„Wenn das so ist, ins PKH – West. Ich melde euch an.“
„Ok. Bis dann.“
Polizeiobermeister Herbert Brunner hatte nicht alles verstanden und fragte nach.
„Für unseren Bericht … wohin bringt ihr ihn?“
„Ins Psychiatrische Krankenhaus West.“
„Ok. Tschüs dann.“
Herbert Brunner ging zu seinem Dienstfahrzeug, setzte sich hinter das Lenkrad und wartete, bis sein Partner ebenfalls eingestiegen war.
„Na, das hat sich ja noch in Grenzen gehalten. Ist ja beinahe doch noch ein pünktlicher Feierabend.“
„Was meinst du? Soll ich nun Brötchen für ein Frühstück mitbringen oder nicht?“
„Das kommt darauf an!“
„Worauf?“
„Na, ob du Hunger hast oder nicht!“
„Blödmann! Von dir kann man auch keine vernünftige Antwort erwarten.“
„Kannst du schon!“
„Ach nee. Schieß los!“
„Na wenn du deine Frau bum … also … wenn du es mit deiner Frau machen willst, warum willst du sie erst aufwecken und an den Frühstückstisch zerren? Also, ich würde mich einfach zu ihr ins Bett legen und dann …“
„Du willst dich zu meiner Frau ins Bett legen?“
„Nee, das war doch nur an deiner Stelle gesprochen!“
„Komm, lenk nicht ab! Ich habe immer schon vermutet, dass du etwas für sie übrig hast.“
„Jetzt spinnst du aber wirklich! Ist überhaupt nicht mein Typ!“
„Wie jetzt? Du findest meine Alte nicht attraktiv?“
„Das habe ich nicht gesagt. Ich habe gesagt, dass sie nicht meinem Typ entspricht!“
„Ich hole jetzt Brötchen.“
„Mach das. Mann oh mann! Du kannst einen aber schnell ins Schwitzen bringen.“
„Ja, an mir ist eben ein Psychologe verloren gegangen. Auf jeden Fall weiß ich jetzt, dass du auf meine Frau stehst!“
Sichtlich zufrieden mit sich und damit, dass er seinen Kollegen ins Schwitzen gebracht hatte, grinste Hans Bertram.
Die andere Hälfte des H und H Teams, Herbert Brunner, murmelte noch ein unverständliches „Arschloch!“ und sah dann dem baldigen Feierabend entgegen.
So fuhren sie zur Dienststelle zurück.
Was mit dem alten Mann geschah, interessierte sie bald nicht mehr.
2. Kleiner Lockvogel Terry .
Er wollte nun endlich zur Tat schreiten. Er wollte das kleine Mädchen entführen. Er wollte sich an ihr vergehen und seine sexuellen Ausschweifungen, die bis jetzt nur in seinem Kopfe vorhanden waren, ausleben. Er hatte erhöhte Temperatur, einen roten Kopf und er schwitzte an den Händen und unter den Achseln zeichneten sich große, feuchte Stellen auf dem Hemd ab. Er zitterte am ganzen Körper bei dem Gedanken, dass es heute so weit kommen würde.
Er war von sich überzeugt, dass er kein schlechter Mensch war. Aber mit Frauen konnte er nicht viel anfangen. Sie hatten alle ihren eigenen Kopf und konnten ihm jederzeit widersprechen. Ein kleines Mädchen aber, dem konnte er seine Überlegenheit zeigen. Und überhaupt, es hatte ihm noch keiner widerlegen können, dass kleine Mädchen nicht auch Spaß an Sexspielchen haben könnten. „Die wollen es doch bestimmt auch!“, sagte ihm etwas im Kopf.
Seit Wochen hatte er den Tagesablauf der kleinen Familie studiert und die Eltern von Svenja Martin beobachtet.
Svenja ging in die zweite Klasse. Sie wurde spät eingeschult und war mit ihren acht Jahren eine der ältesten Schülerinnen in ihrer Klasse. Sie passte genau in sein Beuteschema. Ein kleines, aufgeschlossenes und neugieriges Mädchen mit langen Zöpfen und einem kurzen Kleidchen.
