Übrigens, jetzt befinden wir uns schon mitten im Thema. Denn mein Verhalten entspricht der Durchsetzungsstrategie „Bevorzugtes Verhalten nutzen“. In diesem Fall ist es das Verhalten meiner Frau. Sie hat eine Vorliebe, Haus- und Gartengeräte (z.B. Lichtschalter, Bügeleisen, PC, Rasenmäher) zu reparieren und sich dabei mit der technischen Logik auseinanderzusetzen. Es ist deshalb im Sinne der Strategie, die ich Ihnen später noch ausführlicher erklären werde, ein Leichtes für mich, sie davon zu überzeugen, dass (wieder einmal) irgendein Gerät zum Laufen gebracht werden müsse.
Aber ich erlebe auch häufig, dass der Handwerker, ein Fachmann auf seinem Gebiet, dann sagt: „Da kenn ich mich jetzt auch nicht mehr aus. Am besten Sie wenden sich an einen Spezialisten.“ Das ist nur zu verständlich. Jeder ist immer nur Fachmann auf einem begrenzten Gebiet, irgendwann hilft ihm sein technisches Grundverständnis dann auch nicht mehr weiter.
Bei uns drang bei starkem Regen Wasser durch das Dachfenster. Wir holten uns den Fensterbauer, der die porös gewordenen Dichtungen erneuerte. Es regnete weiter rein. Der dann beanspruchte Dachdecker stellte nur fest, dass das Regenwasser von weiter oben kam und unter den Dachziegeln bis zum Dachfenster runter lief und dort dann aus dem Gebälk runtertropfte. Aber die Ziegel waren alle in Ordnung. Erst der Flaschner stellte dann fest, dass starker Wind das Regenwasser oben am Schornstein immer hinter die Kaminverwahrung drückte. Er deckte die Stelle einfach mit einem Stück Blech ab und das Problem war gelöst.
In der Technik werden die einzelnen Disziplinen zwar immer perfekter, aber auch immer spezieller. Ein IT-Experte sagte mal zu mir, und das war schon vor Jahren: „Ich kenne eigentlich nur 5 Leute in Europa, mit denen ich mich über Fragen meines Fachgebiets unterhalten kann.“ Das war sicher übertrieben, aber es zeigt einen Trend auf, der schon seit Jahren zu spüren ist.
Während also unsere Fachleute auf ihrem Gebiet immer mehr wissen müssen und deshalb auch immer kundiger werden, ergreifen sie meist die Flucht, wenn es um ein „menschliches“ Problem geht. Psychologen-Kram, heißt es dann. Auch wenn sich jetzt in der nachrückenden Generation allmählich Gegentendenzen abzeichnen, ist die traditionelle Zurückhaltung immer noch stark vertreten.
Dabei ist diese Einstellung im Grunde nicht nachvollziehbar. Bei „menschlichen“ Problemen, meist sind damit zwischenmenschliche Schwierigkeiten gemeint, geht es letztlich immer um Beziehungen zwischen Menschen. Also geht es darum, Menschen zu verstehen, zum einen sich selbst und zum andern die Gegenseite. Wenn Sie ‚Menschen verstehen’ als Fachgebiet ansehen, werden Sie mir zustimmen: Im Gegensatz zur Welt der Technik haben wir es hier immer nur mit diesem einen Fachgebiet zu tun. Das ist schon mal eine große Erleichterung bei jeder Art von ‚Fehlersuche’. Ich weiß natürlich auch, dass sich hier viele verschiedene Disziplinen herausgebildet haben, die sich mit dem Menschen aus jeweils ganz unterschiedlichen Blickrichtungen beschäftigen. Aber ich meine hier mehr den Alltag, wo es immer wieder zu zwischenmenschlichen Problemen kommen kann, zu Missverständnissen, Auseinandersetzungen oder Konflikten. In all diesen Situationen hilft schon ein gewisses Grundverständnis vom Menschen. Ein solches Grundverständnis hat jeder von uns oder könnte es zumindest haben. Denn er bräuchte im Grunde nur auf sich zu schauen: auf seine Gedanken und Gefühle in kritischen Situationen, seine Werte, sein Anerkennungsbedürfnis, seine Ziele, einen bestimmten Nutzen zu erreichen, und auf sein Bestreben, gegenüber der Außenwelt ein wertvoller Mensch zu sein, ein Mensch mit bestimmten vorteilhaften Eigenschaften.
Wenn er das alles versteht, weil er es bei sich selber immer wieder erlebt, dann versteht er großenteils auch seine Mitmenschen und kann sie richtig einschätzen. Denn bei aller Unterschiedlichkeit, vor allem im Äußeren, im Grundsätzlichen gleicht ein Mensch dem anderen in hohem Maß. Ich schätze, das sind zwischen 50% und 70%.
