscheibe eingeschlagen und die Aufschrift MILITARY POLICE zerkratzt! Ein Fall für die Kriminalpolizei. Max ruft sie nicht, fegt die Glassplitter vom Sitz, übermalt alles Notwendige, schaut nach der anderen Garage, die er für seinen Handel gemietet hat, findet nichts Außergewöhnliches und fährt den Ford zu Jupp in die Holzhauser. „Kannste was machen?“, fragt Max. „Komm nächste Woche wieder“, antwortet Jupp. „Wenn du’s bis morgen schaffst, kriegste hundert extra.“ – „Übermorgen.“ – „Nicht später“, sagt Max. „Da hat einer was gegen unsere Amis“, sagt Jupp. „Gibt genug Irre in der Stadt“, sagt Max. – „Studenten. Zu meiner Zeit hätte man die ins Lager gesteckt.“ – „Zu deiner“, sagt Max.
Als er wieder das Büro in der Onkel-Tom betritt, sind Carola und ihre Freundin Ruth von einem Einkaufsbummel zurück, haben einen Schwips und reimen Zweizeiler: „Im Ebbinghaus am Walter-Schreiber-Platz, da kenn ich mich aus, da klaut mein Mausespatz.“ Max setzt sich schweigend, die Frauen binden ihm einen Seidenschal um den Hals und tänzeln durch das Zimmer. Max tut so, als würde es ihm gefallen, er ist ja auch froh darüber, dass Carola wieder gut gestimmt ist, greift wie üblich ins Postfach, entdeckt einen Brief aus L.A., reißt ihn auf, liest für sich, während die Frauen weiter albern und nebenan, im Aufenthaltsraum, Samantha-aus-Ohio-Tag gefeiert wird:
Lieber Freund Max!
Ich bleibe noch eine Weile hier, bis Ende April, obwohl ich bis dahin nie und nimmer gesund werden kann. Ich hab’s im Kopf, denk nicht, dass ich verrückt bin. Mein Cousin wollte sich umbringen. Wenn ich meine Uniform sehe, kotze ich. Agent Orange, du hast davon gehört. Steve hat mit dem Zeug die Dörfer zugekackt, auf Befehl. Leider bin ich nicht traurig genug, um entlassen zu werden. Der Seelenmann, der mir helfen will, ist aus Leipzig. Jude und so weiter. Ja, die Zufälle. Besuch seinen Freund in Ost-Berlin, hier die Adresse: Sophienstraße 4. Dr. Paul Bertram. – Sag keinem was.
Frank
Конец ознакомительного фрагмента.
Текст предоставлен ООО «ЛитРес».
Прочитайте эту книгу целиком, купив полную легальную версию на ЛитРес.
Безопасно оплатить книгу можно банковской картой Visa, MasterCard, Maestro, со счета мобильного телефона, с платежного терминала, в салоне МТС или Связной, через PayPal, WebMoney, Яндекс.Деньги, QIWI Кошелек, бонусными картами или другим удобным Вам способом.