»Nein, aber sie kommt gleich. Sie hat mir vor einer halben Stunde eine Nachricht geschickt«, erkläre ich, lasse das Handtuch, das ich mir umgewickelt hatte, auf den Boden fallen und schlüpfe umständlich in meinen weichen Hausanzug. Er ist blassrosa und mit Einhörnern bedeckt, die über Regenbogen springen. Zu Hause mag ich es gern bequem. Natürlich nicht zu bequem, ich würde ungern auf unsere hochmoderne Küche verzichten - unser Kühlschrank bestellt tatsächlich Milch, wenn sie zur Neige geht - oder die Dachterrasse mit Blick auf London.
»Sie soll mich anrufen«, sagt Lola, bevor sie auflegt.
Ich werfe das Handy auf mein Bett und gehe in die Küche, wo ich für Trish und mich eine Pizza in den Ofen schiebe. Wir ernähren uns alles andere als gesund, was man uns auf keinen Fall ansieht. Wir haben beide eine makellose Haut, weiches und glänzendes Haar und schlanke Körper. Wobei Trish eher sportlich schlank ist, denn sie mag es, sich im Fitnesscenter zu verausgaben. Während ich eher weiblich und weich bin, ich hasse Sport, außer ich darf gut gebauten MMA-Fightern im Ring zusehen. Ich öffne eine Flasche Weißwein und stelle sie im Wohnzimmer auf den Tisch.
»Ich bin da!«, ruft Trish aus dem Flur.
»Ruf Lola an, sie wartet schon«, rufe ich zurück und decke den Tisch fertig. Anschließend schalte ich den TV ein und spiele die Aufzeichnung von Royals TV von heute Nachmittag ab, die wir uns immer gemeinsam ansehen. In dieser Sendung erfährt man alles über den Adel von Großbritannien. Es gibt kaum einen Klatsch, den es nicht gibt. »Beeil dich, ich seh schon den Vorspann. O! Er hat es schon wieder getan«, erkläre ich aufgeregt.
»Was getan?«, will Trish wissen und kommt nur in Unterwäsche ins Wohnzimmer. Sie hält ihr Handy ans Ohr und verdreht die Augen. »Ja, Lola. Danke. Machen wir. Du auch.« Mit einem genervten Grinsen beendet sie das Gespräch und legt das Handy auf das Sofa. Als sie nah genug an mich herankommt, lege ich meine Hand auf ihre Kniekehle und streichle mit den Fingerspitzen ganz langsam ihren Oberschenkel bis zum Ansatz ihres Hinterns, und lasse dann meine flache Hand klatschend auf ihren Arsch sausen. Sie stößt einen leisen Fluch aus und springt ein Stück von mir weg.
Ich ziehe eine Augenbraue hoch und grinse sie zufrieden an. »Warst du wieder bei Mr Rochester? Dein Hintern ist jetzt noch ganz rot?«
Sie setzt sich neben mich auf das Sofa, zieht die blassrosa Decke von der Lehne, die wir uns vor dem Fernseher immer teilen, und deckt uns beide damit zu. »Meinst du ihn da?«, fragt sie mit einem zufriedenen Gurren, als das Gesicht von Colton Rochester in der TV-Show auftaucht.
»Ihn meine ich«, werfe ich grinsend ein und wackle mit den Augenbrauen. Seit ich mit Trish zusammenlebe und mit meinem Vater nicht mehr spreche, ist mein Leben so viel einfacher geworden. Ich und auch meine Therapeutin sind uns sicher, dass das daran liegt, dass ich nicht mehr das Gefühl habe, ihm beweisen zu müssen, dass ich es wert bin, dass meine Mutter wegen mir gestorben ist.
»Ja, da liegst du wohl richtig.« Trish stöhnt leise und bewegt sich unter der Decke. »Ich kann seine Hände noch immer spüren. Dieser Mann ist so heiß«, schwärmt sie. »Aber ich habe meine Prinzipien: Sex, Geld und Tschüß.« Diese Prinzipien vertreten wir beide. Ich bin mir nicht einmal sicher, ob ich überhaupt noch zu Liebe fähig bin, denn ich habe nach Timothys Tod nie wieder tiefe Gefühle für jemanden empfunden. Natürlich liebe ich Trish, aber nicht auf diese Art.
Ich beuge mich zum Tisch vor, reiche Trish ihr Essen und nehme mir auch einen Teller. Wir stoßen mit dem Wein an und verfolgen interessiert den Bericht über Rochester und seine Entourage. Er bezeichnet sie als seine Brüder, sie alle gehören zum wichtigen Adel, einer von ihnen, Damien Westhouse, hat eine Schwester, die mit dem Cousin der Prinzen verheiratet ist. Die 5 begehrtesten und skandalträchtigsten Junggesellen im Land. Entsprechend häufig bekommen wir sie in der Show zu sehen. Zwei von ihnen sind Stammkunden von mir, Rochester ist Trishs Stammkunde.
