Wilhelm Koch-Bode - Tonstörungen

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In der Novelle wird – quasi im Zeitraffer – das Leben eines in die Jahre gekommenen Malers aufgerollt. Der Autor spürt den sozialen Einflüssen nach, durch die der Künstler geprägt wurde und die darin gipfelten, dass sich bei ihm eine Redestörung entwickelte. Dieses Manko begleitete seinen Lebensweg von Kindheit an und ließ ihn einerseits schmerzlich an Grenzen stoßen und mit seinem Selbstbild hadern, andererseits aber zu Ausdrucksformen gelangen, die ihm öffentliche Anerkennung brachten. Die Beziehungen des Malers und seine verpassten Chancen werden beleuchtet, wobei der Erzählstrang nicht im Privaten haften bleibt, sondern in Exkursen Einblicke in sein künstlerisches Schaffen bietet. Im Alter muss er sich noch einmal mit dem Phänomen mangelnder sprachlicher Präsenz befassen, weil eine ihm verbundene Person vergleichbare Probleme hat. Er fühlt sich verantwortlich, dem jungen Menschen zu helfen, wobei ihm aufgrund seiner Lebenserfahrung Strategien einfallen, die ausprobiert werden. Örtlich wird ein Bogen zwischen Hamburg und Paris, zeitlich zwischen den spießigen 1950er-Jahren und dem leichtfertigen Jetzt geschlagen.
Personen und Handlung sind frei erfunden. Übereinstimmungen mit der Wirklichkeit wären zufällig.

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Mit den Eltern über seine Nöte zu reden, wäre Rudi zu peinlich gewesen. Dann hätte er sich auch noch vor denen schämen müssen. Außerdem sah er nicht, wie sie für Abhilfe sorgen könnten. Herrn Schuberts Kommentar konnte er sich vorstellen: „So etwas gibt es nicht! Du musst dich zusammenreißen! Wir üben das. Ich überlege, wie du zu einem kraftvollen, energischen Tonfall kommst. - Ja, wir fangen mit Kommandos an. Erster Zug, Stillgestanden! Augen - rechts! Die Augen - links! Sprung auf, Marsch, Marsch! Auf die Plätze - Fertig - Los! Dann sagst du das Wetter an, dann sprichst du Nachrichten, dann tust du so, als ob du auf dem Fischmarkt frische Fische verkaufst, dann trägst du Gedichte vor, zwischendurch Schnellsprechen mit Zungenbrechern. ‚Fischers Fritze fischt frische Fische‛, frische Fische fischt Fischers Fritze‛, ‚Blaukraut bleibt Blaukraut und Brautkleid bleibt Brautkleid‛ und so weiter. Sollst sehen - schon bald präsentierst du dich einwandfrei.“

Frau Schubert würde sich anders äußern: „Wir gehen zu einem HNO-Arzt. Der soll mal gucken, ob im Hals alles in Ordnung ist. Bis dahin sagst du einfach, du hättest Stimmprobleme, Ursache unklar. Man möge dich vorübergehend entschuldigen. Dein Vater schreibt dir was auf.“ Vielleicht würde sie sogar auf ein seelisches Problem tippen und mit ihm zu einem Nervenarzt wollen. Wahrscheinlich nähme sie sich vor, gleich am nächsten Tag in die Schule zu gehen und mit dem Klassenlehrer zu reden. Das ließe sich allerdings Herr Schubert, wenn denn schon die Eltern sich einmischen sollten, nicht nehmen. Natürlich ginge er hin und hätte einen Vorschlag parat: Rudolf müsse abgehärtet werden. Man möge doch arrangieren, dass ihm in jeder Stunde - mit kurzen Passagen beginnend, die dann immer länger werden müssten - ein mündlicher Beitrag abverlangt würde. Also beginnend mit einem lauten Wort, dann zwei, dann drei und immer so weiter. Binnen kurzem werde er die Sache dann im Griff haben, das heißt, eines anständigen stimmkräftigen, langen Redeflusses mächtig sein. Nein, davon, elterliche Aktivitäten in Gang zu setzen, versprach Rudi sich gar nichts. Im Gegenteil: Alles würde nur hochgespielt. Alle würden noch mehr auf ihn gucken. Nein, da musste er alleine durch.

