Wilhelm Koch-Bode - Tonstörungen

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In der Novelle wird – quasi im Zeitraffer – das Leben eines in die Jahre gekommenen Malers aufgerollt. Der Autor spürt den sozialen Einflüssen nach, durch die der Künstler geprägt wurde und die darin gipfelten, dass sich bei ihm eine Redestörung entwickelte. Dieses Manko begleitete seinen Lebensweg von Kindheit an und ließ ihn einerseits schmerzlich an Grenzen stoßen und mit seinem Selbstbild hadern, andererseits aber zu Ausdrucksformen gelangen, die ihm öffentliche Anerkennung brachten. Die Beziehungen des Malers und seine verpassten Chancen werden beleuchtet, wobei der Erzählstrang nicht im Privaten haften bleibt, sondern in Exkursen Einblicke in sein künstlerisches Schaffen bietet. Im Alter muss er sich noch einmal mit dem Phänomen mangelnder sprachlicher Präsenz befassen, weil eine ihm verbundene Person vergleichbare Probleme hat. Er fühlt sich verantwortlich, dem jungen Menschen zu helfen, wobei ihm aufgrund seiner Lebenserfahrung Strategien einfallen, die ausprobiert werden. Örtlich wird ein Bogen zwischen Hamburg und Paris, zeitlich zwischen den spießigen 1950er-Jahren und dem leichtfertigen Jetzt geschlagen.
Personen und Handlung sind frei erfunden. Übereinstimmungen mit der Wirklichkeit wären zufällig.

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Nähert sich Rudi, hört auf zu grinsen, fährt den linken Arm aus, vorn die Pistolenhand, zielt auf Rudis Stirn, bewegt den Schädel: langsam nach links, langsam nach rechts, langsam nach vorn. Rudi sitzt stocksteif, blickt in schmale Augenschlitze. Die Hand schnellt vor, vorn die schwarze Fingerspitze, landet zwischen den Brauen.

Rudi fühlt Druck, der nach unten schwappt. Droht, die Blase zu sprengen. Oh nein, nicht sowas! -

Vorbei, gerettet, vorerst. Nur dies noch: Den Stups der Fingerkuppe fühlen, die schmierige Drehung, den feuchten Abrieb. Fräulein Hartmann krümmt den Finger. Der Nagel kratzt. „Dämelack“, zischt es, „Trottel, Tölpel!“ Feuchter Sprühstoß aus der schrundigen Mundspalte. Ein Schub fauligen Atems.

Rudi fährt zurück, fängt an zu würgen. Oh nein, nicht sowas! -

Vorbei, gerettet, für den Moment. Oh nein, jetzt bloß nicht anfangen zu weinen! - Vorbei, gerettet, für heute. Fräulein Hartmann grinst. Wendet sich ab. Endlich. Setzt sich in Bewegung. Breit, schwer. Erreicht das Waschbecken. Spült den Finger.

Mit rotem Gesicht sitzt Rudi da, den Kopf kurz vorm Zerplatzen wie ein zu stramm aufgeblasener Luftballon. Er atmet schwer, muss mit Gewalt an sich halten. Ach, hätte er doch den Mut aufzuspringen, hinzulaufen und der Hartmann ins Gesäß zu treten. Oder in die Waden, damit sie in den Knien einknickt und mit dem Schädel auf den Rand des Waschbeckens kracht. Oder ihr etwas hinterherzuwerfen - das Schreibetui, das Rechenbuch oder - noch besser - den ganzen Schulranzen. Ob er dann wohl ins Gefängnis müsste? Oder in die Erziehungsanstalt? Ach, hätte er doch den Mut, sie wenigstens anzuschnauzen: ‚Sie alte Hexe, Sie! Sie gemeines Biest, Sie! Sie dumme Sau, Sie! Sie fieses Schwein. Sie! Sie blöde Ziege, Sie! Sie doofe Kuh, Sie! Sie dämliches Trampeltier, Sie! Sie hässliches Miststück, Sie! Sie Scheusal, Sie!‛ Oder noch viel Schlimmeres, sowas wie er auf der Straße gehört hatte.

- Vorbei, ungenutzt, vorerst. Sie dreht sich um. Schiebt die Zunge vor. Dick, purpurrot. Leckt entlang des Fingers. Einmal innen, einmal außen. Grinst. Macht die Dose zu. Hebt sie hoch. Alle sehen die Schrift: Erdal in fetten Lettern, darüber den roten Frosch. Grinst wieder. Hält den Kopf schief. Zieht die Unterlippe ein. Große gelbe Zähne legen frei. Streicht mit der Fingerspitze über den Deckel. Ganz zart. Legt die Dose in die Schublade. Nickt zufrieden. Schrilles Klingeln vom Flur. Für den Rest des Schultages sitzt der Schmierfleck auf Rudis Stirn, darüber die verblassende Kratzspur.

Immer wieder schossen ihm Bilder durch den Kopf: Die Mutter - von Husten geschüttelt, nach Luft schnappend. Das Schlimmste war, ihr nicht helfen zu können, in der Schule festzusitzen. Dass die Luftnot sie nur außerhalb der Wohnung überkam, war ihm nicht klar. Manchmal stahl er sich in der Pause vom Schulhof. Lief einfach nach Hause. Setzte sich herzklopfend über die Ordnung hinweg. Ließ den Tornister stehen. Musste dringend nachsehen, ob es der Mutter gutging. Nachmittags holte sie dann mit ihm die Schulsachen ab. Kein Mensch hatte ihn vermisst.