Im Gegensatz zu „technischen“ Problemen kann ich einen Großteil „menschlicher“ Probleme lösen, ohne Fachmann sein zu müssen, einfach mit dem sog. gesunden Menschenverstand. Und ich habe mich selbst, um mir immer mehr Wissen über den Menschen anzueignen. Und schließlich kann ich davon ausgehen, dass dieses Fachgebiet nicht immer höhere Anforderungen an mich stellen wird, denn der Mensch ändert sich im Wesentlichen nicht. Wegen dieser Vorteile fällt es mir viel leichter, eine Lösung für ein „menschliches“ Problem zu suchen und auch zu finden als für ein „technisches“ Problem. In dem einen Fall habe ich eine echte Chance, in dem anderen brauche ich es erst gar nicht zu versuchen.
Bleibt jetzt nur noch die Frage: Wozu habe ich diese Einleitung geschrieben? Die Antwort ist einfach: In diesem Buch geht es um Menschen und darum, wie ich mich gegenüber meinen Mitmenschen erfolgreich durchsetze. Sie werden also „menschliche“, nicht „technische“ Probleme kennen lernen. Und Sie werden wider Erwarten schnell erkennen, wie einfach es ist, solche Probleme zu lösen. Das Besondere: Die Technik kann Ihnen nicht ‚danke’ sagen, aber die Menschen.
Ich möchte Sie deshalb ermuntern: Gehen Sie mit dieser für Sie vielleicht neuen Sichtweise daran, dieses Buch zu lesen, und freuen Sie sich schon jetzt über die neuen Erkenntnisse, die sich bei Ihnen einstellen werden, und, damit verbunden, über Ihren neuen Mut und ihre Zuversicht, sich zwischenmenschlichen Schwierigkeiten zu stellen und akzeptable Lösungen für sie zu entwickeln.
Dieses Buch ist keine Autobiografie. Trotzdem könnte es für Sie wichtig sein, einige Dinge über meine Person zu wissen.
Zunächst: Ich habe ein wirtschaftswissenschaftliches Studium abgeschlossen und keinen Tag in meinem beruflichen Leben das dadurch erworbene Wissen praktiziert. In meiner mehr als zwanzigjährigen Manager-Praxis habe ich mich nur auf meinen gesunden Menschenverstand verlassen und dann natürlich zunehmend auf meine Erfahrung.
Zweitens, ich mag Menschen und weniger irgendeine Technik. Menschen sind so herrlich unvollkommen, sie haben ihre Träume und können sich so wunderbar einsetzen, wenn sie von irgendeinem Vorhaben begeistert sind. Die gleichen Symptome erlebe ich auch bei mir. Im Gedankenaustausch mit anderen und in der Zusammenarbeit mit ihnen kommt mir deshalb alles immer sehr vertraut vor. Es ist schön, mit Menschen unterschiedlichster Art zusammen zu kommen, denn nur dann erlebe ich die verschiedenen Reaktionen der anderen; d.h. ich begegne nicht nur immer meiner eigenen Spur; und das ist sehr anregend und inspirierend.
Drittens, ich bin ein unverbesserlicher Optimist und neugierig ohne Ende. Beides zusammen ist die beste Garantie dafür, dass ich in Abständen regelmäßig zu hohe Risiken eingehe und dann auf die Schnauze falle; und so ist es dann auch in meinem Leben passiert. Als Optimist stehe ich dann immer wieder auf, klopfe mir den Schmutz von der Kleidung und schaffe dadurch die Voraussetzung, bei nächster Gelegenheit wieder in den Dreck zu fallen.
Und schließlich, ich bin ein Spätentwickler, und das koste ich jetzt richtig aus. Der Manager-Beruf liegt bereits hinter mir, die Kinder sind inzwischen erwachsen, haben ihre eigene Familie gegründet und leben zwar auch in Deutschland, aber irgendwo ganz woanders. In diesem Alter pflegt man seinen inneren Frieden zu finden. Bei mir spielt sich das Gegenteil ab: Ich habe das spannende Gefühl, es geht jetzt erst richtig los und alles muss sich und wird sich verändern.
Warum erzähle ich Ihnen das? Weil alle vier Aspekte mich letztlich dazu „gezwungen“ haben, die in diesem Buch zusammen getragenen Erfahrungen zu machen. Weil ich mir bewusst geworden bin, über welchen Schatz an Erfahrungen ich verfüge. Einen Schatz, für den ich, um ihn zusammen zu tragen, ein halbes Leben gebraucht habe. Und weil mir zugleich klar geworden ist, dass Ihnen, lieber Leser und liebe Leserin, mit der Lektüre dieses Buches dieser Schatz in einem viel früheren Alter zur Verfügung steht, als das bei mir der Fall war. Welch eine Chance für Sie: Vergleichsweise jung und energiegeladen, besitzen Sie bereits jetzt dann den vollen Durchblick und können aus einem Wissen heraus handeln, das ich mir erst in all den Jahren angeeignet habe.
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