So wie Nikolaus Kopernikus und Galileo Galilei es, bereits im Mittelalter, getan hatten. Sie waren die ersten Astronomen, die unser Weltbild über unseren Kosmos, unserem Sein auf der Erde, infolge aufmerksamer Beobachtung nachhaltig veränderten. Mal einen Blick aufs Kleine oder ganz Große werfen, etwas wagen, was noch keiner gewagt hatte, das hatten sie getan.
Das müssen sehr mutige Männer gewesen sein , dachte sich Jonas. Im Mittelalter zu behaupten, dass nicht die Erde, sondern die Sonne, der Mittelpunkt der damaligen Welt ist, grenzte an Gotteslästerung.
Für solche Behauptungen und noch geringere Vergehen, wurden Menschen, als Ketzer und Hexen, von der Inquisition verfolgt und auf dem Scheiterhaufen, als Teufelswerk, verbrannt.
Es entsprach nicht den damaligen Vorstellungen, den Interpretationen der Worte aus der heiligen Schrift, der Bibel. Die Kirche hatte einen gewaltigen Einfluss auf das tägliche Leben. Niemand durfte diese Macht in Frage stellen. Selbst der Reformator Martin Luther, der das neue Testament, aus dem griechischen und hebräischen, in seine Landessprache, ins Hochdeutsche übersetzte, sah sein Lebenswerk gefährdet. Er zog über Kopernikus her und zitierte dazu unbedacht, allzu wörtlich aus der Bibel.
Die Argumentation war immer die gleiche. Es darf nicht sein, was noch nicht gewusst wurde , was nicht sein darf. Das würde die Weltordnung durcheinander bringen, die bestehenden Machtverhältnisse auf den Prüfstand stellen. Das ging soweit, dass die schriftlichen Werke des Galileo Galilei verboten wurden und er selbst, auf den Knien vor der Kirche, den Beobachtungen der tatsächlichen Gesetze des Universum, abschwören musste. Er wurde gezwungen, die Wahrheit zu leugnen.
Wissen ist Macht und damit gefährlich. Die Erde ist eben doch der Mittelpunkt im Multiversum, notfalls mit Gewalt, gegen die Wahrheit. Es ist einfach angenehmer, als privilegierte Machtinstitution im Mittelpunkt zu stehen und das Volk zu beherrschen.
Diese Ansicht, finden wir heute noch, ständig in unserem Alltagsleben, in Politik und Wirtschaft. Die Wahrheit liegt an der Oberfläche, leider trotzdem, tief vergraben.
Wie können wir das ändern? Das ist die zentrale Frage, um des Pudels Kern . Doch dazu später mehr.
Es ist viel passiert, seit dem Mittelalter. Vergleichen wir jedoch gegenwärtig die Weltraumforschung mit der Erforschung unserer Ozeane, so haben wir nicht mal einen Wassertropfen untersucht.
Es gibt mehr als 300 Milliarden Sterne mit umkreisenden Planeten in unserer Galaxie, die wir die Milchstraße nennen. Im gesamten Universum gibt es mehr als 100 Milliarden Galaxien.
Woher wissen wir das? Die Leuchtkraft der Galaxien lässt sich messen, bei Sternen, Planeten und noch viel größeren kosmischen Objekten. Licht wird durch Masse gekrümmt. Diese Krümmung lässt sich hochrechnen. Je mehr Masse, d.h. je mehr Sterne, Planeten und Galaxien sich am Messpunkt befinden, desto größer ist die Krümmung des Lichts, das von diesen Objekten ausgeht.
Die Mathematik, die nur die Wenigsten unter uns je richtig verstanden haben, geschweige denn, sie anwenden werden, ist eine kosmische Wahrheit. Wir können sie nicht erfinden, sie ist bereits da - war immer da gewesen -, und, wir können sie nur entdecken.
Und wie viele Universen gibt es? Neueste Forschungen gehen von einem Multiversum aus, unendlich vielen Universen, die gleichzeitig und nebeneinander existieren.
Die Existenz intelligenten Lebens, außerhalb unserer Erde, ist daher sehr wahrscheinlich. Das beschäftigte Jonas sehr.
Er guckte wieder lange aus seinem Fenster. Dabei wünschte er sich, dass der Tag schnell vergeht.
Morgen, wenn der rote Rahmen die 5 umschließt, gibt es ja den leckeren Apfelkuchen , freute sich Jonas, erwartungsvoll. Er dachte sehr intensiv an den nächsten Tag.
»Jonas, es ist Zeit zum Schlafen.«
Jonas Mutter zeigte eine Karte, die er genau kannte. Die Karte sah er jeden Tag, wenn das Licht abnahm und es dunkel wurde. Das hieß: Augen schließen und schlafen. Und tatsächlich, es war bereits dunkel draußen.
