Die Perspektiven eines wirklich neuen Denkens sind angesagt und Johanna Kamermans macht dies immer wieder deutlich in ihrem Wirken.
Im Laufe der Zeit hat sich allerdings herausgestellt, dass dieses Bemühen, die gemachten Erfahrungen und daraus gewonnenen Erkenntnisse im sachlich-wissenschaftlichen Sinne zu vertiefen, sehr oft zu einer gewissen Überforderung der Aufnahmebereitschaft führt: Oft fehlt auch das erforderliche Grundwissen bzw. die Geduld davon Kenntnis nehmen zu wollen, sei es von betroffener, sei es von interessierter Seite.
Andererseits hat sich auch gezeigt - nicht zuletzt aus der Vortragstätigkeit der Autorin - dass jedoch einzelne, spezielle Transsexualitäts- bzw. Geschlechtswechsel-Thematiken, hervorgehoben aus der Vielfalt aller zur Verfügung stehenden Informationen, durchaus reges Interesse hervorrufen. Einzelne Geschlechtswandel-Thematiken, hervorgehoben aus der Vielfalt aller zur Verfügung stehenden Informationen, vermögen jedoch durchaus zu interessieren. Aus dieser Perspektive sind die nachfolgenden Vorträge entstanden:
„Transsexualität: Ein kultureller Vergleich"
"Transsexualität im kulturellen Vergleich“
„Alternative Geschlechter in indianischen Kulturen - Integration statt Ausgrenzung"
„Mythos Kastration“
„Natur und Geschlechtswechsel - Von der Daphnia zur Luftgängerin“
„Gene und Meme - Evolution in Natur und Kultur“
„Transgender gestern und heute“
Eine vereinfachte populär-wissenschaftliche Darlegung gewisser geschichtlicher bzw. biologischer Grundlagen vermag das Ganze offensichtlich wesentlich besser zu erhellen - Schwerpunktsetzung statt Informationsflut sozusagen..
Aus dieser Perspektive sind die nachfolgenden Vorträge/Abhandlungen entstanden:
Transsexualität: Ein kultureller vergleich
Vortrag Paul-Gerhard-Kirche in Köln anlässlich der Photographie- und Texteausstellung „Im falschen Körper – Transsexuelle Menschen in Deutschland“ von Daniel und Geo Fuchs, 1997, 40 S.
Transsexualität im kulturellen Vergleich
Vortrag Akademie der Künste Berlin, Neue Gesellschaft für Bildende Kunst NGBK Berlin,1997, 22 S.
Alternative Geschlechter in indianischen Kulturen - Integration statt Ausgrenzung
Vortrag Dialog zwischen den Kulturen Berlin, 1997, 15 S.
Mythos Kastration 1998 , 36 S.
Natur und Geschlechtswechsel - von der Daphnia zur Luftgängerin 1998, 47 S.
Gene und Meme - Evolution in Natur und Kultur 1998, 36 S.
Transgender gestern und heute
Vortrag und Gespräch mit Johanna Kamermans am Freitag den 17.06.2005 im Bürgerhaus Stollwerck Köln, 29 S.
Es ist der ausdrückliche Wunsch der Autorin Johanna Kamermans, dass diese Themen-Sammlung dazu beitragen wird, die derzeitige Transsexualitäts- und Geschlechtswandlungs-Problematik wieder auf den Boden der Tatsachen zu stellen. Die Zeiten ändern sich!!
TRANSSEXUALITÄT: EIN KULTURELLER VERGLEICH“
Vortrag und Gespräch mit Johanna Kamermans am 29.01.1997 in der Paul-Gerhardt-Kirche in Köln, anläßlich der Photographie- und Textausstellung "Im falschen Körper - Transsexuelle Menschen in Deutschland" von Daniel und Geo Fuchs.
Guten Abend: mein Name ist Johanna Kamermans, ich komme aus Berlin, erlebe mich selbst - und das seit bald 25 Jahren - als transsexuell und werde - im Rahmen dieses Vortrags - versuchen Geschlechtswandel - Phänomene in anderen Kulturen, Zeiten und Sozialstrukturen zu beleuchten - allerdings nur ansatzweise, da diese Thematik derart vielfältig ist, daß man darin regelrecht versinken kann.
Meine beiden Sachbücher "Mythos Geschlechtswandel" (1992) und "Künstliche Geschlechter" (1995) bilden die Grundlage für die kommenden Ausführungen - allerdings bieten beide Bücher an sich auch nur wieder eine grobe Übersicht. Das auf die Geschlechtswandel - Thematik abzielende Quellenmaterial ist hierbei schier unerschöpflich, vor allem um die Jahrhundertwende gab es unendlich viele Publikationen. Als Beispiel der aktuellen Vielfalt der genannten Thematik sei an dieser Stelle noch verwiesen auf die von der Berliner Buchhandlung Prinz Eisenherz regelmäßig veröffentlichte Auswahlliste der lieferbaren Bücher zum Thema Transsexualität/Transvestitismus - die Liste vom 07.02.1996 weist 126 Titel aus. Und täglich werden es mehr.