Weil er in Sport auf Zack war, hielt man ihn in der Schule allerdings nicht gänzlich für einen Versager. Der Drill im Verein ließ ihn in der Turnhalle glänzen, die Vorsprünge beim Wettlaufen und Wettschwimmen waren nicht zu toppen, Salti und Schrauben vom Dreier konnte sonst niemand. Beim Sportfest schnitt er immer mit der höchsten Punktzahl ab. Kaum jemand von den anderen Jungen kriegte die Heuss-Urkunde. Bei den Mädchen nur Sybille, Rollschuhläuferin und Hockeyspielerin, die ihm zugetan war. Jedenfalls so, dass sie begonnen hatte, sich mit ihm im Park herumzudrücken, wenn beide von ihren jeweiligen Trainings kamen. Niemand wusste davon und Sybille war auch ängstlich darauf bedacht, dass es so blieb. Rudolf ahnte, dass es ihr peinlich wäre, privat mit ihm gesehen zu werden, quasi mit ’nem Sprachkrüppel. Nach ein paar Monaten sagte Sybille ihm, dass es vorbei sei. Sie mache, wie er ja wisse, neuerdings Paarlauf und ginge nun mit ihrem Partner, wenn er verstehe. Oh ja, Rudolf verstand - adieu, stilles Klavier. Sorry - neben mir, der Rollschuhprinzessin, bist du in der Öffentlichkeit nicht präsentabel.

Natürlich hatte Rudolf das Wohlwollen des Sportlehrers. Und in Kunst fielen seine Arbeiten auf. Die präzise gestochenen Linolschnitte begeisterten den Kunsterzieher. Ebenso die Zeichnungen, in denen Rudolf Gegenstände und Alltagssituationen, die als solche nicht sonderlich aufregend waren, mit kraftvollem, dabei lässigem Strich so aufs Blatt warf, dass sie als etwas faszinierend Neues hervortraten. In seinen abstrakten Bildfindungen kontrastierte er gern strenge, kristalline Formen, betont durch harte Konturierungen und kraftvolle Farbakzente, mit fein gesprenkelten, getupften und melierten Segmenten, die organisch wirkten. Grob versus zart also, und genau darauf beruhte die spannungsgeladene Atmosphäre der Bilder. Figurative Darstellungen realisierte er mit gewollt flüchtigem Duktus, der sich darin ausdrückte, dass er konsequent kantige Elemente setzte, deren Striktheit er dann allerdings durch spielerische Pinselspuren und luftige Tupfungen auflockerte. Der Lehrer hängte ein mit Deckfarben gemaltes Bild gerahmt in den Flur, Format DIN A2:

Ein kubistischer Kaktus in differenzierten Blautönen steht auf rostroten, zerklüfteten Erdschollen vor rotviolett flimmerndem Horizont, darin die Sonne als schwarzes Parallelogramm. Der Lichtschein ist in radikaler Abstraktion durch sieben dünne, von gelb nach grellrot changierende Stäbe dargestellt worden, die sich von schräg oben kommend in den Wüstenboden bohren. Von den Stachelspitzen des Gewächses, dort wo sie von den stilisierten Sonnenstrahlen gestreift werden, haben sich grüne Spritzer und Tropfen gelöst. Betitelt hatte Rudi das Bild mit ‚Fluchtort‘.