Die Zeit muss heute wohl sehr schnell vergangen sein, oder bin ich in der Zeit gehüpft , wunderte er sich.
Jonas zog sich seinen weißen Pyjama an und legte sich ins Bett. Eingekuschelt in seine Decke, machte er sich immer ganz steif und dann wieder locker, um sich noch mal zu spüren. Schlafes Bruder , ist der Tod. Er schlief dadurch immer schnell ein.
»Jonas, aufstehen«, hörte er seine Mutter am nächsten Morgen rufen.
Edith hielt Ihm eine seltene Karte hin. Auf der war diesmal ein Geschenksymbol abgebildet. Für Jonas war klar: Er kriegt etwas Neues. Für ihn war so etwas immer anstrengend, da Unbekanntes in sein Leben kam. Andererseits waren die Geschenke seiner Mutter meistens interessant. Jonas ging in die Küche und setzte sich auf seinen gewohnten Platz.
»Hier Jonas, dein Geschenk. Heute ist Ostersonntag. Du hast heute Geburtstag. Du bist heute 15 Jahre alt geworden. Pack es aus und guck es an. Mal sehen, ob es Dir gefällt.«
Jonas fing an, den sperrigen Karton von dem bunten Geschenkpapier zu befreien. Er öffnete den Karton und fand darin eine Plastiktüte voller Tonerde.
»Du kannst es anfassen und mit deinen Händen, Figuren oder andere Sachen kneten. Ich zeig' es dir.«
Edith nahm etwas Ton in die Hand und rollte ein Kügelchen. Dann noch eins und noch eins. Die Kügelchen drückte sie dann zu einem Turm aufeinander.
»Siehst du Jonas, es ist ganz einfach und macht Spaß.« Jonas sah aufmerksam zu.
Jonas Mutter hatte diesen Ton zufällig, beim Spazierengehen, von einem fremden Mann bekommen. Der wohnte in der Nähe, im Wald beim Kupferteich. Dieser Fremde war der geheimnisvolle Kauz, der auch mit Oma Else, der Mutter von Jonas verstorbenem Vater, oft gesprochen hatte.
Der Kauz sagte ihr, dass ein Meteoriteneinschlag, vor sehr langer Zeit, die Tonerde-Mischung zustande gebracht hätte. Vielleicht war der Ton etwas Besonderes, auf jeden Fall, war er es nun für Jonas.
»Zimmer« sagte er. Das bedeutete, dass Jonas interessiert war und den Beutel mit Tonerde in seinem Zimmer haben wollte.
»Schön Jonas, ich verstehe. Du magst das Geschenk. Das freut mich sehr.«
Edith platzierte die Tonerde auf Jonas Basteltisch, in seinem Zimmer. Der stand direkt an seinem Fenster, aus dem er so gerne das Wetter und die Sterne beobachtete. Jonas setzte sich dorthin und begann mit seinen Händen in den Ton zu greifen. Je mehr er seine Finger in den Ton steckte und drückte, desto weicher wurde der Ton. Der Ton veränderte sich, bei jeder seiner Berührung, das gefiel ihm.
Er betrachtete seine große Atlanta Wanduhr, die hatte für jede Stunde eine andere Farbe. Die Beobachtung der Zeit faszinierte ihn. Manchmal verging die Zeit ganz schnell, dann plötzlich wieder langsam. Je nachdem wie viel Spaß ihm etwas machte.
Nach kurzer Zeit hatte Jonas einige Kugeln in verschiedener Größe vor sich aufgebaut, er dachte dabei an seinen Vater, Joe. Mit ihm hatte Jonas auch oft tolle Sachen gemacht.
Für Joe war die Arbeit das Salz des Lebens, aber für seinen Sohn hatte er immer Zeit gefunden.
Joe war 2007 bei einem Autounfall ums Leben gekommen. Jonas und seine Mutter hatten den schrecklichen Unfall, wie durch ein Wunder, überlebt. Damals war Jonas 7 Jahre alt gewesen.
Jonas begann aus den vielen Kugeln und Kügelchen eine Figur zu gestalten. Er modulierte noch einen Körper, eine Nase und Ohren dazu, als wenn der Ton ihn dazu beauftragt hätte. Die Anordnung der Kügelchen kam wie vorbestimmt zustande, als wenn sein Schicksal es genauso gewollt hätte.
»Sponk.« kam es Jonas über die Lippen. Seine Figur hatte jetzt einen Namen. Jonas betrachtete seine Tonfigur und musste niesen. Die trockene Tonerde war in seine Nase gedrungen. Er hatte den Ton jetzt nicht nur an seinen Händen. Der Ton war nun Teil seiner selbst geworden, in ihm drin.
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