Zum Vortrag selber sei noch gesagt, daß hierfür ca. 1 1/2 Stunden vorgesehen sind und anschließend eine Diskussion zur vorgestellten Thematik stattfinden wird. Aus diesem Grunde bitte ich Sie, sich den Vortrag erst mal anhören zu wollen und diesen - des "Roten Fadens" wegen - nach Möglichkeit nicht zu unterbrechen. Bitte, notieren Sie Ihre Fragen und stellen Sie dieselben in der darauffolgenden Diskussion: ich bin mir sicher, daß wir auf dieser Art und Weise einen für beide Seiten überaus interessanten Gedankenaustausch haben werden. Besten Dank in voraus für Ihr Verständnis - auf geht's!
Vorweg eine kurze Zusammenfassung der zu behandelnden Thematik. Es wird dabei versucht ein Panorama unterschiedlichster Geschlechtswandelphänomene aufzuzeichnen, angefangen bei solchen im Rahmen der vorderasiatischen Fruchtbarkeitskulten der Bronzezeit, der "androgynischen Idee des Lebens" in der Antike sowie des Eindeutigkeitsdenkens späterer monotheistischer Religionen. Weitere Schwerpunkte bilden das überaus verfeinerte Berdachen - System der nordamerikanischen Urindianer und ein Aufriß Hirschfeldscher Ansätze vor 100 Jahren bis zum gesetzlich kanalisierten Transsexualismus unserer Tage. Hierbei soll nicht unterlassen werden, während des Vortrags immer wieder einen Bezug zur aktuellen Transsexualitäts-Problematik zu finden, denn: "Wer das Alte nicht kennt, kann das Neue nicht verstehen!" So weit, so gut.
Der Titel des heutigen Vortrags "Transsexualität: ein kultureller Vergleich" wirft gleich die Frage auf: "gibt es nur eine einzige, medizinisch und juristisch genau definierbare Transsexualität gar im Sinne eines genau normierten Krankheitsbildes, von wo aus die übrigen Geschlechtsidentitäts-Manifestationen zu beurteilen sind, oder gibt es gar viele möglichen Transsexualitäten bzw. trifft es zu, wie die Frankfurter Seelendoktorin Dr. Inoszka Prehm es formuliert: "Transsexualität hat so viele Gesichter, wie es Transsexuelle gibt"?
Ja, Letzteres trifft den Nagel auf den Kopf und ich kann ihr nur voll beipflichten (es ist dies gleichzeitig auch der Tenor dieses Vortrags), wenn sie in einem Stern-Leserbrief (Stern 24/95) dazu weiter ausführt: "Die einen führen ein glückliches Leben ohne die geschlechtsangleichende Operation und die anderen können ohne die chirurgische Geschlechtsänderung nicht leben". Und ganz wichtig: "Es wäre erstrebenswert, wenn die Betroffenen und die, die sie umgeben, lernen könnten, diese beiden Lösungsmöglichkeiten zu akzeptieren." Eine Aufforderung, wie sie nur allzugern an die diversen Transsexuellen-Selbsthilfe-Gruppen und deren Gurus weitergegeben werden darf - denn nur allzuoft hat sich im Laufe der Zeit herausgestellt, daß dieselben nicht die Lösung des Problems sind, sondern das Problem selber. Leider!
Was ist nun das Kennzeichnende einer (heutigen) Transsexualität? Ich glaube, daß man dies - nach dem heutigen Stand der Erkenntnisse - wohl so formulieren darf, wie dies Dr. Wilhelm Preuss von UKE Eppendorf in Hamburg in einem Hamburger Abendblatt-Interview vom 26./27.06.1993 getan hat:
" Transsexuelle Menschen können ihr Gefühl für sich selbst nicht mit ihrem körperlichen Geschlecht vereinbaren. Ihr Selbstwertgefühl und ihr Selbstvertrauen beruhen darauf, gegengeschlechtlich fühlen und denken, sich gegengeschlechtlich verhalten und äußern zu können. Die Geschlechtlichkeit erhält für die Transsexuellen bzw. deren Selbstbehauptung eine zentrale und existentielle Bedeutung. Oder wie die bekannte Entertainerin Romy Haag es ausdrückte: "Ich bin mit mir nur im Kontakt, wenn ich mich voll und ganz als Frau fühle ".
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