Zum Ergebnis kam ich erst, als ich zu Hause versuchte, einen erholsamen Schlaf zu finden. Es war sehr ernüchternd, aber auch zufriedenstellend. Denn die vier Männer hatten nur an sich gedacht, er hatte gewartet und beobachtet, um mir dann auch etwas zu geben sowie etwas zu bekommen. Diese Erkenntnis bestärkte mich in dem Glauben, dass Männer es auch verdienen, man muss nur die richtige Möglichkeit schaffen. Ich traf ihn zu fortgeschrittener Stunde an der Bar wieder, keiner erwähnte auch nur mit einem Wort dieses Erlebnis. Ich habe ihn nach Jahren im Club wiedergetroffen und meinem damaligen Begleiter mit den Worten, das sei ein Frauenversteher, vorgestellt.
Bei anderen Gelegenheiten habe ich auch die Bekanntschaft der gleichgeschlechtlichen Sexualität machen können. Dabei musste ich für mich feststellen, dass ich kein Problem habe, wenn sich eine Frau an mir verlustiert. Andererseits konnte und kann ich eine Frau nicht berühren und dabei Lustgefühle entwickeln. Sicher weiß ich, wie ich eine Frau befriedigen könnte, was ich auch schon im Affekt und im Frust getan habe. Aber auf der anderen Seite kann ich den Geruch einer Frau nicht ertragen sowie ihre weiche glatte Haut. Selbst wenn eine Frau mich anfasst und dann auch weitergehen möchte, brauche ich einen Mann an meiner Seite. Der bekommt dann auch meine ganze Aufmerksamkeit sowie Zärtlichkeit. Was die Frau dabei tut, ist mir in dem Moment eigentlich egal, Hauptsache, sie tut das Richtige.
So vergingen die Monate, ich schrieb immer noch mit vielen neuen und alten Bekannten im Flirtchat. Man traf sich, ging gemeinsam in den Club oder in die Disco. Ich lernte noch einige junge Männer kennen. Bei einem meiner wiederholten Nachtclubbesuche traf ich die beiden schon erwähnten jungen Männer wieder. Sie hatten sich in dieser kurzen Zeit zu ihrem Vorteil verändert. Den Jüngsten von beiden hatte ich erst gar nicht wiedererkannt, weil er seine Haare auf meinen damaligen Wunsch hin doch verändert hatte. Wir tanzten und philosophierten viel, sie äußerten immer wieder den Wunsch, mich näher kennenlernen zu wollen. Ich war wie stets mit meinem bekannten Bodyguard unterwegs und fragte ihn vorsichtig, was er von dieser Einladung halten würde. Er sagte nicht sofort nein, das kannst du nicht machen, im Gegenteil. Er beruhigte mich und meinte, ich schau sie mir mal näher an. Nach einer Weile kam er wieder und sagte nur einen Satz. Es ist deine Entscheidung, sie scheinen in Ordnung zu sein. Gut, dachte ich, schauen wir mal, wie ernst sie es wirklich meinen.
Zu vorgerückter Stunde, sie waren mir die letzte Stunde nicht von der Seite gewichen, fragten sie mich noch einmal sehr nett, ob ich denn mal Lust auf zwei junge Männer wie sie hätte. Irgendwie reizten sie mich, ich wollte es wissen, ob es so ist, wie man erzählt. Ich verabschiedete mich von meinem Bodyguard mit der Auflage, mich sofort zu melden, wenn ich Hilfe brauchte. Ein Taxi hatten die beiden Jungs schon bestellt. An einem Geldautomaten machten sich beide wieder flüssige, dann ging es in eines der drei Hotels in der Stadt. Der Ältere von beiden bezahlte ohne zu murren das Zimmer, während wir am Fahrstuhl warteten. Das Zimmer war klein aber ausreichend. Jeder kultivierte sich, ich war die Letzte, und als ich aus der Dusche kam, ging ein Staunen über die Gesichter der Jungs. Der Ältere von beiden war am aktivsten und versuchte zuerst sein Glück, mich zu befriedigen. Ja es war schön, zwei so junge gut riechende und gepflegte Männer berühren zu dürfen und von ihnen sehr zärtlich, nur wenig fordernd, berührt zu werden. Ich weiß, es war Schwerstarbeit für die Jungs, die Zeit und der Mut-Alkohol waren nicht unbedingt förderlich für ihr Stehvermögen. Der Ältere von beiden ermüdete dann auch sehr schnell, rollte sich ab und überließ das Terrain und die Arbeit seinem jüngeren Freund. Aber auch er hatte keine Kondition mehr und beiden war der Schlaf näher als die Lust.