Aber diese kleinen Erfolge reichten nicht aus, um sich nicht wie ein … wie ein … ja, wie ein Köter zu fühlen, den niemand will. Mehr als einmal nahm er morgens vor der Schule zwei, drei kräftige Schlucke aus einer Flasche im Barfach des Sideboards oder spülte im Bad eine oder zwei der grünen Pillen seiner Mutter hinunter. So benebelt schlüpfte es sich leichter durch die grässliche Schulpforte, aber wenn es hieß, „Rudolf, was sagst du dazu? Rudi, sag die nächste Strophe auf! Rudolf, lies weiter!“, riss der Nebel auf und er stand vor dem Abgrund. Hätte es den tatsächlich gegeben - er wäre glatt hineingesprungen anstatt sich durch Wortgebilde zu kämpfen.

Die Lehranstalt - mit allem, buchstäblich allem, was dazugehört - war der scheußlichste Ort, den Rudi bisher gesehen hatte. Wie in einen proppenvollen Hühnerstall gesperrt, in dem sich das Federvieh dicht an dicht drängt, aufgeregt flattert und pickt, während Hähne gebieterisch krähen. Zum Reden gedrängt, zum Singen gezwungen, vom Lärm gereizt, von rauen Tönen abgestoßen, vom ruppigen Geschubse genervt, von der Hartmann und den Leuten ihres Schlages angewidert. Verwirrend, nicht mit links schreiben zu dürfen. Peinlich, mit Buchstaben nicht klarzukommen. Beschämend, sich mit Zahlen schwerzutun. Jeden Tag fühlte er sich wie ein Tier im Käfig, das aber, anders als die ahnungslose Kreatur, sehenden Auges hineintappen muss. Gut, die Art, leise zu sprechen und mit Worten zu sparen, war ihm ja immer schon zu eigen gewesen - nicht gut, klar. Aber hier, in dem derben Milieu, wirkte sie sich geradezu verheerend aus. Die vorherrschende Denke über stille Typen ist ja eher die: Der? Das ist ’n Langweiler, mit dem kannst‘ nix anfangen. Der? Den kannst‘ doch knicken … in der Pfeife rauchen. Oder so ähnlich.

Schwarzer Peter

Schlimm, sich Tag für Tag vor Wettbewerben zu grausen: In jeder Ecke ein Kind. Die Hartmann kommandiert: Sieben plus acht plus drei minus zehn ist gleich?! Wer als Erster ‚acht‛ kräht, rückt eine Ecke weiter. Sieben mal vier plus zwei geteilt durch drei ist gleich?! Sechs mal neun minus sechs geteilt durch vier ist gleich?! Wer am schnellsten ‚zehn‛ brüllt, wer am schnellsten ‚zwölf‛ schreit, rückt eine Ecke weiter. Gewonnen hat, wer zuerst wieder in seiner Ecke ankommt. Der Letzte steht mit gesenktem Kopf. Oder so etwas: Alle müssen aufstehen. Fräulein Hartmann kommandiert: Sechzehn plus siebzehn, neunundvierzig minus achtzehn, neun mal sieben, dreiundsechzig geteilt durch neun. Wer zuerst brüllt, darf sich setzen. So geht es weiter, einer bleibt übrig. Das ist der Schwarze Peter. Oft trifft es Rudi, als Letzter zu stehen. Alle gucken und lachen.

Dann grinst Fräulein Hartmann. Langt in die Pultschublade. Hält eine kleine Blechdose hoch. Flach, rund, schwarz und rot. Hebt langsam den Deckel ab. Führt ihn wie ein Monokel zum Auge. Alle sehen die Schrift darauf: Erdal in fetten Lettern, darüber den roten Frosch. Sie legt den Deckel ab. Kippt den Dosenkörper in die Vertikale. Alle sehen den Inhalt - tiefschwarz, glänzend. Hebt den rechten Zeigefinger. Stößt ihn in das Gefäß. Lässt ihn kreisen. Zehn Sekunden. Grinst breiter. Zieht den Finger langsam aus der Dose. Streckt ihn hoch in die Luft. Alle sehen die Fingerkuppe - dunkel, feucht schimmernd. Fräulein Hartmann setzt sich in Bewegung. Breit, schwer.

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