Svenja wohnte mit ihren Eltern nicht weit von seinem Arbeitsplatz entfernt, der Klinik für psychisch kranke Menschen. So fiel es nicht auf, wenn er mal für kurze Zeit weg war. Er verfolgte den Tagesablauf von Christian Martin und seiner Frau Marga genau. Christian fuhr jeden Morgen um 7:00 Uhr in der Früh aus dem Haus und traf wenig später in seiner Dienststelle bei der örtlichen Berufsfeuerwehr ein. Marga räumte dann die Küche und das Wohnzimmer auf, schmierte zwei Brote mit Wurst und Käse und füllte in die Trinkflasche ihrer Tochter ungesüßten Tee ein. Dann verließen beide die Dreizimmerwohnung und Marga brachte ihre Tochter zur Schule. Das kurze Stück legten sie zu Fuß zurück. Sie brauchten nicht länger als 15 Minuten bis zur Schule. Es gab nach Margas Meinung bessere Schulen, da hier der Anteil der Schüler mit Migrationshintergrund sehr hoch war und alles ständig wiederholt werden musste. Demzufolge hinkten die Schüler dem Lehrstoff hinterher. Aber die Nähe zur Wohnung war ein nicht zu schlagendes Argument, sich für diese Schule zu entscheiden. So brauchten sie nur ein Auto zu unterhalten. Ein zweites hätten sie sich ohnehin nicht leisten können, da Marga nun schon zu lange aus ihrem Beruf heraus war und trotz vieler Bewerbungsschreiben keine Stelle fand.
Nachdem sie sich am Schulhof verabschiedet hatten, wollte Marga ein paar Einkäufe erledigen und war anschließend bei einer Freundin zum Brunch eingeladen.
Sie waren an diesem Morgen recht früh und Svenja wartete, bis ihre Mutter um die Ecke gebogen war. Sie winkte ihr noch hinterher, drehte sich um und hielt Ausschau nach ihren Freundinnen. Doch es war noch keine der Mitschülerinnen zu sehen.
So wollte sie die Stufen empor zum Eingang des Gebäudes gehen, als sie an der Ecke zum anschließenden kleinen Park, der die Verbindung zum Schulsportplatz bildete, ein Geräusch vernahm.
Neugierig geworden ging sie um die Ecke. Als sie an dem Turnhallengebäude vorbeiging, sah sie ihn.
Der Mann hielt eine Hundeleine in der Hand und rief nach seinem Hund.
Dass der Ruf „Terry“ nur leise aus seinem Mund kam, bemerkte das Mädchen nicht. Es war arglos. Es fühlte sich hier auf dem Schulgelände sicher und die Warnung, die sie von Mama und Papa bekommen hatte, auf keinen Fall mit fremden Personen zu reden, war wie weggeblasen.
Der Mann sprach sie auch gar nicht an. Er blickte in eine andere Richtung und suchte nur in gebückter Haltung nach seinem Hund.
„Terry, Terry! Wo bist du?“
In Svenja erwachte sofort der Wille, helfen zu wollen. Sie sprach ihn an.
„Ist es ein großer Hund?“
Der Mann drehte sich nun zu ihr um.
„Ah, hallo. Hab dich gar nicht kommen hören. Nein. Ein kleiner Terrier. Weiß und sehr süß. Willst du mir suchen helfen?“
Svenja überlegte kurz. Sie musste bald in ihre Klasse, aber dies war wohl ein Notfall, zumal der Mann ein sehr trauriges Gesicht machte. Ihre Hilfsbereitschaft siegte und sie ging mit ihm in Richtung Sportplatz.
Als sie wenige Schritte gegangen waren, schaute sich der Mann nach allen Seiten um. Kurz vor dem Zaun, der den Sportplatz, auf dem sich zu solch früher Stunde keine Menschenseele befand, erreicht hatten , schaute er zu seinem Wagen, den er am Straßenrand abgestellt hatte.
„Ich glaube, er sitzt unter dem Auto.“
So gingen sie auf das Fahrzeug zu. Als Svenja unter das Fahrzeug schaute, aber keinen Hund sehen konnte, wollte sie sich wieder erheben und mit den Schultern zucken. Doch dann ging alles sehr schnell.
Der Mann packte Svenja mit dem rechten Arm um den Bauch, hob sie hoch und hielt ihr mit der linken Hand den Mund zu. Sie erkannte gerade die Gefahr und wollte schreien, was ihr aber nicht mehr gelang.
Die Schiebetür des schwarzen Van öffnete sich wie von Geisterhand durch die elektrische Fernbedienung und der Mann stieg mit seinem Opfer ein.
Er hatte einen Streifen Klebeband an die verdunkelten Scheiben geklebt, riss diesen nun ab und klebte dem Mädchen den Mund damit zu.
Mit einer Hand hielt er ihre Hände auf dem Rücken fest, mit der anderen Hand schlang er um ihre Handgelenke einen langen Streifen Klebeband. Dann entnahm er einer schwarzen Ledertasche eine Einmalspritze, die mit einer gelblichen Flüssigkeit gefüllt war.
Sein Puls raste, obwohl er nach außen ruhig wirkte und seine Hände nicht zitterten.
Читать дальше