»Bist du dir sicher?«, frage ich Trish, als ich ihren glühenden Blick sehe. Sie sitzt neben mir und verschmilzt halb mit dem Mann, der eben zusammen mit einem seiner »Brüder« ein Interview gibt und die üblichen Fragen nach seinem Beziehungsstatus beantwortet.
»Ganz sicher«, sagt Trish. »Was nicht bedeutet, dass ich ihn nicht zum anbeißen finde. Aber was ich von ihm haben will, bekomme ich schon und werde sogar dafür bezahlt.« Wir stoßen unsere Gläser zusammen.
»Auf uns«, sage ich und gebe Trish in Gedanken recht. Lolas Agentur ist sehr exklusiv. All unsere Kunden sind wichtige und angesehene Persönlichkeiten. Einer meiner Kunden ist ein Rockstar, als Teenager habe ich seine Poster mit meinen Lippen malträtiert und niemals geglaubt, dass ich irgendwann meine Lippen um seinen Schwanz legen würde.
»O, schau mal, da ist Mark. Trägt er noch immer diese albernen Tangas?«, will sie lachend wissen.
In der Show verlässt Mark gerade seine Limousine vor einer der angesagten Bars in Glasgow. Er ignoriert die Kameras, streckt seine Hand in den Wagen und hilft seiner Frau beim aussteigen. »Ich wüsste gern, ob er dieses Rüssel-Tanga-Teil auch anzieht, wenn er mit seiner Frau ins Bett steigt«, überlege ich und stelle meinen leeren Teller zurück auf den Tisch.
Trish kichert und streckt die Beine aus. Sie legt ihre Füße auf meine Oberschenkel und ich schiebe sofort meine freie Hand unter die Decke und beginne, sie zu massieren. »Ich werd nie dein Gesicht vergessen, als wir beide im Hotelzimmer auf dem Bett saßen und er kam in diesem scheußlichen Ding aus dem Bad. Sein Rüssel war im Rüssel.«
Wir brechen in Gelächter aus. Diesen Anblick werde ich wohl auch nie wieder vergessen. »Immerhin hat sich der Rüssel vor unseren Augen aufgerichtet.«
»Immerhin«, fügt Trish an. »Was hältst du von der Sache mit der neuen Mitbewohnerin?«
Ich trinke mein Glas aus, nehme auch das von Trish und stelle beides auf den Tisch zurück. Sally war von Anfang an unsere Mitbewohnerin, wir sind Freundinnen. Ich bin mir nicht sicher, ob ich mich an eine neue Frau gewöhnen kann. Ich weiß nicht, wie ich es euch erklären soll, aber in mir schlagen zwei Herzen. Da ist das Callgirl, das für seine Kunden eine Rolle spielt. Dieser Teil von mir kann lustig und munter sein, kraftvoll und offen. Und da bin ich, die 24-jährige Amanda: nachdenklich, zurückhaltend, versperrt und oft düster und traurig. »Wir werden sehen. Wenn sie uns nicht gefällt, sagen wir Lola, sie kann uns mal«, schlage ich vor.
»Wenn sie gut aussieht, kann sie mich auf jeden Fall mal«, meint Trish grinsend und wackelt mit den Fußzehen. »Ich hatte schon eine Weile keine Frau mehr. Mir fehlt die Art, wie es Frauen mir mit der Zunge machen.«
»Willst du mir damit etwas sagen?«, frage ich sie und lecke mir über die Lippen. Unter der Decke schiebe ich meine Hand Trishs Oberschenkel nach oben, bis meine Fingerspitzen gegen den Stoff ihres Höschens stoßen. Ich grinse verführerisch und lache über meinen kleinen Spaß.
Trish spannt ihren Unterkörper an und drückt ihre Fersen stöhnend tiefer in mein Fleisch. »Möglich«, sagt sie heiser und bewegt sich fordernd gegen meine Finger. Sie schnurrt leise. »Sehr sogar.«
Jetzt ist es kein Spaß mehr, denn mein Unterleib zieht sich als Reaktion auf Trishs dunkle Stimme fordernd zusammen. Ich verziehe die Lippen zu einem trägen Lächeln und drücke meinen Daumen zwischen ihre Schamlippen, genau auf den Punkt, von dem sie sich wünscht, dass ich ihn mit meiner Zunge bearbeite. Durch den dünnen feuchten Stoff ihres Höschens reibe ich Trishs Klit, bis ihre Lippen sich leicht öffnen, ihre Augen sich schließen und ihr Unterleib rhythmisch zuckt. »Diese Stelle?«, frage ich sie und fühle heiße Erregung zwischen meinen Schenkeln. Es fühlt sich wie ein Echo von dem an, was ich mit ihr tue. »Das haben wir wirklich schon lange nicht mehr getan.«
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