Einmal kam die Hartmann zu den Schuberts nach Hause, setzte sich breit auf einen Stuhl, guckte irgendwie wichtig, fingerte in ihrer Henkeltasche, zog ein Schulheft heraus und legte es geöffnet auf den Esstisch. Rudis Diktate, alles über und über rot, zwanzig oder mehr Fehler angestrichen. Frau Schubert seufzte, nahm diese Offenbarung aber nicht besonders tragisch: „Nun ja, Fräulein Hartmann, Rudi hat doch gerade genug zu tun mit dem Wechsel von links nach rechts … beim Schreiben. Ich versteh‘ ja, dass er sich umgewöhnen soll. Was muss, dass muss. Aber muss ein Linkshänder damit denn nicht erst einmal zurechtkommen? Das mit den Fehlern … ach, das gibt sich doch.“ „Oh nein, Frau Schubert, seine Umerziehung, bei der Rudi sich übrigens unglaublich linkisch anstellt, hat damit rein gar nichts zu tun, wirklich nicht. Aber Kinder, die mit links zu schreiben anfangen, sind von vornherein weniger intelligent, müssen Sie wissen. Das ist nämlich erwiesen, tatsächlich. Im Rechnen, sehen Sie, ist er ja auch schwer von Begriff, allerdings. Viel zu langsam, muss man sagen. Wie sich zeigt, ist Rudi leider ein schwacher Lerner, ja. Wenn er nicht bald Lesen und Schreiben lernt und sich mit Zahlen weiterhin so schwertut, muss er auf die Hilfsschule, wirklich.“

Herr Schubert sitzt mit versteinerter Miene. Nimmt das Heft auf, wirft einen Blick hinein, klappt es zu, reicht es der Hartmann. Richtet sich im Stuhl auf, kerzengerade der Rücken, der Blick kalt auf die Besucherin gerichtet, schneidend die Stimme: „Wie bitte, Fräulein Hartmann? Lernschwach? Hilfsschule? Rudolf? Ein Schubert? Ach was - völlig undenkbar! Kommt nicht in Betracht! Schwer von Kapee, wie Sie meinen? Ach was - eher abwartend, vielleicht etwas sperrig. Von fehlender Intelligenz kann ja wohl nicht die Reden sein, nur weil er sich ein bisschen bedeckt gibt und nicht bereit ist, alles an sich heranzulassen. Das kann - für sich genommen - eine kluge Strategie sein, die ihm, wie sich zeigt, leider nicht bei dieser Art von Beschulung dient. Da fehlen jetzt ein paar offensive Ansätze, wissen Sie.“ Und dann - freundlicher: „Also, ich nehme die Sache nun selber in die Hand … werde mir ein passendes strategisches Konzept einfallen lassen … werde geeignete Maßnahmen ergreifen. Sowas kann keine große Sache sein, nein, wirklich nicht. Verbindlichsten Dank für die Meldung, Fräulein Hartmann.“

Schon am nächsten Tag stand der Plan, nach dem Rudi ab sofort unterwiesen wurde: Zügigen Schrittes eilte Herr Schubert mit ihm durch Eimsbüttel und ließ ihn dabei alles, buchstäblich alles entziffern, was am Wege lag - Firmennamen, Straßenschilder, Praxisschilder, Werbung in Schaufenstern, Aushänge im Kino, Texte auf Plakaten, an Litfaßsäulen, Beschriftungen an Fahrzeugen. Wenn zwischendurch länger keine größeren Schriftzüge zu sehen war, mussten es auch schon mal die Namen auf Briefkästen oder Klingelschildern in Hauseingängen sein. Rudi schlug vor, sich auch die zahlreichen Kritzeleien und Schmierereien an Hauswänden vorzunehmen, doch Schubert winkte ab: „Schwachsinniges Zeug.“ Jeden späten Nachmittag, wenn er von der Oberpostdirektion, Rudi vom Wasserspringen oder Turnen zurück war, ging die Tour los. „Unser Erkundungstrupp macht sich jetzt auf ins Gelände“, sagte der Vater gern. „Rudi, du bist der Späher“, hatte er ihn eingewiesen, „der alle Wörter mit scharfem Blick einfangen muss. Keins darf dir entwischen, klar? Und dann - dann lässt du sie durch die Lippen wieder frei, klar?“

Zu Beginn der Schulung war der Junge quasi noch wie ein Stück trockenen Torfes - Torfkopf, das sagte die Hartmann manchmal zu ihm -, auf den die Buchstaben wie Regentropfen niedergingen, einsickerten und tief unten die schlummernden Keime nässten. Dann stießen die ersten Triebe ans Licht, - grazile, aber zähe Birken als Pioniere vorweg - nahmen ihre Gestalt an wie fertige Wörter. Zuerst unterschied Rudi nur Buchstaben, erkannte dann Aneinanderreihungen, die Sinn ergaben, war damit schon beim Wort und flugs beim Satz. Alle fünfzehn Minuten machte Herr Schubert halt und hielt Rudi ein Klemmbrett hin, auf dem er die erspähten Schriftgebilde notieren musste. Nach exakt neunzig Minuten beendete er den Fußmarsch. Zuhause gab es zum Abschluss noch ein Diktat mit dem neuen Vokabular. Diese Streifzüge machten Rudi richtig Spaß. Eine spannende Suche war das, genauso schön wie Pilze sammeln mit dem Opa. Oft durfte er sich am Kiosk eine Kleinigkeit aussuchen. Natürlich nicht, ohne vom Nappo, Brausepulver oder Kaugummi die Aufdrucke auf der Verpackung entziffert zu haben. Frau Schubert ging jede Woche mit ihm in eine Buchhandlung, wo er sich immer ein Bilderbuch mit Text aussuchen durfte. Das las er ihr dann vor - sich langsam von Bild zu Bild und von Seite zu Seite vorwagend.

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