Ich entwand mich aus diesem Knäuel, ging duschen, zog mich an, räumte noch die herumliegenden Sachen auf, gab beiden einen Kuss auf die Stirn und verließ auf leisen Sohlen das Zimmer. Innerlich freute ich mich, wenn sie erwachen würden, ob sie überhaupt wussten, wie sie in dieses Zimmer gekommen waren. Ich habe sie auch nie wiedergesehen, aber ich vermute mal, ich habe nicht den schlechtesten Eindruck bei beiden hinterlassen. Es war inzwischen ein sonniger lauwarmer Sonntagmorgen. Ich schlenderte mit einem Schmunzeln im Gesicht die Einkaufsmeile Richtung öffentliche Verkehrsmittel entlang, und fühlte mich zwar etwas müde, aber auch putzmunter und war mit mir absolut zufrieden. Ich durfte und konnte noch einmal diese Mann-Mann-Frau-Erfahrung machen oder nachholen, aber auch feststellen, dass es nicht meine Fantasie war.
Die Fantasie gaukelt einem sowieso vieles vor, was in der Realität sich dann ganz anders anfühlt. Auch sexuelle Erfahrungen mit Bi-Männern gehören dazu. Immer glaubte ich, sie bevorzugen Männer, deshalb verwarf ich den Wunsch auf Kennenlernen. Ich konnte mir nicht vorstellen, mit einem Mann zusammenzusein, der auch mit Männern sexuellen Kontakt hat. Ich verurteilte sie nicht, aber mein Verstand sagte ständig Nein. Trotzdem habe ich so eine sexuelle Erfahrung mit einem Bi-Mann aus Frust und Enttäuschung einmal zugelassen. Es ergab sich, dass ich für ein anderes Date ein Hotelzimmer gebucht hatte, der Termin aber so kurz war, dass ich noch Zeit hatte, das Zimmer ausgiebig zu nutzen. Die Wochen und Tage zuvor hatte mich ein damals 21-jähriger Bi-Mann immer wieder angeschrieben, wollte mich mal sehen und sexuell verwöhnen. Er sah sehr gut aus, groß, hellblaue Augen und für seine Jugend schon eine sonore Stimme, wo Frau Gänsehaut bekommt. Ich weiß noch, wie erschrocken ich bei unserem ersten Telefonat war und eine tiefe Stimme „Hallo“ ins Telefon hauchte. Verdammt, dachte ich, das gibt es doch nicht, da ist bestimmt der Vater dran, oder ich habe mich verwählt. Aber nein, er war es, was sich im späteren Gespräch herausstellte. Wir verabredeten uns nur auf einen Spaziergang am Fluss. Er war pünktlich und ich verlegen und verwirrt. Wir konnten uns gut unterhalten, er war für sein Alter sehr reif. Als wir uns freundschaftlich verabschiedeten, sagte ich noch einmal eindeutig, ich kann mir nicht mehr vorstellen. Es hatte sich wieder meine Ratio eingeschaltet. Aber die Neugier, wie er wohl unter seiner Kleidung aussah, blieb. An solchen Betrachtungen habe ich schon früh erkannt, dass ich sehr visuell fixiert war. Nur auf den Funken musste ich noch zwei Jahre warten.
Ich lag auf dem Bett in diesem Hotelzimmer und überlegte, was ich mit der mir noch verbliebenen Zeit anfangen sollte. Ich griff zum Handy und rief ihn an. Er war auch sofort am Apparat. Ich sagte nur, du hast heute und jetzt die Chance mich kennenzulernen. Ich bin da und da. Er lachte, meinte beiläufig, dass er irgendwo in der Pampa mitten in einer Biker-Veranstaltung wäre, getrunken hätte, und nicht mit dem Motorrad fahren könnte. Ich, dann ruf dir ein Taxi, heute oder nie. Noch während ich mit ihm sprach, hatte er sich auf den Weg Richtung Straße gemacht. Ich gab ihm die Adresse und eine Zeitspanne vor, die ich warten wollte, danach würde ich gehen.
Es verging nur die Hälfte des offenen Zeitfensters, und es klopfte an der Tür. Mein Herz klopfte genauso aufgeregt. Ich öffnete, und er stand in seiner Motorradkluft vor mir. Er umarmte mich und er roch gut nach einem herben Eau de Toilette, vermischt mit dem Duft der Lederkleidung, nach Zigarette und ein ganz wenig nach Alkohol. Es war betörend. Für mich sind es die männlichsten und animalischsten Düfte, vermischt mit dem männlichen Pheromon, die es gibt. Meinen Wunsch, diesen Duft nicht zu beseitigen, tat er mit einem Lächeln ab und verschwand in der Dusche.
Es war schön, er war ein sehr zärtlicher und hingebungsvoller junger Mann. Nach Mitternacht verließen wir das Hotel und fuhren gemeinsam mit dem Taxi nach Hause, wo er mich unterwegs absetzte. Wir haben uns in den späteren Jahren nur noch auf geschäftlicher Ebene getroffen, da er danach eine Freundin hatte.
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