In den zurückliegenden Monaten hatte ich ja selbst erlebt, gesehen und gespürt, dass mich die Ereignisse in meiner Praxis immer mehr zu Gott hinführten, die Praxisarbeit dabei viel leichter und effektiver wurde, und sich die Menschen zum Schluss sogar selbst helfen konnten.
Je mehr ich mich auf Gott eingelassen hatte, umso mehr hatte ich mich von den Methoden und Techniken der Geistheilung entfernt. Im Umkehrschluss musste das aber bedeuten, dass ich mich wieder von Gott entfernen würde, wenn ich mich erneut auf die Methoden und Techniken der Geistheilung und die Produkte der „geistigen Welt“ einlassen würde. Und das schien sich nicht nur auf die Dinge zu beziehen, die ich selbst gelernt und angewandt hatte.
Also trennte ich mich energetisch von allen Einweihungen, Bindungen an Heilenergien, Lehrern und Meistern, vernichtete alle Unterlagen und Urkunden und war wieder vollkommen frei davon.
Da ich auf keine herkömmliche Heilmethode mehr angewiesen war, waren plötzlich auch alle herkömmlichen Hilfsmittel wie ein Behandlungszimmer oder die Behandlungsliegen überflüssig geworden. Für mich war jetzt alles stimmig.
Somit kündigte ich den Mietvertrag für meine Praxis und löste sie auf.
Die Reaktionen von Ex-Kollegen
Die Menschen, denen ich bisher in der Heilerszene begegnete, waren stets um ein freundliches, liebevolles und harmonisches Miteinander bemüht. In der Heilerszene darf jeder so sein, wie er will und jeder soll sogar seinen eigenen Weg in seiner eigenen Geschwindigkeit gehen. Alles hat seine Zeit und jeder hat seinen freien Willen, der von allen anderen respektiert wird. Niemand wird bewertet oder beurteilt. Alles ist in „Licht und Liebe“ gehüllt und überall herrscht pure Harmonie. Soweit die Theorie.
Als Ex-Kollegen von mir erfuhren, dass ich zunächst einige Dinge kostenlos anbot, bekam ich unter anderem Folgendes zu hören:
„Du verlierst Deine Talente, wenn Du kostenlos arbeitest.“
„Alles grobe Fehler!“
„Du verstößt gegen die geistigen Gesetze.“
(Auf die „geistigen Gesetze“ komme ich im nächsten Kapitel noch zu sprechen.)
Bestimmt waren das aber nur liebgemeinte Hinweise.
Aber selbst wenn es Versuche waren, mich wieder auf Kurs zu bringen, hätte ich das aus ihrer Sicht sogar verstehen können. Schließlich machte ich ihnen die Preise kaputt. Mir war schon klar, dass sie davon nicht begeistert sein würden und dementsprechend nahm ich die obigen Aussagen mit einer gewissen Gelassenheit hin.
Als jedoch bekannt wurde, dass ich mich komplett von allen energetischen Heilmethoden getrennt hatte und auch kein Reiki mehr praktizierte, bekam ich vieles zu hören, was ich absolut nicht erwartet hatte. Sehr bemerkenswert fand ich u.a. die folgenden Sätze:
„Deinen Weg gibt es nicht!“
„Hast du dich von Reiki abgewendet, dann hast du dich von Gott abgewendet!“
„Wenn du Reiki einmal mit dem Herzen gelehrt hättest, würdest du nicht durch Ablehnung sündigen!“
Vorher war bei Reiki immer nur von einer „universellen Lebensenergie“ die Rede. Doch nun wurde Reiki mit Gott gleichgesetzt.
Und dann noch die Aussage mit dem Sündigen. Hat nicht die Kirche ein Patent auf diesen Begriff? Im Zusammenhang mit der Heilerszene hörte ich „Sünde“ zum ersten Mal.
Jetzt wurde ich erst richtig neugierig und hinterfragte sehr viele Dinge meiner damaligen Heilerausbildung.
Auf der einen Seite ärgerte ich mich eine Zeit lang über mich selbst, weil ich die offensichtlichsten Zusammenhänge nicht erkannt oder beiseitegeschoben hatte.
Auf der anderen Seite bereute ich weder meine Heilerausbildung noch meine Zeit als Geistheiler. Denn dadurch bin ich ja erst auf den direkten Weg zu Gott aufmerksam geworden.
Vielleicht musste ich all diese Erfahrungen machen, um zu erkennen, wo der Weg der Geistheilung und der „geistigen Welt“ hinführt und wovon er wegführt. Nur so konnte ich mir ein eigenes Bild aufgrund eigener Erfahrungen machen.
