Ich habe einen Laptop, einen Surfstick
In Küstennähe und in den Häfen funktioniert das Netz in der Regel gut. Zweimal am Tag wähle ich mich in die unsichtbare Welt hinterm Horizont hinein, lese und schreibe meine E-Mails. Zweimal am Tag eine Viertelstunde. Das reicht. Mehr nicht. Mehr macht mich blöd. Es raubt mir das Leben.
Mittags gehe ich schwimmen
Segele hierhin, dorthin, in die nächste Bucht, zum nächsten Hafen. Matjesbrötchen essen, mit einem Fischer quatschen. Doch siehe da: Es bleibt noch immer Zeit übrig! Denn wie viel Zeit stehlen einem die Büros, die Mails, die Stadt, die Smartphones, das Fernsehen, die ewigen Ablenkungen unserer bimmelnden Welt? Ich würde inzwischen schätzen, dass all das einem glatt die Hälfte eines jeden Tages stiehlt. Wenn man nicht aufpasst, die Hälfte eines ganzen Lebens.
Ich brauche wenig
Die Seesachen, zwei Paar Jeans, einige T-Shirts, drei dicke Pullis, zwei Paar Turnschuhe. Das genügt. Auch diese Reduktion schenkt einem Zeit - und vielleicht noch das eine oder andere. Nicht mehr das Streben nach Mehr, das Umgebensein von tausend Dingen, nicht mehr die gewohnten Reize diktieren die Tage. Alles wie weggewischt. Dem Wasserbewohner geht nach all den Monaten vielmehr eine ganz andere Betrachtungsweise durch den Kopf.
Wie lange kann man sich unserer gehetzten Gesellschaft entziehen - ohne etwas zu verpassen?
Schon die Frage ist falsch. Wie lange muss man sich von dieser gehetzten Gesellschaft bedröhnen lassen - um am Ende alles wirklich Wichtige verpasst zu haben? Diese Frage trifft es schon eher.
Ich liege gerade in einem kleinen Hafen an der deutschen Küste
Ich sehe einen Fischer, eine fette Möwe mit einem Hering im Schnabel, ein paar alte Dampfer und viele Masten. Vielleicht segele ich morgen zurück nach Dänemark, zu den Inseln. Ich muss niemanden fragen, auf niemanden warten. Muss keinen Koffer packen, an keiner Ampel stehen. Ich müsste nach getaner Arbeit nur die Leinen los machen, die Segel setzen und ein bisschen mit den Windgöttern plaudern.
Marc Bielefeld:
Wer Meer hat, braucht weniger
Über den Rückzug auf ein altes Segelboot.
Ludwig Verlag

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