2. Geistheilung und Esoterik
Bereits während meiner zuvor geschilderten Erfahrungen als Geistheiler ahnte ich, dass Gott mit den Methoden und Techniken der Heilerszene sowie den Produkten der „geistigen Welt“, bei denen mit angeblich göttlichen Energien ein kommerzieller Handel betrieben wird, nicht allzu viele Berührungspunkte haben kann.
Energiearbeitern gegenüber brauche ich nicht mit vielen Worten zu argumentieren. Allein in dem ersten Kapitel dieses Buches sind genügend Anregungen, Beispiele und Experimente aufgeführt, die sie ohne weiteres selbst nachmachen können.
Sie haben jederzeit die Möglichkeit, sich von der Richtigkeit der Aussagen persönlich zu überzeugen. Aus diesem Grunde verzichte ich darauf, ausführlich auf jede einzelne der zahlreichen Widersprüche und Gefahren der Geistheilung einzugehen, die mir im Nachhinein bewusst geworden sind.
Die folgenden Aspekte habe ich so formuliert, dass sie auch für Menschen verständlich sind, die bisher kaum oder gar keine Berührungspunkte mit der Heilerszene hatten.
Heilerschulen und Energiearbeiter tragen viele Informationen aus den unterschiedlichen „heiligen Schriften“, Religionen und Glaubensmodellen zusammen. Sie schaffen sich eine schöne neue Welt mit einem bunten Multikulti-Gott, in der alle Religionen in Frieden und Harmonie nebeneinander existieren.
In den Schulungs- und Einweihungsräumen finden sich häufig Abbildungen von Jesus, daneben Buddha-Figuren, teilweise lebensgroße goldene Statuen, „heilige Symbole“ aus verschiedenen Götterkulten und auf einem weiteren Altar stehen Räucherstäbchen vor einem Gott des Hinduismus usw.
Damit dieses harmonische und liebevolle Bild der „geistigen Welt“ ja nicht getrübt wird, greift man jedoch nur auf die Inhalte der verschiedenen Religionen zurück, welche in das eigene Konzept passen, dienlich und genehm sind. Aber was ist mit all den anderen elementaren Inhalten derselben Quellen, welche gegen die Praktiken und Theorien der Heilerschulen und Energiearbeiter sprechen?
Diese, für die „geistige Welt“ störenden und unangenehmen Inhalte, werden aus Unwissenheit oder mit Absicht verschwiegen und unter den Teppich gekehrt. Doch in der realen Welt bekämpfen und töten sich die Menschen gerade wegen ihrer unterschiedlichen Glaubensvorstellungen und Religionen – leider.
Während meiner Zeit als Geistheiler war ich Mitglied in der katholischen Kirche. Ernsthafte Gedanken darüber, ob und wie sich ein christlicher Glaube mit den von mir damals praktizierten Geistheilermethoden vereinbaren ließ, hatte ich mir erst gemacht, nachdem ich mich von der Geistheilung getrennt hatte.
Ich habe erkannt, dass sich sehr viele Methoden, Techniken, Rituale, Regeln und Ansichten der Heilerszene mit einem christlichen Glauben nichtvereinbaren lassen!
Die Weitergabe von uraltem geheimen Wissen
Viele Heilmethoden, Symbole und Praktiken aus der Heilerszene und der „geistigen Welt“ sollen auf uraltem und geheimem Wissen beruhen. Dieses Wissen muss so alt, geheim und wertvoll sein, dass es nur ganz „besonderen, auserwählten Menschen“ wieder zugänglich gemacht wird. Bemerkenswert finde ich dabei, wenn dieses uralte und geheime Wissen dann mit einem Copyright versehen wird und anschließend in Kursen und Seminaren gegen viel Geld verraten wird. Und damit die Einnahmen auch in Zukunft gesichert bleiben (weil geheim ist es ja dann nicht mehr), wird den Käufern – also den Kursteilnehmern – nicht selten das Folgende gleich mit mitgegeben:
„Wenn Du Deine Dienstleistungen mit dem geheimen Wissen kostenlos anbietest, dann funktioniert es bei Dir nicht mehr und Du verlierst Deine Fähigkeiten. Gleiches passiert, wenn Du das Wissen ohne Erlaubnis weitergibst oder verrätst. Diese Erlaubnis kannst Du aber selbstverständlich in einem weiteren Kurs gegen Geld erwerben und lizenzieren lassen.“
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